Das Phänomen des Hyperkinetischen Syndroms wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. Während verhaltensauffällige Kinder früher z. B. nur als ungezogen oder hinterhältig bezeichnet wurden, werden viele dieser Kinder heute als hyperaktiv diagnostiziert.
Genauso undurchsichtig wie das Krankheitsbild selbst sind die Erklärungs- und Interventionsansätze. Es gibt eine Vielzahl von Publikationen, die oftmals gänzlich unterschiedliche Erklärungsansätze postulieren und auf mannigfache Art und Weise versuchen den hyperaktiven Kindern zu helfen.
Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, möglichst viele Erklärungs- und Interventionsansätze zu präsentieren. Zudem wird versucht, die jeweiligen Stärken und Schwächen der verschiedenen Ansätze herauszuarbeiten,um aufzuzeigen, welche Erklärungs- und insbesondere Interventionsansätze sich als hilfreich im Umgang
mit hyperaktiven Kindern herausstellen könnten.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Begriffsklärung
1 Zur Symptomatik des Hyperkinetischen Syndroms
2 Wie wird Hyperaktivität diagnostiziert
3 Welche möglichen Verursachungsfaktoren kommen für das Hyperkinetische Syndrom in Betracht
3.1 Organische Faktoren
3.2 Ökologische Faktoren
3.3 Genetische Faktoren
3.4 Psycho-soziale Faktoren
3.4.1 Ökonomisch-kulturelle Bedingungen
3.4.2 Bedingungen des sozialen Umfeldes
3.4.3 Psycho-emotionale Bedingungen
4 Interventionsansätze
Übersicht
4.1 Pharmaka- oder Stimulantienbehandlung
4.2 Diätetische Maßnahmen
4.3 Multimodale Behandlung
4.4 Formen von Kognitiver Verhaltenstherapie
4.4.1 Das Problemlösetraining
4.4.2 Die Methode der Selbstinstruktion
4.5 Formen von Spieltherapie
4.5.1 Die Direktive-Spieltherapie nach Axline
4.5.2 Die Klientenzentrierte Spieltherapie nach Schmidtchen
4.6 Pädagogisch – sonderpädagogische (schulische) Interventionen
4.6.1 Das Reiz-Reduktionskonzept nach Cruickshank
4.6.2 Der Funktionsteilige Klassenraum nach Hewett
4.6.3 Optimale Stimulierung nach Sydney S. Zentall
4.6.4 Strukturiert – Schülerzentrierter Unterricht
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Hyperkinetische Syndrom (HKS) mit dem Ziel, einen Überblick über die Symptomatik, diagnostische Verfahren und verschiedene Interventionsansätze zu geben. Dabei wird insbesondere hinterfragt, ob eine monokausale Erklärung oder Therapie für das breite Symptomspektrum adäquat ist, und es wird für einen individuellen, mehrdimensionalen Blick auf betroffene Kinder plädiert.
- Symptomatische Darstellung und Klassifikationsschemata (DSM-IV, ICD-10)
- Multifaktorielle Erklärungsmodelle (organisch, ökologisch, genetisch, psycho-sozial)
- Medizinisch orientierte Interventionsmaßnahmen
- Psychologisch-pädagogische Ansätze (Verhaltenstherapie, Spieltherapie)
- Sonderpädagogische Unterrichtskonzepte
Auszug aus dem Buch
1 Zur Symptomatik des Hyperkinetischen Syndroms
»Dieser Zappelphilipp ist wirklich unerträglich! Nie bleibt er auf dem Stuhl sitzen, stets springt er umher und erzeugt Unruhe, wo immer er auch auftaucht. Vergeblich haben wir gehofft, daß er im Kindergarten Sitzfleisch erwirbt. Aber nicht einmal seiner alten und erfahrenen Kindergärtnerin gelang es, ihn zu bändigen. Zu viele Wirbelwinde waren in der Gruppe, schlimmere noch als er. Die Kindergärtnerin war es, die uns riet, uns mit unseren Sorgen um unseren Zappelphilipp an die Erziehungsberatungsstelle zu wenden - oder an einen Psychologen oder den Kinderarzt. «
So – oder so ähnlich könnte der Bericht völlig frustrierter Eltern klingen, die ihr Kind einem Sonderpädagogen, Psychologen oder Mediziner vorstellen. Sie werden von der permanenten Unruhe berichten, die ihr Kind verbreitet. Sie werden sagen, dass ihr Kind immer so impulsiv und unkonzentriert sei, in der Schule ständig seinen Tischnachbarn ärgere und sich nicht länger als fünf Minuten auf eine Aufgabe konzentrieren könne. Sie werden eine Diagnose verlangen oder haben diese schon parat. Sollten die Eltern schon eine eigene Diagnose mitbringen, was nicht allzu selten sein dürfte, könnten das folgendermaßen aussehen: „Mein Kind hat Hyperaktivität, das hyperkinetische Syndrom, minimale cerebrale Dysfunktion...“ Eventuell werden sie auch nur in Kürzelkombinationen, wie z.B. HA, HKS, MCD oder POS sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitende Worte zur Arbeit.
Begriffsklärung: Annäherung an die Begriffe Hyperaktivität und Hyperkinetisches Syndrom sowie Festlegung zur synonymen Verwendung.
1 Zur Symptomatik des Hyperkinetischen Syndroms: Darstellung der Symptomatik unter Einbeziehung von Elternberichten und Klassifikationsschemata wie DSM-IV und ICD-10.
2 Wie wird Hyperaktivität diagnostiziert: Erörterung der Schwierigkeiten bei der Diagnosefindung und Kritik an rein subjektiven oder monokausalen Ansätzen.
3 Welche möglichen Verursachungsfaktoren kommen für das Hyperkinetische Syndrom in Betracht: Analyse der multifaktoriellen Genese durch Betrachtung organischer, ökologischer, genetischer und psycho-sozialer Faktoren.
4 Interventionsansätze: Überblick und Diskussion verschiedener medizinischer, verhaltenstherapeutischer, spieltherapeutischer und sonderpädagogischer Ansätze.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Wertung der Ansätze mit dem Fazit, dass eine individuelle, auf das Kind abgestimmte Vorgehensweise notwendig ist.
Schlüsselwörter
Hyperaktivität, Hyperkinetisches Syndrom, HKS, Diagnostik, Symptomatik, Interventionsansätze, Verhaltenstherapie, Spieltherapie, sonderpädagogische Förderung, multifaktoriell, Psychostimulantien, Selbstinstruktion, Reizreduktion, Schulerziehung, Lernstörungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Hyperkinetischen Syndrom (HKS) bei Kindern, insbesondere aus sonderpädagogischer Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Symptombeschreibung, die diagnostische Einordnung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Interventions- und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand zu Symptomatik, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu geben und aufzuzeigen, warum ein individueller, multifaktorieller Ansatz für die pädagogische Arbeit entscheidend ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung klinischer Diagnoseschemata basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den möglichen Ursachenfaktoren (organisch, ökologisch, genetisch, psycho-sozial) und eine differenzierte Darstellung von Interventionsansätzen, von medizinischen Maßnahmen bis hin zu schulspezifischen Förderkonzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hyperaktivität, HKS, Diagnostik, sonderpädagogische Förderung und multifaktorielle Betrachtungsweise.
Welche Kritik übt der Autor an der medikamentösen Behandlung?
Der Autor weist darauf hin, dass Medikamente wie Ritalin nur symptomatisch wirken, Ursachen nicht beheben und nicht als Ersatz für notwendige pädagogische und therapeutische Maßnahmen verstanden werden dürfen.
Wie bewertet der Autor die pädagogischen Konzepte von Cruickshank und Hewett?
Die Konzepte werden als zwar strukturiert und in Ansätzen hilfreich für Erfolgserlebnisse bewertet, aber aufgrund ihrer medizinisch-krankheitsorientierten Sichtweise und der starken Einschränkung der kindlichen Selbstbestimmung kritisch hinterfragt.
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- Marcus Gummelt (Autor), 2003, Hyperaktivität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29087