Die vorliegende Arbeit soll die heterogene Sprachsituation Kameruns erläutern. Hierzu soll zunächst kurz ein allgemeiner Überblick zur Geographie, Wirtschaft und Bevölkerung des Landes gegeben werden. Anschließend erfolgt ein kurzer Rückblick auf die Geschichte, der für ein Verständnis der momentanen Sprachsituation unerlässlich ist, da er eine Beschreibung und Erklärung für den offiziellen Bilingualismus des Landes liefert, der innerhalb des Landes zu einem diglossischen Verhältnis einerseits zwischen den einheimischen Sprachen und dem Französischen, und andererseits zwischen dem Englischen und dem Französischen geführt hat. Nach einer kurzen Vorstellung der einheimischen Sprachen, sowie der Bedeutung der Vehikularsprachen des Landes, soll auf den offiziellen Bilingualismus und dessen Umsetzung eingegangen werden.
Daraufhin soll das Hauptaugenmerk auf das français camerounais gelegt werden. Dabei soll es genauer untersucht werden, indem einige linguistische Besonderheiten, vor allem innerhalb der Lexik und Phonetik, herausgestellt werden, die im Einfluss durch Lokalsprachen und das Englische entstanden sind und einen Unterschied zum français standard darstellen. Im Anschluss erfolgt eine kurze soziolinguistische Einteilung innerhalb des français camerounais. Zum Schluss erfolgt eine Betrachtung der Hybridsprache camfranglais, die eine neumodische Erscheinung der 1970er Jahre darstellt und bevorzugt von Jugendlichen gesprochen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Land Kamerun
2.1. Geographie und Wirtschaft
2.2. Bevölkerung
2.3. Geschichte
3. Sprachsituation
3.1. Einheimische Sprachen und Vehikularsprachen
3.2. Offizieller Bilingualismus
3.3. Das „français camerounais“
3.3.1. Lexikalische Besonderheiten
3.3.2. Phonetische Besonderheiten
3.3.3. Soziolinguistische Einteilung
3.4. Die Hybridsprache camfranglais
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die heterogene Sprachsituation in Kamerun und analysiert dabei insbesondere die Rolle des in Kamerun gesprochenen Französisch im Kontext der ethnischen Vielfalt und historischen Entwicklung des Landes.
- Geographischer und historischer Hintergrund Kameruns
- Analyse des offiziellen Bilingualismus und seiner praktischen Umsetzung
- Linguistische Untersuchung des „français camerounais“ (Lexik und Phonetik)
- Soziolinguistische Einteilung der kamerunischen Sprachvarietäten
- Betrachtung der Hybridsprache „camfranglais“ als soziolektales Phänomen
Auszug aus dem Buch
3.4. Die Hybridsprache camfranglais
„bàk mwà mè dó“ – Wenn man diese Wörter hört, so fragt man sich, was das eigentlich noch mit dem Französischen gemeinsam hat. Richtig ausgeschrieben heißt es: „Back moi mes dos“. Bei genauerem Betrachten sieht man also zwei französische Wörter, nämlich „moi“ und „mes“. Es handelt sich bei diesem Phänomen um die Hybridsprache camfranglais. Der Satz bedeutet: Gib mir mein Geld zurück. Der Ausdruck „back moi“, zurückgeben, ist eine Mischung aus Englisch und Französisch und „dos“ steht für Dollar, also das Geld. Entstanden ist diese Sprache etwa in den 1970er Jahren als Folge der Wiedervereinigung der beiden ehemaligen Kolonien und dem damit verbundenen Aufeinandertreffen von Anglo- und Frankophonen.
Beim camfranglais handelt es sich um eine Mischung aus dem Französischen, den einheimischen kamerunischen Sprachen, dem Pidgin-Englisch und dem Englischen: „des créations lexicales bizarres, l’introduction de mots empruntés aux langues nationales, la transposition des expression locales en français, la confusion du genre des noms, la déformation systématique de mots, le recours au pidgin english […]“. Die Bezeichnung camfranglais ist eine Komposition aus den Abkürzungen der Wörter camerounais (cam-), français (-fran-) und anglais (-glais). Als grammatikalische Grundlage orientiert sich das camfranglais am Französischen, so ist es keine Seltenheit, dass englische Verben z.B. „know“ in der zweiten Person Singular angepasst werden zu „tu knows“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die enorme sprachliche Diversität Kameruns und legt dar, dass die Arbeit die Sprachsituation, den offiziellen Bilingualismus sowie Besonderheiten des lokalen Französisch und Camfranglais untersucht.
2. Das Land Kamerun: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Geographie, die ethnische Bevölkerungsvielfalt und die kolonial geprägte Geschichte Kameruns als Grundlage für das Sprachverständnis.
3. Sprachsituation: Das Kapitel analysiert die komplexe Sprachenlandschaft, den offiziellen Bilingualismus, die linguistischen Besonderheiten des lokalen Französisch sowie die Entstehung der Hybridsprache Camfranglais.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Ergebnisse und betont, dass Kamerun durch seine Geschichte einen ungleichen Bilingualismus aufweist und das „français camerounais“ ein hochkomplexes, durch lokale Sprachen und das Englische geprägtes Forschungsfeld darstellt.
Schlüsselwörter
Kamerun, Sprachsituation, Französisch, Bilingualismus, Sprachwissenschaft, Ethnische Vielfalt, Kolonialgeschichte, français camerounais, Lexik, Phonetik, Camfranglais, Soziolekt, Identität, Mehrsprachigkeit, Vehikularsprachen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Sprachsituation Kameruns, die durch eine hohe Anzahl indigener Sprachen, das Erbe der Kolonialzeit und die offizielle Zweisprachigkeit geprägt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem offiziellen Bilingualismus, den linguistischen Besonderheiten des kamerunischen Französisch (français camerounais) und der modernen Hybridsprache Camfranglais.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die sprachliche Heterogenität Kameruns zu erläutern und aufzuzeigen, wie historisch gewachsene Faktoren und der Einfluss von Lokalsprachen die heutige Sprachverwendung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse soziolinguistischer Daten und linguistischer Beispiele, um die Unterschiede zwischen dem Standardfranzösisch und der kamerunischen Varietät darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Landesfaktoren, eine Analyse der Sprachenlandschaft inklusive des Sprachkontakts sowie eine detaillierte Untersuchung lexikalischer und phonetischer Unterschiede des Französischen in Kamerun.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kamerun, Bilingualismus, français camerounais, Camfranglais, ethnische Vielfalt und soziolinguistische Varietäten.
Was unterscheidet das Camfranglais von herkömmlichen Sprachen?
Das Camfranglais ist ein Hybridsprache, die in den 1970er Jahren entstand und Elemente aus dem Französischen, Englischen, Pidgin-Englisch und indigenen Sprachen kombiniert; sie dient primär der Identitätsbildung unter Jugendlichen.
Warum wird der Bilingualismus in Kamerun als "ungleich" bezeichnet?
Obwohl Französisch und Englisch offiziell den gleichen Status haben, zeigt die Praxis, dass Frankophone im politischen und administrativen Bereich dominieren und das Englische oft nur unzureichend beherrschen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2012, Französisch in Kamerun. Analyse einer außergewöhnlichen Sprachsituation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289309