Deutsche Entlehnungen finden sich in Sprachen wie dem Polnischen, dem Russischen, dem Ukrainischen, dem Serbischen und vielen mehr. Grenzen mögen zwar geschaffen werden, um einzelne Länder voneinander zu trennen. Den Kontakt und die Verständigung zwischen den Völkern verhindern sie aber nicht - vor allem in sprachlicher Hinsicht.
Die deutschen Lehnwörter im Slowenischen bezeugen den regen Kontakt beider Länder untereinander.
Eine wichtige Rolle spielte hierbei der hochmittelalterliche und neuzeitliche Adel, der in der jeweiligen Zeit zu einem Großteil oder zumindest „teilweise deutsch“ und in den meisten osteuropäischen Gebieten vertreten war. Mit jeder kulturellen Neuerung gelangt somit auch der entsprechende deutsche Wortschatz in die Länder Osteuropas. Wie groß der deutsche Einfluss tatsächlich war und ist wird nicht zuletzt daran deutlich, dass nicht nur vereinzelt Wortschatz entlehnt wird, sondern auch „deutsche Redensarten, […] Vergleiche, […] Bilder und […] Umschreibungen“ in die slowenische Sprache übertragen wurden.Normierungsversuche, die in der Schriftsprache funktioniert haben mögen, schlugen in den Mundarten größtenteils fehl.
Inhaltsverzeichnis
A) Deutsche Lehnwörter im Slowenischen als Zeugen deutscher Vergangenheit und des deutschen Einflusses auf das Slowenische
B) Hauptteil
I. Windisch, Slowenisch, Deutsch
II. Geschichte als Wegbereiterin für den starken deutschen Einfluss
III. Lautlehre
III 1 Vokalismus: a) Kurzvokale
III 1 Vokalismus: 1b) Langvokale
III.1. Konsonantismus: 2a) Dentale
III.1. Konsonantismus: 2b) Labiale
IV. Die slowenische Sprachreinigung
C) Fazit: Mundarten als entscheidender Maßstab für die Lehnwortforschung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und linguistischen Einfluss der deutschen Sprache auf das Slowenische. Das Hauptziel besteht darin, anhand von Lehnwörtern die Intensität des sprachlichen Austauschs sowie die Auswirkungen von Sprachreinigungsbemühungen im 19. Jahrhundert aufzuzeigen und dabei die Bedeutung der Mundarten für die Lehnwortforschung zu betonen.
- Historische Entwicklung des deutschen Einflusses auf das Slowenische.
- Analyse der Lautlehre bei der Integration deutscher Lehnwörter.
- Untersuchung des "man-Suffix" als morphologisches Lehnphänomen.
- Wirkung der slowenischen Sprachreinigung auf den Wortschatz.
- Die Rolle der Mundarten als Bewahrer entlehnter Begriffe.
Auszug aus dem Buch
II. Geschichte als Wegbereiterin für den starken deutschen Einfluss
„Die Geschichte zwischenvölkischer Beziehungen zeigt in den Lehnwörtern ihr getreues Abbild“. 18 Im Normalfall lässt sich mit Hilfe der „Lautgeschichte“ auf den Zeitpunkt der Entlehnung eines Lehnwortes schließen.19 Deutlich wird dies im Rahmen des nächsten Kapitels, der Lautlehre. Zudem lässt sich erkennen, welchen Einfluss das Deutsche zu welchem Zeitpunkt auf die slowenische Sprache hat. Je mehr Wörter in einem bestimmten Zeitraum entlehnt wurden, desto größer war der deutsche Einfluss.20
Bereits zur Zeit der Germanen gelangen erste Lehnwörter in die slawischen Sprachen, darunter auch in das Slowenische. Sie bezeichnen zum Großteil Begriffe aus dem Rechts- und dem Kriegswesen, aus dem „kirchlichen“ Bereich, der Medizin, der „Viehzucht“, der Nahrung und dem handwerklichen Bereich.21 Drei Beispiele hierfür, die sich bis heute gehalten haben, sind: gospôd ‚Herr‘ aus dem germanischen gastfadaz ‚Bewirter der Gäste‘ und cêrkev ‚Kirche‘ aus dem germanischen kirkō ‚Kirche‘.22
Im Hochmittelalter, also zwischen dem 12. und 14.Jahrhundert, werden besonders viele Wörter aus dem Deutschen entlehnt. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Entstehung des Rittertums23 und der Lebensstil des höfischen Adels24 , außerdem die Städteneugründungen und die „Mystik und [die] jüngere Scholastik“25, welche zu dieser Zeit den Blick auf Religion und Glauben neu formten. Lehnwörter, die diesem Zeitraum zuzuordnen sind, sind unter anderem wind. râtovž ‚Rathaus‘, mûrar ‚Maurer‘, krâmar ‚Krämer‘ und kšiht ‚Geschichte, Erzählung‘.26
Zusammenfassung der Kapitel
A) Deutsche Lehnwörter im Slowenischen als Zeugen deutscher Vergangenheit und des deutschen Einflusses auf das Slowenische: Einleitung in das Thema, die den starken historischen Kontakt zwischen dem deutschen und slowenischen Sprachraum sowie die Forschungsrelevanz von Germanismen erläutert.
B) Hauptteil: Der inhaltliche Kern der Arbeit, der die theoretischen Grundlagen, die lautgeschichtlichen Entwicklungen und die sprachpolitischen Prozesse untersucht.
I. Windisch, Slowenisch, Deutsch: Definition und Abgrenzung der zentralen Begriffe unter Berücksichtigung historischer Quellen wie Kranzmayer und Wutte.
II. Geschichte als Wegbereiterin für den starken deutschen Einfluss: Chronologische Einordnung des Lehnworterwerbs von der germanischen Zeit bis zum 20. Jahrhundert.
III. Lautlehre: Linguistische Untersuchung der Integration deutscher Begriffe unter Berücksichtigung von Lautgesetzen.
III 1 Vokalismus: a) Kurzvokale: Analyse der lautlichen Adaptation kurzer Vokale bei deutschen Lehnwörtern.
III 1 Vokalismus: 1b) Langvokale: Analyse der lautlichen Adaptation langer Vokale bei deutschen Lehnwörtern.
III.1. Konsonantismus: 2a) Dentale: Untersuchung der lautlichen Integration von Dentalen in deutschen Lehnwörtern.
III.1. Konsonantismus: 2b) Labiale: Untersuchung der lautlichen Integration von Labialen in deutschen Lehnwörtern.
IV. Die slowenische Sprachreinigung: Analyse der Bemühungen im 19. Jahrhundert, deutsche Lehnwörter durch Neologismen oder Entlehnungen aus anderen Sprachen zu ersetzen.
C) Fazit: Mundarten als entscheidender Maßstab für die Lehnwortforschung: Zusammenfassende Betrachtung, die herausstellt, dass Mundarten durch ihre Resistenz gegen Sprachreinigung die verlässlichste Quelle für die Lehnwortforschung darstellen.
Schlüsselwörter
Slowenisch, Windisch, Deutsche Lehnwörter, Germanismen, Lautlehre, Sprachreinigung, Sprachkontakt, Kärnten, Mundart, Sprachgeschichte, Vokalismus, Konsonantismus, Lehnwortforschung, Sprachvergleich, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Einfluss der deutschen Sprache auf das Slowenische anhand von Lehnwörtern und betrachtet, wie diese den regen Kontakt beider Sprachräume belegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung von Entlehnungen, die lautgeschichtliche Anpassung der Wörter sowie der Prozess und die Auswirkungen der slowenischen Sprachreinigung im 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Intensität des sprachlichen Austauschs zu verdeutlichen und aufzuzeigen, warum Mundarten für die Erforschung dieser Lehnwörter als unverzichtbare Quelle dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine diachrone sprachwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf der Lautlehre und der Auswertung historischer Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffe definiert, der historische Kontext erläutert, die lautlichen Adaptationsprozesse von Vokalen und Konsonanten analysiert sowie die Auswirkungen der Sprachreinigung auf das Slowenische detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Germanismen, Sprachkontakt, Lautlehre, Sprachreinigung, Windisch und Lehnwortforschung beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Windisch" und "Slowenisch" in dieser Arbeit wichtig?
Die Unterscheidung ist zentral, da historische Quellen wie Kranzmayer den Begriff "Windisch" spezifisch für die Kärntner Volkssprache verwenden, die eine besonders hohe Dichte an deutschen Lehnwörtern aufweist.
Welche Rolle spielt die Sprachreinigung für die heutige Verfügbarkeit von Lehnwörtern?
Die Sprachreinigung hat dazu geführt, dass viele deutsche Begriffe aus der offiziellen Schriftsprache verschwunden sind, während sie in den ungeschulten Mundarten als lebendige Belege für den Lehnwortforscher erhalten geblieben sind.
- Citar trabajo
- Vanessa Middendorf (Autor), 2012, Deutsche Lehnwörter im Slowenischen als Zeugen deutscher Vergangenheit und des deutschen Einflusses auf das Slowenische, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287165