Mit diesem Text soll der Versuch unternommen werden, die ganz eigene Ent-wicklung des Pflegeberufs darzustellen und aufzuzeigen, warum es der Pflege bisher nicht gelingen konnte, über den Grad einer Semi-Profession hinauszukommen.
Dazu wird die Entwicklung des Pflegeberufs aufgezeigt, welche in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt, sodass auf vorangegangene Epochen verzichtet wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Anfänge der Ausbildung in der neuzeitlichen Krankenpflege
3 Bemühungen um staatliche Regelungen der Krankenpflegeausbildung
3.1 Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen von 1906
3.2 Das Krankenpflegegesetz von 1938
4 Wandel des Berufsbilds nach 1945: Vom „Liebesdienst“ zum modernen (Frauen-)Beruf
4.1 Das Krankenpflegegesetz von 1957
4.2 Das Krankenpflegegesetz von 1965
5 Das Krankenpflegegesetz von 1985
6 Das Krankenpflegegesetz von 2003
7 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Pflegeberufs in Deutschland seit Mitte des 19. Jahrhunderts, um aufzuzeigen, warum es der Pflege bisher nicht gelungen ist, den Status einer Vollprofession zu erreichen, und analysiert dabei kritisch die Auswirkungen staatlicher Regelungen sowie den Einfluss der Medizin auf das Berufsbild.
- Historische Genese der Pflegeausbildung unter konfessionellem Einfluss
- Analyse der verschiedenen Krankenpflegegesetze im 20. Jahrhundert
- Die Rolle der Medizindominanz in der professionellen Identitätsbildung
- Die Spannung zwischen „Liebesdienst“ und moderner Berufsausübung
- Herausforderungen der Akademisierung und Professionalisierung
Auszug aus dem Buch
Die Ausbildung in den diakonischen Mutterhäusern
Demgegenüber stand die pflegerische Ausbildung in dem von Theodor Fliedner gegründeten, protestantischen Pflegeorden in Kaiserswerth, die maßgeblich für die Entwicklung der Krankenpflege als Beruf gesehen wird und den Beginn der neuzeitlichen Pflege markiert. Fliedner beabsichtigte die 1836 eröffnete Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen als „Multiplikator einer qualifizierten Krankenpflege“ (Kruse 1987, S.32) in Deutschland zu etablieren.
Erstmals wurden Begriffe wie „praktische Anleitung“ und „theoretische Unterweisung“ gebraucht und Grundlagen der Anatomie und Physiologie unterrichtet. Den theoretischen Unterricht erteilte ein ortsansässiger Arzt, in der Regel eine Stunde wöchentlich. Darüber hinaus hielt Theodor Fliedner selbst mehrere Stunden Unterricht pro Woche. Die praktische Anleitung erfolgte durch die Vorsteherin, der Vorgesetzten aller Diakonissen, die von erfahrenen Diakonissen unterstützt wurde. Dabei begannen die Probediakonissen bei einfachen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, später wurden sie auf der Kinderkrankenstation und der Frauenkrankenstation eingesetzt. Gegen Ende ihrer Ausbildung begleiteten sie die leitende Diakonisse auf der Männerstation. Es wurde also der Weg vom Leichten zum Schweren gewählt, um die Probediakonissen langsam an die physischen und psychischen Belastungen heranzuführen (vgl. Kruse 1987, S.36).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum sich die Pflege bisher nicht über den Status einer Semi-Profession hinaus entwickeln konnte.
2 Anfänge der Ausbildung in der neuzeitlichen Krankenpflege: Dieses Kapitel beschreibt die prägende Rolle konfessioneller Gemeinschaften und deren Einfluss auf die frühe, praxisorientierte Ausbildung.
3 Bemühungen um staatliche Regelungen der Krankenpflegeausbildung: Das Kapitel analysiert die ersten staatlichen Eingriffe durch das Gesetz von 1906 und die standardisierenden Maßnahmen des Krankenpflegegesetzes von 1938.
4 Wandel des Berufsbilds nach 1945: Vom „Liebesdienst“ zum modernen (Frauen-)Beruf: Hier wird der langsame Prozess der Modernisierung und die stufenweise Ablösung des Leitbilds „Liebesdienst“ sowie die Entwicklung der Gesetze von 1957 und 1965 behandelt.
5 Das Krankenpflegegesetz von 1985: Dieses Kapitel zeigt auf, dass trotz theoretischer Anpassungen die Medizindominanz und die strukturelle Diskriminierung der Auszubildenden weitgehend bestehen blieben.
6 Das Krankenpflegegesetz von 2003: Das Kapitel erläutert die Reformen des Jahres 2003, welche die Akademisierung und eine eigenverantwortlichere Rolle der Pflege fördern sollten, jedoch weiterhin Einschränkungen aufweisen.
7 Zusammenfassung: Abschließend wird resümiert, dass die Emanzipation des Berufs zwar voranschreitet, eine Entwicklung zur vollständigen Profession jedoch bisher nicht möglich war.
Schlüsselwörter
Krankenpflege, Berufsbildung, Professionalisierung, Medizindominanz, Pflegegesetz, Ausbildung, Geschichte der Pflege, Semi-Profession, Emanzipation, Pflegeausbildung, Krankenpflegegesetz, Pflegewissenschaft, Arbeitsbedingungen, Pflegenotstand, Theorie-Praxis-Verhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Pflegeberufe in Deutschland von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Inkrafttreten des Krankenpflegegesetzes von 2003 und untersucht die Professionalisierungsprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Ausbildungssysteme, der Einfluss der Medizin auf die Pflege, die rechtlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen Gesetze und die Frage der beruflichen Autonomie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte aufzeigen, warum es der Pflege bisher nicht gelungen ist, sich von einer sogenannten „Semi-Profession“ zu einer voll anerkannten Profession zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische und analytische Untersuchung, die auf der Auswertung bestehender Literatur und der historischen Betrachtung von Gesetzestexten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden chronologisch die unterschiedlichen Ausbildungsphasen, die Auswirkungen der verschiedenen Krankenpflegegesetze (1938, 1957, 1965, 1985, 2003) und die Rolle von Berufsverbänden detailliert beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Professionalisierung, Medizindominanz, Krankenpflegegesetz und die Entwicklung vom „Liebesdienst“ zum modernen Beruf definieren.
Welche Rolle spielten die konfessionellen Orden in der frühen Ausbildung?
Sie prägten die Ausbildung durch den Fokus auf „Liebesdienst“ und christliche Tugenden, wobei theoretisches Wissen lange Zeit vernachlässigt wurde und die praktische Anleitung im Vordergrund stand.
Warum blieb die Professionalisierung laut Autor oft unvollständig?
Der Autor argumentiert, dass die Medizindominanz, die geringe inhaltliche Autonomie und die Abhängigkeit von ärztlichen Anweisungen eine eigenständige fachliche Professionalisierung bisher verhinderten.
- Citation du texte
- Michael Schwenk (Auteur), 2005, Die Entwicklung der Pflegeberufe in der Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287952