Egal in welchem Bereich des Lebens versuchen wir Menschen immer effizienter zu werden. Immer neue Modelle und Konzepte erreichen viele Bereiche des alltäglichen Lebens. Bestimmte Situationen im Leben bringen uns und andere wiederum an die Grenzen des Machbaren oder aber auch darüber hinaus. Ein Gefühl des Ausgeliefertsein und der Ohnmacht macht sich breit und es gilt nun zu überlegen, was zu tun ist. In vielen Situationen sieht man aber keinen Ausweg und bleibt resignierend auf der Strecke.
So geht es Einzelpersonen, Gruppen und Vereinen mit einem gemeinsamen Hintergrund oder Anliegen oder eben Firmen und ganzen Branchen. Gegen diese Situation des Ausgeliefertsein und der Abhängigkeit von Strukturen und Mechanismus oder anderen Menschen versucht das Konzept von Empowerment eine neue Denkstruktur anzubieten. In Situationen der Machtlosigkeit, eben der Ohnmacht, richtet Empowerment „den Blick auf die Selbstgestaltungskräfte […] und auf die Ressourcen, die […] produktiv zur Veränderung von belastenden Lebensumständen einzusetzen“ sind (Herriger 2006 S. 7). Empowerment wird nicht als Übertagung von Fähigkeiten und Macht angesehen, sondern als Machtaktivierung, da die Macht Gutes zu leisten in einem jeden Menschen bereits vorhanden ist (Blanchard et al. 2003 S.24).
Die Frage ist, ob dieses Konzept sich in allen Bereichen der Sozialen Arbeit und des Gesundheitswesen umsetzte lässt. Im Besonderen stellt sich die Frage, ob in einem Zwangskontext wie einer beschützten Unterbringung Empowerment er- und gelebt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und Geschichte des Empowements
3. Der Zwangskontext
3.1 Bedingungen für Empowerment
3.2 Empowerment in der Praxis
3.3 Transparenz schaffen und Rollen klären
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, inwiefern das Empowerment-Konzept – das auf Selbstbefähigung und Eigenmacht basiert – erfolgreich in Arbeitsfeldern angewendet werden kann, in denen ein Zwangskontext vorherrscht, wie beispielsweise in der Psychiatrie, der Jugendhilfe oder bei behördlich angeordneten Beratungen.
- Grundlagen und historische Entwicklung von Empowerment
- Herausforderungen durch den Zwangskontext und Pflichtklientschaft
- Umgang mit Widerstand und Reaktanz bei Klienten
- Die Rolle und Belastung der Fachkräfte in Zwangskontexten
- Bedeutung von Transparenz und Rollenklärung für den Beratungserfolg
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Arbeiten mit dem Widerstand
Da die tatsächliche Kontaktaufnahme nur in wenigen Fällen (unter 33%) von der Person selbstinitiiert ist, gilt es zuerst zu erarbeiten, wie den mit der Reaktanz auf die fremdinitiirte Kontaktaufnahme umgegangen werden soll. Coenen (zit n. Kähler 2005 S.71) sieht in dem Verhalten der Klienten eine verborgene Botschaft:
- Ablehnende Verhaltensweisen dienen der Aufrechterhaltung der Achtung vor sich selbst (z. mind. das Gefühl)
- Zeigen Stärke und Entschlossenheit, die die Klienten auch in anderen Bereichen ihres Lebens nutzen könnten.
- Ein letzter Versuch Grenzen zu setzen und zeigen auf, dass die Klienten sogar dazu in der Lage zu sein scheinen.
- Zeigt auf, dass die Klienten eigene und evtl. auch ganz andere Vorstellungen und Idee von Problemlösung haben.
- Dienen dazu wieder Enttäuschungen zu erleben und sollen die Hoffnung aufrechterhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Konzept des Empowerments als Antwort auf Ohnmacht und Abhängigkeit in verschiedenen Lebensbereichen eingeführt und die zentrale Forschungsfrage nach der Umsetzbarkeit im Zwangskontext gestellt.
2. Definition und Geschichte des Empowements: Dieses Kapitel beleuchtet die Wurzeln des Begriffs in der Bürgerrechts- und Frauenbewegung sowie dessen Bedeutung als Prozess der Machtaktivierung und Selbstgestaltung.
3. Der Zwangskontext: Dieser Abschnitt analysiert die Problematik von Pflichtklientschaft, den Umgang mit Reaktanz und die notwendigen strukturellen sowie personellen Bedingungen für Empowerment unter Zwang.
3.1 Bedingungen für Empowerment: Es werden grundlegende Voraussetzungen wie Erkenntniskompetenz und eine partizipative Haltung der Fachkraft definiert, die zwingend für den Erfolg von Empowerment-Prozessen sind.
3.2 Empowerment in der Praxis: Dieses Kapitel bietet konkrete Handlungsstrategien für Fachkräfte, um mit Widerstand umzugehen, Erkenntniskompetenz zu fördern und professionell im Zwangskontext zu arbeiten.
3.3 Transparenz schaffen und Rollen klären: Der Fokus liegt hier auf der Bedeutung von Rollenklarheit und Transparenz für die Kooperation zwischen Fachkraft und Klient, insbesondere angesichts des Doppelmandats von Hilfe und Kontrolle.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Empowerment eine systemische Aufgabe ist, die ein hohes Engagement von Fachkräften und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen durch Institutionen erfordert.
Schlüsselwörter
Empowerment, Zwangskontext, Soziale Arbeit, Pflichtklientschaft, Reaktanz, Selbstbemächtigung, Machtaktivierung, Rollenklärung, Supervision, Beratungskontext, Fachkräfte, Partizipation, Doppelmandat, Erkenntniskompetenz, Selbsthilfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des Empowerment-Konzepts auf soziale Arbeitsfelder, die durch Zwang oder behördliche Anordnungen geprägt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Umgang mit Widerstand (Reaktanz), der professionellen Rollengestaltung durch Sozialarbeiter und den notwendigen strukturellen Rahmenbedingungen in Behörden und Einrichtungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob und unter welchen Bedingungen Empowerment in einem Zwangskontext – etwa bei einer beschützten Unterbringung – überhaupt gelebt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die verschiedene Fachkonzepte (u.a. von Herriger, Kähler, Pankofer) zusammenführt und auf die Fragestellung anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Empowerment, die Schwierigkeiten der unfreiwilligen Kontaktaufnahme, die psychologischen Hintergründe von Widerstand sowie die Doppelrolle von Fachkräften als Helfer und Kontrollinstanz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Empowerment, Zwangskontext, Pflichtklientschaft, Reaktanz, Selbstbemächtigung und das professionelle Doppelmandat.
Warum ist das "Doppelmandat" für Sozialarbeiter im Zwangskontext so problematisch?
Das Doppelmandat – die Pflicht, sowohl dem Auftraggeber (z.B. Gericht/Behörde) gegenüber Rechenschaft abzulegen als auch dem Klienten unterstützend zur Seite zu stehen – erfordert eine ständige Rollenreflexion, da es oft zu Interessenkonflikten führt.
Welche Rolle spielt die "Erkenntniskompetenz" für Empowerment?
Erkenntniskompetenz ist eine Grundvoraussetzung; Klienten müssen in der Lage sein, ihre Lebenssituation zu reflektieren, um eigenständig Ressourcen zur Selbstbemächtigung nutzen zu können.
- Citation du texte
- Philipp Steinweber (Auteur), 2014, Empowerment als Managmentstrategie und Handlungskonzept im sozialen und Gesundheitskontext. Eine Utopie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293585