Wieso gibt man? Menschen gehen neue Beziehungen zu anderen Menschen ein, da sie sich dadurch einen Vorteil erhoffen. Beziehungen basieren auf der Erwartung des Zweckes. Der eine oder andere Nachbar könnte später noch zu etwas taugen, zum Beispiel zum Austausch von Gartengeräten. Somit könnte man von einem Austausch profitieren und hält sich zum Beispiel die Option des Nachbarn offen. In der heutigen Gesellschaft ist es die Pflicht eines jeden zu bestimmten Anlässen etwas zu schenken. Sei es am Valentinstag, Weihnachten oder zum Geburtstag. Diese Riten wurden in unserer Gesellschaft verankert und sie werden positiv oder negativ sanktioniert. Hierbei sind auch die Rollenerwartungen an die jeweilige Person zu berücksichtigen. Nach Ralf Dahrendorf gibt es drei Arten der Erwartung: Die Kann-Erwartung, Soll-Erwartung und Muss-Erwartung. Diese drei Arten bestimmen auch das Geben und Nehmen in Gesellschaften mit. Bei der Kann-Erwartung wird von einem Menschen ein bisschen mehr erwartet als es seine Pflicht ist. Er muss es nicht tun aber es wird positiv sanktioniert wenn er es tut. Es steigert sein Ansehen, das er zum Beispiel in einer Gruppe genießt. Bei der Soll-Erwartung geht man davon aus, dass etwas gemacht wird, jedoch ohne dass dies zum Beispiel in Form von Rechtsregeln festgelegt sein muss. Zum Beispiel die Vorbereitung des Essens der Familie. Diese Art kann positiv als auch negativ sanktioniert werden. Muss-Erwartungen jedoch sind Pflichten, welche mit Rechtsregeln festgelegt sind und somit auch verbindlich und negativ sanktioniert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Gabe nach Mauss
2.1 Gabe an Menschen und Götter in archaischen Gesellschaften
2.2 Gabe an Menschen und Götter in modernen Gesellschaften
2.3 Kritik Derridas an Mauss
3 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologische Logik des Gebens, Nehmens und Erwiderns als fundamentales gesellschaftliches Phänomen. Ausgehend von Marcel Mauss' Theorie der „totalen Leistungen“ wird analysiert, wie Gaben in archaischen und modernen Gesellschaften Machtverhältnisse, soziale Bindungen und religiöse Riten prägen, wobei kritische Perspektiven, insbesondere jene von Jacques Derrida, gegenübergestellt werden.
- Reziprozität und die Verpflichtung zur Gegengabe
- Die Gabe als „totales gesellschaftliches Phänomen“
- Potlatsch-Rituale und ihre soziokulturelle Funktion
- Die symbolische und geistige Dimension des Tauschs
- Derridas Dekonstruktion der Gabe im Vergleich zu Mauss
Auszug aus dem Buch
2 DIE GABE NACH MAUSS
Mauss beginnt in der Einführung seines Essays „Die Gabe“ mit einigen Strophen aus dem Hávámal. „So gastfrei ist keiner und zum Geben geneigt, daß er Geschenke verschmäht, daß er Gegengabe haßt.“ In dieser Strophe geht es um die Gegengabe. Ein Nehmen ruft ein Geben hervor und umgekehrt. Es dient demnach einem Zweck jemandem etwas zu geben beziehungsweise zu schenken. Ein Hintergedanke ist hierbei immer dabei. Selbstloses Schenken gibt es demnach nicht. Es ist eine Pflicht und auch ein emotionaler Druck Dinge zu erwidern.
Mauss beschäftigt sich mit der Gabe im Hinblick auf die Ursache. Warum geben Menschen in bestimmten Kulturen Gaben und wozu dienen diese? Warum ist diese Handlung in Gesellschaften verankert? „Welches ist der Grundsatz des Rechts und Interesses, der bewirkt, daß in den rückständigen oder archaischen Gesellschaften das empfangene Geschenk zwangsläufig erwidert wird? Was liegt in der gegebenen Sache für eine Kraft, die bewirkt, daß der Empfänger sie erwidert?“ Diese Fragen versucht er anhand von genaueren Vergleichen in bestimmten Arealen wie zum Beispiel Polynesien oder Melanesien (pazifische Inselgruppen) zu beantworten. Es gab jedoch die Bedingung selbst Zugang zum Bewusstsein dieser Gesellschaft zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Logik der Reziprozität und die Darstellung von Geben und Nehmen als reguliertes soziales Wechselspiel im Alltag.
2 Die Gabe nach Mauss: Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Marcel Mauss, insbesondere der Konzepte des Potlatsch und der sozialen Verpflichtung zur Gegengabe.
2.1 Gabe an Menschen und Götter in archaischen Gesellschaften: Analyse, wie Gaben in indigenen Kulturen dazu dienen, die Gunst von Göttern und Geistern zu gewinnen und soziale Ordnung zu wahren.
2.2 Gabe an Menschen und Götter in modernen Gesellschaften: Übertragung der archaischen Gabenlogik auf moderne Riten wie Halloween und das generelle Verständnis von Geschenken als soziale Verpflichtung.
2.3 Kritik Derridas an Mauss: Gegenüberstellung von Derridas Konzept der „reinen Gabe“ mit dem austauschbasierten Modell von Mauss und kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Dimension.
3 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Gabe als ein in allen Gesellschaften tief verankertes Phänomen, dessen Ausprägungen und Strukturen trotz unterschiedlicher Definitionen fortbestehen.
Schlüsselwörter
Reziprozität, Gabe, Potlatsch, Gegengabe, Marcel Mauss, Jacques Derrida, soziale Bindung, Totale Leistungen, Archaische Gesellschaften, Moderne Gesellschaften, Tausch, Geschenk, Machtverhältnis, Ritual, Ökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Bedeutung des Gebens und Nehmens als universelles menschliches Interaktionsmuster, das weit über den bloßen materiellen Austausch hinausgeht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Reziprozität, die soziale Verpflichtung zur Gegengabe, die Theorie der „totalen Leistungen“ nach Mauss sowie der Vergleich zwischen archaischen Gabenritualen und modernen Geschenkbräuchen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Komplexität der Gabe als soziologisches Phänomen aufzuzeigen und die wissenschaftliche Debatte zwischen Marcel Mauss und Jacques Derrida über das Wesen der Gabe darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und vergleicht zentrale soziologische und ethnologische Theorien, um die Struktur von Gabensystemen zu entschlüsseln.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Funktion des Potlatsch, die Rolle von Gaben an Götter und Menschen sowie die kritische Gegenüberstellung der Ansätze von Mauss und Derrida.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Reziprozität, Gabe, Gegengabe, Potlatsch, Soziologie und den wissenschaftlichen Diskurs zwischen Mauss und Derrida definieren.
Warum unterscheidet Derrida zwischen „reiner“ und „unreiner“ Gabe?
Für Derrida ist eine Gabe nur dann rein, wenn sie nicht auf Gegenseitigkeit, Zirkulation oder Dankbarkeit basiert; sobald eine Gegenleistung erwartet wird, verliert sie nach seiner Auffassung ihren Status als echte Gabe.
Welche Bedeutung hat das „mana“ oder „hau“ in den analysierten Gesellschaften?
Diese Begriffe beschreiben eine geistige Macht oder Seele, die an einer gegebenen Sache haftet und den Empfänger dazu verpflichtet, das Geschenk zu erwidern, um sich der drohenden Gefahr eines Ungleichgewichts zu entziehen.
- Citation du texte
- Lisa-Marie Trog (Auteur), 2010, Die Gabe. Das Sakrale und die Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288551