Jährlich wandern mehrere tausend Menschen aus Drittländern nach Spanien ein. Sie kommen in kleinen Booten, durchschwimmen die Gewässer zwischen Nordafrika und den Exklaven Ceuta und Melilla oder schließen sich sogenannten „Schlepperbanden“ an. Andere nehmen den offiziellen Weg über spanische Behörden. Sie fliehen vor Menschenrechtsverletzungen in ihren Heimatländern, vor politischer Verfolgung oder Armut. Die Immigranten hoffen auf mehr Gerechtigkeit, eine bessere wirtschaftliche Lage oder sehen in der iberischen Halbinsel schlicht das Tor nach Europa.
Doch wie hat sich die Migration überhaupt entwickelt? Warum ist das einstige Auswanderungsland zu einem der beliebtesten Einwanderungsländer Europas geworden? Wie ist die Gesetzeslage für Flüchtlinge oder Asylbewerber und wie hat sie sich durch die verschiedenen Legislaturperioden hindurch verändert? Wie hat sich der Arabische Frühling auf die Flüchtlingsströme ausgewirkt? Bestätigt sich die in Europa publizierte Meinung, die südeuropäischen Staaten hätten immense Flüchtlingswellen zu bewältigen in statistischen Zahlen? Oder ist es vielmehr ein Irrbild, dass Medien und Politik verbreiten?
Diese Fragen sollen im Folgenden anhand von statistischen Auswertungen, Medienberichten und Regierungserklärungen beantwortet werden. Zusätzlich wird Sekundärliteratur, vornehmlich der letzten zehn Jahre, hinzugezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Spanische Migrations-, Flüchtlings- und Asylpolitik im Überblick
2.1 Geschichte: Vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland
2.2 Politische Entwicklungen bis 2011
3 Exklaven, Meerengen und Inseln als Tore nach Europa
3.1 Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla
3.2 Die Straße von Gibraltar
3.3 Die Kanaren
4 Entwicklungen nach dem Arabischen Frühling
4.1 Statistiken
4.2 Reaktionen in der spanischen Öffentlichkeit
4.3 Maßnahmen der spanischen Politik
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der spanischen Migrations- und Flüchtlingspolitik vor und nach dem Arabischen Frühling, um zu klären, ob die befürchteten massiven Flüchtlingsströme tatsächlich in Spanien eintrafen oder ob mediale und politische Irrbilder vorherrschten.
- Historische Entwicklung Spaniens vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland
- Geopolitische Bedeutung der Exklaven Ceuta und Melilla, der Meerenge von Gibraltar sowie der Kanarischen Inseln
- Auswirkungen des Arabischen Frühlings auf die Migrationszahlen in Spanien
- Analyse der Reaktionen spanischer Medien und der politischen Maßnahmen im Umgang mit Flüchtlingsbewegungen
- Vergleich der tatsächlichen Migrationsdaten mit öffentlichen Wahrnehmungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla
Sie gehören zwar zu Europa, liegen aber geographisch gesehen in Afrika. Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla sind seit jeher Streitpunkt zwischen Spanien und Marokko, Tor zu Europa für Flüchtlinge und abgesicherter Vorposten für Spanien.
Während Ceuta an der nordafrikanischen Küste in der Straße von Gibraltar auf einer Halbinsel liegt, bildet Melilla eine weiter östlich gelegene Exklave, die an die marokkanische Küste und das Mittelmeer grenzt.
Seit dem 15. Jahrhundert zunächst in portugiesischem und später in spanischem Besitz blieben Ceuta und Melilla auch nach der Unabhängigkeit Marokkos im Jahre 1956 in spanischer Hand. Zwar betont Marokko immer wieder seinen Gebietsanspruch auf die beiden Städte, doch konkrete Schritte zur Durchsetzung des Anspruchs werden nicht unternommen.
1995 erhielten beide Städte den Status einer autonomen Stadt, was ihnen ähnliche Befugnisse verleiht wie den autonomen Regionen Spaniens.
Da beide Städte stark von irregulärer Migration betroffen sind, erhöhten sowohl spanische als auch marokkanische Regierung die Sicherheitsmaßnahmen. Sechs Meter hohe Drahtzäune und Infrarotkameras sowie Bewegungs- und Geräuschmelder schützen die spanischen Städte vor illegaler Migration.
Seit 2005 fürchtet Spanien einen erneuten Ansturm von afrikanischen Flüchtlingen auf die beiden Exklaven. Innerhalb von neun Monaten versuchten damals rund 11.000 Immigranten unter Einsatz ihres Lebens, die Zäune der Städte zu überwinden, um nach Spanien und damit nach Europa zu gelangen. Nach diesen schrecklichen Ereignissen verstärkte Spanien die Grenze für mehr als 30 Millionen Euro, die Höhe der bis dato drei Meter hohen Zäune wurde verdoppelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein und skizziert die Forschungsfrage nach den Auswirkungen des Arabischen Frühlings auf die spanische Migrationspolitik im Vergleich zur öffentlichen Meinung.
2 Spanische Migrations-, Flüchtlings- und Asylpolitik im Überblick: Das Kapitel beleuchtet den historischen Wandel Spaniens von einem Auswanderungsland zu einem Zielland für Migranten sowie die rechtliche Entwicklung der Migrationspolitik in verschiedenen Phasen.
3 Exklaven, Meerengen und Inseln als Tore nach Europa: Hier werden die geographischen Brennpunkte Ceuta, Melilla, die Straße von Gibraltar und die Kanaren als spezifische Orte der irregulären Migration untersucht.
4 Entwicklungen nach dem Arabischen Frühling: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten, die mediale Resonanz in Spanien und die politischen Maßnahmen der Regierung in der Zeit nach 2010.
5 Fazit: Die Zusammenfassung zieht den Schluss, dass Spanien trotz medialer Befürchtungen nicht von extremen Flüchtlingswellen infolge des Arabischen Frühlings überrollt wurde, was unter anderem auf die bereits bestehende Grenzüberwachung zurückzuführen ist.
Schlüsselwörter
Spanien, Migration, Flüchtlingspolitik, Asyl, Arabischer Frühling, Ceuta, Melilla, Gibraltar, Kanarische Inseln, irreguläre Migration, Grenzschutz, Arbeitsmigration, EU-Außengrenzen, Einwanderung, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die spanische Migrations- und Flüchtlingspolitik vor dem Hintergrund des Arabischen Frühlings und prüft, ob die in Europa befürchteten Flüchtlingswellen Spanien in statistisch signifikantem Ausmaß erreichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung des Landes als Einwanderungsziel, die Rolle geografischer Einfallstore und die Analyse von Migrationsdaten sowie politischer Reaktionen ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen "Flüchtlingsflut" in Medien und Politik und den tatsächlichen statistischen Entwicklungen der Jahre 2011 und 2012 in Spanien zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Analyse von statistischen Auswertungen, Medienberichten, Regierungserklärungen und der Auswertung einschlägiger Sekundärliteratur der letzten zehn Jahre.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Situation der Migration in Spanien, die Bedeutung der Exklaven und Inseln für die Grenzsicherung sowie die Reaktionen der spanischen Öffentlichkeit und Regierung auf die Geschehnisse des Arabischen Frühlings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Spanien, Migration, Flüchtlingspolitik, Asyl, Arabischer Frühling, Ceuta und Melilla sowie irreguläre Migration.
Welche Rolle spielt die Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation für die Migration in Spanien?
Das Dokument verdeutlicht, dass die wirtschaftliche Rezession ab 2009/2011 einen signifikanten Einfluss hatte, da sie zu einem Rückgang der Immigration führte und die Arbeitsmarktsituation zum zentralen Randthema in der Politik machte.
Wie reagierte die spanische Regierung konkret auf die Flüchtlingssituation im Zuge des Arabischen Frühlings?
Die Regierung agierte differenziert: Einerseits wurden Maßnahmen zur Grenzsicherung (wie das Durchreisevisum für Syrer) beibehalten oder verschärft, andererseits leistete Spanien humanitäre Hilfe und zeigte sich gegenüber den Notlagen in Nordafrika kooperativ.
- Citation du texte
- Sandra S. (Auteur), 2013, Spanische Migrations-, Flüchtlings- und Asylpolitik vor und nach dem „Arab Spring“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287260