Der Hund als Therapiebegleiter in der Canepädagogik. Definition, Praxisbeispiele, Einsatz bei verhaltensauffälligen Kindern und Kritik


Akademische Arbeit, 2009
32 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Canepädagogik: Der Hund als Therapiebegleiter
1.1 Definition
1.2 Gründe für den Einsatz von Hunden
1.3 Zielsetzung
1.4 Inhalte
1.5 Erziehung mit dem Hund
1.6 Anforderungen an den Hund
1.7 Anforderungen an den Halter des Hundes
1.8 Schutz des Hundes
1.9 Hygiene

2. Praxisbeispiele
2.1 Wirkungsmechanismen Tiergestützter Pädagogik bei Verhaltensauffälligen - Ergebnisse einer explorativen Studie
2.2 Die xy Schule
2.3 TGHP
2.4 Jugendhilfe
2.5 Fitting-Dahlmann

3. Einsatz von Hunden bei verhaltensauffälligen Kindern

4. Kritische Aspekte

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Canepädagogik: Der Hund als Therapiebegleiter

In dieser Arbeit soll geklärt werden, weshalb gerade Hunde sich für den Einsatz in der tiergestützten Arbeit eignen. Dafür wird im Folgenden der Begriff „Canepädagogik“ definiert, die Zielsetzung und Inhalte dieser Pädagogik geschildert, um im Anschluss aufzuzeigen, wie die Erziehung mit dem Hund funktioniert. Schließlich ist es wichtig darzustellen, welchen Anforderungen die Hunde und deren Halter unterliegen, inwieweit die Hunde geschützt werden müssen und welche Rolle der Aspekt der Hygiene spielt. Zuletzt soll auf den Einsatz von Hunden bei verhaltensauffälligen Kinder, sowie auf kritische Aspekte der „Canepädagogik“ eingegangen werden.

1.1 Definition

Canepädagogik leitet sich von dem lateinischen Begriff „canis“ für Hund ab und beschreibt Pädagogik mit dem und durch den Hund. Der Schwerpunkt der Canepädagogik liegt im Bereich der Erziehung. Diese Form der Pädagogik soll Kinder erziehungsfähig und erziehungswillig machen sowie in die Gemeinschaft integrieren, um dann mittelbar auch Bildung zu ermöglichen.

1.2 Gründe für den Einsatz von Hunden

Da der Hund das erste Tier war, das durch den Mensch domestiziert wurde, nimmt er unter allen Haustieren eine besondere Stellung ein. Er ist das einzige Haustier, bei dem ein langfristiger, beiderseitiger Nutzen wie eine Symbiose zwischen Mensch und Tier vorliegt.[1] Odendaal beschreibt ihn als „prototype ofcompanion animals.'[2]

„Die nichtsprachliche Kommunikation zwischen Mensch und Hund ist einer der aktivsten Dialoge zwischen Mensch und Tier überhaupt. Der Hund ist sehr anpassungsfähig, versucht innerhalb kurzer Zeit die individuelle körpereigene Sprache eines Menschen zu erkennen und folgt somit dessen Bedürfnissen.“[3]

Hunde sind die mit Abstand beliebtesten Begleiter des Menschen, da sich der Mensch durch den Hund verstanden und bestätigt fühlt.[4] „Da Hunde anhaltend kindlich­bedürftige Abhängigkeit vom Menschen signalisieren, vermuten (Corson & Corson 1980), dass Tiere ein natürliches Bedürfnis, sie zu versorgen im Menschen auslösen.“[5] Diese soziale Beziehung zwischen Mensch und Tier kann als gute Voraussetzung gesehen werden, Hunde zu therapeutischen Begleitern auszubilden.[6]

1.3 Zielsetzung

In der Canepädagogik soll ein positives Selbstkonzept aufgebaut werden. Dies soll vorwiegend durch drei Punkte ermöglicht werden:

1. Die Entwicklung von sozialer und emotionaler Kompetenz
2. Die Steigerung der Kommunikationsfähigkeit
3. Die Förderung der psychischen und physischen Gesundheit.[7]

Möhrke definiert die Zielsetzung der Canepädagogik folgendermaßen:

„Canepädagogik dient der Arbeit mit verhaltensauffälligen, beziehungsgestörten Kindern und Jugendlichen, zu denen der Zugang aufgrund ihrer Biographie auf normalem Weg (z.B. Beratung) erschwert oder gar unmöglich geworden ist.“[8]

1.4 Inhalte

Bedeutender Inhalt der Canepädagogik ist der Beziehungsaufbau und die Beziehungsgestaltung zwischen Kind und Hund sowie zwischen Kind und Pädagoge. Die Kinder sollen im Umgang mit „ihrem“ Hund, in der Ausbildung „ihres“ Hundes und in ihrer Rolle als „Hundebesitzer“ unterrichtet und begleitet werden. Durch gemeinsame Spaziergänge und Streicheleinheiten soll die gemeinsame Entspannung erlernt werden. Die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen und Aufgaben zu erfüllen, indem sie den Hund füttern und mit ihm Gassi gehen, seine „Geschäfte“ entfernen und Kisten, Leinen und sonstige „Hunde-Accessoires“ säubern. Die Kinder sollen durch den Hund zu Sport und Spiel animiert werden. Außerdem wird durch den Hund soziale Interaktion sowohl zu andern Hundebesitzern als auch zu andern Kindern gestaltet.[9] Möhrke erklärt, Canepädagogik stehe

„für eine individuumszentrierte Erziehungsgestaltung, die auf den erziehungspsychologisch geforderten förderlichen Verhaltensweisen basiert, die ganzheitlich, handlungs- und prozeßorientiert ausgerichtet ist und ein indirektes Erziehen verhaltensauffälliger Kinder ermöglicht.[10]

1.5 Erziehung mit dem Hund

Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Therapeuten) sind viele verhaltensauffällige Kinder für fremde Menschen nicht mehr zugänglich. So blocken sie häufig neue Beziehungsangebote ab und fassen nur schwer Vertrauen. Durch den Auftritt von Tieren als Kuscheltiere, in Märchen und Zeichentrickfilmen, Kinderzeitschriften, im Zoo oder Zirkus sind Kinder auf Tiere konditioniert. Sie verbinden positive Gefühle, Erinnerungen und Erwartungen mit ihnen. Bei der Canepädagogik soll nun diese positive Grundhaltung der Kinder den Hunden gegenüber instrumentalisiert werden. Die Canepädagogen wechseln aus ihrer Rolle des Erziehers zum Hundebesitzer und/oder Hundefreund, der es den Kindern ermöglicht, in ihrer Freizeit mit Hunden spielen zu können. Somit entsteht ein interaktives Dreiecksverhältnis zwischen Kind, Hund und Pädagogen.

1.6 Anforderungen an den Hund

Die Eignung eines Hundes für den Einsatz als Therapie- oder Pädagogik-Hund lässt sich an diversen Kriterien messen. Obwohl bisher oft Labradore und Retriever eingesetzt werden, ist die Rasse des Hundes nicht entscheidend. Einige Hunderassen sind bekannter dafür, dass sie leicht trainierbar und Menschen und anderen Hunden gegenüber freundlich sind. Dennoch kommt generell jede Hunderasse, die die folgenden Kriterien erfüllt für die Canepädagogik in Frage.[11] Der Hund sollte weder zu jung noch zu alt sein. Das heißt, dass er bei der Prüfung mindestens achtzehn Monate oder besser zwei und maximal sieben Jahre alt sein. Die Größe des Hundes ist nicht ausschlaggebend. Große und kleine Hunde sind gleichermaßen gefragt. Der Hund sollte menschenbezogen und führwillig sein und ein freundliches Wesen gegenüber Menschen, anderen Hunden und anderen Tieren haben. Da der Hund Situationen häufig selbst in kurzer Zeit bewerten und darauf reagieren muss, ist es wichtig, dass er eine hohe Toleranz- und Reizschwelle hat, aggressionsarm und nicht übermäßig schreckhaft, scheu, ängstlich oder unsicher ist.[12] Der Hund sollte nicht durch den Einsatz gestresst werden und muss „über Strategien der Stressbewältigung verfügen, die eine aggressionsfreie Lösung solcher Konfliktsituationen ermöglicht.“[13] Außerdem sollte ein Therapiehund wenig Schutzverhalten zeigen, kein zu hohes Aktivitätsbedürfnis zeigen und aus hygienischen Gründen nicht „sabbern“. Er sollte die Gegenwart des Menschen suchen und sich nach Berührungen und Streicheln sehnen. Notorische Kläffer eignen sich nicht als Therapiehunde, genauso wenig wie Hunde mit unkontrollierbarem Jagdtrieb. Zusätzlich ist es natürlich wichtig, dass die Hunde gesund und geimpft sind, eine regelmäßige Kontrolle durch den Tierarzt ist also grundlegend für den Einsatz von Hunden.[14]

Da der Hund lediglich als „Co-Therapeut“ fungiert, ist entscheidend, dass er in dem neuen Arbeitsbereich wissenschaftlich begleitet wird[15], was uns zum nächsten Punkt führt.

1.7 Anforderungen an den Halter des Hundes

Röger-Lakenbrink formuliert folgende Anforderungen an den Halter des Hundes: So muss er zunächst einmal über gewisse Sachkenntnisse der Haltung, Pflege, Gesundheit und Ernährung des Hundes verfügen. Er sollte in alltäglichen Situationen sozial kompetent und seinen Mitmenschen gegenüber sozial eingestellt sein. Ebenso gehören Kontaktfreude und Teamfähigkeit zu den Anforderungen an den Hundbesitzer. Es ist wichtig, dass der Halter des Hundes neugierig und offen und somit auch selbst lernbereit ist. Zusätzlich sollte er fähig sein, sich selbst zu reflektieren und konstruktive Fremdkritik ertragen können. Ausreichend Zeit und mobile Flexibilität sind ebenso Voraussetzung wie die Bereitschaft zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit bzw. profitlosem Handeln. Schlussendlich dürfen die selbständigen Tätigkeiten natürlich nicht zur Überlastung des Hundes führen.[16] Eine qualifizierte Ausbildung sollte den Halter des Hundes bestmöglich auf den Einsatz vorbereiten. Grundlegend ist aber auch ein gutes, durch gegenseitiges Vertrauen gekennzeichnetes Verhältnis zwischen Halter und Hund. Der Besitzer des Hundes sollte wissen, wie er mit dem Hund umgehen muss und wie der Hund auf bestimmte Situationen reagiert.

1.8 Schutz des Hundes

Seit 1972 gibt es ein Gesetz, dass das Tier als Rechtsperson definiert: „Dieses Gesetz dient dem Schutz des Lebens und Wohlbefindens des Tieres. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“[17]

Röger-Lakenbrink erläutert die Regeln zum Schutz des Hundes durch einen Auszug aus den Prager Richtlinien der IAHAIO[18]. Nach diesen Richtlinien ist es zunächst wichtig, dass nur Heimtiere eingesetzt werden, die durch Methoden der positiven Verstärkung ausgebildet wurden und artgerecht untergebracht und betreut werden. Weiterhin müssen alle Vorkehrungen getroffen werden, damit die betroffenen Tiere keinen negativen Einflüssen ausgesetzt sind. Der Einsatz von Tieren in helfender bzw. therapeutischer Funktion muss in jedem Einzelfall begründete Erfolgsaussichten haben. Die Einhaltung von Mindestvoraussetzungen sollte garantiert sein im Hinblick auf Sicherheit, Risikomanagement, körperliches und psychisches Wohlbefinden, Gesundheit, Vertraulichkeit und Entscheidungsfreiheit. Schließlich sollten ein angemessenes Arbeitspensum, eine eindeutige auf Vertrauen ausgerichtete Aufgabenverteilung sowie Kommunikations- und Ausbildungsmaßnahmen für alle beteiligten Personen klar definiert sein.[19]

1.9 Hygiene

Der Aspekt der Hygiene steht bei Kritikern im Bezug auf die Tiergestützte Arbeit oft im Vordergrund. Diese befürchten, dass Tiere unhygienisch sind und Krankheiten verursachen. Und tatsächlich kann der Kontakt zu Tieren ein erhöhtes Risiko darstellen, sich eine Infektionskrankheit zuzuziehen. Parasiten, die vom Hund auf den Menschen übertragen werden können sind der Rund-, Haken- und Peitschenwurm, Cryptosporidia und Giardia. Selten können Hunde auch Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter übertragen. Dieses Risiko gilt aber hauptsächlich bei Welpen oder älteren Tieren, die in einer unreinen Umgebung leben und schlecht versorgt werden.[20] Nach Otterstedt stellen Hunde jedoch „ein sehr kleines Risiko als Krankheitsüberträger dar.“[21] Einer Infektion durch das Tier kann durch Schulung des Menschen und Gesundheitsfürsorge für das Tier vorgebeugt werden. Daher gibt es gewisse Regeln, die bei der Tiergestützten Therapie eingehalten werden müssen, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Der Mensch sollte beispielsweise vermeiden, das Tier zu küssen, und seine Hände regelmäßig waschen. Da Menschen mit einer Immunschwäche anfälliger für Krankheitserreger sind, sollten sie ihre Hände nach dem Umgang mit Tieren zusätzlich desinfizieren. Um das eigene Immunsystem zu unterstützen, sollte sich schließlich auch der Mensch gesund ernähren. Die Gesundheitsfürsorge für das Tier wird durch diverse Faktoren bestimmt. Dazu zählt zunächst eine artgerechte Haltung (ausreichend Auslauf und Frischluft) und gesunde Ernährung des Tieres. Das Tier muss regelmäßig und vollständig geimpft werden, Ektoparasiten (Flöhe, Zecken, Läuse, Milben) müssen zeitnah entfernt werden (idealer wäre natürlich eine rechtzeitige Vorbeugung), bei Krankheitsanzeichen sollte der Tierarzt aufgesucht werden, das Tier muss regelmäßig entwurmt werden und der Aufenthaltsbereich des Tieres sollte regelmäßig gereinigt werden.[22] So bestehen folglich Hygieneanforderungen an beide Seiten, die nicht nur für den menschlichen Selbstschutz, sondern auch für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Tier entscheidend sind.[23] Nach Otterstedt ist, wenn all diese Vorkehrungen getroffen sind, die Chance der Übertragung einer Krankheit vom Tier auf den Menschen wesentlich geringer als die von Menschen untereinander.[24] Nur in seltenen Fällen ist Patienten aus hygienischen Gründen von Tiergestützter Therapie abzuraten. Wenn ihr Immunsystem beispielsweise sehr stark geschwächt ist, birgt der Umgang mit einem Tier für den Patienten ein zusätzliches Risiko. Auch bei Allergien auf bestimmte Haare oder Asthma sollte der Patient lieber ein anderes Tier vorziehen.[25]

Schließlich lässt sich jedoch sagen: „Wenn ein Patient von einer nicht mehr therapierbaren Krankheit betroffen ist und einen Tierbesuch wünscht, dann ist die Begegnung und Ansprache durch das Tier höher einzuschätzen als ein mögliches Infektionsrisiko.“[26]

2. Praxisbeispiele

Nachdem im vorangegangenen Kapitel Canepädagogik beschrieben wurde, sollen nun Beispiele aus der Praxis folgen. Um zu verdeutlichen, welchen Einfluss Tiere, insbesondere Hunde auf Kinder haben können, werden im folgenden Abschnitt verschiedene Studien beschrieben, in denen die Wirkung von Hunden auf Kinder untersucht wurde. Anhand dieser Studien lässt sich erkennen, in welcher Hinsicht Hunde positiv auf Kinder einwirken können, um die Tiergestützte Therapie als glaubwürdige und verifizierte Wissenschaft zu veranschaulichen. „So sollte für Kinder und Jugendliche auch die tiergestützte Therapie als Teil einer effektiven Intervention eingesetzt werden, wie zahlreiche Evaluationsuntersuchungen zeigen[27]

2.1 Wirkungsmechanismen Tiergestützter Pädagogik bei Verhaltensauffälligen - Ergebnisse einer explorativen Studie

Saumweber beschreibt, dass in den intensivstpädagogischen Gruppen der von ihr untersuchten Jugendhilfeeinrichtung Tiere in verschiedenen Projekten erfolgreich eingesetzt wurden. Für die hier vorgestellte Studie wurden die für die sozio-emotionale Entwicklung besonders relevanten und für die Verhaltensauffälligkeiten häufig ursächlichen Faktoren Bindung und Empathie untersucht. 67 Kinder und Jugendliche aus einem stationären Jugendhilfeprogamm[28] nahmen an der Studie teil. Vergleichsweise wurde die Studie außerdem stichprobenartig an einer Hauptschule durchgeführt.[29]

Hauptergebnis dieser Studie war die Tatsache, dass eine sichere Bindung zu Tieren positiv mit Mitgefühl korreliert. Es gab allerdings noch weitere signifikante Verbindungen zwischen menschlichen Bindungen und der Beziehung zu Tieren. So korrelierte „sich von einem Tier bedroht fühlen“ signifikant negativ mit „Vertrauen zu Freunden“ und „Bindung an die Freunde“. Eine positive Einstellung zu Tieren korrelierte moderat positiv mit „Bindung zu Tieren“, „Vertrauen in der Familie“ und „Kommunikation in der Familie“.[30] Hiermit scheint ein Zusammenhang zwischen der Beziehung von Mensch und Tier und Menschen untereinander erwiesen. Überdies haben die Kinder sichtlich Spaß an den Projekten mit den Tieren. „Die tiergestützten Projekte zeichnen sich durch familiäre Normalität aus, die durch die Tiere geprägt und vorgegeben ist. Freizeitaktivitäten mit den Tieren sind für die Jugendlichen deutlich attraktiver als „normale“ pädagogische Maßnahmen zur Tagesgestaltung.“[31] Wichtig für die Kinder ist außerdem, dass die Mensch-Tier-Beziehung Verlässlichkeit und Kontinuität verspricht. Die Kinder werden von dem Tier nicht enttäuscht, weil es Termine vergisst oder keine Zeit für sie hat. Der Alltag der Kinder bekommt so eine Regelmäßigkeit, die sie in der Form teilweise noch gar nicht kennen. Sie lernen, Regeln einzuhalten, weil die Beziehung zu dem Tier sie dazu motiviert. „Schließlich scheinen Tiere für viele Jugendliche etwas ganz besonderes zu sein. Die Kinder zeigen deshalb eine hohe Motivation, ihr Verhalten zu ändern, um in der Gruppe bleiben zu können.“[32]

2.2 Die xy Schule

Auch eine Integrationsklasse der „xy Schule[33] “ in S. erhält regelmäßigen Besuch von einem Hund. In dieser fünften Klasse der Haupt- und Realschule haben sieben der dreiundzwanzig Schulkinder ein Defizit. Diese Defizite reichen von Sprachproblemen über AD(H)S bis hin zu Rheuma oder Sehbehinderungen. Die fünfjährige Golden- Retriever-Hündin Mara kommt zweimal in der Woche für je anderthalb Stunden gemeinsam mit ihrer Besitzerin (der Lehrerin der Klasse) in die Schule. Insbesondere für die Kinder mit den verschiedenen Defiziten verbessert sich die Lebensqualität in der Schule. Die regelmäßige Anwesenheit des Hundes fördert das emotionale Wohlbefinden enorm. Die Kinder lernen, auf andere Rücksicht zu nehmen, wodurch sich auch das Gemeinschaftsgefühl steigert. Die beruhigende Ausstrahlung des Hundes fördert die Konzentrationsfähigkeit und das Regelbewusstsein der Schüler.[34] Die Interaktion zwischen dem Hund und den Schülern wird sehr anschaulich in dem Bericht seiner Besitzerin geschildert, der aus Maras Blickwinkel geschrieben ist:

„Ein ganz dicker Brocken, auch im optischen Sinne, ist Stephan. Er kann einfach seine Hände und Füße nicht kontrollieren. Er ist ständig in Aktion, schneidet Grimassen und macht mit Clownereien auf sich aufmerksam. Hyperaktivität nennt Frauchen das. Aber da sie immer ganz ruhig und freundlich mit Stephan redet, bin ich auch sehr gelassen, wenn Stephan mit mir Konzentration übt. Er schneidet eine Banane in kleine Scheiben und reicht mir diese mit einer Kuchengabel. Mir gefällt diese Fütterung, und ich nehme nichts vom Boden auf,wenn Stephan ungeschickt war.[35]

Der Hund motiviert das hyperaktive Kind dazu, sich Zeit zu nehmen, um sich auf Kleinigkeiten zu konzentrieren. Es macht Stephan Spaß, den Hund zu füttern und die Freude des Hundes darüber, gefüttert zu werden, ist die Belohnung für seine Konzentrationsbemühungen. Der Hund drängt den Jungen nicht, so dass dieser sich sicherer fühlt. Diese Gelassenheit des Hundes kann sich so auch leicht auf das hyperaktive Kind übertragen.

[...]


[1] Förster: Tiere als Therapie, S.22.

[2] Odendaal, J.S.J. (2000): Animal-assisted therapy - magic or medicine? in: Journal of Psychosomatic Research 49, S.276.

[3] Otterstedt: Tiere als therapeutische Begleiter, S.138.

[4] Ebd., S.138.

[5] Prothmann: Verhaltensmuster psychisch auffälliger Kinder und Jugendliche in der tiergestützten Therapie, S.13.

[6] Vgl. Otterstedt: Tiere als therapeutische Begleiter, S.138.

[7] Vgl. Möhrke, Corinna: Diplomarbeit, in: http://www.canepaedagogik.de/canepaedagogik.pdf..

[8] Ebd., S.6.

[9] Vgl. Ebd., S.49..

[10] Ebd., S.53

[11] Vgl. Chandler, Cynthia K. (2005): Animal assisted therapy in counseling, New York: Taylor & Francis Group, S.26.

[12] Vgl. Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team, S.35

[13] Doppelstein, Kerstin: Wahl und Wohl des Therapiehundes, in: http://www.mensch-tier-kongress.de/archiv/2007/Mensch-Tier-Kongress-2007.pdf, S.20 (Zugriff: 30.08.2009), S.20.

[14] Vgl. Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team, S.35..

[15] Doppelstein, Kerstin: Wahl und Wohl des Therapiehundes, in: http://www.mensch-tier-kongress.de/archiv/2007/Mensch-Tier-Kongress-2007.pdf, S.20.

[16]. Vgl. Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team, S.37..

[17] Greiffenhagen/Buck-Werner: Tiere als Therapie, S.25.

[18] Anm.: IAHAIO: International Association of Human-Animal Interaction Organizations.

[19] Vgl. Röger-Lakenbrink: Das Therapiehundeteam, S.39..

[20] Vgl. Otterstedt: Tiere als therapeutische Begleiter, S.133.

[21] Vgl Ebd., S132.

[22] Doepke: Tiergestützte Therapie im Kontext sozialer Arbeit, S.51.

[23] Rehm, Norbert (1993): Kind und Hund: Erhebungen zum Zusammenleben in der Familie, München, Univ., Diss., S.45.

[24] Vgl. Otterstedt: Tiere als therapeutische Begleiter, S.126.

[25] Vgl. Ebd., S.130.

[26] Ebd., S.131.

[27] Prothmann, Anke: Tiere in der Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen, in: http://www.mensch-tier-kongress.de/archiv/2007/Mensch-Tier-Kongress-2007.pdf (Zugriff: 30.07.2009), S.9.

[28] Anm.: 47 männliche, 20 weibliche Kinder und Jugendliche mit einem Altersdurchschnitt von 15,2 Jahren.

[29] Anm.: Hier gab es 33 Teilnehmer, wovon 20 männlich und 13 weiblich waren.

[30] Saumweber, Kristina: Wirkungsmechanismen Tiergestützter Pädagogik bei Verhaltensauffälligen. Ergebnisse einer explorativen Studie, in: http://www.mensch-tier-kongress.de/archiv/2007/Mensch-Tier-Kongress-2007.pdf, (Zugriff: 30.08.2009), S.38/39.

[31] Ebd., S.40.

[32] Ebd., S.40.

[33] Der Name der Schule sowie die Namen der Schüler wurde zur Anonymisierung verändert.

[34] Vgl. Röger-Lakenbrink: Das Therapiehunde-Team, S.108/109.

[35] MEYER,INGE,zitiert bei Roger-LAKENBRINK:Das Therapiehunde-Team,S.109

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Der Hund als Therapiebegleiter in der Canepädagogik. Definition, Praxisbeispiele, Einsatz bei verhaltensauffälligen Kindern und Kritik
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
32
Katalognummer
V288792
ISBN (eBook)
9783656889465
ISBN (Buch)
9783656906261
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hund, therapiebegleiter, canepädagogik, definition, praxisbeispiele, einsatz, kindern, kritik
Arbeit zitieren
Annika Schmidt (Autor), 2009, Der Hund als Therapiebegleiter in der Canepädagogik. Definition, Praxisbeispiele, Einsatz bei verhaltensauffälligen Kindern und Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288792

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