Obwohl die terroristische Gruppe der RAF bereits seit vielen Jahren nicht mehr aktiv ist, ist sie trotzdem noch lange nicht aus der öffentlichen Diskussion verschwunden. Bis heute sind nicht alle Verbrechen der Roten Armee Fraktion aufgeklärt, so dass es noch immer zu Gerichtsverhandlungen kommt, die von den Medien aufgegriffen und von der Bevölkerung diskutiert werden. Nicht nur durch reale Ereignisse kommt es dazu, dass die RAF immer wieder thematisiert wird, sondern auch verschiedene Filme beschäftigen sich mit diesem Teil der deutschen Geschichte und bringen sie auf die Kinoleinwände. Dabei droht immer die Gefahr, dass die Ereignisse verfälscht oder verharmlost werden und somit die Wahrnehmung der Geschichte der Zuschauer beeinflusst wird. Ein zentrales Ereignis stellt dabei der Mythos um den Tod der Anführer der ersten Generation der RAF in der Haftanstalt Frankfurt-Stammheim dar.
Es soll exemplarische anhand des Films Der Baader Meinhof Komplex aus dem Jahr 2008 geklärt werden, ob dieser dazu beiträgt, dass der Mythos um die Terroristen der RAF beseitigt wird. Zunächst wird die Geschichte der RAF betrachtet, damit festgestellt werden kann, ob die Handlung des Spielfilms davon abweicht. Es tauchen einige Fragen auf, die es zu klären gilt. Welchen Entstehungskontext hat der Film? Wie ist sein Inhalt und wie geht er mit dem Mythos um den Tod in Stammheim um? Wie wurde er vom Publikum und den Medien aufgenommen? Wie wird Geschichte allgemein in Filmen dargestellt und können diese Filme die Geschichtswahrnehmung beeinflussen?
Inhaltsverzeichnis
1 Die Wahrnehmung der RAF in der Gegenwart
2 Der Mythos RAF
2.1 Historischer Hintergrund
2.1.1 Entstehungskontext der RAF
2.1.2 Die erste Generation der RAF
2.1.3 Die zweite Generation
2.1.4 Die Dritte Generation und das Ende der RAF
2.2 Bildung eines Mythos
2.3 Filme über die Rote Armee Fraktion
2.4 Der Baader Meinhof Komplex
2.4.1 Entstehungskontext und Produktion
2.4.2 Inhalt
2.4.3 Todesnacht in Stammheim
2.4.4 Rezeption und Kritik
2.4.5 Darstellung von Geschichte in Filmen
2.4.6 Umgang mit dem Mythos und der emotionalisierenden Darstellung der RAF
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Aufarbeitung und Mythologisierung der terroristischen Vereinigung RAF anhand des Spielfilms "Der Baader Meinhof Komplex" aus dem Jahr 2008. Ziel ist es zu klären, inwiefern der Film zur Dekonstruktion bestehender Mythen beiträgt oder selbst eine romantisierende Darstellung forciert.
- Historische Entwicklung der drei RAF-Generationen
- Entstehung und Wirkungsweise von Mythen im kollektiven Gedächtnis
- Produktionsbedingungen und inhaltliche Schwerpunkte des Films
- Öffentliche Rezeption und ethische Kritik an der Filmgestaltung
- Die Herausforderung der filmischen Darstellung von Zeitgeschichte
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Entstehungskontext und Produktion
Ein Jahr nachdem in Deutschland der Geschehnisse des Deutschen Herbst gedacht worden war, lief im September 2008 Der Baader Meinhof Komplex in den Kinos an. Zu Beginn des Jahres 2007 entflammte in Deutschland eine Diskussion, ob es richtig sei die ehemaligen RAF-Mitglieder Brigitte Mohnhaupt und Christian Klars aus der Haft zu entlassen. Politiker verschiedener Parteien nahmen Stellung zu der geplanten Freilassung und Edmund Stoiber verlangte von den einstigen Terroristen eine Entschuldigung, welche allerdings nicht erfolgte. Die Angehörigen der Opfer empörten sich über die Freilassung der Täter, die bis zuletzt keine Reue zeigten (Bierlein, 2010, S. 102-103).
Die Produzenten Bernd Eichinger und Uli Edel erhielten für den Spielfilm ein Budget von 20 Millionen Euro und damit die größte Summe, die bisher für einen deutschsprachigen Film zur Verfügung gestellt worden ist. Dies wurde durch die Beteiligung der ARD und die Gelder verschiedener Förderer ermöglicht. Die ARD erteilte ihre Zusage bereits bevor das Drehbuch vollendet war. Ursprünglich war eine mehrteilige Dokumentation über den Baader Meinhof Komplex anlässlich des 30. Jahrestags der Entführung Schleyers geplant. Bernd Eichinger wollte sich jedoch nur an der Produktion eines Spielfilms beteiligen, was auch auf die Zustimmung von Stefan Aust fand (Ebd., S. 98).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Wahrnehmung der RAF in der Gegenwart: Einführung in die anhaltende gesellschaftliche Relevanz der RAF und Darstellung des Forschungsanliegens anhand des Films "Der Baader Meinhof Komplex".
2 Der Mythos RAF: Theoretische und historische Einbettung der RAF, inklusive der Definition von Mythenbildung sowie der Analyse des untersuchten Spielfilms hinsichtlich Entstehung, Inhalt und öffentlicher Wahrnehmung.
3 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der filmischen Darstellung der RAF, welche den Film als geeignetes Mittel zur Vermittlung von Geschichte an jüngere Generationen einstuft und die Aufklärung des Stammheim-Mythos positiv hervorhebt.
Schlüsselwörter
RAF, Rote Armee Fraktion, Der Baader Meinhof Komplex, Mythos, Terrorismus, Film, Zeitgeschichte, Stammheim, Geschichtswahrnehmung, Uli Edel, Bernd Eichinger, Studentenbewegung, Mediale Rezeption, Authentizität, Historische Aufarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Roten Armee Fraktion (RAF) im Spielfilm "Der Baader Meinhof Komplex" und untersucht dabei insbesondere, wie der Film mit der Mythenbildung um diese terroristische Gruppe umgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der RAF, der soziokulturellen Bildung von Mythen und der Herausforderung, historische Ereignisse in einem Spielfilm authentisch und zugleich verantwortungsbewusst abzubilden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob der Film "Der Baader Meinhof Komplex" dazu beiträgt, Mythen um die RAF aufzuklären, oder ob er durch seine Inszenierung das Risiko einer unkritischen Verherrlichung birgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, welche die Film- und Geschichtswissenschaft miteinander verknüpft, um das Zusammenspiel von historischer Realität und filmischer Fiktion zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Darstellung der RAF-Generationen, die medientheoretische Einordnung von Mythen sowie eine detaillierte Analyse der Filmproduktion, des Inhalts und der Rezeption von "Der Baader Meinhof Komplex".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff "RAF" sind "Mythos", "Geschichtswahrnehmung", "Authentizität" und "mediale Aufarbeitung" die prägenden Begriffe dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung.
Wie geht der Film mit der "Todesnacht in Stammheim" um?
Der Film bricht den Mythos eines möglichen Mordes durch den Staat, indem er die Vorbereitungen der Terroristen zu ihrem Suizid explizit darstellt und somit die Selbstmordtheorie stützt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Brutalität im Film?
Die Autorin sieht die explizite Darstellung der Gewalt nicht negativ, sondern als notwendiges Mittel, um die Grausamkeit des Terrorismus zu verdeutlichen und die Rezipienten abzuschrecken.
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- Anna-Maria Lehre (Author), 2012, Mythos RAF? Die Darstellung der Roten Armee Fraktion in dem Spielfilm „Der Baader Meinhof Komplex“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293571