Der Essay analysiert den Stand der geschichtlichen Unternehmenskulturforschung und schlägt neue Konzepte zur Analyse unternehmensethischen Handelns vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Unternehmenskultur aus Perspektive der Geschichtswissenschaft – Defizite und Anknüpfpunkte des Forschungsstandes
1.1 Historische Ansätze zur Analyse der Unternehmensethik
1.1.1 Moral Economy
1.1.2 Business Ethics
1.2 Unternehmenskultur
1.3 Behebung der Defizite und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch das Verhältnis zwischen der geschichtswissenschaftlichen Forschung zur Unternehmenskultur und der Wirtschaftsethik. Ziel ist es, die bestehenden theoretischen Defizite in der historischen Analyse aufzuzeigen und einen methodischen Weg zu skizzieren, wie wirtschaftswissenschaftliche Analysemodelle zur Unternehmensethik in die historische Forschung integriert werden können, um ethisches Handeln als Aushandlungsprozess zwischen Akteuren begreifbar zu machen.
- Kritik an der aktuellen geschichtswissenschaftlichen Behandlung von Unternehmensethik
- Vergleich historischer Ansätze wie "Moral Economy" und "Business Ethics"
- Abgrenzung und notwendige Differenzierung von Unternehmensethik und Unternehmenskultur
- Methodische Integration wirtschaftswissenschaftlicher Analysemodelle in die Geschichtsschreibung
- Analyse von Fallbeispielen (z.B. Siemens, Krupp, Cadbury) hinsichtlich ihrer normativen Einflüsse
Auszug aus dem Buch
Unternehmenskultur
Die deutsche Wirtschafts- und Unternehmensgeschichtsforschung befasst sich im Rahmen der Behandlung der sogenannten „weichen Einflußfaktoren“ eines Unternehmens mit der „Unternehmenskultur“, welche auch ein zentrales Forschungsfeld der Wirtschaftswissenschaften ist und durch Anlehnung an die Betriebswirtschaftslehre in die Unternehmensgeschichtsforschung integriert worden ist. Dies ist ein Sammelbegriff, in dem unterschiedliche Aspekte subsumiert sind. Dazu gehören nach gängiger Auffassung die spezifischen Charakteristika eines Unternehmens im Bereich der inneren Organisation, des Führungs- und Managementstils, der geschäftlichen Ausrichtung (lokal, regional, national, international), Produktionstechnik, und nicht zuletzt die Ethik des Unternehmens. Daraus folgt, dass Unternehmensethik in seiner historischen Dimension als integrierter Aspekt aufgefasst wird und nicht als selbstständige Untersuchungskategorie in die unternehmensgeschichtliche Forschung einfließt. Wilfried Feldenkirchen verweist zudem explizit auf die Unterscheidung zwischen Unternehmensethik und Unternehmenskultur, wobei jedoch Unternehmensethik ein Aspekt dieser „Kultur“ sei. Ethik ist danach rein normativer Natur und müsse daher von der Philosophie und den interessierten Wirtschaftswissenschaftlern aufgegriffen werden.
Moralisches Verhalten als Erkenntnisinteresse der Geschichtswissenschaft bleibt damit weitgehend unbehandelt. Einen ersten Systematisierungsversuch stellte der skizzierte Ansatz im Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte aus dem Jahr 1993 von Dietmar Petzina und Werner Plumpe dar, der eine eher passive Rolle der Unternehmen bei der Aushandlung von Normen annimmt und die Funktion von Politik und Medien herausstellt. Die Autoren regten Interesse an Unternehmensethik in historischer Perspektive an, um der „Ethikwelle“ der ausgehenden 1980er Jahre Rechnung zu tragen. Den ersten methodischen Anknüpfpunkt sahen Petzina und Plumpe in der Unternehmenskulturforschung mit dem Ziel, die praktische Rolle von Moral beim Unternehmenshandeln in spezifischen politisch-sozialen Situationen zu ergründen. Die deskriptive Herangehensweise sollte demnach die analytische Methode definieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Unternehmenskultur aus Perspektive der Geschichtswissenschaft – Defizite und Anknüpfpunkte des Forschungsstandes: Diese Einleitung führt in das Forschungsfeld der Wirtschafts- und Unternehmensethik ein und skizziert die wissenschaftliche Ausgangslage.
Historische Ansätze zur Analyse der Unternehmensethik: In diesem Kapitel werden Ansätze wie die „Moral Economy“ und „Business Ethics“ untersucht, um deren Tauglichkeit für eine historische Analyse ethischer Fragestellungen zu prüfen.
Unternehmenskultur: Dieses Kapitel kritisiert die bisherige Einordnung von Unternehmensethik als bloßen Teilbereich der Unternehmenskultur in der deutschen Geschichtswissenschaft.
Behebung der Defizite und Ausblick: Das Kapitel formuliert die Notwendigkeit einer stärkeren Trennschärfe zwischen Unternehmenskultur und Ethik und fordert eine methodische Profilschärfung für die historische Forschung.
Schlüsselwörter
Unternehmenskultur, Unternehmensethik, Wirtschaftsgeschichte, Moral Economy, Business Ethics, Normen, Werte, Geschichtswissenschaft, Wirtschaftsmodell, Unternehmenskulturforschung, Historische Analyse, Ordnungsethik, Sozioökonomik, Diskursanalyse, Organisationsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Unternehmensethik und Unternehmenskultur innerhalb der Geschichtswissenschaft und identifiziert bisherige Forschungsdefizite.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Unternehmensethik, die Integration wirtschaftswissenschaftlicher Analysemodelle in die Geschichtsschreibung und die Analyse moralischer Aushandlungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen neuen methodischen Ansatz zu entwickeln, der Unternehmensethik als eigenständige und analytisch greifbare Kategorie in der historischen Forschung etabliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kritische Analyse des bestehenden Forschungsstandes und plädiert für die Anwendung wirtschaftswissenschaftlicher Analysemodelle auf historische Diskursanalysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Wirtschafts- und Unternehmensethik, historische Forschungsdebatten (z.B. Moral Economy) und die methodische Kritik an der Unternehmenskulturforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Unternehmensethik, Unternehmenskultur, Wirtschaftsgeschichte, historische Diskursanalyse und normative Aushandlung.
Warum wird die Trennung von Unternehmenskultur und Unternehmensethik gefordert?
Weil die aktuelle Forschung Unternehmensethik oft nur als passiven Teil der "Unternehmenskultur" begreift, was eine eigenständige Analyse von Ethik als Aushandlungsprozess verhindert.
Welche Rolle spielt die "Moral Economy" in dieser Untersuchung?
Sie dient als geschichtswissenschaftliches Beispiel, um zu zeigen, wie moralische Implikationen von Wirtschaftssystemen historisch analysiert werden können, weist jedoch Unterschiede zur modernen Unternehmensethik auf.
- Citation du texte
- Julian Ostendorf (Auteur), 2012, Unternehmenskultur aus Perspektive der Geschichtswissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288610