Peter Jacksons fiktiver narrativer Spielfilm „Heavenly Creatures“, basierend auf einer wahren Begebenheit, erzählt die Geschichte der zwei heranwachsenden Frauen Pauline Parker und
Juliet Hulme, und ihrer sehr intensiven Freundschaft, die sich im Laufe der Handlung zu einer Liebesbeziehung vertieft.
Die beiden von ihrer Umwelt unverstandenen Außenseiter
flüchten sich zusehends in ihre gemeinsame imaginäre Welt, ein Reich des Mittelalters, und erklären populäre Stars zu ihren Göttern. Eine Welt in der die Normen des Alltags ihre
Gültigkeit verlieren, das Ungewöhnliche die Normalität beherrscht und die Übergänge zwischen Imagination und Realität langsam verwischen - alles erscheint möglich!
Ihre Eltern, aufgrund der aufkeimenden, „pathologischen“ Homosexualität der Kinder besorgt, versuchen die Beiden zu trennen, was mit der Ermordung von Paulines Mutter als
einziger Möglichkeit, die Trennung zu verhindern, endet.
Beide Figuren befinden sich während des gezeigten filmischen Zeitraums (1950er Jahre) in der Adoleszenz, einer Zeit der
Identitätskrise. Sie durchlaufen „ein Entwicklungsstadium, worin sie ihre endgültige Identität suchen: [sie] probieren Freundschaftsgruppen aus, verschiedene Lebensstile und
Karrierepläne.“
Sichtlich erschwert wird dieser Entwicklungsprozess der Mädchen durch ihre gleichgeschlechtliche Orientierung, sie stoßen auf Ablehnung und vielfach diskriminierendes Verhalten der Umwelt. In diesem Fall erleben sie Anfeindungen nicht nur wegen ihrer sich herausprägenden Homosexualität bzw. ersten homosexuellen Erfahrungen, sondern auch wegen der geringeren Einstufung der Wichtigkeit von Frauen.
Inhaltsverzeichnis
1. IDENTITÄT Vs. NORMALITÄT
2. HOMOSEXUALITÄT UND STARKULT
2.1. (Film)Stars und Geschlechtsrepräsentation
2.2. Filmszenanalyse aus „Heavenly Creatures“
3. ABSCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem Hollywood-Starkult und der Konstruktion homosexueller Identität, wobei Peter Jacksons Film „Heavenly Creatures“ als zentrales Fallbeispiel für die Dekonstruktion heteronormativer Strukturen dient.
- Die Bedeutung von Stars als Identifikationsfiguren und Projektionsflächen.
- Die Analyse der filmischen Repräsentation von Geschlechterrollen und Homosexualität.
- Der Einfluss von Fantasiewelten und Subkulturen auf die Identitätsfindung.
- Die filmtechnische Umsetzung von Subjektivität und Realitätsverschleierung.
- Die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen durch das „New Queer Cinema“.
Auszug aus dem Buch
2.2. Filmszenanalyse aus „Heavenly Creatures“
Charakteristisch für die filmische Umsetzung von „Heavenly Creatures“ ist die subjektive Erzählperspektive aus der mentalen Sichtweise der beiden Protagonistinnen: Darstellung von Träumen, Fantasien, Gedanken („Voice-Over“ aus Paulines Tagebucheinträgen), unterschwellige Emotionalisierung der Handlung durch diegetische und nicht-diegetische Töne, On-Screen- und Off-Screen- Sound, Tonüberlappungen und die optische Vermischung ihrer Imagination und (scheinbaren) Realität. Der Rezipient identifiziert sich im Laufe der Handlung immer stärker mit den Figuren und ihren Motiven trotz der meist objektiven Position der Kamera als unsichtbarer Teilhabender, mit vergleichsweise wenigen „Point-of View-Shots“ und zahlreichen „Eye-level Shots“.
Tempo und Dynamik des Films bzw. der verschiedenen Szenen werden primär durch Kamerafahrten (Rückwärts- und Ranfahrten, seitliche Fahrt) und Kameraschwenks (vertikal und horizontal, Drehen der Kamera um die Bildachse) gesteuert. Die einzelnen Figuren oder Szenen werden bevorzugt mittels Nah- und Großaufnahmen mit geringer Tiefenschärfe oder Auf- und Untersicht (oft auch Vogel- und Froschperspektiven) charakterisiert. Was durch die Nähe zum filmischen Objekt eine stärkere emotionale Reaktion beim Rezipienten auf das Gezeigte hervorruft, infolgedessen ist es schwieriger, sich zu distanzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. IDENTITÄT Vs. NORMALITÄT: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Identitätskrise im Jugendalter ein und beleuchtet den Einfluss gesellschaftlicher Heteronormativität auf die Wahrnehmung gleichgeschlechtlicher Beziehungen.
2. HOMOSEXUALITÄT UND STARKULT: Hier wird die Rolle von Filmstars als Generatoren von Geschlechterkonzepten analysiert und die filmische Gestaltung von „Heavenly Creatures“ als Mittel zur Dekonstruktion dieser Konzepte untersucht.
3. ABSCHLUSSBEMERKUNG: Die Autorin resümiert, dass „Heavenly Creatures“ als Instrument des „New Queer Cinema“ die starre Struktur des klassischen Hollywoods aufbricht und homosexuelle Identität im ständigen Konflikt mit der heteronormativen Leitkultur verortet.
Schlüsselwörter
Heavenly Creatures, Homosexualität, Identität, Starkult, Heteronormativität, Filmstars, Gender, Geschlechtsrepräsentation, New Queer Cinema, Filmanalyse, Adoleszenz, Subkultur, Hollywood-Kino, Imagination, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen Starkult und homosexueller Identität am Beispiel des Films „Heavenly Creatures“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die gesellschaftliche Geschlechterordnung, die Wirkung von Stars als Identifikationsfiguren und die filmische Inszenierung von Subjektivität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Film durch filmische Mittel die „Normalitätserwartungen“ des Hollywood-Kinos dekonstruiert und Alternativen zur heteronormativen Identität aufzeigt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse angewandt, die insbesondere auf die visuelle und auditive Umsetzung der mentalen Welt der Protagonistinnen fokussiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Stars und Geschlechterrollen sowie eine detaillierte Filmszenanalyse von „Heavenly Creatures“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Heteronormativität, Identitätsfindung, Starkult, Gender und die Dekonstruktion klassischer Hollywood-Konventionen.
Wie bewertet die Autorin die „Liebesszene“ im Film?
Die Autorin deutet die Szene als unrealistisch idealisiert, da Nacktheit und Erotik nur angedeutet werden, was als Prozess zur Akzeptanz der eigenen Homosexualität gewertet wird.
Welche Bedeutung hat das „Borovnian“-Reich für die Protagonistinnen?
Es fungiert als eigene Welt, in der die Mädchen Hollywoodstars als Heilige einsetzen, um ein Gegengewicht zu den restriktiven gesellschaftlichen Strukturen zu schaffen.
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- Elisabeth Gruber (Autor), 2011, Hollywoods Starkult und homosexuelle Identität am Beispiel Peter Jacksons "Heavenly Creatures", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287936