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Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule - Jürgen Habermas

Title: Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule - Jürgen Habermas

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Björn Erichsen (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Jürgen Habermas, geboren 1929 in Gummersbach, steht in der Tradition der Kritischen Theorie, die vor allem auf Max Horkheimer und Theodor W. Adorno zurückgeht. Ihr Beginn wird in der Regel mit der Antrittsvorlesung Max Horkheimers als Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt angesetzt. Als Ziel einer kritischen Sozialphilosophie nennt er hierbei die philosophische Deutung des Schicksals der Menschen, insofern sie nicht bloß Individuen, sondern Glieder einer Gemeinschaft sind. Sie hat sich daher vor allem solche Phänomene zu bekümmern, die nur im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Leben der Menschen verstanden werden können: um Staat, Recht, Wirtschaft, Religion, kurz um die gesamte materielle und geistige Kultur der Menschen überhaupt.1
Habermas schließt an die Tradition der ’klassischen’ Kritischen Theorie besonders in der Hinsicht an, dass er ebenfalls das normative Ziel seiner Wissenschaft offen legen will. Anders als Horkheimer und Adorno, denen es aufgrund ihrer marxistischen Wurzeln in erster Linie um eine Emanzipation des Proletariats ging, zielt Habermas vielmehr auf eine wachsende Mündigkeit des Menschen innerhalb des demokratischen Verfassungsstaates ab, der nach seiner Ansicht, die Freiheit der Menschen herzustellen bzw. zu steigern habe.2 Habermas, über den Horkheimer einst schrieb, dass es ihm „bei aller Gescheitheit... an bon sens und geistigem Takt gebricht“3 ist, mit seiner langjährigen wissenschaftlichen Arbeit längst aus dem Schatten der ’frühen’ Frankfurter hervorgetreten. Er gilt heute relativ unbestritten als einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler und Philosophen der Bundesrepublik Deutschland. Im Feuilleton der Zeit etwa wurde er anlässlich seiner Ehrung mit dem Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2001 als „Hegel der Bundesrepublik“4 bezeichnet.[...]
1 M. Horkheimer: Gesammelte Schriften, Bd. 3, Frankfurt am Main 1988, S. 20.
2 Vgl.: D. Horster: Jürgen Habermas, Neufassung, Hamburg 1999, S. 13ff, (im folgenden zitiert als D. Horster, „1999“, a.a. O.).
3 M. Horkheimer: Gesammelte Schriften, Bd. 18, „Briefwechsel 1949-1973“, Frankfurt am Main 1996, S. 437-449.
4 J. Ross: Hegel der Bundesrepublik, in: Die Zeit, Ausgabe 42, 2001, im Internet, URL: http://www.zeit.de/2001/42/Kultur/print_200142_habermas.html

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strukturwandel der Öffentlichkeit

2.1. Bürgerliche Öffentlichkeit

2.2. Erosion der Öffentlichkeit und Refeudalisierungsthese

3. Die Theorie des kommunikativen Handelns

3.1. Kommunikative Rationalität

3.2. Lebenswelt und System

3.2.1. Die Lebenswelt

3.2.2. Entkopplung von System und Lebenswelt

3.3. Die Kolonialisierung der Lebenswelt

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und zentrale Konzepte der Kritischen Theorie, wie sie von Jürgen Habermas maßgeblich weiterentwickelt wurden. Dabei steht die Analyse seiner beiden Hauptwerke "Strukturwandel der Öffentlichkeit" und "Die Theorie des kommunikativen Handelns" im Vordergrund, um den Übergang von der klassischen Frankfurter Schule zu Habermas' kommunikationstheoretischem Ansatz nachzuvollziehen.

  • Historische Entwicklung und Erosion der bürgerlichen Öffentlichkeit
  • Etablierung der kommunikativen Rationalität als normativer Bezugspunkt
  • Das zweistufige Gesellschaftsmodell von Lebenswelt und System
  • Die Mechanismen der Kolonialisierung der Lebenswelt durch systemische Imperative
  • Kritische Auseinandersetzung mit Habermas' Gesellschaftstheorie und deren Entwicklungspotenzial

Auszug aus dem Buch

3.3. Die Kolonialisierung der Lebenswelt

Seine zweistufige Gesellschaftskonzeption ermöglicht es Habermas, seine Gesellschaftskritik weder einseitig auf Rationalisierungsvorgänge in der Lebenswelt, noch auf die wachsende Systemkomplexität als solche zurückführen zu müssen. Der Verlauf des weltgeschichtlichen Aufklärungsprozesses, den Weber ebenso wie Horkheimer und Adorno nur eindimensional, allein in zweckrationalen Bahnen, nachvollzogen hatten, kann mit der System-Lebenswelt-Konzeption präziser erfasst werden. Die entfesselte Zweckrationalität als das gemeinsam erfasste Problem der kapitalistischen Moderne, stellt sich bei Habermas in einer ganz anderen Nuancierung dar.

Nicht die Entkoppelung der mediengesteuerten Subsysteme und ihrer Organisationsformen von der Lebenswelt führt zu einer einseitigen Rationalisierung oder Verdinglichung der kommunikativen Alltagspraxis, sondern erst das Eindringen von Formen ökonomischer und administrativer Rationalität in Handlungsbereiche, die sich der Umstellung auf die Medien Geld und Macht widersetzen, weil sie auf kulturelle Überlieferung, soziale Integration und Erziehung spezialisiert sind und auf Verständigung als Mechanismus der Handlungskoordinierung angewiesen bleiben.

Bei Habermas´ „Kritik der funktionalistischen Vernunft“ – so der Untertitel des zweiten Bandes der TKH - geht es darum, dass eine handlungskoordinierende Logik, nämlich die des Geld- und Machtmediums, die innerhalb des Wirtschafts- und Verwaltungssystems ihre absolute Sachangemessenheit und Berechtigung haben, einen illegitimen Übergriff auf Gesellschaftssphären vornehmen, die durch eine verständigungsorientierte Logik koordiniert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Jürgen Habermas wird als ein Hauptvertreter der Kritischen Theorie eingeführt, dessen Fokus auf dem Erreichen von Mündigkeit durch kommunikative Verständigung in der Demokratie liegt.

2. Strukturwandel der Öffentlichkeit: Dieses Kapitel analysiert das historische Aufkommen der bürgerlichen Öffentlichkeit und deren anschließende Erosion im Zuge der Massendemokratie und der Repolitisierung der Gesellschaft.

3. Die Theorie des kommunikativen Handelns: Hier wird Habermas' Opus Magnum vorgestellt, das durch die Einführung des zweistufigen Gesellschaftsmodells und den Paradigmenwechsel zur Kommunikationstheorie die moderne Gesellschaftsstruktur kritisch beleuchtet.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit würdigt die hohe theoretische Komplexität des Entwurfs, thematisiert aber auch die geäußerte Kritik an Habermas' Rationalitätsbegriff und Universalpragmatik.

Schlüsselwörter

Jürgen Habermas, Kritische Theorie, Öffentlicher Raum, Kommunikatives Handeln, Lebenswelt, System, Kommunikative Rationalität, Kolonialisierung der Lebenswelt, Zweckrationalität, Strukturwandel, Soziale Integration, Macht, Geld, Deliberative Demokratie, Sozialstaat

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht über das gesellschaftstheoretische Denken von Jürgen Habermas, insbesondere mit Fokus auf seine Schriften zur Öffentlichkeit und zur Theorie des kommunikativen Handelns.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Öffentlichkeit, die Unterscheidung zwischen Lebenswelt und System sowie die kritische Analyse der modernen Gesellschaft durch Habermas.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Habermas' Konzepte – insbesondere die "Kolonialisierung der Lebenswelt" – nachvollziehbar darzustellen und den Paradigmenwechsel in seiner Theoriebildung zu verdeutlichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoriegeschichtliche Analyse, die Habermas' Texte interpretiert, in den Kontext der Kritischen Theorie stellt und mit der Sekundärliteratur sowie kritischen Gegenpositionen (z.B. Luhmann) abgleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Strukturwandels der Öffentlichkeit, die Darlegung der Theorie des kommunikativen Handelns und die Analyse der damit verbundenen Gefahren für die Lebenswelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe wie Lebenswelt, System, kommunikative Rationalität, Öffentlichkeit, Kolonialisierung und Zweckrationalität bilden das theoretische Gerüst.

Wie begründet Habermas den Paradigmenwechsel von der Bewusstseinsphilosophie zur Sprachphilosophie?

Habermas argumentiert, dass die klassische Kritische Theorie an der Erschöpfung der Bewusstseinsphilosophie gescheitert sei. Durch die Hinwendung zur Sprachphilosophie können intersubjektive Beziehungen und der Prozess der Verständigung besser untersucht werden.

Was versteht Habermas unter der "Kolonialisierung der Lebenswelt"?

Damit ist der illegitime Übergriff funktionaler Steuerungssysteme (Wirtschaft und Staat) auf Lebensbereiche gemeint, die eigentlich auf verständigungsorientierte soziale Integration angewiesen sind, was zu kultureller Verarmung und Entfremdung führt.

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Details

Title
Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule - Jürgen Habermas
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Hauptseminar: Politische Philosphie des 20. Jahrhunderts
Grade
1,3
Author
Björn Erichsen (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V28720
ISBN (eBook)
9783638304214
ISBN (Book)
9783640783946
Language
German
Tags
Kritische Theorie Frankfurter Schule Jürgen Habermas Hauptseminar Politische Philosphie Jahrhunderts Thema Habermas
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Björn Erichsen (Author), 2003, Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule - Jürgen Habermas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28720
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