Die Aufdeckung der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) im November 2011 hat nicht nur eine unfassbare Mord- und Verbrechensserie offenbart, sondern auch das Versagen deutscher Sicherheitsbehörden bekannt gemacht. Besonders der Verfassungsschutz steht unter vehementer Kritik, es ist sogar von einer Legitimationskrise des Nachrichtendienstes die Rede. Bundestagspräsident Norbert Lammert stellt fest: „Als Ende 2011 die erschreckende Serie von Morden und Anschlägen der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" bekannt wurde, löste das Ausmaß der Verbrechen Trauer und Betroffenheit aus. Aber auch Scham und Fassungslosigkeit, dass die Sicherheitsbehörden der Länder wie des Bundes die über Jahre hinweg geplanten und ausgeführten Verbrechen weder rechtzeitig aufdecken noch verhindern konnten.“ Ist der Schutz des deutschen Verfassungsstaates vor Extremismus unwirksam, weil die Schützer des Verfassungsstaates versagen? Haben die NSU-Mordserie und das Versagen des Verfassungsschutzes gezeigt, dass nicht richtig und zu wenig kontrolliert wurde und wird? Die Möglichkeit und Effizienz der Kontrolle des Verfassungsschutzes ist Thema dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
A) Der Verfassungsschutz
I) Einführung
II) Was ist der Verfassungsschutz?
1. Historischer Abriss
2. Aufgaben und rechtliche Grundlagen des Verfassungsschutzes
B) Die Kontrolle des Verfassungsschutzes
I) Legitimation der Kontrolle
II) Gegenstand und Formen der Kontrolle
III) Umsetzung der Kontrolle durch Parlamente
1. Parlamentarische Kontrolle durch den Untersuchungsausschuss
2. NSU-Untersuchungsausschuss
a) Arbeit des Ausschusses
b) Ergebnisse des Ausschusses
c) Weitere Vorschläge der Fraktionen und Sachverständigen
3. Verbesserung der parlamentarischen Kontrolle
C) Diskussion und Bewertung
I) Kontrollreichweite des Untersuchungsausschusses
1. Grenzen des Untersuchungsausschusses
2. Besonderheit der parlamentarischen Kontrolle
3. Geheimnisschutz und ex-post-Betrachtung
4. Bewertung
II) Geheimdienstbeauftragter
1. Rechtliche Stellung des Geheimdienstbeauftragten
2. Einführung eines Beauftragten für den Verfassungsschutz
3. Bewertung
III) Erweiterte Kontrollen des Verfassungsschutzes
1. Umsetzung der erweiterten Kontrollen
2. Bewertung
IV) Wirksamkeit der Kontrolle
1. Neue Formen der Sicherheitsarchitektur
2. „Schlapphut-Haltung“ des Verfassungsschutzes
D) Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der Frage nach der Möglichkeit und Effizienz der Kontrolle des Verfassungsschutzes vor dem Hintergrund des bekannt gewordenen Versagens der Sicherheitsbehörden im Fall der NSU-Terrorgruppe. Untersucht wird, inwieweit bestehende Kontrollmechanismen, insbesondere parlamentarische Untersuchungsausschüsse, geeignet sind, Fehlentwicklungen aufzudecken und zu korrigieren, sowie welche institutionellen Reformen zur Steigerung der Kontrollwirksamkeit sinnvoll erscheinen.
- Legitimation und Formen der staatlichen Kontrolle über Nachrichtendienste.
- Analyse der parlamentarischen Kontrolle am Beispiel des NSU-Untersuchungsausschusses.
- Diskussion über die Einführung eines unabhängigen Geheimdienstbeauftragten.
- Bewertung von Geheimnisschutz versus parlamentarischem Informationsanspruch.
- Implikationen der veränderten Sicherheitsarchitektur auf die Kontrollierbarkeit.
Auszug aus dem Buch
1. Parlamentarische Kontrolle durch den Untersuchungsausschuss
Dem Bundestag ist durch Art. 44 GG ein Untersuchungsrecht gegeben worden, mit hoheitlichen Mitteln alle Sachverhalte zu prüfen, die er in Erfüllung seines Verfassungsauftrags für aufklärungsbedürftig hält. Im Wesentlichen handelt es sich um Vorgänge und Angelegenheiten, für die die Regierung verantwortlich ist und die auf Missstände hinweisen. Art. 44 GG wird ergänzt durch das Untersuchungsausschussgesetz (PUAG), die Strafprozessordnung (StPO) und die Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages (GOBT). Das PUAG regelt dabei insbesondere Einsetzung und Zusammensetzung eines Untersuchungsausschusses, das Verfahren sowie den Rechtsschutz auskunftspflichtiger Personen. Der Bundestag kann einen Untersuchungsausschuss einsetzen, ist sogar zur Einsetzung verpflichtet, wenn ein Viertel seiner Mitglieder dies verlangen.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Der Verfassungsschutz: Dieses Kapitel erläutert die verfassungsrechtliche Einordnung und die geschichtliche Entwicklung des Verfassungsschutzes als Inlandsnachrichtendienst.
B) Die Kontrolle des Verfassungsschutzes: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Kontrolllegitimation sowie die verschiedenen parlamentarischen und administrativen Kontrollinstanzen beschrieben.
C) Diskussion und Bewertung: Dieser Hauptteil analysiert kritisch die Reichweite und Effizienz der Untersuchungsausschüsse, diskutiert die Idee eines Geheimdienstbeauftragten und bewertet aktuelle Reformansätze zur Stärkung der Aufsicht.
D) Ergebnis: Das Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer effizienteren Kontrolle, etwa durch die Schaffung eines Geheimdienstbeauftragten als Hilfsorgan des Parlaments.
Schlüsselwörter
Verfassungsschutz, Parlamentarische Kontrolle, NSU, Untersuchungsausschuss, Nachrichtendienste, Geheimnisschutz, Gewaltenteilung, Demokratieprinzip, Geheimdienstbeauftragter, Sicherheitsarchitektur, V-Leute, Rechtsstaatlichkeit, Aufsicht, Sicherheitsbehörden, parlamentarisches Regierungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und die Effizienz der Kontrolle des deutschen Verfassungsschutzes nach der Aufdeckung der NSU-Mordserie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die parlamentarische Kontrolle, der Geheimnisschutz, die Rolle von Untersuchungsausschüssen und die Frage nach neuen Kontrollstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob die Kontrolle des Verfassungsschutzes angesichts der Ereignisse rund um den NSU effizient gestaltet ist oder ob strukturelle Reformen erforderlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen, verfassungsrechtlicher Prinzipien sowie die Auswertung von Berichten des NSU-Untersuchungsausschusses.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Kontrollreichweite, den Grenzen der Untersuchungsausschüsse sowie der Diskussion um die Einführung eines unabhängigen Geheimdienstbeauftragten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind Begriffe wie Verfassungsschutz, Parlamentarische Kontrolle, NSU-Untersuchungsausschuss und Geheimdienstbeauftragter.
Inwiefern beeinflusst der Geheimnisschutz die Kontrollmöglichkeiten?
Der Geheimnisschutz wird als ein Grunddilemma identifiziert, da er den Zugriff auf Informationen beschränkt, die für eine effektive parlamentarische Kontrolle jedoch notwendig wären.
Warum wird die Einführung eines Geheimdienstbeauftragten diskutiert?
Ein solcher Beauftragter nach dem Vorbild des Wehrbeauftragten soll als ständiges Hilfsorgan des Bundestages fungieren, um eine dauerhafte und schlagkräftige Kontrolle über das bisherige Maß hinaus zu ermöglichen.
- Citar trabajo
- Frank Müntefering (Autor), 2014, Die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Möglichkeit und Effizienz der Kontrolle des Verfassungsschutzes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288233