Mit Sicherheit kann man sagen, dass die "Politeia" Platons zu den bekanntesten Werken nicht nur der Philosophie, sondern auch der Weltliteratur gehört. Auch wenn Platon nur die "Politeia" geschrieben oder von seinem Gesamtwerk nur sie hinterlassen hätte, wäre er vermutlich trotzdem zu einem Klassiker fast aller philosophischen Disziplinen geworden.
Denn seine Staatslehre ist als das Zentrum der Platonischen Philosophie zu verstehen. Man hat sogar die Formulierung gewagt, es gehe Platon um den Staat und nur um den Staat, und Philosoph sei er eigentlich nur wider Willen gewesen. Vor allem im angelsächsischen Denken wird die Bedeutung Platons von seiner Staatslehre hergeleitet. Ein solcher Ansatz kann die besten Gründe vorbringen; denn auf den Staat beziehen sich die zehn Bücher der "Politeia" und die "Nomoi", also die beiden umfangreichsten Werke Platons. Dabei gibt die "Politeia" das vollkommene, ideale Bild des Staates, während die "Nomoi" in erster Linie auf seine realen Möglichkeiten bezogen sind. Beiden Werken gemeinsam ist die darin entwickelte philosophische Konzeption des Staates.
Inhaltsverzeichnis
1. Eine allgemeine Einführung in Platons Politeia, sowie eine vorsichtige Annäherung an den Philosophen Platon
2. Das Leben Platons und eine Einschätzung seiner Person
3. Was zeichnet einen platonischen Dialog aus? Eine Vorbemerkung zum Dialog als Ganzes
4. Der Aufbau der Politeia
5. Politische Philosophie bei Platon und konkret in seiner Politeia
6. Derzeitige Tendenzen in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Platon
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, eine grundlegende Einführung in Platons komplexes Werk „Politeia“ zu geben, die zentralen Merkmale und den Aufbau der Schrift herauszuarbeiten sowie wissenschaftliche Fragestellungen und aktuelle Tendenzen in der Platon-Forschung zu erörtern.
- Biografische Hintergründe und Person Platons
- Die literarische Form des platonischen Dialogs
- Struktureller Aufbau und Symmetrie der Politeia
- Die politische Philosophie und das Modell der idealen Polis
- Aktuelle Forschungstendenzen in der Philosophiegeschichte
Auszug aus dem Buch
Was zeichnet einen platonischen Dialog aus? Eine Vorbemerkung zum Dialog als Ganzes
Wer sich mit der Politeia Platons auseinandersetzt, muss sich zwangsläufig auch mit dem Thema des Dialogs auseinandersetzen. Denn es war Platon, der die literarische Gattung des Dialoges, wenn zwar auch nicht erfunden, so aber doch etabliert und weltgeschichtlich unsterblich gemacht hat. In den Dialogen Platons begegnet uns Philosophie zum ersten Mal in der ganzen Breite ihrer Fragestellungen, und auch zum ersten Mal spezifisch unter dem Namen „Philosophie“. Der Reichtum seiner Themen, und insbesondere auch die differenzierte und variable Art, in der sie in den Dialogen behandelt werden, macht es schwer, auf kurzem Raum eine doxographische Zusammenfassung zu geben.
Die Politeia besteht aus zwei nach Gesprächsklima und Argumentationsweise völlig verschiedenen Dialogen. Sokrates führt zuerst, in Buch I, ein Streitgespräch mit dem Sophisten Thrasymachos, das in der Aporie endet, dann ein konstruktives Gespräch in freundschaftlicher Atmosphäre mit Glaukon und Adeimantos, den Brüdern Platons, in den Büchern II-X. Zusammengehalten werden die beiden Teile einmal durch die Figur des Sokrates, der in beiden Gesprächen die Führung hat. Beide Gespräche finden am selben Tag im Haus des Polemarchos in der Hafenstadt Piräus statt.
Drei Gruppen von Personen werden erkennbar: Zu Thrasymachos, einem Mann von schlechten Manieren und roher Gesinnung, gehören Charmantides und Kleitophon, von denen nur letzterer einmal kurz zu Wort kommt „Εάν σύ γ', ἔφη, αὐτῷ μαρτυρήσῃς, ὁ Κλειτοφῶν ὑπολαβών.“ (340 a). Zum Hausherrn Polemarchos und seinem Vater Kephalos, die in den ersten zwei Gesprächsrunden Partner des Sokrates sind, gehören als Zuhörer ohne eigene Sprechrolle Polemarchos Brüder Lysias und Euthydemos sowie einige weitere Personen. Zu Sokrates gehört von Anfang an Glaukon, dann auch, ab Buch II, sein Bruder Adeimantos. Nur diese drei hören wir noch sprechen im längeren zweiten Gespräch, obwohl Thrasymachos, Polemarchos und die Anderen noch als anwesend gedacht sind. Der einzige Gesprächspartner, der sich in allen Büchern am Gespräch mit Sokrates beteiligt ist Glaukon. Die ihm zugewiesenen Partien sind nicht nur die umfangreichsten, sondern auch die philosophisch gewichtigsten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine allgemeine Einführung in Platons Politeia, sowie eine vorsichtige Annäherung an den Philosophen Platon: Diese Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung der Politeia als zentrales Werk der Philosophie und ordnet Platons Schaffen in die europäische Geistesgeschichte ein.
2. Das Leben Platons und eine Einschätzung seiner Person: Dieses Kapitel fasst die biographischen Daten und die unterschiedliche Rezeption von Platons Persönlichkeit in der Antike und Moderne zusammen.
3. Was zeichnet einen platonischen Dialog aus? Eine Vorbemerkung zum Dialog als Ganzes: Hier wird die literarische Dialogform analysiert und deren didaktische sowie philosophische Funktion innerhalb von Platons Gesamtwerk erläutert.
4. Der Aufbau der Politeia: Das Kapitel beschreibt die kompositorische Symmetrie des Werkes und ordnet die einzelnen Bücher in ihren jeweiligen argumentativen Kontext ein.
5. Politische Philosophie bei Platon und konkret in seiner Politeia: Diese Analyse klärt das Verhältnis von Gerechtigkeit, Staatsmodell und idealer Verfassung in der Politeia und stellt den politischen Gehalt in den Kontext von Platons Gesamtdenken.
6. Derzeitige Tendenzen in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Platon: Abschließend werden aktuelle Schwerpunkte der internationalen Platon-Forschung aufgezeigt, wobei der Fokus auf Ethik, Psychologie und der Dialogform liegt.
Schlüsselwörter
Platon, Politeia, Philosophie, Gerechtigkeit, Dialogform, Staatslehre, Sokrates, Ideenlehre, Politische Philosophie, Antike, Akademie, Metaphysik, Dialektik, Eudaimonie, Seelenlehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine grundlegende Einführung in Platons Politeia und beleuchtet sowohl den strukturellen Aufbau als auch die philosophischen Kernanliegen dieses bedeutenden Werkes.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Die zentralen Felder sind die Biografie Platons, die Bedeutung seiner Dialogform, die politische Philosophie innerhalb der Politeia sowie der Aufbau des Idealstaats.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines Verständnisses für die Struktur und die Intention der Politeia sowie die Einordnung aktueller Tendenzen in der wissenschaftlichen Diskussion um den Philosophen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine philosophiehistorische und philologische Herangehensweise, die das Werk durch Analyse seiner Struktur und den Vergleich mit anderen Platonischen Dialogen erschließt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Dialogform, den Aufbau des Werkes und eine kritische Auseinandersetzung mit Platons politischer Theorie und deren Grenzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Politeia, Gerechtigkeit, Dialogform, Staatsmodell und die historische Forschung zu Platon.
Wie unterscheidet sich die Politeia von Platons anderen Dialogen?
Die Arbeit zeigt, dass die Politeia zwar Merkmale früherer Dialoge aufweist, sich aber durch eine komplexere, konstruktiv-doktrinale Argumentationsweise und eine klare kompositorische Symmetrie auszeichnet.
Welche Rolle spielt der „Exkurs“ zur politischen Philosophie?
Der Autor argumentiert, dass das politische Modell in der Politeia eher als ein Exkurs zur Veranschaulichung des Gerechtigkeitsproblems und weniger als ein rein staatstheoretisches Handbuch zu verstehen ist.
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- Michael André Ankermüller (Autor), 2014, Platons "Politeia". Eine vorsichtige Annäherung an den Philosophen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287048