Baseball. Ein Konzept für die Schule


Examensarbeit, 2014

90 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Blick auf den Baseballsport
2.1 Geschichte des Baseballsports
2.2 Baseball weltweit
2.3 Baseball in Deutschland

3. Gründe für den Einsatz von Baseball in der Schule

4. Theoretische Grundlagen
4.1 Das Spielprinzip
4.1.1 Das Spielfeld
4.1.2 Die Feldpositionen
4.1.3 Balls und Strikes
4.1.4 Das Spiel der Offensive
4.1.5 Das Spiel der Defensive - Die „Outs“
4.1.6 Innings
4.2 Die Spieltechniken
4.2.1 Werfen
4.2.2 Fangen
4.2.2.1 Groundballs
4.2.2.2 Flyballs
4.2.3 Schlagen

5. Planung der Unterrichtssequenz
5.1 Lernvoraussetzungen
5.1.1 Die Schulart
5.1.2 Die Klasse: Größe und Jahrgangsstufe
5.1.3 Die örtlichen Gegebenheiten
5.1.4 Das Equipment
5.2 Didaktische Reduktion
5.3 Lernziele
5.3.1 Grobziel
5.3.2 Feinziele
5.4 Methodische Vorüberlegungen
5.4.1 Das spielgemäße Konzept - allgemein
5.4.2 Das Spielgemäße Konzept - Vermittlung von Baseball
5.4.3 Grundsätzlicher Stundenaufbau

6. Durchführung der Unterrichtssequenz
6.1 Erste Unterrichtseinheit - Schwerpunkt: Einführung
6.1.1 Lernstand
6.1.2 Didaktische Analyse
6.1.2.1 Begründete Auswahl und Strukturierung von Inhalten
6.1.2.2 Didaktische Reduktion
6.1.2.3 Lernziele
6.1.2.3.1 Grobziel
6.1.2.3.2 Feinziele
6.1.3 Methodische Analyse
6.1.4 Übungserklärungen
6.1.5 Verlaufsplanung
6.2 Zweite Unterrichtseinheit - Schwerpunkt: Hitting (Schlagen)
6.2.1 Lernstand
6.2.2 Didaktische Analyse
6.2.2.1 Begründete Auswahl und Strukturierung von Inhalten
6.2.2.2 Didaktische Reduktion
6.2.2.3 Lernziele
6.2.2.3.1 Grobziel
6.2.2.3.2 Feinziele
6.2.3 Methodische Analyse
6.2.4 Übungserklärungen
6.2.5 Verlaufsplanung
6.3 Dritte Unterrichtseinheit - Schwerpunkt: Das Force Out
6.3.1 Lernstand
6.3.2 Didaktische Analyse
6.3.2.1 Begründete Auswahl und Strukturierung von Inhalten
6.3.2.2 Didaktische Reduktion
6.3.2.3 Lernziele
6.3.2.3.1 Grobziel
6.3.2.3.2 Feinziele
6.3.3 Methodische Analyse
6.3.4 Übungserklärungen
6.3.5 Verlaufsplanung
6.4 Vierte Unterrichtseinheit - Schwerpunkt: Spiel
6.4.1 Lernstand
6.4.2 Didaktische Analyse
6.4.2.1 Begründete Auswahl und Strukturierung von Inhalten
6.4.2.2 Didaktische Reduktion
6.4.2.3 Lernziele
6.4.2.3.1 Grobziel
6.4.2.3.2 Feinziele
6.4.3 Methodische Analyse
6.4.4 Übungserklärungen
6.4.5 Verlaufsplanung
6.5 Fünfte Unterrichtseinheit - Schwerpunkt: Notengebung (optional)
6.5.1 Testverfahren - Vorgehensweise
6.6 Ergebnisse und Rückmeldungen
6.6.1 Beurteilung des Sportlehrers
6.6.2 Beurteilung des ehemaligen Nationalmannschaftstrainers
6.6.3 Beurteilung der teilnehmenden Schüler und Schülerinnen

7. Fazit

8. Glossar

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Spielfeld (http://www.hbsv.de/service/baseball.php; letzter Zugriff 13.09.2014)

Abbildung 2: Die Feldpositionen (http://www.hbsv.de/service/baseball.php; letzter Zugriff 13.09.2014)

Abbildung 3: Balls und Strikes (http://www.hbsv.de/service/baseball.php; letzter Zugriff 13.09.2014)

Abbildung 4: Ballhaltung (Eigendarstellung)

Abbildung 5: Wurfsequenz (Eigendarstellung)

Abbildung 6: Ready-Position (Eigendarstellung)

Abbildung 7: Fielding-Position (Eigendarstellung)

Abbildung 8: Flyball Position (Eigendarstellung)

Abbildung 9: Tee Positionierung (Eigendarstellung)

Abbildung 10: Side Toss Positionierung (Eigendarstellung)

Abbildung 11: Stellung zur Homeplate (Eigendarstellung)

Abbildung 12: Schlägerhaltung (Eigendarstellung)

Abbildung 13: Schlagsequenz (Eigendarstellung)

Abbildung 14: Spielfeld in der Turnhalle (Eigendarstellung)

Abbildung 15: Gassenaufstellung (Bull/Huhnholz 2006, 29)

Abbildung 16: Handgelenkswurf (Eigendarstellung)

Abbildung 17: Frontal auf beiden Knien (Eigendarstellung)

Abbildung 18: Seitlich auf einem Knie (Eigendarstellung)

Abbildung 19: Seitlich stehend (Eigendarstellung)

Abbildung 20: Aufbauplan Schlagzirkel (Eigendarstellung)

Abbildung 21: Groundball Force Out Übungsablauf (Eigendarstellung)

Abbildung 22: Wandspiel (Bull/Huhnholz 2006, 41)

Abbildung 23: Double Play (Bull/Huhnholz 2006, 52)

1. Einleitung

Das Ziel des Sportunterrichts ist es, Spaß an Bewegung und Spiel zu vermitteln und einer Bewegungsarmut entgegenzuwirken. Schüler sollen Grund- erfahrungen und Kenntnisse in vielfältigen sportlichen Bereichen erlangen. Gerade das „vielfältig“ fällt aber leider in vielen Fällen des alltäglichen Sportunterrichts unter den Tisch. So ist auch heutzutage noch der Standard- Sportunterricht mit Leichtathletik, Turnen und Fußball sehr verbreitet. Dieser ist meist monoton gestaltet und sorgt für nur wenig Enthusiasmus bei den Schülerinnen und Schülern.1 Diese Arbeit soll einen Beitrag dazu leisten, diesen unbefriedigenden Zustand zu ändern.

Baseball ist mit rund 210 Millionen Mitgliedern eine der mitgliedsstärksten Sportarten weltweit und sorgt mit einem für Europäer „anderen“ Spielprinzip auch in Deutschland für immer mehr Begeisterung (Miller 1998, 11). Um Baseball auch für die Schule zugänglich zu machen, habe ich mit dieser Arbeit ein Konzept entwickelt, das auch für die Baseballneulinge unter den Lehrkräften schnell und einfach umsetzbar ist ohne dabei den ganzen Charakter des Spiels zu verlieren.

Die Arbeit stellt anfangs Baseball im Allgemeinen dar und geht auf den geschichtlichen Hintergrund und die Verbreitung weltweit und in Deutschland ein. Für Nicht-Baseballer werden in der Folge die Regeln und die Grund- techniken des Werfens, Fangens und Schlagens erklärt, um ein gewisses Niveau fachlichen Wissens sicherzustellen. Fachbegriffe rund um den Sport sind zusätzlich in der gesamten Arbeit kursiv gekennzeichnet und können im Glossar am Ende der Arbeit nachgeschlagen werden. Erst nach der Sicherstellung der fachwissenschaftlichen Grundkenntnisse wird die Didaktik und die Durchführung in Angriff genommen. Hier werden zunächst didaktische Vorüberlegungen diskutiert, bevor es dann in die einzelnen Stunden- ausarbeitungen geht. Das Konzept beinhaltet vier Unterrichtseinheiten (Doppelstunden) in denen das Baseballspiel den Schülern schrittweise näher

Ein Blick auf den Baseballsport gebracht wird. Jede Unterrichtseinheit ist ausführlich ausgearbeitet und dadurch eins zu eins in jeder Klasse umsetzbar.

2. Ein Blick auf den Baseballsport

2.1 Geschichte des Baseballsports

Spiele mit Bällen und Stöcke konnten schon bei den Ägyptern weit vor Christus festgestellt werden. Dies war aber viel mehr ein religiöser Brauch, ein symbolischer Kampf des Guten gegen das Böse, als ein Spiel. Auch aus anderen Religionen sind ähnliche Überlieferungen bekannt, so dass man zu der Annahme kommen kann, dass alle Spiele, in denen Schläger und Bälle gebraucht werden, einen religiösen Hintergrund haben (Schmeilzl et al. 1991, 23f).

Theorien über die Entstehung des Baseballsports gibt es viele. Baseballähnliche Spiele Namens „Rounder“, „Feeder“, „Town Ball“ und „Stool Ball“ wurden seit dem 14. Jahrhundert vor allem in England gespielt. Diese Spiele entwickelten sich später aber eher zum baseballähnlichen Cricket, das nachweislich vor dem Baseball existierte und bis 1598 zurückverfolgt werden kann. Cricket ist heutzutage Nationalsport z.B. in Neuseeland, Südafrika, Pakistan, Indien und England (Schmeilzl et al. 1991, 21f).

Während man sich über den Ursprung von Baseball streiten kann, gibt es über die Geburtsstunde des eigentlichen Baseballs keinen Zweifel. Am 19. Juni 1846 fand das erste offizielle Spiel zwischen den berühmten New York Knickerbockers und einer New Yorker Stadtauswahl statt. Das Spiel wurde auf Basis des 1845 geschriebenen Regelwerks von Alexander Cartwright durchgeführt. Die Maße des damals bestimmten Spielfeldes sind bis zum heutigen Tage erstaunlicher Weise unverändert, was im Sinne der Spielentwicklung und der steigenden Spielgeschwindigkeit in der Entstehungs- geschichte eines Sports wohl einmalig ist (Schmeilzl et al. 1991, 24).

Der neue Sport begeisterte die Menschen in New York und schnell wurde Baseball auch in anderen Bundesstaaten bekannt und wurde immer professioneller betrieben. 1869 wurde dann die erste Profimannschaft, die Cincinnati Red Stockings gegründet, die heute immer noch unter dem Namen Cincinnati Reds spielen. 1871 folgte dann die Gründung der ersten Baseball Profiliga der „National Association of Professional Baseball Players“, die 1876 von der heute immer noch existierenden „National League“ abgelöst wurde. Heute bildet sie zusammen mit der American League die Major League Baseball (MLB), die höchste amerikanische Spielklasse (Schmeilzl et al. 1991, 24ff).

In Deutschland fand das erste Baseballspiel im Rahmen der Olympischen Spiele 1936 in Berlin statt. Ein bis heute einmaliges Publikum von 100.000 Leuten sah das Spiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten vor allem die in Deutschland stationierten amerikanischen Streitkräfte den Baseballsport in Deutschland und verbreiteten diesen. Der erste Versuch, den Baseballsport bundesweit zu organisieren wurde 1953 durch die „Amateur Baseball Föderation Deutschland“ (ABFD) unternommen. Doch anstatt sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, wurde es lange Zeit ruhig um den Baseballsport in Deutschland. Erst 1980, mit der Gründung des „Deutschen Baseball und Softball Verbands“, gab es einen Neubeginn (Schmeilzl et al. 1991, 61f).

Seitdem ist das Interesse am Baseball in Deutschland enorm angestiegen, was an der Mitgliederentwicklung zwischen 1985 und 2004 von 700 auf über 30.000 deutlich zu sehen ist (Bull/Huhnholz 2006, 8).

2.2 Baseball weltweit

Zählt man Baseball und die Frauen- und Hobbyspielerversion Softball zusammen, ist Baseball die viertgrößte Sportart der Welt und zählt weltweit rund 210 Millionen aktive Mitglieder. Baseball ist, entgegen der vor allem in Deutschland verbreiteten Meinung nicht nur ein amerikanischer Sport. Baseball ist in 16 Ländern Nationalsport, dazu zählen unter anderem die USA, Kanada, Japan, Korea, Taiwan, Venezuela, Nicaragua, Kuba und die Dominikanische Republik (Miller 1998, 11).

1992 wurde Baseball olympisch und 1996 in Atlanta kam noch Softball dazu. Seit 2012 wurde Baseball/Softball aber aus dem olympischen Programm herausgenommen. Als Gründe wurden die unterschiedlichen Dopingrichtlinien der IOC und der MLB (Major League Baseball) und die Schwierigkeiten der Fernsehübertragung durch die undefinierte Spieldauer genannt. Hauptgrund dürfte aber sein, dass die Major League ihre Saison nicht unterbrechen will und dadurch die wirklich besten Baseballathleten der Welt nicht an Olympia teilnehmen können. Olympia und auch die Zuschauer wollen aber jeweils die besten Sportler der Welt sehen und keine zweitklassigen Profis, wie es in der Vergangenheit bei Olympischen Spielen der Fall war (Bull/Huhnholz 2006, 6f).

2.3 Baseball in Deutschland

Baseball und Softball fällt in Deutschland in die Rubrik der Randsportarten. Trotzdem ist es größer und wird professioneller betrieben als viele Bürger vermuten würden. In Bayern wird Baseball in sechs Spielklassen von der Bezirksliga bis zur 1. Bundesliga gespielt. Die 1. Bundesliga ist eine semiprofessionelle Sportliga, die in eine Nord- und Südgruppe mit jeweils 8 Teams aufgeteilt ist. Einige deutsche Baseballer spielen in den USA in den Minor Leagues oder an Hochschulen. (Bull/Huhnholz 2006, 8) 2013 schaffte Donald Lutz, der erste in Deutschland aufgewachsene und sportlich ausgebildete Spieler, mit den Cincinnati Reds den Sprung in die Major League. Den höchstdotierten Vertrag in Höhe von 800,000$ unterschrieb 2009 der damals 16-jährige Maximilian Kepler.

Trotz Erfolgen wie diesen hat der Baseballsport in Deutschland immer noch mit einem Imageproblem zu kämpfen. Das Spielprinzip ist für den deutschen „Normalbürger“, der Rückschlagspiele (z.B. Tennis, Volleyball) und Zielschussspiele (z.B. Fußball, Handball) gewöhnt ist, schwer zu durchblicken. Baseball hat keinen festen zeitlichen Rahmen und ist nur in dem Sinne ein Mannschaftssport, dass Einzelspieler zusammen arbeiten, um ein Spiel zu gewinnen. Dabei sind jeder Position gewisse Aufgaben zugeschrieben. Die Faszination Baseball, die weltweit Millionen Menschen täglich in die Stadien und vor den Fernseher treibt, lässt sich nicht in wenigen Stunden erschließen. Aus diesem Grund kennen sich viele Journalisten im Baseballsport nicht aus und verzichten aus Zeitmangel und Ignoranz darauf, diesen Sport zu verstehen und Publik zu machen. Nicht zuletzt aus diesem Grund verharrt der Baseball in Deutschland in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung in einem Mauerblümchen-Dasein (Bull/Huhnholz 2006, 9).

Im deutschen Baseball hofft man darum auf einen „Nowitzki-Effekt“ wie damals im Basketball. Der erste Schritt in diese Richtung ist mit Donald Lutz gemacht. Man darf gespannt sein, wie sich Baseball in der Zukunft in Deutschland entwickelt.

3. Gründe für den Einsatz von Baseball in der Schule

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung sind die Baseballregeln leicht zu verstehen. Baseball, „The Noble Game“ oder auch „The Intelligent Action“, wird in den USA als charakterbildend bezeichnet. Baseball bietet viele Metaphern für Situationen im alltäglichen Leben. Viele dieser Metaphern haben in Baseballländern sogar den Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden, wie z.B. der Ausdruck im Englischen „to be down to the last out“, was so viel heißt, wie eine letzte Chance zu haben oder am Ende eines Wettkampfs sein. Wenn man dies auf die Politik überträgt, könnte man sagen: „Hillary Clinton is now down to her last out.“vBull und Huhnholz bezeichnen Baseball als Individualsport im Kollektiv. So arbeiten in der Feldverteidigung zwar alle Spieler zusammen, am Schlag ist aber jeder Spieler auf sich selbst gestellt. Man kann genau nachvollziehen wer „Held“ oder „Bock“ ist. Hält der Spieler der psychischen Belastung nicht Stand, ist sportlicher Erfolg unwahrscheinlich. In diesem Zusammenhang erfordert Baseball eine ausgeprägte mentale Stärke, wie Baseball-Legende Yogi Berra einst sagte: „Baseball is ninety percent mental and the other half is physical.“ Der Stellenwert der mentalen Stärke ist wenn überhaupt mit der im Golfsport vergleichbar. Auch im Golf werden viele Einzelergebnisse zu einem Gesamtergebnis addiert. Der größte Gegner ist sowohl beim Golf als auch beim Baseball die eigene Psyche. „Das Spiel der 1000 Elfmetersituationen“, nennen Bull und Huhnholz die nervliche Belastung beim Duell Pitcher - Batter. Jeder Pitch kann das Spiel entscheiden, da er sowohl zu einem Aus, eventuell dem letzten Aus des Spiels, oder zu dem entscheidenden Punkt führen kann (Bull/Huhnholz 2006, 9f).

Vor allem im Sportunterricht kann sich darum beim Baseball niemand verstecken, wie es beim Fußball oder Basketball in jeder Unterrichtsstunde an der Tagesordnung steht, wo die immer gleichen Schüler das Spiel bestimmen. Die Positionen sind beim Baseball klar zugeteilt und auf dem Spielfeld verteilt. Zudem lässt die festgesetzte Schlagreihenfolge jeden Schüler gleich oft an den Schlag kommen (Bull/Huhnholz 2006, 9f).

Baseball nennt man auch „the game of failure“. Scheitern und Misserfolg sind ein großer Teil des Spiels. So sind Schlagleute, die zu 30% einen erfolgreichen Schlag (Base Hit) landen, die Besten der Besten, obwohl sie zu 70% scheitern.

Wenn man seine Frustration nicht in den Griff bekommt, ist ein erneutes Scheitern, womöglich in der darauffolgenden Defensive, vorprogrammiert. Seinen Frust in Aggressionen umzuwandeln und durch Kämpfen im Sinne von muskulärer Anspannung, durch „Zähnezusammenbeißen“ ist im „game of inches“, sprich im Spiel der kleinen Dinge, der falsche Weg. Hingegen muss versucht werden, durch Geduld vergangene Misserfolge zu vergessen und sich auf die nächste Aktion vorzubereiten (Bull/Huhnholz 2006, 10f). Dies ist auch auf das alltägliche Leben übertragbar und kann Schülern aufweisen, dass Misserfolge nicht durch Aggressionen bewältigt werden können.

Durch die vielen englischen Fachbegriffe eignet sich Baseball besonders für den bilingualen Unterrichtseinsatz. So kann Baseball als eine der bedeutendsten Sportarten der Welt fächerübergreifend im Englisch- und Sportunterricht behandelt werden. Im Englischunterricht können neben Regelkunde auch interkulturelle Aspekte wie weltweite Verbreitung behandelt werden, während im Sportunterricht das Spiel gegebenenfalls sogar auf Englisch praktiziert werden kann.

Zudem kann der Lehrer für eine hervorragende Abwechslung zum „Standard- Sportunterricht“ sorgen und den Schülern eine neue Art des Sportspiels vorstellen, weg von den Zielschuss- und Rückschlagspielen hin zum komplett anders ablaufenden Baseball. Wichtige Unterschiede, wie zum Beispiel, dass die Defensive in Ballbesitz ist und das Spiel kontrolliert, müssen den Schülern aufgezeigt werden. Erste Erfahrungen konnten hier bereits beim Spiel Brennball gesammelt werden.

Fangen, Werfen, Schlagen, Laufen - kaum ein Sport erfordert ein so facettenreiches Talentspektrum wie der Baseballsport. Für jeden Schüler kann hier eine Position oder Aufgabe gefunden werden und jeder Schüler kann ein Erfolgserlebnis haben. Übergewichtige Kinder, die sonst im Sportunterricht eher chancenlos sind, entpuppen sich oft durch ihre Masse als hervorragender Schlagmann und schlagen den Ball härter und weiter als schlankere Kinder. Kleinere Kinder können hingegen oft durch läuferische Stärke glänzen. Schüler, die anfänglich vielleicht nicht so gut werfen können, müssen nicht - wie beim Handball - gleich zurückstecken, sondern können auf bestimmten Positionen eingesetzt werden, wo Werfen eher sekundär ist.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Baseball sich nicht nur durch viele praktische Vorteile bei der Ausübung für den Sportunterricht empfiehlt, sondern auch Charaktereigenschaften wie mentale Stärke, Aggressionsabbau und Umgang mit Misserfolgen schult.

4. Theoretische Grundlagen

Bevor detailliert erklärt wird, wie das Baseballspiel funktioniert, wird zunächst auf das Spielfeld, das Ziel des Spiels und die Positionen eingegangen. Im zweiten Hauptteil des Kapitels werden dann die Grundtechniken des Baseballsports, das Fangen, Schlagen und Werfen, erläutert und praktische Tipps für Lehrkräfte gegeben.

4.1 Das Spielprinzip

In einem Baseballspiel stehen sich zwei Mannschaften zu je neun Spielern gegenüber. Ähnlich dem Brennball befindet sich das verteidigende Team im Spielfeld und besetzt den Raum. Die Angreifer befinden sich außerhalb des eigentlichen Spielfeldes und kommen in einer festen Reihenfolge nacheinander an den Schlag.

4.1.1 Das Spielfeld

Das Spielfeld, das in etwa einem Viertelkreis entspricht wird, hat eine Kantenlänge von ca. 100 Metern. Das Spielfeld nennt sich Fair Territory. Es unterteilt sich in das Infield, das die Bases umgibt und somit den inneren Teil darstellt, und das Outfield, das den Rest des

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Spielfeld

Spielfeldes bis zu einem hinteren Begrenzungszaun bildet. Schlägt der Schlagmann den Ball über diesen Zaun, so hat er einen Homerun. Das Feld ist komplett eingezäunt. Den Bereich zwischen dem Fair Territory und dem seitlichen Begrenzungszaun nennt man Foul Territory. Bälle, die in diesen Bereich kommen, können zwar teilweise auch gespielt werden, grundsätzlich findet aber das Baseballspiel im Fair Territory statt (siehe Abbildung 1) (Posny/Müncheberg 2009, 9ff).

4.1.2 Die Feldpositionen

Bei Spielbeginn geht der erste

Schlagmann (Batter) an das

Schlagmal (Homeplate) und

versucht, einen Ball zu treffen, den der gegnerische Pitcher (Werfer) über die Homeplate wirft. Der Pitcher steht in der Mitte des Infields auf einem kleinen Hügel (Pitcher ’ s

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Feldpositionen

Mound) und bringt den Ball durch einen direkten Wurf (Pitch) zu seinem Fänger (Catcher), der hinter der Homeplate sitzt, in das Spiel. Der Batter versucht, diesen geworfenen Ball ins Spielfeld zu schlagen. Im Feld verteidigt die Defensivmannschaft mit insgesamt neun Spielern den Schlag. Neben dem Pitcher und dem Catcher gibt es vier Infielder (First Baseman, Second Baseman, Third Baseman und Shortstop) und Leftfielder, Centerfielder) (siehe Abbildung 2).

4.1.3 Balls und Strikes

Das Herzstück des Baseballspiels ist das Duell zwischen Pitcher und Batter. Der Pitcher muss versuchen die Bälle durch die Strikezone zu werfen. Diese imaginäre Zone befindet sich genau über der Homeplate, in einer Höhe zwischen der Brust und den Knien. Darüber ob der Ball durch die Zone geflogen ist oder nicht, entscheidet der hinter dem Catcher stehende Schiedsrichter (Umpire) (Posny/Müncheberg 2009, 42).

Wenn der vom Pitcher geworfene Ball die Strikezone nicht trifft und der Batter diesen Ball drei Outfielder (Rightfielder,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Balls und Strikes

nicht zu schlagen versucht, entscheidet der Umpire auf „Ball“ (Posny/Müncheberg 2009, 22). Ein Wurf, der durch die Strikezone fliegt oder nach dem der Batter schwingt, aber nicht treffen kann, ist ein sogenannter „Strike“ (siehe Abbildung 3) (Posny/Müncheberg 2009, 42). Wenn es zum vierten „Ball“, sprich Fehlwurf, kommt - auch wenn es dazwischen Strikes gibt - hat der Batter Anrecht, auf das erste Base vorzurücken. Dies bezeichnet man als Walk (Posny/Müncheberg 2009, 23). Bei drei „Strikes“ ist der Batter aus und der nächste Schlagmann ist an der Reihe (Posny/Müncheberg 2009, 80f).

4.1.4 Das Spiel der Offensive

Ziel der Angreifer ist es, durch gute Schläge (Basehits) die drei Bases zu umrunden und beim Überqueren der Homeplate einen Punkt (Run) zu erzielen. Nach einem Schlag wird der Batter zum Läufer (Runner) und versucht, so viele Bases wie möglich zu erlaufen. Je nach Qualität des Basehits kann er eins, zwei oder drei Bases erlaufen und ist dort sicher (safe). Schafft er sogar alle vier Bases auf einmal zu umlaufen, nennt man dies einen Homerun.

4.1.5 Das Spiel der Defensive - Die „Outs“

Ziel der Defensive ist es, drei Angreifer aus (out) zu machen, um selbst wieder das Schlagrecht zu erlangen und somit die Möglichkeit, Punkte zu erzielen. Hierzu haben die Verteidiger vier Möglichkeiten:

1) Das Strike Out: Wirft der Pitcher drei Strikes und der Schlagmann kann den Ball nicht treffen, ist er aus und der nächste Schlagmann ist an der Reihe (Posny/Müncheberg 2009, 80f).
2) Das Fly Out: Bei jedem geschlagenen Ball, der direkt aus der Luft
gefangen wird, ist der Batter sofort aus und alle Läufer müssen zu ihrem Ausgangsbase zurückkehren, ehe der Ball an dieses Base geworfen wird. Ein Fly Out kann auch im Foul Territory geschehen (Posny/Müncheberg 2009, 79).
3) Das Tag Out: Wird ein Läufer zwischen den Bases von einem Verteidiger mit dem Ball berührt, ist er aus (Posny/Müncheberg 2009, 42).
4) Das Force Out: Wird der Ball von einem Verteidiger an der Base gefangen, bevor der Läufer diese erreicht, ist er ebenfalls aus. Auf jedem Base darf nur ein Läufer stehen. Demnach ist zu unterscheiden, ob ein Läufer laufen muss oder kann. Befindet sich beispielsweise ein Läufer am zweiten Base, aber keiner auf dem ersten Base, so muss der Läufer bei einem Schlag nicht laufen, weil kein Läufer nachrückt. Demnach ist es in dieser Situation auch nicht ausreichend, den Ball nur an das dritte Base zu werfen, da der Läufer vom zweiten Base auch dort stehen bleiben kann. Befinden sich aber Läufer am ersten und zweiten Base, würde es genügen, den Ball an das dritte Base zu werfen, um den Läufer vom zweiten Base auszumachen (Posny/Müncheberg 2009, 29).

4.1.6 Innings

Hat jede Mannschaft drei Outs erzielt und somit einmal geschlagen und einmal im Feld, in der Defensive, gestanden, nennt man diesen Spielabschnitt ein Inning. Ein Baseballspiel geht gewöhnlich über sieben oder neun Innings. Beim Baseball hängt die Spieldauer vom Spielverlauf ab. Eine Zeitbegrenzung gibt es - abgesehen von Sonderregelungen in niedrigen Ligen - nicht. Ebenso gibt es beim Baseball kein Unentschieden. Ist das Spiel nach sieben bzw. neun Innings ausgeglichen, geht das Spiel in die Verlängerung, die sogenannten „Extra Innings “. Dies geht so lange bis ein Team am Ende eines Innings in Führung liegt vorne liegt Posny/Müncheberg 2009, 34).

4.2 Die Spieltechniken

In diesem Kapitel werden die Grundtechniken des Baseballspiels, Werfen, Fangen und Schlagen vorgestellt und erklärt. Die Einführung und Erklärung der Grundtechniken in der Schule ist enorm wichtig, da die meisten Schüler ohne Vorkenntnisse in den Unterricht kommen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Schüler im Laufe des Spiels die Techniken induktiv erlernen. Eine deduktive Technikschulung sollte jedem Spiel vorangestellt sein.

4.2.1 Werfen

Die richtige Wurftechnik ist nicht nur beim Baseball von höchster Bedeutung. Das Erlernen der korrekten Wurftechnik lässt sich auf viele verschiedene Sportarten, wie zum Beispiel Handball, Weitwurf, American Football und viele mehr übertragen. Eine falsche Wurfausführung kann schnell zu Verletzungen führen, weshalb jeder Lehrerin und Lehrer2 bewusst sein muss, dass dem korrekten Werfen gar nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet werden kann. Das Ziel beim Werfen ist es, den Ball so schnell, hart und präzise wie möglich von einer zur nächsten Station zu werfen (Bull/Huhnholz 2006, 25).

Technikleitbild

Das Werfen gleicht einer Peitschbewegung, bei der eine Muskelschleife die Kraft von den großen Muskeln der Beine und des Gesäßes über den Rumpf bis hin zum Arm transferiert. Die ganze Körperhaltung sollte leicht nach vorne gebeugt und locker sein. Dies beginnt schon beim Halten des Balles.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Ballhaltung

Der Ball wird locker mit drei Fingern über zwei Nähte gehalten (siehe Abb. 4). Hält man den Ball zu fest, dann verliert man Kraft in dem Peitscheneffekt. Hält man ihn zu leicht wirkt sich das negativ auf die Kontrolle bzw. Wurfgenauigkeit aus. Der hintere Fuß (Wurfarm-Seite) ist auch das Standbein, welches quer zur Wurfrichtung gestellt wird (siehe Abb. 5 Bild 1). Dies versetzt den gesamten Körper in eine seitliche Wurfauslage, welche essentiell ist, um das komplette Potenzial an Kraft aus der Rotation und der Muskelschleife herauszuholen. Nun wird der vordere Fuß (Handschuh-Seite) als Stemmschritt in Richtung Ziel gesetzt, während beide Arme auseinander geführt werden (siehe Abb. 5 Bild 2). Dabei zeigt der Handschuharm in Richtung Ziel und der Wurfarm in die entgegengesetzte Richtung nach hinten. Beide Ellenbogen sollten in Schulterhöhe sein und in einer Linie zum Wurfziel. Vor allem der hintere Ellenbogen ist dabei entscheidend. Ist er beim Ausholen bereits unterhalb der Schulter entsteht schnell eine Stoß- anstatt einer Wurfbewegung und der gesamte Peitscheneffekt fällt weg. Diese Position nennt man auch „Power Position“. In dem Moment, wo die Arme gehoben sind und der Stemmschritt erfolgt ist, setzt die Impulsübertragung ein. Das Gewicht wird vom hinteren zum vorderen Bein verlagert und die Hüfte dreht sich dabei um 90° nach vorne (siehe Abb. 5 Bild 3). Während der Handschuh zur Brust gezogen wird, schnellt der hintere Ellenbogen Richtung Wurfziel und die Hand kommt peitschenartig hinterher. Der Wurfarm geht beim Auslassen des Balles in die volle Streckung und schwingt im Anschluss locker durch und sollte nicht aktiv abgebremst werden. Während vor dem Wurf die Schulter des Handschuh-Armes zum Wurfziel zeigte, zeigt nun die Wurfarm-Schulter zum Ziel (siehe Abb. 5 Bild 4). Das Hinterbein schwingt nach dem Wurf mit in Zielrichtung und das Momentum des Körpers geht in Wurfrichtung (Bull/Huhnholz 2006, 25ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Wurfsequenz

Häufige Fehler und Tipps für den Lehrer

1. Schüler stoßen den Ball und werfen nicht.

- Ursache: Ellenbogen ist entweder bereits beim Ausholen oder während des Wurfes unter der Schulter.
- Tipp: Schüler aus der „Power Position“ werfen lassen und den Ellenbogen aktiv nach vorne strecken bzw. schleudern lassen. 2. Schüler verwenden den sog. „Short Arm“.
- Ursache: Es wird nicht die gesamte Bewegungsamplitude ausgenutzt. Entweder der Schüler führt den Arm beim Ausholen nicht weit genug nach hinten aus oder er kommt beim Auslassen des Balles nicht in die volle Streckung. Hängt häufig mit dem „Stoßen des Balles“ zusammen.
- Tipp: Schüler aus der „Power Position“ werfen lassen, um sich selbst beim Ausholen zu überprüfen. Schüler sollte sich selbst die Frage stellen: Ist mein Arm beim Ausholen weit genug hinten? 3. Schüler werfen nur aus dem Arm und verwenden nicht den gesamten Körper.
- Ursache: Die Beine werden nicht aktiv verwendet um den Ball zu werfen. Das Gewicht wird nicht von hinten nach vorne geschoben und die Hüfte wird nicht rotiert.
- Tipp: Den Schüler mit Anlauf werfen lassen und darauf hinweisen seine Schultern auszutauschen, sprich die Handschuh-Schulter durch die Wurfarm-Schulter zu ersetzen, und den gesamten Körper nach vorne zu werfen.

4.2.2 Fangen

Das Fangen hängt im Baseball eng mit dem Werfen zusammen. Ist der Ball schlecht geworfen, dann ist er damit auch schwieriger zu fangen. Beim Fangen eines Balles spielen folgende Komponenten eine wichtige Rolle: Stand und Balance, Hände und Auge-Hand-Koordination. Der häufigste Grund für nicht gefangene Bälle ist die fehlende Auge-Hand-Koordination, das heißt der Schüler verfolgt den Ball mit seinen Augen nicht, bis er im Handschuh ist. Zudem ist es wichtig, den Schülern die Angst vor dem Ball zu nehmen. Den Schülern muss die Angst genommen werden, von einem Ball getroffen zu werden. Um diese Angst überwinden zu können, müssen die Schüler lernen, nie die Augen von dem Ball zu nehmen (Bull/Huhnholz 2006, 28).

Der Stand und die Balance beim Fangen ist, wie bereits erwähnt ein wichtiger Aspekt. Dabei ist die Beinarbeit entscheidend, denn der Körper sollte nach Möglichkeit immer hinter den Ball gebracht werden und die Augen sollten immer in Handschuhnähe sein. Beide Hände sind dabei vor dem Körper und bilden ein „W“. Die Beine sind leicht gebeugt und der Schüler befindet sich in einer „Ready Position“, um auch auf schlechte Würfe reagieren zu können - ähnlich wie ein Torwart (siehe Abb. 6). Beim Fang geht die Wurfhand unter den Handschuh, um zum einen den Ball vor dem Herausfallen zu sichern. Zum anderen muss in vielen Fällen der Ball nach dem Fangen gleich wieder weitergeworfen werden und muss deshalb schnell in die Wurfhand transferiert werden (Bull/Huhnholz 2006, 29).

4.2.2.1 Groundballs

Besonders im Infield, aber auch im Outfield müssen Groundballs gefangen und weiter verwertet werden. Oft wird dem Baseballspiel nachgesagt, dass die Spieler nur untätig auf dem Feld herumstehen. In Wirklichkeit begeben sich die Defensivspieler bei jedem Pitch in eine „Ready-Position“ (siehe Abb. 6) aus der sie blitzschnell auf die geschlagenen Bälle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Ready-Position

reagieren können. Zudem werden zwischen jeder Aktion Spielzüge und andere Informationen zwischen den Spielern kommuniziert. Zwar ist Baseball nicht der von der Ausdauer her anstrengendste Sport, aber mental vom ersten bis zum neunten Inning dabei zu bleiben, ist schwieriger als man sich das als Laie vorstellt. Geschweige man spielt auch noch zwei Spiele hintereinander, wie es häufig der Fall ist bei sogenannten Double-Headern. (Bull/Huhnholz 2006, 33).

Technikleitbild

Aus der „Ready-Position“ heraus ist es wichtig, den Ball richtig zu lesen, sprich zu erkennen, mit welchem Effet und welcher Geschwindigkeit der Ball auf den Spieler zurollt. Ist der Ball dann kurz vor dem Spieler gilt es, möglichst früh und kontrolliert in die „Fielding-Position“ (siehe Abb. 7) zu gehen. In der „Fielding-Position“ ist es, wie beim Fangen eines geworfenen Balls, wichtig, dass der Körper hinter dem Ball ist. Um die Augen möglichst nah am Ball zu haben, geht der Spieler in die Knie und senkt damit sein Gesäß. Die Füße sind auf gleicher Höhe, ein wenig weiter auseinander als schulterbreit und das Gewicht auf den Ballen. Der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Fielding-Position

Fanghandschuh ist in der Körpermitte und so weit vorne wie möglich. Die Wurfhand ist dabei knapp über dem Handschuh, um den Ball zu sichern und bei einem Verspringen des Balles eventuell das Gesicht zu schützen. Wichtig ist, dass der Handschuh auf dem Boden abgelegt wird. Man sollte nie vom Ball „getunnelt“ werden (Bull/Huhnholz 2006, 34f).

Häufige Fehler und Tipps für den Lehrer

1. Schüler stehen zu aufrecht

- Es sollte darauf geachtet werden, dass der Rücken ziemlich gerade bleibt und stattdessen die Beine gebeugt werden.
- Dies kann auch Folge davon sein, dass die Schüler zu spät in die „Fielding-Position“ gehen und nicht hinunter kommen, weil der Ball zu schnell bei ihnen ist.

2. Schüler bauen eine „Schanze“

- Dies bedeutet, dass die Schüler ihr Handgelenk gebeugt haben und der Ball schanzenartig aus dem Handschuh springt.
- Tipp: Das Handgelenk muss durch den Unterarmstrecker abgeknickt sein, so dass der Ball in der Tasche des Handschuhs landet.

4.2.2.2 Flyballs

Flyballs sind in der Regel hoch und weit geschlagene Bälle. Im Indoorbereich können Flyballs aber auch über eine oder mehrere Wandberührungen auftreten, was das Einschätzen des Balles noch schwieriger macht. Bei dieser Art von geschlagenen Bällen ist das Einschätzen des Balles für Kinder das schwierigste. Viele Kinder haben keine Erfahrung und können nicht einschätzen, wie hart und weit ein Ball geschlagen ist. Dies kann nur durch viel Üben und Erhöhung des Schwierigkeitsgrades, wie zum Beispiel vom geworfenen zum geschlagenen Ball, erlernt werden. Ist der Spieler dann einmal rechtzeitig unter dem Ball und hat die Landestelle des Balles erkannt, ist es vergleichsweise einfach, den Ball zu fangen (Bull/Huhnholz 2006, 42f).

Technikleitbild

Erneut ist es wichtig, die Augen möglichst nah am Ball zu haben und zu sehen, wie der Ball in den Handschuh fliegt. Dazu befindet sich der Fanghandschuh vor der Stirn und der Ellenbogen ist auf Schulterhöhe. Die zweite Hand ist zur Sicherung in unmittelbarer Nähe unter dem Handschuh. Der Spieler steht mit leicht gebeugten Beinen in Schrittstellung mit dem handschuhseitigen Bein vorne und knapp hinter der Landestelle. So

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Flyball Position

kann er fließend und ohne Verzögerung den Schwung mit in den Wurf nehmen (siehe Abb. 8) (Bull/Huhnholz 2006, 44).

Häufige Fehler und Tipps für den Lehrer

1. Obwohl der Schüler rechtzeitig unter dem Ball steht, fängt er diesen nicht

- Ursache: Häufig haben die Schüler Angst und trauen sich nicht, den Handschuh vor dem Gesicht zu halten, was aber entscheidend ist, um den Ball sicher fangen zu können.
- Tipp: Als Lehrkraft muss man die Schüler mit dem Handschuh vertraut machen. Sehr hilfreich ist es, wenn die Schüler sich selbst Flyballs werfen und diese fangen müssen, so können sie auch die Höhe, die sie sich zutrauen, selbst bestimmen.

4.2.3 Schlagen

Einen Baseball zu schlagen ist wohl eines der schwierigsten Dinge, die es im Sport gibt. Ein Ball mit einem Durchmesser von 7,4cm (Posny/Müncheberg 2009, 14) muss mit einem Schläger mit einem Durchmesser von maximal 7cm (Posny/Müncheberg 2009, 15) getroffen werden. Zudem kommt im professionellen Baseball mit Wurfgeschwindigkeiten um die 170 km/h und verschiedenen Trickwürfen noch die Schwierigkeit dazu, innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde entscheiden zu müssen, ob man den Ball schlagen möchte oder nicht. Um dies in der Schule erfolgreich umsetzen zu können, gibt es verschiedene Varianten des Baseballspiels, die vom Einfachen zum Schweren gehandhabt werden sollten:

Teeball

Teeball ist die einfachste Version des Baseballspiels und der erste Schritt für Kleinkinder, mit dem Sport in Berührung zu kommen. Im Ligabetrieb wird Teeball im Alter von vier bis sieben Jahren gespielt. Im Vergleich zu den anderen Formen liegt der Ball im ruhenden Zustand hierbei zum Abschlag auf einer Halterung, dem sogenannten Tee (siehe Abb. 9).

Der Begriff ist äquivalent zum Golfsport zu verwenden, bei dem das

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Tee-Positionierung

Tee den gleichen Zweck erfüllt, nämlich den Abschlag zu erleichtern. Das Tee kann jederzeit auch als Mittel der Differenzierung für leistungsschwächere Schüler eingesetzt werden.

Tossball

Tossball ist der nächste Schritt nach dem Teeball. Der Ball ist zum Abschlag nun erstmals in Bewegung, was den Schwierigkeitsgrad leicht steigert. Hierbei wird der Ball vom Schiedsrichter oder vom eigenen Trainer von der Seite zugetosst (leicht zugeworfen) (siehe Abb. 10). Tossball wird im Ligabetrieb von acht bis

Abbildung 10: Side Toss Positionierung

zehn Jahren gespielt, aber

Theoretische Grundlagen

auch im Indoorbaseball, einer in Deutschland abgewandelten Form des Baseballs für den Winter. Für den Schulbereich ist die Tossball Variante die wohl am besten geeignete, da sie sowohl draußen als auch in der Halle und vom Schwierigkeitsgrad her in allen Klassen gespielt werden kann.

Softball

Softball wird als eigenständige, aber dennoch verwandte Sportart zum Baseball gezählt. Der Hauptunterschied zum Baseball ist der, dass beim Softball der Pitcher den Ball von unten (Unterhand) zum Schlagmann werfen muss. Wenn man von Softball spricht, muss grundsätzlich in die leistungsorientierte Version Fastpitch, die zum Großteil nur von Damen gespielt wird, und die Hobbyversion Slowpitch, die häufig in Mixed Teams gespielt wird, unterschieden werden. Beim Slowpitch muss der Ball in einem leichten Bogen fliegen. Beim Fastpitch hingegen kann der Ball so hart wie es geht vom Pitcher geworfen werden. Für die Schule ist nur die Slowpitch-Variante zu empfehlen, da die Wurftechnik beim Fastpitch äußerst anspruchsvoll ist und viele Jahre Training benötigt werden. Die Slowpitch Version eignet sich hingegen sehr gut um den ersten Schritt in Richtung von vorne geworfenen Ball zu machen. Hier kann entweder der gegnerische Spieler werfen oder auch der Lehrer, um gut geworfene Bälle zu garantieren.

Technikleitbild

Die Ausgangsposition / der Stand: Zuerst muss festgestellt werden von welcher Seite der Schüler schlägt. Je nach dem muss er sich rechts bzw. links in ungefähr einer Fußlänge von der Homeplate entfernt hinstellen. Die Füße sind in einer Linie parallel zur Homeplate, so dass der Schlagmann seitlich zum Spielfeld steht (siehe Abb. 11). In der Regel schlagen Rechtshänder auch von rechts. Spieler, die aber bereits Erfahrung im Eishockey oder Tennis haben, tendieren häufig dazu auch von links zu schlagen. Hier sollte man den Schülern freie Wahl lassen und eventuell beide Seiten ausprobieren lassen. Die meisten Schüler stellen sich automatisch auf die Seite, die für sie bequemer erscheint.

[...]


1 Im Folgenden wird aus sprachökonomischen Gründen nur die männliche Form verwendet, gemeint sind aber immer beide Geschlechter.

2 Im Folgenden wird aus sprachökonomischen Gründen nur die männliche Form verwendet, gemeint sind aber immer beide Geschlechter.

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Baseball. Ein Konzept für die Schule
Hochschule
Technische Universität München  (Sport)
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
90
Katalognummer
V293020
ISBN (eBook)
9783656902928
ISBN (Buch)
9783656902935
Dateigröße
2141 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
baseball, konzept, schule
Arbeit zitieren
Michael Stephan (Autor), 2014, Baseball. Ein Konzept für die Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293020

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