In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mit dem Thema „Die Europäisierung der Nationalstaaten – das Ende der Nationalstaaten?“. Als Quelle für diese Thematik
stehen zwei wissenschaftliche Texte zur Diskussion. Der Text von Prof. Dr. Ludger Kühnhardt mit dem Titel „Über die Europäisierung der Nationalstaaten und ihrer
politischen Kultur“, beschreibt die wissenschaftliche Auffassung über den Nationalstaat und die Europäisierung aus der heutigen Sicht. Im Vergleich dazu werden in dem Textbeispiel von Joachim Hirsch, „Die Zukunft des Staates“, unter anderem frühere Theorien über Nationalstaaten und die Europäisierung beschrieben.Anfangs ein kurzer Beitrag des griechischen Intellektuellen Nicos Poulantzas zur
Nationalstaatstheorie; daran schließt sich ein kurzer Abriss in die Geschichte der Europäischen Union an. Welche Zielsetzungen setzte man sich nach dem II.
Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung Deutschlands und wie konnte man diese Ziele erreichen? Die Verschiebung der politischen Macht warf neue Probleme auf, die behoben werden mussten und die einen wesentlichen Teil zur Zielsetzung beitrugen.Das größte Ziel ist ein einheitliches Leitbild für Europa zu schaffen. Um dieses zu erreichen, musste man sich mit den Unterschieden und den Gemeinsamkeiten
zwischen West- und Osteuropa auseinandersetzen. Einen wichtigen Aspekt in diesem Prozess ist der Zusammenhang zwischen Identität und Staat. Um mit der Zielsetzung eines einheitlichen Leitbildes für Europa weiter voran zu
kommen, musste man nationale Voraussetzungen der europäischen Ordnung schaffen. Dabei macht der tschechische Historiker Miroslav Hroch Unterschiede in der Nationalstaatsentstehung. Im letzten Abschnitt meiner Hausarbeit erläutere ich die Gefahren eines europäischen Nationalismus. Sind die Gefahren so groß, dass das Ziel ein
einheitliches Europa zu schaffen, nicht erreicht werden kann?
Letztendlich stellt sich die Frage, ist die Europäisierung der Nationalstaaten das Ende der Nationalstaaten?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nationalstaatstheorie
3. Die Geschichte der Europäischen Union
3.1 Vom II. Weltkrieg bis 1989/90
3.2 Seit 1989/90
4. Ein einheitliches europäisches Leitbild mit europäischen Zielen
4.1 Überlegungen vor diesem Hintergrund
4.1.1 Bedeutung der Europäisierung des Nationalstaates
4.1.2 Unterschiede und Gemeinsamkeiten von West- und Osteuropa
4.2 Europäische Union als europäisierter Sozialstaat
4.3 Ursachen und Voraussetzungen des weiteren Europäisierungsprozesses aus Nationalstaaten
4.4 Gefahren eines europäischen Nationalismus
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der fortschreitenden Europäisierung und dem Fortbestand der Nationalstaaten. Ziel ist es, durch die Analyse wissenschaftlicher Theorien zu klären, ob die europäische Integration langfristig zur Auflösung nationalstaatlicher Strukturen führt oder ob eine Koexistenz möglich bleibt.
- Analyse der Nationalstaatstheorie im Kontext der Globalisierung
- Historische Entwicklung und Identitätskrisen in der Europäischen Union
- Konzept eines einheitlichen europäischen Leitbildes unter Berücksichtigung von West-Ost-Unterschieden
- Die Europäische Union als europäisierter Sozialstaat und seine Herausforderungen
- Reflexion über Gefahren eines europäischen Nationalismus und die Rolle der Leitkultur
Auszug aus dem Buch
4.4 Gefahren eines europäischen Nationalismus
„Nichts sei schwieriger, […] als das Gute aus sich selbst heraus zu begründen.“ (Kühnhardt 2007:10, zitiert nach Aristoteles)
Die Gefahren über den Versuch der Grundierung des Selbstverständnisses Europas durch einen anderen; durch ein Feindbild. Als Beispiel haben wir Europa als Antithese zur Welt des Islams oder zum aufstrebenden China. Denn Europa bedarf der Grenzen zur Klärung seiner Selbst und zum besseren Verständnis des Anderen. Eine weitere Gefahr ist die Übersteigerung des Selbstbildes und der Entwicklung von Feindbildfantasien.
Dies ruft eine wesentliche Problemfrage hervor. Was ist aber spezifisch europäisch? Der Ausgangspunkt des Christentums ist beispielsweise der Nahe Osten. Die Demokratie, die zwar terminologisch in Griechenland begründet liegt, wurde in der Historie Europas partiell durch Diktatur ersetzt. Aus diesem Grund bleibt den Europäern nichts anderes übrig, als ihre Grenzen im sozialen Raum zu suchen. Bei der Idee der Grenzziehung prallen kulturelles Identitätsverständnis, Mentalitätsfragen, politisches Kalkül und Vorurteile zusammen. Dies zeigt sich im Umgang mit nichteuropäischen Migranten, von denen erwartet wird, sich der europäischen Leitkultur anzupassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Europäisierung der Nationalstaaten ein und benennt die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Texte von Ludger Kühnhardt und Joachim Hirsch.
2. Nationalstaatstheorie: Dieser Abschnitt beleuchtet die Theorien von Nicos Poulantzas zum Staat als soziale Beziehung und zur räumlich-zeitlichen Selektivität unter kapitalistischen Bedingungen.
3. Die Geschichte der Europäischen Union: Das Kapitel zeichnet die Entwicklung der EU nach, angefangen vom durch Eliten geprägten Projekt bis hin zur heutigen Identifikationskrise der Unionsbürger.
4. Ein einheitliches europäisches Leitbild mit europäischen Zielen: Hier werden die Voraussetzungen für ein gemeinsames europäisches Leitbild diskutiert, wobei insbesondere die Unterschiede zwischen Staats- und Kulturnationen sowie die Rolle des Sozialstaats betrachtet werden.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Europäisierung nicht das Ende des Nationalstaats bedeutet, sondern eine notwendige gemeinsame Ausrichtung erfordert, bei der kulturelle Identitäten gewahrt bleiben können.
Schlüsselwörter
Europäisierung, Nationalstaat, Europäische Union, Sozialstaat, Globalisierung, Identität, Integration, Staatsnation, Kulturnation, Europäischer Nationalismus, Leitkultur, Wohlfahrtsstaat, Transnationalismus, Politische Kultur, Europäische Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen der zunehmenden Europäisierung und dem Fortbestand der Nationalstaaten innerhalb der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Nationalstaatstheorie, die Geschichte der EU, die Herausforderungen eines einheitlichen europäischen Leitbildes, die Sozialstaatlichkeit sowie die Gefahren eines entstehenden europäischen Nationalismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob die Europäisierung der Nationalstaaten zwangsläufig das Ende der Nationalstaaten bedeutet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der Texte von Wissenschaftlern wie Ludger Kühnhardt und Joachim Hirsch gegenübergestellt und reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, historische Abrisse, die Diskussion um europäische Leitbilder, sozialpolitische Perspektiven und eine kritische Auseinandersetzung mit Identitätsfragen und Nationalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Europäisierung, Nationalstaat, Europäische Union, Sozialstaat, Integration sowie das Spannungsfeld zwischen Identität und Globalisierung.
Wie unterscheidet Miroslav Hroch die Entstehung von Nationalstaaten?
Hroch differenziert zwischen der Staatsnation, die auf einer Interessenübereinkunft bürgerlicher Rechte basiert, und der Kulturnation, die aus dem Streben nach Anerkennung ethnischer, sprachlicher oder religiöser Identitäten hervorgeht.
Warum sieht die Autorin die Gefahr eines europäischen Nationalismus?
Die Gefahr liegt in der Bildung von Feindbildern und dem Versuch, ein europäisches Selbstverständnis durch Abgrenzung gegenüber dem "Anderen" zu definieren, was den Zielen eines vereinten Europas entgegenstehen könnte.
- Citation du texte
- Sylvia Sickert (Auteur), 2013, Die Europäisierung der Nationalstaaten. Das Ende der Nationalstaaten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288012