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Soziale Bildungsungleichheit im deutschen Bildungssystem

In wie weit werden Merkmale sozialer Herkunft bei der Vergabe von Übergangsempfehlungen berücksichtigt?

Title: Soziale Bildungsungleichheit im deutschen Bildungssystem

Term Paper , 2014 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Katharina Sonnenschein (Author)

Pedagogy - School System, Educational and School Politics
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Im Zuge der großen internationalen Schulleistungsstudien der letzten Jahre sind die an den Übergängen im deutschen Bildungssystem hergestellten Ungleichheiten der Bildungschancen vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit sowie der sozial- und bildungswissenschaftlichen Forschung gerückt. Diese Studien konnten einen signifikanten Zusammenhang zwischen den in Übergangssituationen produzierten Disparitäten mit Merkmalen der sozialen Herkunft aufzeigen. Die Aktualität im öffentlichen Diskurs ebenso wie die unverkennbare Relevanz von Bildungsabschlüssen für den beruflichen und auch persönlichen Erfolg begründen die Auswahl und Thematisierung der Fragestellung der vorliegenden Hausarbeit. In Anlehnung an die in den Studien herausgestellte soziale Bildungsungleichheit im deutschen Bildungssystem, soll geklärt werden, in wie weit Merkmale sozialer Herkunft bei der Vergabe von Übergangsempfehlungen berücksichtigt werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Relevanz von Übergängen und Übergangsempfehlungen

3. Der Begriff der sozialen Herkunft

4. Theoretisches Modell nach Boudon

4.1 Primäre Herkunftseffekte nach Boudon

4.2 Sekundäre Herkunftseffekte nach Boudon

4.3 Erweiterung der boudonschen Theorie

5. Exemplarische Darstellung der empirisch relevanten Studien

6. Einordnung der Studienergebnisse in die Theorie Boudons

7. Erklärungen für das Entscheidungsverhalten der Lehrkräfte

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Einfluss der sozialen Herkunft auf die Vergabe von Übergangsempfehlungen am Ende der Grundschulzeit im deutschen Bildungssystem, mit einem besonderen Fokus auf die Frage, ob diese Empfehlungen jenseits individueller Leistungsunterschiede durch soziale Disparitäten verzerrt werden.

  • Soziale Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem
  • Die Rolle der Übergangsempfehlung als Weichenstellung
  • Anwendung des theoretischen Modells von Raymond Boudon (primäre vs. sekundäre Herkunftseffekte)
  • Analyse empirischer Befunde aus IGLU- und LAU-Studien
  • Bedeutung des Lehrer-Entscheidungsverhaltens und der Wert-Erwartungs-Theorie

Auszug aus dem Buch

4.2 Sekundäre Herkunftseffekte nach Boudon

Neben der herkunftsbedingten Leistungsfähigkeit hängt die soziale Herkunft darüber hinaus mit unterschiedlichen Bildungsaspirationen und schichtabhängigem Entscheidungsverhalten bei der Wahl von Bildungswegen zusammen. Diese Art von sozialen Disparitäten, die selbst bei gleichem Kompetenzniveau auftreten, nennt Boudon sekundäre Herkunftseffekte. “[Even] with other factors being equal, people will make different choices according to their position in the stratification system” (Boudon 1974: 36).

Dieses schichtspezifische Entscheidungsverhalten wird bei Maaz et al. als „kumulativer Effekt der verinnerlichten Sozialschichtzugehörigkeit“ (2006: 303) beschrieben und ist nach Boudon auf die von der sozialen Herkunft beeinflusste Bewertung von Kosten und Nutzen höherer Bildungswege zurückzuführen. Während bildungsnahe Familien hauptsächlich den Nutzen weiterführender Bildungsmaßnahmen bewerten (wie z.B. den Statuserhalt), steht bei sozioökonomisch niedrigeren Familien hingegen der Kostenfaktor eines verlängerten Bildungsweges im Mittelpunkt. Somit ist das Streben höherer sozialer Schichten nach einer erfolgversprechenden Bildungslaufbahn der eigenen Kinder mit der Verhinderung eines intergenerationalen Statusverlustes begründbar. Das Ziel des Statuserhalts ist in bildungsfernen Familien schon nach wenigen Bildungszweigen erreicht, sodass diese nach Boudon weniger Interesse an einer kostenreichen und zeitintensiven Ausbildung ihrer Kinder haben (vgl. Relikowski/Schneider/Blossfeld 2010: 145).

„Diese aufgrund des differenziellen Entscheidungsverhaltens von Eltern und Schülern entstehenden Unterschiede in der Bildungsbeteiligung, die von der Begabung und der Leistung der Schülerinnen und Schüler unabhängig sind, stehen besonders in der Kritik, weil sie – anders als die primären Effekte – nicht mit den Vorstellungen der leistungsbezogenen Verteilungsgerechtigkeit vereinbar sind und so in besonderer Weise das Gerechtigkeitsempfinden verletzen können“ (Maaz/Nagy 2010: 152f).

Aus diesem Grund liegt der Schwerpunkt der weiteren Ausführungen auf den sekundären Herkunftseffekten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Relevanz von Bildungsübergängen für die Entstehung sozialer Ungleichheit und formuliert die Fragestellung zur Rolle der sozialen Herkunft bei Übergangsempfehlungen.

2. Zur Relevanz von Übergängen und Übergangsempfehlungen: Das Kapitel beschreibt den Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe als prägende Weichenstellung und beleuchtet die Rolle von Lehrkräften sowie deren Beurteilungskriterien.

3. Der Begriff der sozialen Herkunft: Hier werden Definitionen und Kategorisierungssysteme zur sozialen Herkunft vorgestellt, wie sie in internationalen Schulleistungsstudien Verwendung finden.

4. Theoretisches Modell nach Boudon: Das Kapitel führt das mikrosoziologische Modell von Raymond Boudon ein, um die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten theoretisch zu fundieren.

5. Exemplarische Darstellung der empirisch relevanten Studien: Es werden ausgewählte Ergebnisse aus IGLU- und LAU-Studien präsentiert, die einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Übergangsempfehlungen aufzeigen.

6. Einordnung der Studienergebnisse in die Theorie Boudons: Die empirischen Befunde werden auf Basis der Kontrolle von Leistungs- und Fähigkeitsvariablen als sekundäre Herkunftseffekte klassifiziert.

7. Erklärungen für das Entscheidungsverhalten der Lehrkräfte: Das Kapitel beleuchtet mittels der Wert-Erwartungs-Theorie, warum Lehrkräfte bei der Empfehlungsvergabe leistungsfremde, herkunftsbezogene Aspekte einbeziehen.

8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Reproduktion sozialer Ungleichheit durch das aktuelle Empfehlungssystem.

Schlüsselwörter

Bildungsungleichheit, Übergangsempfehlung, Soziale Herkunft, Primäre Herkunftseffekte, Sekundäre Herkunftseffekte, Raymond Boudon, Bildungssystem, Schulleistungsstudien, IGLU, LAU 5, Bildungsgerechtigkeit, Lehrerentscheidung, Bildungsaspiration, Wert-Erwartungs-Theorie, Sozioökonomischer Status

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, inwieweit die soziale Herkunft von Schülern das Entscheidungsverhalten von Lehrkräften bei der Vergabe von Übergangsempfehlungen am Ende der vierten Klasse beeinflusst.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Bildungsungerechtigkeit im gegliederten Schulsystem, der theoretische Rahmen von Boudon zu Herkunftseffekten und die Rolle der Lehrerbeurteilung bei der Schullaufbahnwahl.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, ob Merkmale der sozialen Herkunft bei gleichen kognitiven Leistungen dazu führen, dass Kinder unterschiedliche Übergangsempfehlungen erhalten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Einordnung auf Basis soziologischer Modelle (Boudon) in Kombination mit einer Literaturanalyse bereits existierender empirischer Studien wie IGLU und LAU 5.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Herkunftseffekte, die exemplarische Darstellung empirischer Forschungsergebnisse und die Erklärung des Entscheidungsverhaltens von Lehrkräften mittels der Wert-Erwartungs-Theorie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind primäre und sekundäre Herkunftseffekte, Bildungsgerechtigkeit, Übergangsempfehlung, sozioökonomischer Status und das mikrosoziologische Modell von Boudon.

Warum unterscheidet die Arbeit zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten?

Die Unterscheidung ist entscheidend, um zu verstehen, ob Disparitäten aus unterschiedlichen Leistungsniveaus (primär) oder aus ungleichen Entscheidungen trotz gleicher Leistung (sekundär) resultieren.

Welche Bedeutung kommt der Wert-Erwartungs-Theorie bei der Erklärung des Lehrerverhaltens zu?

Sie dient dazu, das Handeln der Lehrkräfte als rationale Entscheidung zu deuten, bei der subjektive Erfolgserwartungen des Kindes unter Berücksichtigung dessen sozialer Herkunft in die Empfehlung einfließen.

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Details

Title
Soziale Bildungsungleichheit im deutschen Bildungssystem
Subtitle
In wie weit werden Merkmale sozialer Herkunft bei der Vergabe von Übergangsempfehlungen berücksichtigt?
College
Bielefeld University
Course
Modulbezogene Vertiefung im Profil „Umgang mit Heterogenität“
Grade
1,0
Author
Katharina Sonnenschein (Author)
Publication Year
2014
Pages
18
Catalog Number
V287564
ISBN (eBook)
9783656877844
ISBN (Book)
9783656877851
Language
German
Tags
soziale Herkunft soziale Bildungsungleichheit Übergangsempfehlung Herkunftseffekte Boudon
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Sonnenschein (Author), 2014, Soziale Bildungsungleichheit im deutschen Bildungssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287564
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