Die Frage nach der Ableitung der Kongruenz ist im Minimalismus von zentraler Bedeutung.
Hierbei spielt unter anderem die Flexionsmorphologie und ihre Auswirkung auf die Syntax eine große Rolle. Syntaktische Relationen lassen sich an der Morphologie von Flexionsaffixen ablesen, da die Kategorien Kasus, Person, Numerus und Genus sowohl morphologisch anhand spezieller Merkmale realisiert werden als auch die Kongruenz und Rektion abbilden können (vgl. Sternefeld 2007: 1). So verwundert es nicht, dass Sternefeld ähnliche Mechanismen bei der Erzeugung morphologischer Strukturen bei Wörtern auch für die Syntax annimmt. Mit Bezug auf Wurzel (1984) betont Sternefeld (2007) zudem die Gemeinsamkeiten zwischen Syntax und Morphologie in Bezug auf die Interfaces. Die Interfaces stellen jene Stufe der Satzgenerierung dar, wo die derivational erzeugte Struktur zum einen hinsichtlich ihrer logischen Form, d.h. semantisch und zum anderen hinsichtlich ihrer phonologischen Form, d.h. wie sie lautlich – in Form eines akustischen Outputs – realisiert werden muss. Hierauf wird an späterer Stelle genauer eingegangen. Im Prinzip soll die Eigenschaft, dass hier zwischen lautlicher Form und Inhalt vermittelt wird unterstrichen werden (vgl. Sternefeld 2007: 1).
Die Tatsache, dass es vor allem im Deutschen spezielle und teilweise distinktive Morpheme gibt, die syntaktische Verhältnisse wie Kongruenz ausdrücken, wirft die Frage auf, inwieweit man dieses Phänomen syntaktisch analysiert. In dieser Arbeit wird in erster Linie versucht, die Kongruenz zwischen Subjekt und Verb im Deutschen näher zu beleuchten. Hierbei handelt es sich um eine explizite Relation, die sich in Form von Merkmalen aus der Morphologie konkret manifestiert. Dennoch ist nicht unmittelbar klar, wie eine derartige Relation strukturell auszusehen hat. Man muss quasi zwei Elemente hinsichtlich ihrer Eigenschaften miteinander abgleichen, um das passende Affix zu generieren. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass keines der beiden Elemente das andere dominiert, da eine Dominanzrelation bedeuten müsste, dass der dominierende Teil seine Eigenschaften projiziert.
In der Theorie muss geklärt werden, wie dieses besondere Verhältnis beschrieben werden kann. Eine Möglichkeit dieser Beschreibung lieferte die Einführung einer sogenannten
funktionalen Kategorie IP. IP steht für Inflection Phrase. Ziel ist eine genaue Untersuchung dieser Phrase hinsichtlich ihrer Relevanz für eine minimalistische Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorien der IP gesteuerten Kongruenz in der Generativen Syntax
2. 1 Strukturelle Positionen von I
2. 2 Affix-Hopping
2. 3 Die Deutsche Verbbewegung als V nach I Bewegung
3 Theorie der Merkmale
3. 1 Operationen des Minimalismus
3. 2 Nähere Betrachtung der I-Position im typologischen Vergleich
3.2.1 Verbpositionen im Deutschen und im Englischen
3.2.2 Infinitivpartikel und ihrer syntaktische Position
3. 3 I-Analyse im Deutschen
3. 4 Das externe Subjekt
4 Anwendung
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenfelder
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der funktionalen Kategorie IP (Inflection Phrase) hinsichtlich ihrer Relevanz für eine minimalistische Analyse der deutschen Sprache, insbesondere im Hinblick auf die Subjekt-Verb-Kongruenz und die Frage, ob die IP für das Deutsche aus Gründen der Ökonomie entbehrlich ist.
- Grundlagen der Generativen Syntax und der IP-gesteuerten Kongruenz
- Minimalistische Operationen wie Merge (Verkettung) und Move (Bewegung)
- Typologischer Vergleich von Verbpositionen im Deutschen und Englischen
- Analyse der zu-Infinitiv-Konstruktionen und der Negation
- Strukturanalyse des externen Subjekts und der VP-internen Relationen
Auszug aus dem Buch
Die Frage nach der Ableitung der Kongruenz
Die Frage nach der Ableitung der Kongruenz ist im Minimalismus von zentraler Bedeutung. Hierbei spielt unter anderem die Flexionsmorphologie und ihre Auswirkung auf die Syntax eine große Rolle. Syntaktische Relationen lassen sich an der Morphologie von Flexionsaffixen ablesen, da die Kategorien Kasus, Person, Numerus und Genus sowohl morphologisch anhand spezieller Merkmale realisiert werden als auch die Kongruenz und Rektion abbilden können (vgl. Sternefeld 2007: 1). So verwundert es nicht, dass Sternefeld ähnliche Mechanismen bei der Erzeugung morphologischer Strukturen bei Wörtern auch für die Syntax annimmt. Mit Bezug auf Wurzel (1984) betont Sternefeld (2007) zudem die Gemeinsamkeiten zwischen Syntax und Morphologie in Bezug auf die Interfaces. Die Interfaces stellen jene Stufe der Satzgenerierung dar, wo die derivational erzeugte Struktur zum einen hinsichtlich ihrer logischen Form, d.h. semantisch und zum anderen hinsichtlich ihrer phonologischen Form, d.h. wie sie lautlich – in Form eines akustischen Outputs – realisiert werden muss. Hierauf wird an späterer Stelle genauer eingegangen. Im Prinzip soll die Eigenschaft, dass hier zwischen lautlicher Form und Inhalt vermittelt wird unterstrichen werden (vgl. Sternefeld 2007: 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die zentrale Bedeutung der Kongruenzableitung im Minimalismus und die Problematik der funktionalen Kategorie IP.
2 Theorien der IP gesteuerten Kongruenz in der Generativen Syntax: Diskussion theoretischer Modelle zur Verb- und Affixbewegung unter Einbeziehung von typologischen Parametern.
3 Theorie der Merkmale: Detaillierte Darstellung minimalistischer Operationen, Merkmalsklassifizierungen und der spezifischen I-Position im typologischen Vergleich.
4 Anwendung: Praktische minimalistische Strukturanalyse eines deutschen Satzes zur Erprobung der aufgestellten Hypothesen ohne IP.
5 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Ökonomie bei der Reduzierung syntaktischer Komplexität auf Kosten einer komplexeren Morphologie.
Schlüsselwörter
Minimalismus, IP, Inflection Phrase, Kongruenz, Syntax, Morphologie, Merkmale, Merge, Bewegung, Verbalkomplex, Subjekt-Verb-Kongruenz, Ökonomieprinzip, Generative Grammatik, SVO, SOV.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische Berechtigung und die syntaktische Notwendigkeit der funktionalen Kategorie IP (Inflection Phrase) für das Deutsche im Rahmen des Minimalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Kongruenz zwischen Subjekt und Verb, die minimalistischen Operationen der Verkettung (Merge) und Bewegung sowie den typologischen Vergleich der Verbpositionen im Deutschen und Englischen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die IP als Projektion für die deutsche Sprache aus Gründen der Ökonomie entbehrlich ist, indem syntaktische Funktionen auf die Morphologie übertragen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine minimalistische Strukturanalyse angewendet, die sich primär auf die von Sternefeld (2007) vorgeschlagene morphologisch motivierte generative Beschreibung stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Theorie der Merkmale, der Operation Merge, der Analyse von Infinitivpartikeln, der Negation sowie der Position des externen Subjekts innerhalb der VP.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Minimalismus, Merkmalsabgleich (Checking), Verbalkomplex, typologische Parameter und die Entbehrlichkeit funktionaler Projektionen.
Wie begründet der Autor die Ablehnung einer IP-Struktur für das Deutsche?
Der Autor führt an, dass die Annahme einer IP zu einer redundanten Bewegung führt und dass deutsche morphologische Eigenschaften erlauben, Kongruenzphänomene eher als wortinterne oder morphologische Prozesse zu erklären.
Welche Rolle spielt die "Numeration" bei der minimalistischen Ableitung?
Die Numeration ist der erste Schritt der Derivation, bei dem eine festgelegte Menge lexikalischer Elemente mit entsprechenden Merkmalen aus dem mentalen Lexikon selektiert wird, um darauf aufbauend die Struktur zu erzeugen.
Was zeigt der Substitutionstest in Kapitel 3.2.1?
Der Test zeigt, dass das finite Hilfsverb unabhängig von der restlichen Verbalphrase analysiert werden muss, was als Argument für die spezifische syntaktische Konfiguration von Verben im Deutschen dient.
- Citar trabajo
- Sören Meyer (Autor), 2011, Inflection Phrase (IP) im Deutschen. Eine minimalistische Analyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288915