Kognitive Semiotik. Versuch einer Beschreibung mentaler Repräsentationen mittels der Überlegungen von Charles Sanders Peirce


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung in die Thematik

II. Mentale Repräsentationen

III. Allgemeine Zeichenlehre 1. Die Universalkategorien des Phanerons 2. Peirce’ triadische Determinationsrelation 3. Klassifikation der Zeichen

IV. Denken, Geist und Quasi-Geist: Peirce’ Semiose -Konzept

V. Peirce’ Theory of Cognition

VI. Fazit

VII. Siglen- und Quellenverzeichnis

Abstract

This paper—written in the spring of 2009—deals with application of Peircean terms— embedded into a highly complex semiotic theory of cognition—to mental representations. It examines the hypothesis that neither an analogue-iconic, nor a neurophysiological-indexical, nor a propositional-symbolic model can convincingly explain cognitive operations. On the contrary, a model which tolerates the interaction between different types of signs that are to be considered as different modes of representation of mind content seems much more feasible.

I. Einführung in die Thematik

Das oftmals Leibniz zugeschriebene sensualistische Diktum Thomas’ »nihil est in intellectu, quod non sit prius in sensu« (De verit. II, 3), demzufolge alle Erkenntnis aus subjektiv gefärbten Sinnesdaten und neurophysiologischen Prozessen abgeleitet wird, kann als wegweisender Impuls einer auf die (frühen) Arbeiten Charles Sanders Peirce’ Bezug nehmenden kognitiven Semiotik betrachtet werden, deren operationale Struktur in der vorliegenden Studie zu skizzieren versucht werden soll. Dabei sieht sich das Vorhaben mit zwei epistemologischen Hindernissen konfrontiert: zum einen steckt die Disziplin der Kognitiven Semiotik noch weitgehend in den Kinderschuhen, was terminologische und definitorische Differenzen der mit ihr verknüpften Forschungsrichtungen (Kognitive Semantik, Kognitive Linguistik, Hirnforschung et al.) sowie überdies zahlreiche zu attestierende innere Inkonsistenzen, methodische Unzulänglichkeiten und konzeptuelle Ausuferungen zur Folge hat (cf. Brandt 2004; Cognitive Semiotics 2007ff.); zum anderen erweist sich das hochgradig fragmentarische und nicht minder komplexe Werk Peirce’ als schier überwältigend und kaum handhabbar, zumal sich etwa drei Viertel der Peirceschen Schriften noch im Nachlaß befinden.1 Abhilfe und Orientierung sollen die im Rahmen des Peirce Edition Project der Indiana University/Purdue University Indianapolis publizierten und auf 30 Bände angelegten Writings schaffen, die als chronologische Ausgabe eine nahezu vollständige und zusammenhängende Darstellung des Peirceschen Denkens beabsichtigt. (Cf. W1-6ff.; Walther 1989: 372; Rellstab 2007: 11)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die enge Verknüpfung von kognitiver Semiotik mit kognitiver Semantik (cf. Lakoff/Johnson 1980; Kövecses 2004; Haser 2005) beziehungsweise kognitiver Grammatik (cf. Langacker 1990; Fauconnier 1997; Lewandowska-Tomaszczyk 2004) läßt zunächst Roman Jakobsons linguistisches Zwei-Achsen-Modell aus dem Jahre 1960 als Vorläuferkonzept kognitionswissenschaftlicher Betrachtungen erscheinen. Jakobson - ein früher Peirce-Bewunderer (cf. Jakobson 1988), der Peirce wohl aufgrund der katastrophalen Quellenlage (cf. Hartshorne/Weiss/Burks 1960;

Walther 1989: 368-69) als ›ersten Strukturalisten‹ fehlinterpretiert hat (cf. Rellstab 2007: 16- 17) - zog die Begriffe Metapher und Metonymie heran, um das Wesen der poetischen Sprache zu fassen, deren Mechanismus in der Projektion der paradigmatischen auf die syntagmatische Achse bestehe (cf. Jakobson 1993: 110-11). Vor dem Hintergrund kognitivsemiotischer Überlegungen könnte Jakobsons Modell mit Hilfe der Peirceschen Phaneroskopie - so der Name, den Peirce seiner Phänomenologie nach 1904 gegeben hat (cf. Rellstab 2007: 97-99) - erweitert und terminologisch (durch Ikon und Index) ergänzt werden. Eine derartig funktionale Transformation wäre nicht mehr allein auf die poetische Sprache beschränkt, sondern gäbe einen potentiellen Einblick in mentale (und das heißt: semiotische) Prozesse überhaupt. Inwieweit sich die Begriffspaare Ikonizität/Indexikalität (Peirce) und Similarität/Kontiguität (Jakobson) tatsächlich entsprechen oder ob ein solcher Vergleich sinnvoll beziehungsweise erkenntnisgewinnend ist, muß im Fokus einer dezidiert wissenschaftsgeschichtlich ausgerichteten Arbeit stehen.

Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit liegt hingegen im Versuch einer Fruchtbarmachung und Anwendung des in eine hochgradig komplexe semiotische Erkenntnistheorie eingebetteten Peirceschen Begriffsinstrumentariums zur Beschreibung mentaler Repräsentationen. Dabei sei die These vertreten, daß weder ein analog-ikonisches noch ein neurophysiologisch-indexikalisches noch ein propositional-symbolisches Modell kognitive Darstellungen überzeugend darzulegen vermag; plausibler erscheint hingegen ein Modell, das das Zusammenspiel unterschiedlicher Zeichenarten toleriert, die als unterschiedliche Repräsentationsmodi geistiger Inhalte aufzufassen sind. Vor dem Hintergrund dieser These werden zunächst einige gängige Modelle mentaler Repräsentationen kritisch vorgestellt, wobei gezeigt werden wird, daß sie allesamt auf zeichentheoretischen Fundamenten beruhen (Kapitel II). Im Anschluß daran wird das Zeichenkonzept Peirce’ in groben Zügen darzustellen versucht; der für die Thematik wichtigen Subklassifikationen soll dabei verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt werden (Kapitel III). In Kapitel IV liegt das Augenmerk auf der für die Peircesche Semiotik so wichtigen Semiose und ihrer Bedeutung für mentale Operationen. Das abschließende fünfte Kapitel präsentiert die vom frühen Peirce aufgestellten vier Thesen - die sogenannten ›vier Unvermögen‹ - bezüglich der Grenzen mentaler Fähigkeiten. Ein kurzes Fazit (Kapitel VI) summiert die wichtigsten Punkte der Studie.

II. Mentale Repräsentationen

Die Frage, wie etwas oder gar was mental repräsentiert wird, erweist sich als äußerst diffizil und ist mit letzter Sicherheit wohl nie eindeutig zu beantworten. Es können bestenfalls Versuche über beziehungsweise Annäherungen an das Denken über das Denken - die Metaebene der Kognition - angestrengt werden, welche seit der Antike philosophisch beziehungsweise naturwissenschaftlich ausgerichtete Theorien prägen. Robert Cummins (1989: 2-8) hat vier Modelle mentaler Repräsentationen identifiziert:

Das erste und damit älteste ist das ›είδος-Modell‹ Aristoteles’, welches Cummins als » Mind- stuff inFORMed « (ibid.: 2) bezeichnet. Mentale und physische Objekte werden als Kombination von Materie und Form aufgefaßt, sodaß beispielsweise Qualitäten wie Röte und Kugelhaftigkeit zusammen einen roten Ball ergeben - sowohl in natura als auch in mente. Die Repräsentationsart dieses Ideen-Modells beruht auf einem Ä hnlichkeitsverh ä ltnis. Die Grundidee dieses aristotelisch-scholastischen Modells findet sich auch beim zweiten von Cummins beschriebenen wieder: Verknüpft mit den Namen der Empiristen Berkeley und Hume, nennt Cummins dieses Modell schlicht » Images « (ibid.: 4). Mentale Repräsentationen sind Bilder der Realität, das heißt auch hierbei beruht die Relation aus Gesehenem und Repräsentiertem auf Similarit ä t. Daß die Bildhaftigkeit mentaler Repräsentationen eine so prominente Rolle innerhalb der Philosophiegeschichte spielt, hängt wohl mit der ›Hierarchie der Sinne‹ selbst zusammen: Ist für das Neugeborene zunächst der Tastsinn das Medium schlechthin, durch welches die Welt ›begriffen‹ wird, so verlagert sich diese Präferierung mehr und mehr zum Gesichtssinn, welchem in der »Verlässlichkeitsskala der Sinne« (Singer 2004: 59) der Gehörsinn an dritter Stelle folgt. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß mit dieser ontogenetischen Fokusverschiebung vom Tast- zum Sehsinn auch eine Verlagerung von durch Schemata vermittelter indexikalischer zu durch Konzepten vermittelter symbolischer Kommunikation einhergeht, sodaß sensorische Autonomie erreicht wird, das heißt eine Fähigkeit, konzeptuelle Repräsentationen in Abwesenheit einer unmittelbaren perzeptuellen Unterstützung zu aktivieren und zu manipulieren (cf. Daddesio 1994: 149, 154). Es sind daher nicht allein soziale Komponenten, die den Sehsinn für den Menschen so zentral erscheinen lassen; auch physiologische Dispositionen zeigen seine sinnliche Wirkmächtigkeit: über eine Millionen Fotorezeptoren pro Auge stehen lediglich etwa 60.000 Haarzellen im auditiven System gegenüber! (Cf. Singer 2004: 60-62) Doch wie kann ein Bild von etwas Gehörtem, Gerochenem, Gefühltem in der Vorstellung entstehen? Es braucht nicht sonderlich viel, um Bildtheoretikern zu folgen, die eine mentale, ikonische Replik eines Apfels postulieren. Doch wie wird eine Bach-Fuge, wie ein säuerlicher Geschmack, wie ein rußiger Geruch repräsentiert? Werden all diese unterschiedlichen Sinnesdaten in Bilder konvertiert, das heißt entsteht ein mentales Ikon von Glenn Gould, der auf seinem Klappstuhl sitzend die Goldberg Variationen spielt, von einer Zitrone, die als saurer Prototyp in der gustatorischen Wahrnehmung angesehen werden kann, oder einem Feuer, dessen olfaktorische Eigenschaften so speziell und einmalig sind, daß sie dem Menschen schon seit Urzeiten Gefahr signalisieren? Wie verhält es sich mit Negationen oder abstrakten Konzepten wie ›Liebe‹, ›Geist‹ oder ›Zeit‹? Und können blinde Menschen überhaupt mentale ›Bilder‹ generieren? Das ›είδος/ Images -Modell‹ stößt mit seiner Ähnlichkeitsrelation hierbei an seine Grenzen; es muß theoretisch und/oder definitorisch erweitert werden (cf. Scholz 1991). Das mit Cummins genannte » Symbols «-Modell (1989: 6) böte sich zur Optimierung der beiden ersten Modelle an: Bei diesem an Hobbes’ Denken angelehnten Repräsentationstypus gibt es keine Ähnlichkeit, sondern allein abstrakte, »language-like symbols« (ibid.). Diese ›Symbole‹ stellen die In- und Output-Basis mentaler Berechnungen dar und sind von hochgradig konventionellem Charakter (leider wird der Symbolbegriff an dieser Stelle nicht expliziert). Die Kritik, die diesem Modell entgegenschlägt, ist nunmehr offensichtlich: auch dieses Modell kann isoliert betrachtet, das heißt ohne die Unterstützung des ›είδος/ Images - Modell‹, nicht überzeugen. Daß beispielsweise ein Lexikoneintrag zum Lemma ›Katze‹ mental aufgerufen wird (wie immer das vonstatten gehen mag), wenn an eine Katze gedacht wird, erscheint schon allein unter Berücksichtigung evolutionsgeschichtlicher Fakten (Perzeption und Denken waren lange vor sprachlichen oder schriftlichen Symbolen beziehungsweise der anatomischen Fähigkeit, sprachliche oder schriftliche Symbole überhaupt zu produzieren, gegeben) obsolet.

Das » (Actual) neurophysiological states «-Modell (ibid.) verkörpert das aktuelle, naturwissenschaftlich ausgerichtete Modell mentaler Repräsentationen. Die konnektionistische Annahme, daß geistige Darstellungen als Prozesse physiologischer Aktivierung von Synapsenverbindungen in neuronalen Netzwerken zu verstehen seien, erklärt lediglich biologische Abläufe und deren Fundierung, nicht jedoch, wie oder warum oder ob überhaupt ein roter Ball in der Vorstellung existiert! Daher kann dieses Modell lediglich biochemische Prozesse präsentieren, die den eher philosophisch konturierten Theorien eine vermeintlich objektive Nuancierung verleiht.

Betrachtet man diese vier Modelle mentaler Repräsentationen durch eine semiotische Brille Peircescher Tönung, so kann - ohne allzuviel vorwegzunehmen - eine relativ klare Distinktion hinsichtlich der ontologischen Status vorgenommen werden: es ist wenig ersichtlich, wieso Cummins zwischen Modell 1 und 2 differenziert, sagt er doch selbst, daß der einzige Unterschied im »Aristotelian jargon« (ibd.: 4) bestehe, das heißt ›form‹ entspricht ›image‹. Zieht man daher die beiden ersten Modelle zusammen, verbleiben drei Modelle, die gemäß der Peirceschen Kategorienlogik (cf. Kapitel III.1) wie folgt angeordnet werden können:

I.) das aristotelisch-scholastische Berkeley-Hume-Modell, das ikonisch ist;
II.) das neurophysiologische Zustände-Modell, das indexikalisch ist2 ;
III.) das Hobbessche Symbol-Modell, das symbolisch ist.

Wie aus der Kritik zu den einzelnen Modellen bereits ersichtlich geworden ist, kann keines der Modelle allein als ultima ratio angesehen werden. Ganz im Gegenteil: Um eine plausible Theorie über das Wesen, die Form, die Art und Weise mentaler Repräsentationen aufzustellen, ist es unabdingbar, alle drei Möglichkeiten zu vereinen und eine Heterogenität zu akzeptieren, welche auch die Peircesche Semiotik auszeichnet. Neuere neurophysiologische Erkenntnisse bekräftigen diese Verschmelzung: Vorstellungsbilder (Ikone) aktivieren dieselben neuronalen Erregungsmuster wie das ›richtige‹ Sehen; gleichzeitig sind Regionen der Sprachverarbeitung (Symbole) aktiv (cf. Nöth 2000: 233).

III. Allgemeine Zeichenlehre

Peirce hat im Jahre 1902 für das Baldwin Dictionary den Zeichenbegriff wie folgt definiert:

Ein Zeichen ist alles, was etwas anderes (seinen Interpretanten) dazu bringt, sich auf einen Gegenstand zu beziehen, auf den es sich selbst auf dieselbe Weise bezieht (sein Objekt), wodurch der Interpretant seinerseits zu einem Zeichen wird - und so weiter ad inifitum. (SS1: 14)

Es handelt sich also um ein dreiseitiges Zeichenkonzept, das kein isoliertes Zeichen zuläßt, sondern stets eine unendliche Zeichenkette, einen »Zeichenprozeß« (SS3: 27), impliziert. Dadurch wird das Zeichen zu einem »Phänomen par excellence, da es aufgrund seiner drittheitlichen Gestalt alle anderen unzerlegbaren Elemente des Phänomens immer schon einschließt« (SS2: 44).

1. Die Universalkategorien des Phanerons

Als Resultat seiner frühen und intensiven Auseinandersetzung mit Kants Schriften - speziell mit der Kritik der reinen Vernunft (cf. CP 1.560; Walther 1989: 16, 40-41, 54, 65-71; Nagl 1992: 12; Oehler 1993: 10; SS2: 364; Pietarinen 2006: 3-11) - einerseits sowie mit der Kategorienschrift Aristoteles’ andererseits (cf. SS3: 251), entwickelte Peirce 1867 in seinem als Gründungstext seines Denkens zu bezeichnenden On a New List of Categories (cf. W2: 49-59; SS1: 147-59; Murphey 1961: 411-22) die sogenannten zenopythagoreischen Kategorien. Im berühmten und oft zitierten Brief vom 12. Oktober 1904 an Lady Welby schreibt Peirce:

The cenopythagorean categories are doubtless another attempt to characterize what Hegel sought to characterize as his three stages of thought. They correspond to the three categories of each of the four triads of Kant’s table. But the fact that these different attempts were independent of one another (the resemblance of these Categories to Hegel’s stages was not remarked for many years after the list had been under study, owing to my antipathy to Hegel) only goes to show that there really are three such elements. (SeSi: 25)

Diese universalen Elemente des Phanerons 3 nennt Peirce neologistisch Firstness, Secondness und Thirdness (Erstheit, Zweitheit, Drittheit; cf. SS1: 73-75) und charakterisiert sie wie folgt: Die Erstheit ist die Kategorie des unreflektierten basalen Gefühls, der bloßen logischen Möglichkeit (›potentiality‹), der Unmittelbarkeit, der Spontaneität, der Freiheit, der noch undifferenzierten Qualität, der Sympathie und der Unabhängigkeit (cf. SS2: 111, 153, 277). Sie ist die Seinsweise dessen, das so ist, wie es ist, in positiver Weise und ohne Bezug auf irgendetwas anderes (cf. CP 8.328). Zweitheit hingegen ist die Kategorie der Bezugnahme, der Reaktion, der Handlung, des Faktischen, der rohen Gewalt, des Widerstands, der Existenz, desrealen Zwangs und der Erfahrung in Raum und Zeit. (Cf. SS2: 110-11, 161, 182, 280) Sie manifestiert sich in der Relation eines Ersten mit einem Zweiten, unabhängig von irgendeiner Gesetzmäßigkeit. Die Kategorie der Drittheit schließlich bringt ein Zweites in Bezug zu einem Dritten. Sie umfaßt das ›Denken‹ (›thought‹), die Vermittlung, die Erinnerung, die Gewohnheit (›habit‹), die Notwendigkeit, die Bedeutung, die Gesetzmäßigkeit (›law‹), die Kontinuität, die Synthese, die Kommunikation, die Vernunft, die Repräsentation sowie die Semiose (cf. Kapitel IV) und die Zeichen selbst. (Cf. SS2: 112, 153, 163, 277, 280). Seine Kategorien verteidigte Peirce im Jahre 1903 als »die drei irreduziblen und einzigen Bestandteile des Denkens« (SS1: 438).

2. Peirce’ triadische Determinationsrelation

Das multidisziplinäre und genialische Forschen Peirce’ - er beschäftigte sich unter anderem mit Geodäsie, Mathematik, Astronomie, Geologie, Astrophysik, Spektroskopie, Chemie, Linguistik, experimenteller Psychologie, Logik, Philosophie, Geschichte etc. (cf. Walther 1989: 15-16) - sowie seine sich über fünfzig Jahre hinweg wandelnden Ansichten, die stets korrigiert und umstrukturiert und dadurch komplexer wurden (ein im wahrsten Sinne des Wortes work in progress), führten dazu, daß weder eine einheitliche, finite Semiotik noch eine autorisierte Version seines Zeichenkonzepts vorliegt (cf. Rellstab 2007: 62). Peirce selbst äußerte sich angesichts der Größe seines Vorhabens, eine Welt, in der alles Zeichen ist4, zu beschreiben, im Jahre 1906 humorvoll: »Meine Zeichenklassifikation ist noch nicht völlig ausgereift. […] Wenn mir also das Glück zuteil wird, noch 82 oder 83 Millionen Jahre zu leben, so könnte ich hoffen, den Gegenstand zu erschöpfen« (SS2: 400). Im Gegensatz zum dyadischen, sprachtheoretisch fundierten und breit rezipierten Zeichenbegriff Ferdinand de Saussures (cf. de Saussure 2001) knüpfte Peirce an das bereits in der Antike verwendete semiotische Dreieck an (cf. Nöth 2000: 141) und definierte das Zeichen auf Basis erkenntnistheoretischer Überlegungen:

A sign, or representamen, is something which stands to somebody for something in some respect or capacity. It addresses somebody, that is, creates in the mind of that person an equivalent sign, or perhaps a more developed sign. That sign which creates I call the interpretant of the first sign. The sign stands for something, its object. It stands for that object, not in all respects, but in reference to a sort of idea, which I have sometimes called the ground of the representamen. (CP 2.228) Obwohl Peirce selbst nie eine graphische Darstellung dieser Relationen erstellt hat, sei folgend eine Skizze angefügt, die einer ikonischen Umsetzung seiner Semiotik nahekommt, und welche neben der Terminusvielfalt auch die zeichentypologische Subklassifikation der drei Trichotomien enthält, die für die weitere Betrachtung mentaler Repräsentationen beziehungsweise kognitiver Operationen im Rahmen dieser Arbeit entscheidend sein werden.

(Die gestrichelten Linien innerhalb des Dreiecks stellen keineswegs den Versuch einer dreidimensionalen Darstellung dar, sondern veranschaulichen eine ebenfalls in der Forschung verwendet graphische Umsetzung der Peirceschen Zeichentrias als eines sich gabelnden Pfades, wie er etwa in Marty/Marty 1992: 100 gefunden werden kann.)

3. Klassifikation der Zeichen

Peirce’ ›Triadomanie‹ (cf. Walther 1989: 57; Spinks 1991) schlägt sich bis in die kryptomersten Subkategorisierungen seines Zeichenmodells nieder:

Signs are divisible by three trichotomies; first, according as the sign itself [Firstness] is a mere quality [Qualisign], is an actual existent [Sinsign], or is a general law [Legisign]; secondly, according as the relation of the sign to its object [Secondness] consists in the sign’s having some character in itself [Icon], or in some existential relation to that object [Index], or in its relation to an interpretant [Symbol]; thirdly, according as its Interpretant [Thirdness] represents it as a sign of possibility [Rheme] or as a sign of fact [Dicisign] or a sign of reason [Argument]. (CP 2.243)

Da die Trichotomien der Erstheit (Qualisign, Sinsign, Legisign) - also des Zeichens beziehungsweise Repr ä sentamens an sich - und der Drittheit (Rheme, Dicisign, Argument) - des für sprachlogische Analysen prädestinierten Interpretanten -Pols - hinsichtlich der Beschreibung mentaler Repräsentationen von nur geringer Relevanz sind, sei im folgenden das Hauptaugenmerk auf die Beziehungen von Repr ä sentamen und Objekt gelegt, der »most fundamental (division of signs)« (CP 2.275), welche Ikon, Index und Symbol scheidet. Das Ikon als Vertreter der Erstheit der Zweitheit teilt nur rein zufällig Eigenschaften mit seinem Objekt (cf. SS1: 199). Es ist ein qualitativ-degeneriertes Zeichen, welches auch ohne Objekt existieren kann (cf. SS1: 375; SS2: 113), das heißt es besitzt inhärente Merkmale. Peirce zieht eine Zentaur-Statue heran, um diesen Sachverhalt zu illustrieren (cf. SS1: 435), doch gibt er noch weitere, eher intuitive Beispiele: Photographien, Zeichnungen, nachahmende Geräusche, Gebärden, Bilder, Diagramme, algebraische Gleichungen oder Prädikate (cf. SS1: 193-95, 205, 250) - all dies sind Ikone. Die Similarit ä tsrelation, die stets als Hauptmerkmal ikonischer Zeichen genannt wird, ist nicht unproblematisch, denn was ist ›Ähnlichkeit‹ und wann beginnt sie? Oliver R. Scholz hat in seiner anregenden Dissertation unter anderem den Ähnlichkeitsbegriff diskutiert und konstatiert: »es gibt keine einheitlichen Verfahren oder Methoden, welche zu einem (positiven oder negativen) Ähnlichkeitsurteil führen« (1991: 45). Und weiter: »Ähnlichkeit ist sicherlich nicht hinreichend für bildhafte Darstellung. Damit etwas ein Bild ist, muß es Zeichencharakter haben; und dafür reicht kein Grad der Ähnlichkeit hin« (ibid.: 61). Vielleicht hat Peirce selbst die Gefahr gesehen, Ikone mit Bildern und anderen (singulären) Konkreta gleichzusetzen. In einem späteren Monist - Aufsatz aus dem Jahre 1906 legte er größere Gewichtung auf die erstheitlichen, logischen Qualitäten des Ikons, hält es also weitaus abstrakter als es der Ähnlichkeitsbegriff diktiert:

»Ikone sind hauptsächlich erforderlich, um die Formen der Synthese der Elemente des Denkens zu enthüllen. Denn wenn man genau formuliert, so können Ikone nichts anderes darstellen als Formen und Gef ü hle « (SS3: 154/Hervorheb. NSE).

Im Gegensatz zum Ikon zeichnen sich reaktiv-degenerierte Indizes durch »keinerlei bedeutende Ähnlichkeit mit ihren Objekten« (SS1: 351) aus. Es muß eine tatsächliche, raumzeitliche, kausale, physikalische Verbindung mit einem singulären Objekt bestehen (cf. SS2: 113), das heißt das charakteristische Verhältnis, in welchem ein Index mit (s)einem Objekt steht, kann als Kontiguit ä tsrelation bezeichnet werden. An dieser Stelle sei auf eine weitere wichtige Differenzierung Peirce’ hingewiesen: Peirce spaltet das Objekt selbst zweifach auf, sodaß zwischen unmittelbarem und dynamischem beziehungsweise realem Objekt unterschieden werden kann. Dabei ist das unmittelbare Objekt das Objekt, welches durch das Zeichen selbst erschaffen wird; es besitzt »ein bloß Dargestelltes [sic!] Sein« (SS2: 402) und müßte bei einer präzisen Analyse mentaler Repräsentationen herangezogen werden. Das dynamische Objekt hingegen ist keine Vorstellung, sondern existiert in der Realität. Es ist ein »unabhängig Wirkendes, das das Zeichen bestimmt« (SS3: 82). Und eben dieses dynamische Objekt steht mit dem Repr ä sentamen in indexikalischer Beziehung. Hierzu gibt Peirce folgende Beispiele: topographische Karten, physiologische Merkmale, Wetterhähne, Uhren, geometrische Buchstabenmarkierungen, Barometer, Wasserwaagen, Interjektionen, Pronomina, Flexionsendungen, Präpositionen, Blicke, Gesten und ähnliches (cf. SS1: 197-98, 206-11, 244-47). Da Indizes »durch blinden Zwang Aufmerksamkeit auf ihre Objekte« (SS1: 351) lenken, sind sie bereits in der frühkindlichen kognitiven Entwicklung - neben imitativ- ikonischen Zeichen - von eminenter Wichtigkeit:

Ab einem Alter von etwa neun Monaten sind Kinder in der Lage, voll an diesem kognitiven Kollektiv [der kumulativen kulturellen Evolution] zu partizipieren, wenn sie die ersten Versuche unternehmen, ihre Aufmerksamkeit gemeinsam mit ihren Artgenossen auf etwas Bestimmtes zu lenken und von diesen durch Imitation zu lernen (Tomasello 2002: 17/Hervorheb. NSE).

Innerhalb der ontogenetischen Entwicklung folgt auf die ikonisch-indexikalische Phase sensu- motorischer Repräsentation die begrifflich-perspektivisch-sprachliche (cf. ibid.: 153-59), welche nach gängiger Ansicht vorwiegend als ›symbolisch‹ zu erachten ist. Dies ist durchaus zutreffend, denn »[e]in Symbol ist […] ein allgemeines Zeichen, und als solches hat es die Seinsweise einer Gesetzmäßigkeit (im wissenschaftlichen Sinne)« (Peirce 1998b: 66). Das Symbol als Vertreter der Drittheit der Zweitheit ist ein relativ-genuines, unbedingt einen Interpretanten voraussetzendes Zeichen (cf. SS1: 375, 435), »dessen zeichenkonstitutive Beschaffenheit ausschließlich in der Tatsache besteht, daß es so interpretiert werden wird« (Peirce 1998b: 65; cf. SeSi: 33). Anders als der Index denotiert das Symbol keinen Gegenstand, sondern eine Gegenstands art (cf. SS1: 200). Die Art dieses allgemeinen, ›typischen‹5 Objekt -Bezugs, die sich dabei offenbart, obliegt einer Sprechergemeinschaft und einhergehend damit typischen Regeln, Gewohnheiten (›habits‹) beziehungsweise Konventionen:

A Symbol is a law, or regularity of the indefinite future. (CP 2.293)

Any ordinary word, as ›give‹, ›bird‹, ›marriage‹ is an example of a symbol. It is applicable to whatever may be found to realize the idea connected with the word; it does not, in itself, identify those things. It does not show us a bird, nor enact before our eyes a giving or a marriage, but supposes that we are able to imagine those things, and have associated the word with them. (CP 2.298) Das in Kapitel II erwähnte Hobbessche Modell mentaler Repräsentationen kann also durchaus als › Symbol -Modell‹ betitelt werden, in welchem Repr ä sentamen und Objekt in einer Konventionalit ä tsrelation zueinanderstehen. Allerdings sollte inzwischen klar geworden sein, daß sich nicht alle sprachlichen Zeichen unter dem Begriff eines ›reinen‹ Symbols fassen lassen; viele Wörter - darunter das weite Feld der Lokal-, Temporal- und Personaldeiktika, aber auch Eigennamen oder Gattungsbezeichnungen - besitzen indexikalischen Charakter. Umberto Eco kommentiert diesen Sachverhalt wie folgt:

Dennoch ist die Problematik der Indizes sehr viel verwickelter, als es zunächst scheint. Zum Beispiel gehören in diese Kategorie andere, deformierte Indizes, nämlich jene Redeteile, die die Linguisten als shifters oder embrayeurs bezeichnen und die wir als ›Kommutatoren‹ definieren könnten. Zu ihnen zählen beispielsweise die Personalpronomina, die, je nachdem, wer sie ausspricht, jemand anderen bezeichnen (und die also, wie der zeigende Finger, nur in Anwesenheit des Gegenstandes funktionieren sollten). Im Fall von /ich/ besteht allerdings nicht nur eine Kontiguitätsbeziehung zum Referenten, sondern auch zum Sender (/ich/ bedeutet ›derjenige, der in diesem Augenblick spricht‹); also bedeutet /ich/: ›Referent dieses Zeichens ist der Sender‹. (Eco 1977: 62) Kein Zeichen ist »völlig frei von einer Eingebettetheit in sprachliche Symbolzusammenhänge« (Nagl 1992: 47); selbst die vermeintliche Ähnlichkeit des Ikons kann nur dann verstanden werden, 5 Cf. Peirce’ Differenzierung von ›token‹ und ›type‹ (SS2: 276, 283; SS3: 216). wenn wir im Rekurs auf eine voll entwickelte, symbolisch durchstrukturierte Sprache bereits gelernt haben, was es heißt, ›ein Diagramm zu lesen‹, ›eine Farbkarte zu gebrauchen‹ oder ›ein Bild als ein Bild von jemandem zu erkennen‹ (ibid.: 46). Da das Betrachten eines Zeichens - ganz gleich welcher Art - außerhalb eines Kommunikationshorizonts nicht realisierbar ist, schwingen stets die Merkmale der Drittheit mit. Diese Inkorporationsprozesse liegen in der Kategorienlogik selbst begründet:

Die jeweils nächste Kategorie wird als ein Begriff eingeführt, der notwendig ist, um die Funktion des jeweils vorausgehenden zu beschreiben: Den Begriff der Relation [ Zweitheit ] muß ich einführen, um zu beschreiben, was es heißt, daß einem Objekt eine Qualität [ Erstheit ] zukommt; den Begriff der Darstellung [ Drittheit ] benötige ich, um sagen zu können, in welchem Verhältnis Relation und Qualität zueinander stehen (SS1: 25).

Ebenso verhält es sich bei den Trichotomien: das Symbol inkorporiert Ikon und Index, der Index inkorporiert das Ikon. Keine Kategorie, keine Zeichenart ist völlig rein und isoliert zu denken (cf. Houser 2000: 45); es existieren nur kontaminierte, heterogene Zeichen prozesse ! Diese Prozeßhaftigkeit der Peirceschen Semiotik gilt es im folgenden Kapitel eingehender zu beleuchten.

IV. Denken, Geist und Quasi-Geist: Peirce’ Semiose -Konzept

In Thomas Bernhards berauschendem Prosa-Text Gehen äußert die Figur Oehler: »Wir können auch immer wieder sagen, sagt Oehler, jetzt sind wir den und den Weg, gleich welchen Weg, zuende gegangen, während wir niemals sagen können, jetzt haben wir diesen Gedanken zuende gedacht […]« (Bernhard 2006: 218). Gedanken sind infinite, koexistierende Elemente des Denkens. Peirce hat dieses sogenannte ›einzige Gesetz des Geistes‹ im Jahre 1892 mit den Worten: »Ideen neigen dazu, sich kontinuierlich auszubreiten und andere zu beeinflussen« (Peirce 1998a: 180) zusammengefaßt oder kürzer: »Symbole wachsen« (SS1: 200). Er hat damit eine Theorie des Denkens aufgestellt, die etwa Jacques Derrida als wichtige Referenz für seine Differenzphilosophie und den damit verbundenen Termini jeu, trace und diff é rance heranzogen hat:

Die Identität des Signifikats mit sich selbst verbirgt und verschiebt sich unaufhörlich. Das Eigentliche des representamen besteht darin, es selbst und ein Anderes zu sein, als eine Verweisstruktur zu entstehen und sich von sich selbst zu trennen. (Derrida 1983: 86) Die semiotische Dynamik fand unter dem Begriff der Semiose 6 Einzug in unterschiedliche Disziplinen - von der Kommunikationswissenschaft bis hin zur Biologie - und ist die treibende Kraft des Peirceschen Zeichenverständnisses. So definierte Peirce die Semiotik als »Lehre von der wesentlichen Natur und den grundlegenden Arten der möglichen Semiose« (SS3: 259), wobei er unter Semiose selbst eine Wirkung oder einen Einfluß [verstand], der in dem Zusammenwirken dreier Gegenstände, wie ein Zeichen [›sign‹], sein Objekt und sein Interpretant, besteht, wobei dieser tri-relative Einfluß in keiner Weise in Wirkungen [›actions‹] zwischen Teilen aufgelöst werden kann (ibid.: 255).

Das (einzelne) Zeichen ist somit keine statische Größe; seine drei Pole pflanzen sich innerhalb der Semiose permanent fort. So wird im Interpretationsprozeß aus dem Interpretanten des einen das Repr ä sentamen eines anderen, weiterentwickelten Zeichens. Kognition ist somit Zeichenentwicklung und nicht etwa Abfolge von Bewußtseinszuständen (cf. Skagestad 2004: 247). Gedanken sind Produkte von Zeichenproduktion und Zeicheninterpretation. Dabei liegt die Bedeutung (›meaning‹) nicht im thought-sign, sondern im Prozeß, bei dem ein Gedanke einen anderen interpretiert (cf. Short 2004: 217). Das Fazit dieser Überlegungen lautet daher: Es gibt keine Gegenwart im Denken. Daß dieser Vorgang jedoch ad infinitum weitergeführt wird, trifft nur bedingt zu: Peirce hat vermittels des dritten Interpretanten -Modus quasi eine ›konzeptuelle Sicherung‹ eingebaut, die - um mit Jacques Lacan zu sprechen - das endlose ›Gleiten des Signifikats unter dem Signifikanten‹7 verhindern soll. Es ist dies der finale, logische Interpretant, der das Zeichen so darstellt, »als wenn sein Ziel mit gänzlicher Vollkommenheit erreicht worden wäre« (SS3: 82). In diesem ›futuristischen Konditional‹ (cf. ibid.: 254), das einem buddhistischen Zustand gleichkommt, wird das Ende der Semiose projiziert, ein Ende, das sowohl zum Verstehen alltagsweltlicher Kommunikation einerseits als auch zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn andererseits unbedingt notwendig ist. Diese Grenze ist die Gewohnheit beziehungsweise ihre Änderung (›habit change‹):

Die Gewohnheit entlastet den andauernd unter praktischem Entscheidungszwang stehenden Menschen durch das Angebot von Handlungsmustern und unterbricht punktuell den unendlichen Prozeß der Interpretation (Oehler 1994: 62). Peirce verknüpft hier kognitivsemiotische Mechanismen mit einer Pragmatik, die selbst wesentlich zeichenhaft ist. In seinem Pansemiotismus gilt die Maxime: »the highest grade of reality is only reached by signs« (SeSi: 23). Um diese Realität zu erfassen und mit ihr in Interaktion treten zu können, verfügt der Mensch über drei verschiedene ›Geisteszustände‹, welche Peirce im Jahre 1893 noch nicht als Erstheit, Zweitheit und Drittheit bezeichnete, sondern sie Gef ü hl, Sinn f ü r Reaktion und Denken nannte. (Cf. SS1: 191-92) Der Begriff des Geistes (›mind‹) ist bei Peirce allerdings ein breit gefächertes Konzept, welches nichtpsychologisch, nichtmenschlich und außerkörperlich gedacht wird (cf. Nöth 2000: 249). Peirce schrieb im Jahre 1906: »Denken ist nicht notwendig mit einem Gehirn verbunden. Es zeigt sich in der Arbeit der Bienen, der Kristalle und überall in der rein physikalischen Welt« (SS3: 162). Um diese irritierende Definition auszubauen und auch die nichtmenschlichen Semiosen charakterisieren zu können (cf. Nöth 2000: 227), führte Peirce den Begriff des Quasi-Geistes (›quasi-mind‹) ein, was letztlich seine Gleichsetzung von Gedanken und Zeichen in außerordentlichem Maße unterstrich:

A thought is a special variety of sign. All thinking is necessarily a sort of dialogue, an appeal from the momentary self to the better considered self of the immediate and of the general future. Now as every thinking requires a mind, so every sign even if external to all minds must be a determination of a quasi-mind. This quasi-mind is itself a sign, a determinable sign. (Peirce an Lady Welby, 09. März 1906; SeSi: 195)

Da das Nachdenken (›meditation‹) dialogische Form hat (cf. SS3: 83) muß ein Quasi-Geist institutionalisiert werden, der als innerer Adressat fungiert. In der Semiose folgen Zeichen auf Zeichen, das heißt Gedanken auf Gedanken, denen als mentale Operanden Gerichtetheit und damit Intentionalität zukommt. (Private) Kognition kann somit als ›Symbolmanipulation‹ beschrieben werden (cf. Daddesio 1994: 70).

All diese Aspekte, die dem Peirceschen mind -Begriff zufallen, können jedoch übersichtlicher und damit verständlicher kategorisiert werden, bezieht man die Entwicklungsstufen und unterschiedlichen Fokussierungen der Peirceschen Philosophie ein. Wie oben bereits erwähnt, besteht die Schwierigkeit bei der Darstellung der Peirceschen Semiotik generell darin, daß der Versuch unternommen wird, konzeptuell und zeitlich Divergierendes in eine homogene Theorie zu kanalisieren. Breno Serson hat in seinem klugen und lesenswerten Aufsatz On Peirce ’ s Pure Grammar as a General Theory of Cognition (1997) drei Bedeutungen (›senses‹) des Geistes bei Peirce identifiziert und dadurch das Peircesche Werk in drei Schaffensphasen gegliedert:

In der ersten Phase, die Serson ›standard sense‹ nennt und welche er bis in die 1890er-Jahre veranschlagt, wird Geist psychologisch verstanden im alltäglichen Sinne von mind, cognition oder cognitive processing. In der zweiten, der ›metaphysico-evolutionary sense‹-Phase, welche die 1890er-Jahre weitgehend umfaßt, bringt Peirce den Geist mit Drittheit in Verbindung, die den gesamten Bereich der Realität (das Mögliche, das Existierende, das Allgemeine; cf. die Inkorporationsregeln in Kapitel III.3) einnimmt: alles ist Zeichen, alles ist Geist. Die späten 1890er-Jahre sind geprägt vom Pragmatizismus und Realismus Peirce’, das heißt von seiner Speculative Grammar als formale Theory of Cognition. Serson bezeichnet diese dritte und letzte Phase daher als ›logico-semeiotical‹, in welcher der Geist als triadische Relationen mit unterschiedlichen Degenerationsgraden verstanden wird. (Cf. Serson 1997: 110-12)

V. Peirce’ Theory of Cognition

Ging die vorliegende Arbeit bislang der Frage nach, wie mentale Repräsentationen beschrieben werden können beziehungsweise welcher Art diese geistigen Inhalte sind, so wird abschließend die Frage ex negativo gestellt: Was ist mental nicht möglich, wo liegen die Grenzen des menschlichen Geistes, das heißt kann etwas nicht oder vielleicht nur vermittelt, also indirekt repräsentiert werden? Peirce selbst ging schon früh solchen und ähnlichen Fragen nach und stellte in den Jahren 1868/69 - also in einer Zeit, in welcher er den Geist - Begriff noch relativ nah an der Alltagssemantik orientiert hat - eine dem Cartesianismus entgegengesetzte logisch-semiotisch fundierte Theory of Cognition - die eng mit einer Theory of Reality verknüpft ist - auf, welche in den drei Aufsätzen Questions Concerning Certain Faculties Claimed for Man (1868), Some Consequences of Four Incapacities (1868) sowie Grounds of the Validity of the Laws of Logic: Further Consequences of Four Incapacities (1869) (cf. CP 5.213-357; SPP: 13-105) publiziert worden ist und zum Ausdruck kommt. Die Theory of Cognition beruht im wesentlichen auf vier Unvermögen (›incapacities‹) des Menschen und den daraus resultierenden Konsequenzen, denen im folgenden nachgegangen werden soll.

1. Wir haben kein Vermögen [›power‹] der Introspektion, sondern alle Erkenntnis der inneren Welt ist durch hypothetisches Schlußfolgern aus unserer Erkenntnis äußerer Faktoren abgeleitet. (SPP: 42)

Unter Introspektion verstand Peirce die »direkte Wahrnehmung der inneren Welt, […] die nicht von äußerer Beobachtung abgeleitet ist« (SPP: 29). Peirce beruft sich in dieser ersten These auf Inferenzen, ohne die Erkenntnis beziehungsweise Wissen nicht möglich wäre.

Daher konstatiert Serson völlig richtig: »Im Funktionieren der Schlußfolgerung liegt der Schlüssel zur Analyse von Gedankenprozessen« (Serson 2000: 280). In beeindruckender Weise verbindet das erste Unvermögen Erst -, Zweit - und Drittheit miteinander: das Denken beziehungsweise Schlußfolgern repräsentiert Drittheit, die Tatsachen (›facts‹) der Außenwelt die Zweitheit. Erstheit liegt in der Hypothese, auf welche Peirce später mit dem Begriff Abduktion 8 Bezug nehmen wird. Allerdings handelt es sich bei dieser Erstheit um diejenige der Drittheit, ja, mehr noch: der Drittheit der Drittheit, denn Peirce hat am Interpretanten das Subzeichen des Arguments wiederum trichotomisch unterteilt, und zwar in die Schlußformen Abduktion (I), Deduktion (II) und Induktion (III) (cf. Nagl 1992: 107-119; SS1: 392-400; Peirce 2002: 171-194; Pietarinen 2006: 26-27; Rellstab 2007: 271-76). Peirce verneinte jegliche Introspektion, da sie nur aus abduktivem Schließen der Erfahrung äußerer, sensorischer Perzeptionen destilliert werden kann und somit keine reine, direkte Wahrnehmung innerer Vorgänge ist. Doch Peirce ging noch einen Schritt weiter und radikalisierte seine These:

Ich [Peirce] will nun so weit gehen zu behaupten, daß wir selbst in der aktuellen Wahrnehmung keine Bilder haben. […] Daß das Bild nicht auf den Nerven der Netzhaut abgebildet ist, steht absolut fest, wenn, wie die Physiologen uns informieren, diese Nerven nadelkopfgroße Punkte sind, die zum Licht gerichtet sind und deren Entfernung voneinander beträchtlich größer ist als das minimum visibile. Dasselbe zeigt sich darin, daß wir nicht in der Lage sind wahrzunehmen, daß es einen großen blinden Fleck beinahe in der Mitte unserer Netzhaut gibt. Haben wir also beim Sehen ein Bild vor uns, so ist es vom Verstand aufgrund dessen gebildet worden, was uns vorhergegangene Sinnesempfindungen eingegeben haben. (SPP: 71)

Um physiologische ›Defizite‹ auszugleichen, konstruiert der Geist ein homogenes visuelles Bild, das heißt daß während des Sehens erstheitlich-abduktive Inferenzen aus Zeichenprozessen ablaufen, woraus Peirce summierte, daß »Sinnesempfindungen völlig ungeeignet dazu sind, ein Bild oder eine Vorstellung, die absolut bestimmt ist, zu formen« (ibid.).

2. Wir haben kein Vermögen [›power‹] der Intuition, sondern jede Erkenntnis wird von vorhergehenden Erkenntnissen logisch bestimmt. (SPP: 42) Mit dieser zweiten These bestreitet Peirce jegliches intuitives, das heißt nicht auf Reflexionen beruhendes Vermögen, sei es nun psychologischer oder eher logischer Natur. Alles Wissen ist das Produkt von Schlußfolgerungen. (Cf. Serson 1997: 117) Gleichzeitig liefert Peirce eine elegante Definition seiner Zeichenkonzeption und der damit verbundenen Semiose: das Wesen des Zeichens/Gedankens besteht darin, sich an ein anderes/einen anderen zu richten (cf. SPP: 31). Mit der Verneinung einer ersten Erkenntnis, welche die Verneinung eines transzendentalen, absolut ersten und singulären Objektes in der Semiose involviert9, richtet sich Peirce strikt gegen Locke, Berkeley und Hume, die Intuition axiomatisch voraussetzten (cf. Murphey 1961: 108-09). Die wohl überzeugendste argumentative Waffe, die Peirce zur Bekräftigung des zweiten Unvermögens ins Felde führt, ist der Zeitfaktor, der sich mehr als zwanzig Jahre später in The Law of Mind (1892) in der Differenzierung von instant, einer gegenwärtigen, unmittelbaren Wahrnehmung, und moment, einem infinitesimalen, dauerhaften Zeitintervall, manifestiert. (Cf. Peirce 1998a: 182-83) Die Intuition wäre in dieser Terminologie ein instant, die pure Erstheit, also ein degeneriertes Zeichen ohne Drittheit. In dieser reinen Gefühlsqualität sind Erkenntnis, Schlußfolgerung und Semiose unmöglich. Ein kognitiver Effekt kann nur in einem triadischen moment erzeugt werden. (Cf. Serson 1997: 121) Erstheitliche Introspektion und Intuition werden durch aus unbewußten Abduktionen hervorgegangene drittheitliche Wahrnehmungsurteile permanent und unvermeidbar sabotiert (cf. Roesler 2000: 125-27). Nathan Houser faßt das semiotische Spiel von Perzeption, Wahrnehmung und Bewußtsein folgendermaßen zusammen:

Wir können sagen, daß Sinnesempfindungen, die aus Elementen der Erst- und Zweitheit bestehen, auf einer höheren Ebene erfaßt werden, wo die Gefühlskomponente als Eigenschaft von (als Zeichen von) etwas anderem (das ›andere‹, das indexikalisch vom Element der Zweitheit angezeigt wird) erkannt wird. Wahrnehmung fügt dem Bewußtsein eine symbolische Komponente hinzu und führt dadurch ein vermittelndes Element ein, das für Drittheit konstitutiv ist. (Houser 2000: 65)

Als ultimative Konsequenz aus den beiden ersten Unvermögen kann Peirce’ prägnante dritte These angesehen werden (cf. Serson 1997: 117):

3. Wir haben kein Vermögen [›power‹], ohne Zeichen zu denken. (SPP: 42)

Wie in Kapitel IV bereits erwähnt, setzt Peirce Zeichen und Gedanken gleich, und aus dieser Kernthese folgt zwangsläufig auch, daß mentale Repräsentationen zeichenhaft sein müssen. Jeder geistige Inhalt richtet sich an einen anderen, wird in einem anderen interpretiert, durchläuft das Spiel von Ikon, Index und Symbol. Dabei liegt die Alterität nicht allein in einem zeitlich, logisch oder konzeptuell folgenden Gedanken; das Interpretationsmoment transformiert den ontologischen Status der Zeichenart selbst. So können der ikonische und indexikalische Gehalt einer symbolischen mentalen Repräsentation quantitativ changieren. Die teleologische Intention legt die relativen Größen der einzelnen Abduktionen fest; sie bestimmt, ob das Ziel mit höherem Ikon -Anteil oder eher unter Einbeziehung mehrerer Indizes erreicht werden kann. Gedankenprozesse sind somit infinite Zeichentransformationen. In dieser Flexibilität liegt die Stärke einer auf der Peirceschen Semiotik beruhenden Theorie mentaler Repräsentationen.

Das vierte und letzte Unvermögen knüpft mittelbar an das zweite an:

4. Wir haben keinen Begriff [›conception‹] von einem absolut Unerkennbaren. (SPP: 42)

In diesem Fall liegt allerdings das Ende der Semiose im Fokus, während die Leugnung der Intuition auf den Anfang abzielte. Der späte Peirce würde diese These wohl mit dem bereits in Kapitel IV skizzierten finalen, logischen Interpretanten in Verbindung bringen, der kein Zeichen mehr ist, sondern vielmehr eine Verhaltensänderung (›habit change‹), ein idealer, metaphysischer Zustand perfekten Wissens, in welchem kein Zeichen ein anderes determinieren wird, da Repr ä sentamen, Objekt und Interpretant nicht mehr unterschieden werden können (cf. Serson 1997: 119-20). Peirce stützt seine Ansicht auf bereits erfahrene Perzeptionen, wenn er schreibt:

Andererseits sind alle unsere Begriffe durch Abstraktionen und Kombinationen von Erkenntnissen gewonnen worden, die zuerst in Erfahrungsurteilen vorkamen. Entsprechend kann es keinen Begriff des absolut Unerkennbaren geben, da nichts dieser Art in der Erfahrung vorkommt. Nun ist die Bedeutung eines Ausdrucks der Begriff, den er vermittelt. Daher kann kein Ausdruck eine derartige Bedeutung haben. (SPP: 32) Peirce benutzt Erkennbarkeit und Erfahrbarkeit synonym (cf. Muphey 1961: 112). Aus dieser Gleichsetzung resultiert, daß das ›Reale‹ immer potentiell erkennbar ist - und sei es am Ende der Semiose, welche der späte Peirce in seine Semiotik einführt - und damit auch mental repräsentiert werden kann (cf. SPP: 75).

Aus diesen vier Unvermögen des Menschen läßt sich mit Serson folgendes Fazit ziehen: alles Wissen, alle Kognition ist nicht-intuitiv, vermittelt, zeitabhängig, schlußfolgernd und fehlbar (cf. Serson 1997: 145).

VI. Fazit

Die vorliegende Studie, die sich dem Versuch, mentale Repräsentationen unter Zuhilfenahme der Semiotik Charles Sanders Peirce’ zu veranschaulichen, verschrieben hat, kann als kleiner Beitrag zu einer noch in der Entstehungsphase begriffenen Kognitiven Semiotik verstanden werden. Die Frage nach der Art geistiger Inhalte und ihrer Repräsentationsformen konnte zwar nicht beantwortet, allerdings genauer konturiert und zeichentheoretisch fundiert werden. Vor dem Hintergrund einer so komplexen semiotischen Erkenntnistheorie wie der Peirceschen ist klar geworden, daß traditionelle philosophische Theorien mentaler Repräsentationen - vom aristotelisch-scholastischen ›είδος-Modell‹ bis hin zum neurophysiologisch ausgerichteten ›Zustände-Modell‹ - isoliert betrachtet keine umfassende und befriedigende Darstellung geistiger Operationen liefern können. Erstheit, Zweitheit und Drittheit, die Universalkategorien des Phanerons, die drei fundamentalen und einzigen Bestandteile des Denkens nach Peirce öffneten einhergehend mit einem triadischen Zeichenkonzept eine neue und breitere Sicht dieser speziellen Problematik. Unter Bezugnahme auf die Mechanik einer infiniten, prozeßhaften Semiose und der darin zusammenwirkenden Haupt-Zeichenarten Ikon, Index und Symbol können mentale Repräsentationen - da sie selbst zeichenhaft und Teil der Semiose sind - nur aus unterschiedlich gearteten Zeichen bestehen und qua perzeptiv fundierter Inferenzen mit der Realität kommunizieren beziehungsweise diese überhaupt erst konstruieren und ›abbilden‹. Die Einbeziehung der sogenannten ›vier Unvermögen des Menschen‹ - dem Unvermögen der Introspektion, der Intuition, des zeichenlosen Denkens und der (begrifflichen) Vorstellung eines absolut Unerkennbaren - hat gezeigt, daß bereits Sinne abstrahierende Mechanismen sind, daß also auch die vermeintlich direkte, zeichenunvermittelte Wahrnehmung im Grunde mentale Repräsentationen oder genauer: mentale Projektionen ist, die aus unbewußten, abduktiven Schlußfolgerungen resultieren. Erkenntnisse beider ›Welten‹ - der äußeren sinnlichen und der inneren mentalen - beruhen auf denselben geistig-logischen Inferenzmustern und müssen daher als komplexe Produkte eines ikonisch-indexikalisch-symbolischen Spiels betrachtet und dahingehend analysiert werden. So kann das Problem der mentalen Repräsentationen mit Oliver R. Scholz summiert werden:

Entscheidend ist, daß auf diesem Wege allenfalls gezeigt werden könnte, daß bildhafte Systeme nicht die einzigen sind oder sein können, mit denen ›der Geist arbeitet‹. Auf der spekulativen Ebene, auf welcher sich die Diskussion bewegt, spricht bislang nichts dagegen, daß der Geist über mehrere verschiedene Symbolsysteme verfügen könnte, die aufgabenspezifisch manchmal getrennt, manchmal einander ergänzend eingesetzt werden. Nach dieser Idee könnte der Geist bisweilen etwa mit Bildern operieren, welche durch sprachlich kodierte Informationen ergänzt und vereindeutigt werden, so daß mit vereinten symbolischen Kräften jeder Inhalt ausdrückbar wird. (Scholz 1991: 177)

VII. Siglen- und Quellenverzeichnis

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c) Internet-Quellen

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http://www.cognitivesemiotics.com/

Peirce’s Theory of Signs (Stanford Encyclopedia of Philosophy) http://plato.stanford.edu/entries/peirce-semiotics/

[...]


1 Die Stanford Encyclopedia of Philosophy beziffert Peirce’ publiziertes Werk auf 12.000 gedruckte Seiten, die bekannten unveröffentlichten Manuskripte hingegen auf etwa 80.000 handgeschriebene Seiten. (Cf. http://plato. stanford.edu/entries/peirce/, abgerufen am 10. November 2010.)

2 Bedient man sich des begrifflichen Instrumentariums Charles W. Morris’, so müßte man dieses zweite Modell als ›symbolisch‹ bezeichnen, denn »[e]in Symbol ist ein repr ä sentativ Gegebenes, d. h. ein stellvertretender Reiz, der gleichzeitig mit dem ursprünglichen Reiz gegeben sein kann, für den es als Stellvertreter fungiert, wobei die Probe auf die Stellvertretung die Fähigkeit untersucht, in dem Lebewesen die gleiche Reaktion hervorzurufen, die der ursprüngliche Reiz als das Resultat eines Konditionierungsprozesses hervorrief« (Morris 1981: 43).

3 φανερός: bekannt, offenbar, sichtbar; »Ich [Peirce] gebrauche das Wort Phaneron in der Bedeutung von allem, was dem Verstand [›mind‹] in irgendeinem Sinne oder auf irgendeine beliebige Weise gegenwärtig ist, ungeachtet dessen, ob es nun ein Faktum oder ein Figment ist. Ich prüfe das Phaneron und bemühe mich, seine Elemente der Komplexität ihrer Struktur nach auszusondern. Auf diese Weise komme ich zu meinen drei Kategorien.« (Peirce an Mario Calderoni, ca. 1905; SPP: 584)

4 »[…] it has never been in my [Peirce’s] power to study anything, - mathematics, ethics, metaphysics, gravitation, thermodynamics, optics, chemistry, comparative anatomy, astronomy, psychology, phonetics, economic, the history of science, whist, men and women, wine, metrology, except as a study of semeiotic; […]« (SeSi: 85-86); »[…] all our thought & knowledge is by signs« (ibid.: 32).

5 Cf. Peirce’ Differenzierung von ›token‹ und ›type‹ (SS2: 276, 283; SS3: 216).

6 Σημείωσις: Wirkung, Aktion jeder Art von Zeichen; ›Zeichenmachen‹.

7 »La notion d’un glissement incessant du signifié sous le signifiant s’impose donc, […].« (Lacan 1999: 499)

8 »Der Terminus Abduktion ist in der Logik extrem ungebräuchlich. Er wurde von Julius Pacius, einem bedeutenden Italiener im Jahre 1597 verwendet, als dieser Professor für Logik in Sedan war, und zwar um das Wort ›άπαγωγή‹ im 25. Kapitel des zweiten Buches der ersten Analytik zu übersetzen.« (Peirce 1998b: 90-91)

9 »Dieses ideale Erste ist das partikuläre Ding-an-sich. Es existiert als solches nicht.« (SPP: 76)

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Kognitive Semiotik. Versuch einer Beschreibung mentaler Repräsentationen mittels der Überlegungen von Charles Sanders Peirce
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Interdisziplinarität und Multimedialität der kognitiven Linguistik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V288235
ISBN (eBook)
9783656885894
ISBN (Buch)
9783656885900
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Semiotik, Kognition, Zeichentheorie, Charles Sanders Peirce
Arbeit zitieren
Nico Schulte-Ebbert (Autor), 2010, Kognitive Semiotik. Versuch einer Beschreibung mentaler Repräsentationen mittels der Überlegungen von Charles Sanders Peirce, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288235

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