Was hat es mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier auf sich?
Im Folgenden soll zunächst die Frage geklärt werden, welcher Art die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist und ob es sich hierbei um eine Bindung im Sinne der Bindungstheorie handelt. Auch sollen die Faktoren beleuchtet werden, die eine Rolle in der Beziehung zwischen Mensch und Tier spielen.
Hierzu werde ich in den nächsten Abschnitten die Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehung darstellen und dafür zuerst die Historie der Mensch-Tier Beziehung sowie die Ursprünge der Domestikation – mit besonderem Augenmerk auf dem Hund – erläutern. Danach werde ich die Biophilie-Hypothese von Wilson präsentieren und sodann den Begriff der Du-Evidenz erklären. Anschließend gehe ich auf die Kommunikation zwischen Mensch und Tier ein. Im letzten Punkt schließlich wird die Bindungstheorie ausführlich vorgestellt, u. a. mit einem psychobiologischen Vergleich der Bindungsprozesse bei Mensch und Tier.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Historie der Mensch-Tier-Beziehung mit Bezugnahme auf die Domestikation des Haushundes
2 Die Biophilie-Hypothese
3 Der Begriff der Du–Evidenz
4 Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier
5 Die Bindungstheorie
5.1 Darstellung der Bindungstheorie
5.2 Die Fremden Situation und das Erwachsenen–Bindungsinterview (AAI)
5.3 Die Entstehung von Bindungsqualität
5.4 Die Psychobiologie des Bindungsverhaltens bei Mensch und Tier
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Natur der Beziehung zwischen Mensch und Tier und analysiert, ob diese als Bindung im Sinne der wissenschaftlichen Bindungstheorie klassifiziert werden kann, wobei ein besonderer Fokus auf den psychobiologischen Aspekten der Bindung liegt.
- Historische Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung und Domestikation
- Die Biophilie-Hypothese und ihre Bedeutung für die Mensch-Tier-Verbindung
- Kommunikationsformen zwischen Mensch und Tier (analoge vs. digitale Kommunikation)
- Psychologische Grundlagen der Bindungstheorie und Bindungsqualität
- Psychobiologischer Vergleich von Bindungsverhalten bei Mensch und Tier
Auszug aus dem Buch
4 Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier
In unserer „menschlichen Welt“ nimmt die digitale Kommunikation einen zentralen Raum ein. Gerade am Telefon, in E-Mails, Briefen u. ä. sind die analogen Anteile der Kommunikation nicht zu klassifizieren und können zu Missverständnissen beim Empfänger führen. Ähnliches geschieht bei Double-Bind-Botschaften. Dabei sendet der Sender inkongruente Nachrichten an den Empfänger, welche vom Empfänger oft nicht adäquat verstanden werden können. Insofern ist der von Angesicht zu Angesicht stattfindende Nachrichtenaustausch der verständlichste, da sowohl die verbal-digitale als auch die nonverbal-analoge Kommunikation vom Empfänger parallel empfangen werden können.
Watzlawick unterscheidet digitale und analoge Kommunikation. Bei der digitalen Kommunikation ist die Beziehung zwischen dem Wort und dem ausgedrückten Gegenstand zufällig oder auch unwillkürlich gewählt. Es besteht eine semantische Übereinstimmung zwischen Gegenstand und Wort – ähnlich wie bei der Digitalisierung eines Computers. Dahingegen drückt die analoge Kommunikation immer auch die Beziehung zum Objekt aus. Sie hat ihre Wurzeln in archaischen Entwicklungsperioden und besitzt damit eine allgemeinere Gültigkeit. Sie ist nonverbal, nutzt Gestik, Mimik, Stimmmodulation, Rhythmus u. a. und ist unverfälscht.
Menschen benutzen beide Kommunikationsarten parallel, wobei der Schwerpunkt auf der digitalen Form, der Wissensvermittlung liegt. Die analoge Kommunikation haben wir trotz aller Veränderung im Verlauf der Phylogenese von unseren tierischen Vorfahren behalten und nutzen sie vor allem im weiten Bereich der (sozialen) Beziehungen. Sie verläuft immer noch auf gleiche Art und Weise wie bei unseren Vorfahren und ist ein zentrales Moment, welches Kultur und vermutlich auch Spezies übergreifend existiert. Wir benötigen die analoge Kommunikation um Empathie auszudrücken. Es ist nicht der bloße Besitz des Tieres, welcher empathisch macht, „sondern es ist die durch Interaktion angeregte Fähigkeit zum Mitschwingen, aber auch zum Mitleiden mit anderen Lebewesen, die Fähigkeit, zum leidenschaftlich miteinander – Leben“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob die Beziehung zwischen Mensch und Tier eine Bindung im Sinne der Bindungstheorie darstellt, und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
1. Die Historie der Mensch-Tier-Beziehung mit Bezugnahme auf die Domestikation des Haushundes: Das Kapitel beleuchtet die kulturelle Bedeutung des Tieres als Dialogpartner sowie den Prozess der Domestikation, insbesondere am Beispiel des Haushundes.
2 Die Biophilie-Hypothese: Hier wird die von Edward O. Wilson begründete Theorie vorgestellt, die eine angeborene biologische Affinität des Menschen zur Vielfalt der Lebensformen postuliert.
3 Der Begriff der Du–Evidenz: Dieses Kapitel definiert die Du-Evidenz als Grundvoraussetzung für eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Tier, die ähnlich wie innerartliche Bindungen funktioniert.
4 Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier: Es wird die Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Kommunikation thematisiert und erklärt, warum die analoge Ebene für die emotionale Verbindung zum Tier zentral ist.
5 Die Bindungstheorie: Dieser Hauptteil bietet eine fundierte Darstellung der Bindungstheorie, der Messmethoden für Bindungsqualität sowie der psychobiologischen Hintergründe bei Mensch und Tier.
Schluss: Das Kapitel fasst zusammen, dass eine sichere Bindung das Fundament für die Entwicklung ist und der therapeutische Einsatz von Tieren positive Auswirkungen auf die Psyche und die soziale Integration haben kann.
Schlüsselwörter
Bindungstheorie, Mensch-Tier-Beziehung, Domestikation, Biophilie-Hypothese, Du-Evidenz, analoge Kommunikation, digitale Kommunikation, Bindungsqualität, Psychobiologie, tiergestützte Therapie, Bindungsverhalten, emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz, innere Arbeitsmodelle, Empathie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die tiefgreifende Beziehung zwischen Mensch und Tier und analysiert diese auf Grundlage der psychologischen Bindungstheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Historie der Domestikation, die Biophilie-Hypothese, die verschiedenen Kommunikationsarten und die psychobiologischen Grundlagen von Bindung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, welcher Art die Mensch-Tier-Beziehung ist und ob sie als echte Bindung im Sinne der Wissenschaft betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und dem Vergleich psychologischer sowie verhaltensbiologischer Konzepte der Bindungsforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Darstellung der Bindungstheorie, die Erhebungsmethoden wie die „Fremde Situation“ und das AAI sowie einen Vergleich von Bindungsmechanismen zwischen Mensch und Tier.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bindungstheorie, Biophilie-Hypothese, Du-Evidenz, Kommunikation sowie die Psychobiologie des Bindungsverhaltens.
Wie unterscheidet sich die Kommunikation mit Tieren von der zwischen Menschen?
Während Menschen in ihrer Kommunikation stark auf die digitale (verbale) Ebene setzen, findet die Verständigung zwischen Mensch und Tier primär auf der analogen, nonverbalen Ebene statt, was eine hohe Kongruenz erfordert.
Welche Rolle spielt die „Du-Evidenz“ im Kontext der Tiergestützten Therapie?
Die Du-Evidenz ermöglicht eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Tier, die als notwendige Voraussetzung für therapeutische oder pädagogische Einsätze dient.
- Citar trabajo
- Christiane Schöll (Autor), 2007, Bindungstheorie und -verhalten. Zur Kommunikation und Beziehung zwischen Mensch und Tier, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289388