Erfolgreich "Ich" sein. Identity Coaching


Fachbuch, 2014

60 Seiten, Note: 198/200 Punkte


Leseprobe

INHALT

VORWORT

EINFÜHRUNG

ZIELSETZUNG DIESER ARBEIT

ZIELGRUPPE DIESER ARBEIT

1. SICH SELBST TREU BLEIBEN

2. ICH SEIN – DAS STREBEN NACH INDIVIDUELLER IDENTITÄT
2.1. IDENTITÄT: EIN HISTORISCHER BLICK AUF DIE PHILOSOPHISCHE ENTWICKLUNG DER FRAGE NACH UNSEREM SEIN
2.2. IDENTITÄT: MODERNE BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.3. IDENTITÄT UND DIE PROBLEMATIK DER IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG
2.3.1. IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG: EIN ROLLENSPIEL
2.3.2. IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG: ROLLENNETZWERK UND ERWARTUNGEN
2.3.3. IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG: ERWARTUNGEN UND KONFLIKTE

3. BEDÜRFNISTHEORIE VON MASLOW
3.1. IDENTITÄTSBEDÜRFNISSE NACH MASLOW
3.2. DAS ICH-BEDÜFNIS „ANERKENNUNG“ ALS RISIKO DES IDENTITÄTSVERLUSTES
3.3. IDENTITÄT BRAUCHT ZIELE

4. AUCH AUS STEINEN DIE SICH EINEM IN DEN WEG LEGEN, KANN MAN SCHÖNES BAUEN – STOLPERFALLEN AUF DEM WEG ZU UNSEREM ICH
4.1. ZU VIELE ICHs UND ERWARTUNGEN
4.2. DAS RISIKO DER ANPASSUNG
4.3. FEHLEINSCHÄTZUNGEN UNSERER FÄHIGKEITEN UND FERTIGKEITEN
4.4. FEHLENDE ZIELKLARHEIT
4.5. FEHLENDE ODER ZU WENIG KRAFTQUELLEN
4.5.1. UNSERE KRAFTQUELLEN
4.5.2. UNSER OPTIMALER ENERGIEHAUSHALT

5. AUS DER SUMME DER HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN GESTALTEN WIR EINE INDIVIDUELLE IDENTITÄT
5.1. AUS DEN MÖGLICHKEITEN SCHÖPFEN UND DER SACHE AUF DEN GRUND GEHEN
5.2. IDENTITÄT WIRKT: IDENTITÄT NACH AUßEN
5.2.1. SELBST- UND FREMDBILD
5.2.2. IMAGEAUFBAU ANALOG ZUR MARKENTECHNIK
5.3. „UNS SELBST TREU BLEIBEN“ DURCH KLARHEIT UND BALANCE: ARBEITEN MIT DEM BALANCE-MODELL

6. FAZIT UND SCHLUSSWORT

DANKSAGUNG

ANHANG

LITERATUR

ANREGNUG

VORWORT

„Moment, ich muss noch…!“

Wer kennt das nicht? Gehetzt rennen wir unseren „to do´s“ Tag für Tag hinterher und das in absolutem Glauben, erst mit allen Häkchen auch wirklich alles erledigt zu haben. Doch nicht nur das, wir verbinden damit all dies: Besser sein. Angekommen sein. Anerkannt(er) sein. Erfolgreich(er) und glücklich(er) sein.

Doch wie viel SEIN ist bei all den „to do´s“ tatsächlich dabei? Was davon macht uns selbst tatsächlich aus und wie viel davon uns wirklich glücklich?

Es ist nicht leicht, sich Tag für Tag dem „Moment, ich muss noch…!“- Zwang entgegen zu setzten oder zumindest kritisch zu reflektieren, was davon tatsächlich noch sein „muss“, um nachts besser schlafen und sich morgens selbst im Spiegel anschauen zu können. Doch das wohl wichtigste „Moment, ich muss noch…!“ wird leider oftmals vergessen, nämlich das:

„Moment, ich muss noch…ICH sein!“.

EINFÜHRUNG

„Bleib dir selber treu und Du wirst erfolgreich sein.“[1]

Ein schnell gelesener Satz, häufig gehört und noch häufiger darüber philosophiert. Ein Satz, der durch die Schlagworte „Treue“ und „Erfolg“ wirkt und beim wiederholten aufmerksamen Lesen zeigt, wie viel Kraft und Energie er hat! Energie, die umgesetzt werden will. Am besten noch direkt beim Lesen!

Wir verspüren das Kribbeln im Bauch, das uns unverzüglich aktiv werden lassen möchte. Den Startschuss haben wir in unseren Gedanken bereits gehört und die Startlinie bildlich mit schwungvollen Schritten hinter uns gelassen. Doch beim realen Blick nach vorne werden wir langsamer und wir denken: „Wo geht es nochmal lang?“; 1000 Möglichkeiten und keiner sagt uns, welche die Richtige von all jenen ist. Die nächsten Gedanken an die eventuell vielen misslungenen Vorhaben und Fehlversuche in der Vergangenheit lassen nicht lange auf sich warten. Puff, weg sind sie, die Energieblase und das Kribbeln im Bauch! Und anstatt loszulaufen, bleiben wir stehen. Viel zu schnell geben wir uns dem Sog, der uns zeitgleich noch fester in unseren alten Sessel zieht, nach. Der Sessel ist zwar abgesessen und die Federn bohren sich unangenehm in unser Sitzfleisch ein, aber ein bisschen Wärme und Sicherheit gibt er uns ja schließlich doch noch. „Und noch sitzt es sich ja auch einigermaßen gut“, denken wir, „von dem bisschen Wackeln abgesehen!“

Schon faszinierend wie plötzlich aus 1000 Möglichkeiten genau eine Sackgasse wird! Doch warum ist das so? Ist es Orientierungslosigkeit oder etwa Angst vor Veränderung? Warum begeben wir uns nicht heraus aus unserer Komfort-Zone?

– Es ist der bequeme Sicherheitsdenker in uns, der uns so lange an Altem festhalten lässt, bis nur noch eines sicher ist, nämlich dass wir erfolglos versuchen festzuhalten. So überzeugt er uns mit der Aufzählung all unserer misslungenen Versuche dem Erfolgsdruck gerecht zu werden und den Erinnerungen daran, es damals nicht geschafft zu haben uns selbst treu zu bleiben; dadurch können wir unser ablehnendes Verhalten zunächst rechtfertigen. „Wenn ich einmal genauer hinschaue, so geht es mir ja gar nicht so schlecht!“, sprechen wir uns weiter zu, unser innerer Sicherheitsdenker dabei zustimmend nickend, und revidieren damit vollkommen unseren ursprünglichen, aus unserem tiefsten Inneren kommenden und immer wiederkehrenden Handlungsdrang. „Nun, es gibt ja noch ein bisschen Polster auf dem Wackelsessel!“; und notgedrungen geben wir uns mit dem Gewohnten zufrieden, was durchaus eine gute Eigenschaft ist; schließlich ist Zufriedenheit mit dem was man macht und was man hat, eine gute Lebensphilosophie.

Jedoch verwechseln wir diese Philosophie gerne mit Bequemlichkeit und Komfort. Wir geben ihnen nach und ignorieren folglich das Gefühl, wie sich die Federn des Sessels immer wieder in unser Fleisch hineinbohren. Wir ignorieren und vergessen, dass da etwas ist was beachtet werden möchte! Wir deuten es als „Spinnerei“ und „Wunschdenken“. Wir reden uns unsere bisherige Lebenssituation schön, trauen uns die Veränderung nicht zu und glauben nicht an uns selbst. Wir erlauben es uns nicht unserem Gefühl zu vertrauen, dass da mehr ist und wir mehr oder anderes haben wollen als das, womit wir uns heute arrangiert haben und zufrieden geben! Aber wir können durchaus mehr haben: Mehr Erfolg, mehr Glück, mehr Leben, mehr ICH.

„Ziele nach dem Mond. Selbst wenn du ihn verfehlst, wirst du zwischen den Sternen landen.“[2]

Ist das nicht eine wundervolle Aussicht, ein klares Ziel zu haben? Und wie glücklich und reich darf man sich schätzen, 999 Wege gefunden zu haben, um zu wissen wie etwas nicht funktioniert? – Diese Erkenntnis bringt nämlich Glück in unser Leben, denn „Glück […] ist kein Ziel. Glück muss vorbeigehen, um Platz zu schaffen für neues Glück und neue Lernerfahrungen“[3], schreibt beispielsweise Wolf Lotter. Lebenserfahrungen, die uns reicher machen; reicher an Wissen, Charakter, Profil, Erfolg und Persönlichkeit. Wir sollten somit nicht vergessen, dass es nicht umsonst mit den Worten Konfuzius´ heißt: „Der Weg ist das Ziel!“[4] Darum lassen Sie uns herausfinden wie man sich auf dem Weg zum Ziel selbst treu bleiben kann, denn dann kommt der Erfolg schon von (fast) ganz alleine!

ZIELSETZUNG DIESER ARBEIT

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung des „ICH seins“, der Identitätsfindung und Selbsttreue. Sie soll folgendes behandeln:

Aufklärung zum Thema Identität

Einführung in Modelle und Theorien der Identitätsfindung

Aufzeigen von Schwierigkeiten der Identitätsfindung

Beschreibung von möglichen Ursachen

Aufzeigen möglicher Lösungswege

Anregung zur Selbstreflektion

Inspiration und Motivation für neue Wege

Vorstellung eines selbstentwickeltes Balance-Tools

Hierdurch sollen theoretische Hintergrundkenntnisse, Problem-und Lösungsansätze sowie diverse Hilfestellungen bei der Umsetzung/Realisierung des „sich selbst treu seins“ gegeben werden.

ZIELGRUPPE DIESER ARBEIT

Diese Arbeit ist für all diejenigen gedacht,

die sich mehr Orientierung und Klarheit über sich und die eigenen Ziele in ihrem Leben wünschen

deren Gedanken sich um die Fragen „Wer bin ich?“ und „Was will ich?“ kreisen

die danach streben sich selbst treu zu bleiben

die Zufriedenheit und Balance im Alltag und beim Erreichen beruflicher Ziele erreichen möchten

die sich persönlich gerne weiterentwickeln

die sich für das Thema Identitätsfindung interessieren

die gerne eine weitere Methode für sich entdecken möchten, mit Hilfe derer sie die verschiedenen Rollen und Anforderungen in ihrem Leben in eine gesunde Balance bringen können

1. SICH SELBST TREU BLEIBEN

Widmen wir uns zunächst einmal der Fragestellung was es genau bedeutet, „sich selbst treu zu bleiben“:

SICH + SELBST + TREU bleiben. Drei einfache, kurze Worte - könnte man meinen. Beim genaueren Betrachten stellt man jedoch fest, dass der Bezug auf die eigene Person in doppelter Form vorkommt: SICH und SELBST; dies lässt auf eine entsprechende Relevanz schließen. Schauen wir uns die einzelnen Wörter doch einmal genauer an:

SICH ist ein Pronomen. Im Deutschen ein Fürwort. Ein Wort, das für ein Nomen „(n., v. lat. nomen, gen.: nominis ‚Name‘, Pl.: Nomina, auch Nomen)“[5] eintritt.“[6] In diesem Fall handelt es sich genauer gesagt um ein „Indefinitpronomen, [das] allein auf die Existenz eines Individuums [verweist], ohne weitere Eigenschaften anzugeben.“[7]

SELBST „ist ein uneinheitlich verwendeter Begriff mit psychologischen, soziologischen, philosophischen und theologischen Bedeutungsvarianten. Im introspektiven Sinn, also in Bezug auf die Empfindung, ein einheitliches, konsistent fühlendes, denkendes und handelndes Wesen zu sein, dient er zur Reflexion, Verstärkung und Betonung des Begriffs Ich.“[8]

Als TREU beschreibt man jemanden, der zuverlässig und beständig ist. Der Duden definiert, dass eine Person treu ist, wenn sie „an einer einmal eingegangenen Bindung (…) (festhält).“[9]

Somit kann zusammengefasst werden, dass SICH + SELBST + TREU bedeutet, ein EXISTENTES ICH zu haben + BESTÄNDIG zu sein und dass das eigene ICH, also „die eigene (individuelle) Identität“[10], gewahrt wird, ohne dass man sich selbst dabei verstellt.[11] - Zusammengefasst heißt das also:

ICH + SEIN

2. ICH SEIN – DAS STREBEN NACH INDIVIDUELLER IDENTITÄT

Sich selbst treu sein bedeutet somit ICH zu SEIN. Doch was bedeutet das wiederum?

Wer bin ich denn überhaupt?

Wie sehen mich andere?

Wie möchte ich für mich und andere sein?

Die Auseinandersetzung mit dem Thema ‚"ICH SEIN“, also der Fragestellung zur menschlichen Identität, ist nicht neu und wahrscheinlich schon so alt wie die Menschheit selbst. Ob aus der Theologie, Philosophie oder Physik, es gibt unzählige Ansätze und Theorien über das Sein, deren Deutung und darüber hinaus, was sie ausmacht.

Ein historischer Blick „(…) auf die Entwicklung und Deutung des Begriffs der persönlichen Identität (…) (macht deutlich), dass dieser (einem) (biographischen) Wandel unterliegt, jedoch durch den Wandel hinweg fortbestand hat.“[12]

2.1. IDENTITÄT: EIN HISTORISCHER BLICK AUF DIE PHILOSOPHISCHE ENTWICKLUNG DER FRAGE NACH UNSEREM SEIN

Schaut man sich die philosophisch geprägte Entwicklung der Begriffsdeutung „Identität“ an (siehe Abbildung „EXTRAKT ZU RBEGRIFFSGESCHICHTE DER „IDENTITÄT““ auf Seite 10), so kann man sehen, dass sich die Deutung des Identitätsbegriffes von einer Unterscheidung zwischen Substanz und Akzidenz[13] (Antike), über eine Gleichsetzung mit der Fähigkeit des Denkens und später auch Fähigkeiten sich zu erinnern, bis hin zu einer Verknüpfung mit Emotionen und (in der Romantik) zur Selbsterkenntnis entwickelte. Die Entwicklung hin zur modernen Deutung der Identität als Freiheit, Einzigartigkeit und Selbstbestimmung ist dabei Handlungstragend.

Auffällig ist, dass in allen Entwicklungsstufen und Theorien Identität immer in Bezug zu etwas gestellt (z.B. Materie, Geist, Gefühl) wird; selbst in der Theologie und Wissenschaft. Folglich ist Identität etwas, das durch Resonanz entsteht und einen Ursprung hat; dieser hat wiederum seinen Ursprung usw.

Ich selbst möchte den modernen Begriff der Identität, d.h. die Frage nach dem Sein, als das Bestreben nach einem eigenen und ganz persönlichen (positiven) Lebensgefühl (geistig, seelisch, körperlich und in Beziehung zur eigenen Umwelt) sowie nach Selbstverwirklichung beschreiben, welches einen lebenslangen Prozess des Lernens umfasst.

2.2. IDENTITÄT: MODERNE BEGRIFFSDEFINITIONEN

Aus unzähligen Begriffsdefinitionen möchte ich drei auswählen, die sich m.E. sehr gut ergänzen lassen sowie den heutigen Zeitgeist und das Verständnis von Identität sehr gut beschreiben:

1. „Identität ist das Bewusstsein, ein unverwechselbares Individuum mit einer eigenen Lebensgeschichte zu sein, in seinem Handeln eine gewisse Konsequenz zu zeigen und in der Auseinandersetzung mit Anderen eine Balance zwischen individuellen Ansprüchen und sozialen Erwartungen gefunden zu haben.“[14]
2. „Identität ist die Fähigkeit, sich immer wieder von anderen Menschen zu unterscheiden (Individualität) und dabei über die Zeit (Kontinuität) und verschiedene Situationen (Konsistenz) hinweg – auch für die Umwelt erkennbar – dieselbe Person zu bleiben.“[15]
3. Nach dem rationalen Konzept der Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung kann die Identität, das Eigene, nur in Auseinandersetzung mit dem Anderen definiert werden[16]. Identität ist „Unverwechselbarkeit“ des Individuums und dies zeigt sich erst, wenn andere hinschauen. Erst dann hat der Unterschied einen Sinn. „Dabei ist Identität nach innen gerichtet und das sogenannte Image, (zu Deutsch) die Erscheinung, (ist) das Bild, das von außen erkennbar ist und wahrgenommen wird.“[17]

2.3. IDENTITÄT UND DIE PROBLEMATIK DER IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG

Im heutigen Zeitalter, so Toffler in seinem Werk „Der Zukunftsschock“, „hat der Mensch allerdings nicht (mehr nur) eine Identität, sondern viele.“[18] Aus dem Hippie wird der wendige Geschäftsmann, aus dem Geschäftsmann wird der Freizeit-Fallschirmspringer und nicht einmal ihm selbst ist klar, in welchen Stunden sich die Übergänge vollzogen haben (…);“[19] und dies gilt bis heute.

Aber „(…) was bleibt übrig? Was ist geblieben von seinem ‚Ich‘, seiner Persönlichkeit im Sinne einer kontinuierlichen und dauerhaften inneren Struktur? Für manche lautet die Antwort: sehr wenig.“[20], schreibt beispielsweise Wolf Lotter. „Es wird nicht mehr um das ‚Ich‘ gehen, sondern um eine Reihe von Einzelphänomenen, die man als ‚Fortsetzungs-Ichs’ bezeichnen könnte. Zu viele Ichs – das ist das Problem, mit dem wir fertig werden müssen.“[21]

Müssen? Wollen? Oder Können? Meines Erachtens ist dies nicht eine reine Form des „müssens“, sondern eine Mischung aus diversen „MÜSSEN, KÖNNEN und WOLLEN“, die sich gegenseitig bedingen. Ich möchte das gerne anhand eines Beispiels illustrieren:

Nehmen wir als Beispiel „Rollengleichheit im Unternehmenskontext“. Vertreter dieses Bestrebens WOLLEN dieses Ziel erreichen. Dies zu erreichen bedeutet Veränderungen einzugehen, welche wiederum neue Möglichkeiten schaffen. Beispielsweise können Männer nun Vaterschaftsurlaub nehmen oder Frauen haben bessere Chancen auf Führungspositionen als noch vor einigen Jahren (=KÖNNEN). Gleichzeitig gibt es aber auch Veränderungen, die etwas im Gegenzug zu dieser Veränderung fordern. Dies können rechtliche, politische oder soziale Themen sein. In unserem Beispiel kann dies beispielsweise bedeuten, dass Frauen auf Zeit mit der Familie verzichten müssen oder Männer Frauen als Kollegen oder gar Vorgesetzte in ihrer neuen Rolle akzeptieren müssen (=MÜSSEN). „Veränderung bringt Veränderung“ -und je nach Situation oder Zeitpunkt, befinden wir uns im Prozess des WOLLENs, KÖNNENs oder MÜSSENs und reflektieren unseren Standpunkt, unser Verhalten, unsere Rolle und positionieren uns neu.

Jedes WOLLEN bedeutet neben dem KÖNNEN ebenfalls etwas zu MÜSSEN. Das kann auf viele weitere Bereiche übertragen werden wie beispielsweise „Work-Life-Balance“, den Vor- und Nachteilen von „Informations- und Kommunikationsfortschritt“ oder der „Globalisierung“.

All diese Veränderungen bringen neue Möglichkeiten und gleichzeitig neue Herausforderungen mit sich. Sie fordern neues Denken und neues Verhalten und sind Beispiele dafür, wie das eigene Verhalten und die eigene Rolle im neuen, veränderten Kontext gefunden und in eine neue Balance gebracht werden muss.

Anders jedoch als Toffler, der diese Entwicklung als „Zukunftsschock“ bezeichnet, bin ich der Meinung, dass das Thema Identitätsvervielfältigung bereits in früheren Jahren präsent war, jedoch konnte es im Gegensatz zu heute nicht so offen thematisiert oder gar ausgelebt werden. Im Folgenden soll daher zunächst die „ICH SEIN“s-Frage im aktuellen und modernen Themenkontext weiter reflektiert werden.

2.3.1. IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG: EIN ROLLENSPIEL

Der Soziologe Ralf Dahrendorf vergleicht die soziale Welt mit einer Bühne und die darauf befindlichen und agierenden Menschen als Spieler. Er vertritt die Theorie, dass das Handeln der Menschen etwas Äußerliches sei, das man von seinem eigentlichen Selbst ablösen kann. Folglich könne sich der Mensch nur als Rollenträger gesellschaftlich verwirklichen und die Sozialisation bewirke den Prozess der Rollenaneignung[22]. Die folgende Grafik soll die Variation an möglichen Rollen vereinfacht veranschaulichen:

Der Mensch ist daher ein soziales Gebilde und folglich ergeben sich für seine jeweilige Rollenidentität diverse Merkmale, die Überschneidungskriterien und voneinander unabhängige Merkmale aufweisen. Zu den zugewiesenen (ascribed) Rollen kommen zum Teil erworbene (achieved) und durch die Auseinandersetzung mit der privaten und öffentlichen Umgebung entstehen Verhaltensweisen, die der Mensch bewusst oder unbewusst annimmt.[23]

2.3.2. IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG: ROLLENNETZWERK UND ERWARTUNGEN

Jeder Mensch nimmt somit - je nach sozialer Position - verschiedene Rollen ein, die in Beziehung zu dem jeweils dazugehörenden sozialen Netzwerk stehen. Dahrendorf beschreibt diese Rollen als angeeignet und mit einem lebenslangen Prozess verbunden. Dabei sei das Ziel der Rollenaneignung, den Erwartungen des Gegenübers gerecht zu werden und keine Sanktionen hervorzurufen, woraus sich MUSS- (Gesetze), SOLL- (Konventionen) und KANN- (Idealverhalten)- Erwartungen ergeben, wie beispielsweise „Ich muss zur Begrüßung die Hand geben“, „Ich soll angemessen gekleidet erscheinen!“ oder „Ich kann nach dem Essen vom Tisch aufstehen.“

2.3.3. IDENTITÄTSVERVIELFÄLTIGUNG: ERWARTUNGEN UND KONFLIKTE

Probleme gibt es beispielsweise, wenn ein Mensch die eigenen Erwartungen an die Rolle nicht in vollem Maße oder eventuell sogar überhaupt nicht verwirklichen kann oder wenn in einer bestimmten Rolle die eigenen Erwartungen und diejenigen anderer auseinanderklaffen.

Diverse Rollen und Rollenerwartungen führen den Menschen daher notgedrungen zu einem Rollenkonflikt; egal wie sehr er sich um eine Homogenität bemüht. Somit kommt es zu Konflikten zwischen der eigenen Erwartungshaltung an sich selbst und derjenigen durch andere. Daher macht es Sinn sich für jede der Rollen über die Erwartungen klar zu werden, um solche Konflikte gar vermeiden zu können.[24]

Doch nicht nur der Unterschied zwischen dem eigenen Rollenbild und den ihr zugeordneten Erwartungen von außen schaffen Konfliktpotenzial.

Weitere Themen, die Konflikte hervorrufen können, sind:

- Rollenunsicherheit, aufgrund nicht eindeutig geklärter Erwartungen an die Rolle (bspw. neuer Job, neue Funktion)
- Konkurrierende oder nicht miteinander vereinbare Rollen (bspw. Mutter UND Führungskraft)
- Akzeptanz eines individuellen Rollenwechsels (bspw. Freund UND Vorgesetzter)

Gesellschaftlichen Erwartungen und individuellen Bedürfnissen gleichermaßen gerecht zu werden stellt die Fähigkeit dar, einen Spagat zwischen Rollenspiel und individueller Identität zu meistern. Es ist oftmals nicht leicht, dazwischen seinen richtigen Platz zu finden und sich dabei treu zu sein und glücklich zu bleiben.

Doch was wir wollen ist Identität! Diese bedeutet gemäß Duden - Online die „Echtheit einer Person oder Sache (…).[25] Und echt sind wir nur, wenn wir uns treu bleiben, wenn wir unsere Erwartungen und Bedürfnisse sowie deren Ursprung und Motivationen kennen und danach (so gut wie möglich) leben.

3. BEDÜRFNISTHEORIE VON MASLOW

Eines der bekanntesten Modelle, das sich mit den menschlichen Bedürfnissen und dem Streben nach Selbstverwirklichung, d.h. der „Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch das Realisieren von Möglichkeiten, die in jemandem selbst angelegt sind, beschäftigt“[26], ist die Bedürfnis-Pyramide des amerikanischen Psychologen Abraham Maslow:

Er unterscheidet hierbei fünf Ebenen. Die sechste Ebene, die der Transzendenz, die er später noch hinzufügte, soll im Rahmen dieser Arbeit ausgeklammert bleiben.

Die unteren 3 ½ Ebenen definiert er als Defizitbedürfnisse.[27] Diese,[28]

- werden auch als „niedrige Bedürfnisse“ bezeichnet
- müssen unbedingt erfüllt sein, um nicht als substantieller Mangel wahrgenommen zu werden
- müssen erfüllt sein, damit der Mensch zufrieden ist
- führen, sobald sie befriedigt sind, zu keiner qualitativ höheren Nachfrage
- sind durch physiologische Funktionen des Körpers begrenzt

Die beiden oberen Ebenen definiert er als Wachstumsbedürfnisse.

Diese:

- treten erst dann in den Vordergrund, wenn die Defizitbedürfnisse erfüllt sind
- sind sehr individuell
- führen zum Glück

Zudem erfolgt durch sie die Verstärkung der eigenen Individualität.

3.1. IDENTITÄTSBEDÜRFNISSE NACH MASLOW

Wolf Lotter stellt das Zusammenspiel der Bedürfnisebenen von Maslow zur Identitätsfrage „Wer bin ich?“ folgendermaßen her:

[...]


[1] Aktueller Fernsehwerbespot zu „Boss Bottled” (09/2014): Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=xh2RxhpkVT8

[2] Zitat von Friedrich Nietzsche (1844 – 1900); deutscher Philologe und Philosoph.

[3] Lotter, Wolf. “Wird schon schiefgehen! Auf der Suche nach dem Glück rechnen die meisten mit allem – außer mit sich selbst. Eine Spurensuche mit Glücksfragen und Antworten von Eckart von Hirschhausen.“ In: Brand eins, Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 12/2008; Seite 52ff.

[4] Zitat von Konfuzius (* 551 v. Chr. - † 479 v. Chr.); chinesischer Philosoph und Begründer des Konfuzianismus.

[5] Wikipedia - Online; siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Nomen (Stand: 10/2014)

[6] Wikipedia – Online; siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Pronomen(Stand: 10/2014)

[7] Wikipedia - Online; siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Pronomen (Stand: 10/2014)

[8] Wikipedia - Online; siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Selbst (Stand: 10/2014)

[9] Duden - Online; siehe auch: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/treu (Stand: 10/2014)

[10] Redensarten Index (Online); siehe auch: www.redensarten-index.de (Stand: 10/2014)

[11] Redensarten Index (Online); siehe auch: www.redensarten-index.de (Stand: 10/2014)

[12] Gentz, Magdalena. In ihrer Präsentation „Identität“; siehe auch: http://slideplayer.de/slide/898188/ (Stand 2011)

[13] Laut Duden - Online: lateinisch accidens, (…) etwas Zufälliges, nicht unbedingt zum Wesen einer Sache Gehörendes; Zufall, Zufälligkeit (…) (Stand:10/2014)

[14] Gentz, Magdalena. In ihrer Präsentation „Identität“; siehe auch: http://slideplayer.de/slide/898188/ (Stand 2011)

[15] Gentz, Magdalena. In ihrer Präsentation „Identität“; siehe auch: http://slideplayer.de/slide/898188/ (Stand 2011)

[16] Gentz, Magdalena. In ihrer Präsentation „Identität“; siehe auch: http://slideplayer.de/slide/898188/ (Stand 2011)

[17] Gute Frage – Online; siehe auch: http://www.gutefrage.net/frage/was-ist-der-unterschied-zwischen-identitaet-und-image (Stand: 10/2014)

[18] Lotter, Wolf. „Der Kompass“. In: Brand eins Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 06/2009: Seite 49.

[19] Lotter, Wolf. „Der Kompass“. In: Brand eins Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 06/2009: Seite 49.

[20] Lotter, Wolf. „Der Kompass“. In: Brand eins Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 06/2009: Seite 49.

[21] Lotter, Wolf. „Der Kompass“. In: Brand eins Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 06/2009: Seite 49.

[22] Nach Dahrendorf, Ralf. Homo Sociologicus. (1970), In: Krappmann, Lothar: „Soziologische Dimensionen der Identität“ (1972).

[23] Nach Dahrendorf, Ralf. Homo Sociologicus. (1970). In: Krappmann, Lothar: „Soziologische Dimensionen der Identität“ (1972). Siehe: http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/stamm/agnes_mat7.pdf (Stand: 10/2014)

[24] Nach Kreichgauer, Karl. Autor des „Glücksarchiv“; siehe auch: http://www.gluecksarchiv.de/inhalt/rollen.htm (Stand:10/2014)

[25] Duden-Online; siehe auch: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/Identit%C3%A4t (Stand:10/2014)

[26] Duden - Online; siehe auch: http://www.duden.de/rechtschreibung/Selbstverwirklichung (Stand:10/2014)

[27] Dr. Villani Partner KG, Österreich; Lexikon Begriff „Bedürfnishierarchie“; siehe auch: http://www.sdi-research.at/lexikon/beduerfnishierarchie.html (Stand:10/2014)

[28] Schreyögg, Georg Koch, Jochen. (2010). „Grundlagen des Managements: Basiswissen für Studium und Praxis“. Gabler Verlag, Seite 197f.; siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%c3%bcrfnispyramide#(Stand:10/2014)

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Erfolgreich "Ich" sein. Identity Coaching
Veranstaltung
Mentaltrainer und Coach
Note
198/200 Punkte
Autor
Jahr
2014
Seiten
60
Katalognummer
V289056
ISBN (eBook)
9783656901297
ISBN (Buch)
9783656901303
Dateigröße
1536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identität, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Ich sein, Individualität, Glück, Erfolg, Zufriedenheit, Balance, Selbstcoaching, Image, Fremdbild, Selbstbild, Marke, Human Branding
Arbeit zitieren
Monique Koller (Autor), 2014, Erfolgreich "Ich" sein. Identity Coaching, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289056

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