Die vorliegende Arbeit hat die literarische Rezeption der Päpstin Johanna zum Thema. Es soll nicht um die Frage, ob jemals ein weiblicher Papst existierte gehen, denn dies ist bereits vielfach diskutiert worden. Eine endgültige Antwort auf diese Frage wird es wohl niemals geben. Selbst Donna Woolfolk Cross, Autorin des Romans "Pope Joan", schreibt dies in einem Nachwort zu ihrem Werk. In dieser Studie soll vielmehr untersucht werden, wie sich die genannte Figur von einem
„abschreckenden Beispiel“ für die angebliche Vermessenheit einer Frau zu einem Thema der weltlichen Literatur entwickelt hat.
Bevor ich jedoch auf die literarischen Werke des Mittelalters zu sprechen komme, werde ich den historischen Hintergrund beleuchten, vor dem die Geschichte der Päpstin entstanden ist. Ich werde erläutern, welche Möglichkeiten es im Mittelalter gab, sich zu bilden, und innerhalb der Gesellschaft aufzusteigen und wer davon jeweils Gebrauch machen konnte. Gerade für Frauen waren derartige Optionen wesentlich stärker eingeschränkt, als das bei deren männlichen Zeitgenossen der Fall war. Konnten Frauen in der weltlichen Hierarchie durchaus zu einem gewissen Ansehen gelangen, so blieb ihnen eine Laufbahn innerhalb der Kirche doch versperrt. Vor diesem Hintergrund soll die Entwicklung der literarischen Rezeption der Päpstin nachgezeichnet werden. (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der historische Hintergrund
3. Die ersten Erwähnungen der Päpstin-Geschichte
4. Die moderne Rezeption der Päpstin
5. Das Mittelalter und die Neuzeit
6. Schluss
7. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Rezeption der Päpstin Johanna, wobei der Fokus auf der Entwicklung der Figur von einem mittelalterlichen Mahnmal für angebliche weibliche Vermessenheit hin zu einem modernen Symbol innerhalb der kirchlichen Debatte liegt.
- Analyse des historischen Hintergrunds weiblicher Bildungs- und Aufstiegschancen im Mittelalter.
- Untersuchung der Erzähltradition und der frühesten literarischen Quellen zur Päpstin.
- Kontrastierung mittelalterlicher Darstellungen mit modernen Adaptionen, insbesondere Donna Woolfolk Cross' Roman "Pope Joan".
- Diskussion der Symbolik der Päpstin im Kontext zeitgenössischer Forderungen nach Reformen in der katholischen Kirche.
Auszug aus dem Buch
Die moderne Rezeption der Päpstin
War sie im Mittelalter vor allem ein mahnendes Beispiel für die Vermessenheit einer Frau, so ist die Päpstin in der Neuzeit, wenn schon nicht zu einem wissenschaftlich haltbaren Argument dafür, dass eine Frau es bis auf den Stuhl des Heiligen Petrus geschafft habe, so doch zumindest zu einem Symbol für diejenigen geworden, die hoffen, dass sich in Zukunft innerhalb der katholischen Kirche gewisse Dinge ändern mögen. Zwar sind zur heutigen Zeit selbst in kirchlichen Angelegenheiten weniger konservativ gesinnte Frauen der Meinung, dass nicht endgültig festgestellt werden könne, ob es jemals innerhalb der katholischen Kirche eine Päpstin gab, oder nicht. Gössmann etwa schreibt in der Einleitung zu ihrer Studie zu diesem Thema: Um es kurz und bündig vorweg zu sagen: Alle Autoren, die überzeugt sind, erwiesen zu haben, daß eine Päpstin historisch nicht existiert hat, können nur von einem hohen Wahrscheinlichkeitsgrad dieser Nicht-Existenz sprechen. Aber auch denjenigen, die ein wie auch immer beschaffenes historisches Faktum hinter der legendär verfremdeten Erzählung von der Päpstin vermuten, geht es nicht anders.
Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Figur der Päpstin auch heute noch einen gewissen symbolischen Wert besitzt. Im Rahmen eines Interviews zu ihrer Studie zur Päpstin-Geschichte auf die Möglichkeiten von Frauen, innerhalb der Kirche aufzusteigen, angesprochen, antwortet Gössmann etwa: In Papst Benedikt XVI., meinen früheren Studienkollegen, setze ich große Hoffnungen. […] Ich habe erlebt, wie offen der junge Joseph Ratzinger gegenüber Frauen war. Er sollte auch heute keine Bedenken haben, dass Frauen ein kirchliches Amt übernehmen. Das Diakonat wäre ein Anfang.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die literarische Rezeption der Päpstin Johanna ein, wobei die Forschungsfrage auf die Entwicklung des Frauenbildes und der literarischen Darstellung abhebt.
2. Der historische Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Frauen im Mittelalter sowie die eingeschränkten Möglichkeiten zu Bildung und sozialem Aufstieg.
3. Die ersten Erwähnungen der Päpstin-Geschichte: Hier wird die mittelalterliche Erzähltradition analysiert, insbesondere die Texte von Jean de Mailly, Etienne de Bourbon und Martin von Troppau.
4. Die moderne Rezeption der Päpstin: Dieser Abschnitt untersucht, wie die Figur in zeitgenössischer Literatur, insbesondere bei Donna Woolfolk Cross, als Symbol für moderne kirchliche Reformbestrebungen dient.
5. Das Mittelalter und die Neuzeit: Dieses Kapitel vergleicht die Motive der mittelalterlichen Autoren mit den Intentionen moderner Adaptionen und stellt die jeweiligen Unterschiede heraus.
6. Schluss: Der Abschluss resümiert die andauernde Anziehungskraft und Symbolik der Päpstin-Figur, ungeachtet ihrer historischen Nicht-Existenz.
7. Quellen: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Päpstin Johanna, Mittelalter, Literaturgeschichte, Frauenrolle, Katholische Kirche, Priestertum, Frauenordination, Rezeption, Legendenbildung, Martin von Troppau, Elisabeth Gössmann, Donna Woolfolk Cross, Kirchengeschichte, Geschlechterrollen, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung der Päpstin Johanna vom Mittelalter bis zur Gegenwart und hinterfragt, welche Funktionen diese Erzählung für das jeweilige Frauenbild erfüllte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem mittelalterlichen Frauenbild, der kirchengeschichtlichen Erzähltradition der Päpstin-Legende und der modernen Transformation dieser Figur in zeitgenössischer Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie sich die Rezeption der Päpstin von einem negativen Exempel für "Vermessenheit" zu einem positiven Symbol für kirchliche Reformen gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse von Quellen aus dem Mittelalter und modernen literarischen Texten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Lebensbedingungen für Frauen im Mittelalter, eine Untersuchung der mittelalterlichen Quellen zur Päpstin und einen Vergleich mit modernen Romanen wie dem von Donna Woolfolk Cross.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Päpstin Johanna, Frauenrolle im Mittelalter, kirchliche Hierarchie, Frauenordination und literarische Rezeption.
Wie unterscheiden sich die mittelalterlichen Versionen der Legende in der Darstellung der Päpstin?
Während einige Texte die Päpstin als bloßes negatives Beispiel für weibliche Anmaßung verurteilen, weisen andere, wie die von Jans von Wien, eine nuanciertere Darstellung auf, wenngleich alle die historische Unmöglichkeit eines weiblichen Papstes betonen.
Welche Bedeutung kommt der Figur in der modernen Rezeption zu?
In der modernen Rezeption dient die Päpstin vor allem als Projektionsfläche für Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche, insbesondere in Bezug auf die Zulassung von Frauen zum Priesteramt.
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- Christoph Ewen (Author), 2014, Die Päpstin Johanna in der Literatur des Mittelalters und der Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287001