Die Auferstehung Jesu von Nazareth gemäß dem Lukasevangelium (Lk 24)


Essay, 2014

6 Seiten, Note: bestanden (mit Lob)


Leseprobe

Die Auferstehung des am Kreuz gestorbenen Jesus von Nazareth ist zentraler Inhalt des christlichen Glaubens. Im Folgenden soll den Fragen nachgegangen werden, wie der Evangelist Lukas die Auf­erstehung überliefert, ob es Personen- oder Sachbeweise für sie laut Lukas gibt und ob sein Bericht ge­schicht­lich nachvollziehbar ist.

1 Das leere Grab

Gemäss Lukas ist das leere Grab Jesu kein ‚Beweis‘ für Jesu Auferstehung und für die Ent­stehung der Auf­erstehungs­nachricht unbe­deutend (vgl. Lk 24,4). Lk 24,6-7 enthält diese Botschaft zwar und auch die von den himmlischen Boten an die Frauen gerichtete Frage (Lk 24, 5c) enthält einen deutlichen Hinweis auf die Auferweckung Jesu. Der Evan­gelist erklärt aber nur das Leersein des Grabes mittels dieser. Das ‚Er ist nicht hier‘ in Lk 24,6a.b ist bloss negatives Zeichen für sie, wohl die Tatsache berücksichtigend, dass man in der ältesten Jerusalemer Gemeinde mit diesen Worten die Stelle zeigte, an der Jesu Leichnam gelegen hatte. Denn die Auferweckung Jesu hätte von den Jüngern und Jün­gerin­nen in Jerusalem und Umgebung nicht verkün­det werden können, wenn der Leichnam Jesu im Grab zu finden gewesen wäre. Auch die Leinen­binden (Lk 24,12) sind nur negatives Auferstehungs­zeichen. Das leere Grab soll die Auferstehungs­botschaft also lediglich geschichtlich verankern. Die geringe Bedeu­tung, die Lukas dem leeren Grab für die Gewissheit der Auferstehung Jesu bei­misst, zeigen die Reaktion der Apostel auf die Nachricht der Frauen (Lk 24,10b-11) und die von den beiden Emmaus-Jüngern erfolgte Wieder­gabe des Berichts der Frauen (Lk 24,22-24). Mit den in Lk 24,12 und 24,24 erzählten, die Aufer­stehung nicht bestätigenden Grabbesuchen von Simon – genannt Petrus/Kephas – bzw. den Jüngern sowie dem in Lk 24,34 beschriebenen Erkenntnis­zusam­menhang zwischen Aufer­stehung und Erscheinung Jesu betont Lukas die historische Be­deutungs­losigkeit des leeren Grabes für die Entstehung der Aufer­stehungsbotschaft zusätzlich. Für Lukas kann es für das Ver­schwinden von Jesu Leichnam aus dem Grab offenbar mehrere Ursachen geben, von denen ‚Aufer­stehung‘ nicht die nächstliegende ist (vgl. Lk 24,11.23-24). Der Evangelist versucht mit seiner Darstellung des Grabes Jesu offensichtlich, den historischen Geschehnissen gerecht zu werden.

2 Die fehlenden Auferstehungszeugen am Grab Jesu

2.1 Die Grabbesucherinnen

Frauen können im Sinn des Lukas durchaus ‚Zeugen‘ der Auferstehung Jesu sein. Da die Frauen beim berichteten Besuch am Grab Jesu dem Auferstandenen nicht nachweislich begegnet sind, interessiert die Botschaft der Frauen und deren innere Verfassung Lukas je­doch nicht. Damit erübrigt sich auch die Frage, ob Lukas den Frauen in Lk 24,8 Auferstehungs­glauben attestiert. Die Frauen wurden am Grab Jesu nicht zu Zeuginnen seiner Auferstehung.

2.2 Die Jünger

Die Apostel, die nur schwer von der Auferstehung Jesu zu überzeugen waren, nahmen die Rede der Frauen nicht als Auferstehungsbotschaft an (Lk 24,11). Der Evan­gelist bezweckt damit wohl, dadurch das spätere Zeugnis der Apostel von der Auferstehung Jesu eher glaubhaft erscheinen zu lassen. Die Apostel sind am Grab Jesu ebenfalls keine Zeugen seiner Auf­erstehung. Was Simon in Lk 24,12 sieht, ist folglich für ihre Realität nicht von grosser Bedeutung. Die Möglichkeit einer Auferstehung Jesu von den Toten als Deutung der Ereignisse am Ostertag liegt auch den beiden Emmaus-Jüngern fern (Lk 24,23). Der Evangelist wollte damit offenbar darlegen, dass es weder unter der Jüngerschaft Zeugen der Auferstehung Jesu selbst gab noch der Aufer­stehungsglaube der Jünger und Jüngerinnen am Grab Jesu begründet wurde.

3 Das lukanische Zeugenverständnis

Zu eigentlichen ‚Zeugen‘ der Auf­erstehung Jesu macht Lukas die Jünger (und Jüngerinnen) erst, als Jesus als Auferstan­dener vor ihnen ass. Dies ist erstmals in Lk 24,48 geschehen, wo er seine in Jerusalem versammelten Jünger (und Jüngerinnen) als Zeugen seiner Auferstehung bezeichnet. Gemäss Lukas macht mithin erst die unmittelbare Begegnung mit dem Aufer­standenen die Jünger (und Jüngerinnen) zu Zeugen seiner Auferstehung. Nur wenn sie sie in solcher­massen autori­sierter Weise verkünden, sind die Jünger und Jüngerinnen Zeugen der Auferstehung Jesu. So beginnt bei Lukas erst mit Lk 24,44-48 die Zeit deren Verkündigung durch Auferstehungs­zeugen.

4 Der Schriftbeweis des Lukas

Lukas lässt die Jünger bezeugen, dass die Aufer­stehung Jesu nach der Heiligen Schrift erfolgte. Für den Evangelisten erfüllt sich die jüdische heilige Schrift in der Auferstehung Jesu. Entsprechend ist für den Evangelisten deren Beweis aus dieser Schrift gleichermassen wie die Begegnung mit dem Aufer­standenen von zentraler Bedeutung. In Lk 24,26 begründet Lukas erstmals die Auferstehung Jesu mit dem Zeugnis der Schrift, und zwar indem der Evangelist Jesus sich mit dem Messias identifizieren lässt. Jesus macht den Emmaus-Jüngern dabei deutlich, dass es ohne Auferstehung keine Erfüllung der mes­sianischen Hoffnungen Israels gibt, er in seine messia­nische Herrschaft erst durch Aufer­stehung eingesetzt wird. Lukas wendet hier mithin das christo­logische Konzept der Verknüpfung des Messias-Titels mit der Auferstehung Jesu an (auch in Lk 24,46). Der Evangelist baute dabei auf eine sehr alte Tradi­tion auf, welche die wich­tigsten Glau­bens­aussagen enthielt: Auferweckt-Werden Jesu in Über­einstimmung mit der jüdischen heiligen Schrift, wo­durch dieser Jesus als Messias (Christus) ausge­wiesen wurde. Jesus ist in seiner Aufer­stehung der Schlüssel zur Schrift (Lk 24,45). In Lk 24,46 weist Lukas ebenfalls auf die Schrift hin, die Jesus als den Christus in seiner Auferstehung erweist: Dem in der Schrift dargelegten Ratschluss Gottes entspricht die Aufer­stehung Christi am dritten Tag.

5 Ist Jesus von Nazareth wahrhaft auferstanden?

5.1 Die Überzeugung der Jünger und Jüngerinnen

Bevor die Emmaus-Jünger berichten können, dass sie dem Auferstandenen begegnet sind, lässt Lukas sie in Jerusalem von den elf Aposteln und den anderen Jüngern (und Jüngerinnen) mit der Nachricht von der Aufer­stehung Jesu empfangen, die in Form des urchristlichen Auferstehungsbekenntnisses formuliert ist (Lk 24,34). Hinter dieser Botschaft steht vermutlich die uralte Tradition, dass der Auferstan­de­ne zuerst dem Apostel Simon erschienen ist, nicht jedoch ein Zeugnis der Aufer­stehung Jesu im eigentlichen Sinn, da auch Simon nicht Zeuge der Aufer­stehung wurde. Die (Erst-)Er­scheinung Jesu vor ihm wird vom Evange­listen nicht berichtet. Simon ist die Gewissheit der Auf­er­stehung ‚nicht von Menschen und nicht durch einen Menschen‘ (Gal 1,1) vermittelt (Lk 24,34). Beide Gruppen, die beiden Emmaus-Jünger und die elf Apostel mit den anderen Jüngern (und Jüngerinnen), sind indessen danach von der Aufer­stehung Jesu überzeugt (Lk 24,34-35), da das Erlebnis der Emmaus-Jünger durch jenes des Simon bestätigt und gestützt wird. Aufgrund der Stellung des Simon als Primus der urchristlichen Gemeinde, seiner fehlenden Augenzeugenschaft der Aufer­stehung selbst und der nichtberichteten (Erst-)Begegnung mit dem Auferstandenen ist der Wert dieses Zeug­nisses freilich fraglich. Wohl deshalb bekräftigte Lukas die Überzeugung beider Gruppen durch eine weitere Erscheinung des Auferstan­denen, nun vor den elf Aposteln und den anderen Jüngern (und Jün­gerinnen) (Lk 24,36-49). Laut Lukas machte mithin genau besehen erst die Bestätigung der (Erst-)Er­scheinung Jesu vor Simon durch die Erscheinung Jesu vor allen Aposteln und übrigen Jüngern (und Jüngerinnen) (Lk 24,36-49) die Aufer­stehung Jesu in seinem Jüngerkreis gewiss (Lk 24,34). Dass es eine Erscheinung des Auferstandenen vor den elf Aposteln gegeben hat, ist aufgrund von 1 Kor 15,5 wahrscheinlich, so dass dieser Bestä­ti­gungs­­bericht insofern glaubhaft erscheint.

5.2 Auferstehungsbeweis Auferstandener

Wie bereits erwähnt, kommt gemäss Lukas die Gewissheit der Auferstehung Jesu jedoch letztlich einzig aus der direkten Begeg­nung mit dem Auferstandenen (vgl. Lk 24,31.34.36-52), die zum Zeugnis befähigt, und aus der Verkündigung dieser Zeugenschaft. Für Lukas erschliesst sich Jesu Auferstehung mit notwen­diger, hinrei­chender Gewissheit aus seiner Erscheinung (Lk 24,34). Bultmann spricht in seiner Ge­schichte der synoptischen Tradition (S. 312 f.) gar von einem Motiv des Aufer­stehungs­beweises durch die Erscheinung des Auferstan­denen. Lk 24,36-49 legt dar, dass Jesus wirklich auferstan­den ist, wobei die in Lk 24,36-43 – besonders Lk 24,39c-d und 24,41-43 – erzählten Ereignisse die Tatsächlich­keit seiner Auferstehung beweisen sollen. Der Evangelist will hier mit einer massiv materiellen – situ­ationsbedingt überakzentuierten – Darstellung des Auferstandenen deutlich aufweisen, dass dieser selbst der Beweis der von ihm angekün­dig­ten und nun ereigneten Auferstehung ist. Dabei sichert Lukas durch den Hinweis auf die fleischliche Auferstehung in Lk 24,39 die Identität zwischen Jesus und dem Auferstandenen apologetisch und berücksichtigt in der Schilderung von dessen Knochen, dass nach jüdischer Anschauung die Gebeine für den Auferstehungsleib das Gerüst bilden. Für Lukas ist die leibliche Auferstehung so wirklich, dass der Auferstandene zu essen vermag (Lk 24,42-43). Mit der Annahme und dem Verzehr der Speise vor den Augen der Jünger sollte jeder Zweifel an der leiblichen Auferstehung nun ausgeschlossen sein. Adressaten der in Lk 24,39-43 aufgenommenen urchristlichen Darstellung sind die Men­schen, welche die Botschaft von der Auferstehung Jesu bezweifeln. Auch in Lk 24,50-53 bezeugt der Evangelist die wirkliche, personale Auferstehung Christi. Die Auferstehung Jesu ist bei Lukas daher nicht Be­frie­digung menschlicher Sehnsüchte oder Fantasien.

6 Wie geschah die Auferstehung Jesu von Nazareth?

Das Verb ἠγέρϑη, mit dem Lukas die Engel Jesu Auferstehung verkünden lässt (in Lk 24,34), ist ein Passivum divinum, das Gottes Handeln an Jesus beschreibt. Lukas hat daher die Vorstellung der Auferstehung im Sinn von Auferweckung. Diese ist zunächst keine Rückkehr in das irdische Leben (Lk 24,25-31), dann zumindest auch eine solche (Lk 24,43). Der auferweckte Jesus ist identisch mit dem dage­wesenen (Lk 24,39b). Sein Auferstehungsleib ist indessen derart anders (1 Kor 15,35-45), dass man ihn nicht mit ‚Fleisch und Knochen‘ gleichsetzen kann (Lk 20,35-36). Gleichwohl soll in Lk 24,36-43 die Leiblichkeit der Auferstehung im Sinn der ‚Auferstehung des Fleisches‘ sichergestellt werden. Schon in Lk 24,2 will Lukas auf die leibliche Auferstehung hinweisen. Die Auferstehung, die selbst nicht beschrieben wird, übersteigt somit die natürlichen Dimensionen und Gesetzmässigkeiten dieser Welt. Weil die Aufer­stehung Jesu für Lukas unerzählbar ist, kann er sie bloss in der narra­tiven Gestalt von Analepsen er­zähle­risch abbilden, mit deren Hilfe das tatsächlich erzählte Geschehen gedeutet wird.

Es gilt dabei zu berücksichtigen, dass, insofern Lk 24,26 und 24,46 das uralte Kerygma der Aufer­stehung Jesu aufnehmen, der lukanische Begriff ‚Auferstehung‘ auf das urchristliche Glau­bens­bekenntnis aufbaut, also die Ver­kün­­digung einschliesst. Für Lukas ist der Glaube an die Aufer­stehung Jesu nämlich die Basis für deren Verkündigung in der Gemeinde (vgl. Lk 24,45), deren Schriftver­ständnis durch das rätselhafte Geschehen der Auferstehung bestimmt wird (vgl. Lk 24,46).

7 Fazit

Wie das von Lukas vorausgesetzte Ereignis der Auf­er­stehung Jesu tatsächlich erfolgte, überliefert der Evangelist nicht und bleibt Geheimnis. Lukas versucht offensichtlich, den historischen Gegebenheiten gerecht zu werden. Er beruft sich letztlich allein auf das Zeugnis der Jünger und Jüngerinnen, denen der Auferstandene begegnet ist, und die jüdische heilige Schrift. Angesichts dessen überliefert die lu­kanische Schilderung der Ereignisse, die im Zusammenhang mit der Auferstehung Jesu gesehen wer­den, „nur“ insofern einen Personen- und Sachbeweis für diese. Gerade dies erweist den lukani­schen Bericht aber als glaub­haft und nachvollziehbar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die Auferstehung Jesu von Nazareth gemäß dem Lukasevangelium (Lk 24)
Hochschule
Universität Luzern
Note
bestanden (mit Lob)
Autor
Jahr
2014
Seiten
6
Katalognummer
V288218
ISBN (eBook)
9783656885184
ISBN (Buch)
9783656885191
Dateigröße
832 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jesus von Nazareth;, Auferstehung;, Lukas-Evangelium, Jesus, Lukas 24, Lk 24
Arbeit zitieren
Dr.iur. Andrea G. Röllin (Autor), 2014, Die Auferstehung Jesu von Nazareth gemäß dem Lukasevangelium (Lk 24), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288218

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Auferstehung Jesu von Nazareth gemäß dem Lukasevangelium (Lk 24)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden