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"Legendarisches" und "Höfisches" in Hartmanns Bearbeitung der Gregorius-Legende

Title: "Legendarisches" und "Höfisches" in Hartmanns Bearbeitung der Gregorius-Legende

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 26 Pages , Grade: 1

Autor:in: M.A. Matthias Reim (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Seit langen Jahren wird in der Mediävistik ein ziemlich kontroverser Forschungsstreit über Hartmanns von Aue ´Gregorius` ausgetragen, der nicht zuletzt von der Komplexität und Vielschichtigkeit, ja sogar Mehrdeutigkeit der Erzählung herrührt. Die Ursachen dafür liegen zum einen im Werk selbst, das aus dem höfischen Roman geläufige Erzählmuster mit einem überlieferten Legendenstoff verbindet. Eine genaue Gattungszuordnung wird aber auch dadurch erschwert, dass die heilige Person, die üblicherweise im Mittelpunkt der legendarischen Erzählung steht, hier keinem der historischen Gregor-Päpste zugeordnet werden kann; bei ´Gregorius` handelt es sich also in erster Linie um eine rein fiktionale, literarische Gestalt. Eine der umstrittensten Streitfragen handelt von der Schuld der aus einem Geschwisterinzest geborenen Figur, die später unwissend die eigene Mutter heiratet und dennoch nach 17jähriger härtester Buße Erlösung erlangt und sogar zum Haupt der Christenheit erhoben wird. Moraltheologische Fragestellungen werden vom Dichter selbst im Text explizit thematisiert, der seinen bearbeiteten Erzählstoff somit – zur Zeit der frühscholastischen Theologie – schon von vorneherein problematisiert.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie sich ein Zusammentreffen ´höfischer` und ´legendarischer` Erzählmuster in der Struktur des Werks niederschlägt. Abschnitt 2.3, der auf die kontrovers diskutierte Schuldproblematik eingeht, stützt sich dabei ausschließlich auf Christoph CORMEAU`s Dissertation, in der die wesentlichen Eckpunkte dieser Diskussion festgehalten sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Zur Entstehung und Überlieferung des Gregorius-Stoffes

2 Der ´Gregorius` Hartmanns von Aue – ein Epos zwischen Roman und Legende

2.1 Zur Vorlage Hartmanns und seiner Bearbeitung

2.2 Zur Struktur der Erzählung

2.2.1 Der Prolog

2.2.2 Die ´Dichotomie` der Erzählung

2.2.3 Exkurs: Das literarische Brautwerbungsschema im ´Münchner Oswald` und der ´Alexius`-Legende Konrads von Würzburg im Vergleich mit Hartmanns ´Gregorius`

2.3 Die Schuldproblematik und ihre theologische Bewertung

2.3.1 Der Geschwisterinzest

2.3.2 Das illegitime Kind

2.3.3 Das Verlassen des Klosters

2.3.4 Die Inzestehe

2.4 Zum Verhältnis von Dichtung und Theologie in Hartmanns ´Gregorius`

3 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Zusammenspiel zwischen höfischen und legendarischen Erzählmustern in Hartmanns von Aue „Gregorius“. Im Zentrum der Analyse steht dabei die Frage, wie der Dichter moraltheologische Fragestellungen und das Spannungsfeld zwischen menschlicher Schuld und göttlicher Gnade innerhalb der epischen Struktur narrativ verarbeitet.

  • Strukturelle Analyse von Hartmanns Bearbeitung des Gregorius-Stoffes im Vergleich zur altfranzösischen Vorlage.
  • Untersuchung der "Dichotomie" der Erzählung und der Rolle des Prologs als moralisches Exempel.
  • Diskussion der Schuldproblematik, insbesondere des Inzests und der Eheschließung, unter Einbeziehung zeitgenössischer frühscholastischer Theologie.
  • Vergleichende Betrachtung literarischer Muster wie des Brautwerbungsschemas in anderen mittelalterlichen Werken.
  • Beurteilung des Verhältnisses von poetischer Gestaltung und theologischer Sinngebung im Epos.

Auszug aus dem Buch

2.2.2 Die ´Dichotomie` der Erzählung

STROHSCHNEIDER legt der Erzählung eine grundlegende binäre Strukturierung zugrunde, wofür er Begriffspaare wie ´Hof vs. Insel`, ´Diesseits vs. Jenseits (des Wassers)`, ´mütterliches vs. väterliches Bezugssystem`, ´monastische vs. ritterliche Lebensform` anführt. Gemäß dieses Schemas konstituiert sich die narratio durch die Wiederholungsfigur der Grenzüberschreitung auf dem Lebensweg des Gregorius; die Handlung folgt dem Schema von ´exile and return` ihrer Hauptfigur. Das Schema wird deutlich vom Wasser als einem „Zwischen- und Schwellenbereich […], der unterschiedliche Welten voneinander absetzt“, zäsuriert.

In seinem Sinne soll hier die Dichotomie als grundlegendes organisierendes Strukturprinzip der Erzählung gesehen werden. Gregorius wird insgesamt zweimal in Entscheidungssituationen vorgeführt; Hartmann gewährt an diesen Stellen, im Dialog mit dem Abt vor Verlassen der Klosterinsel und dem Dialog mit der Mutter nach Entdeckung des Inzests jeweils tiefe Einblicke in die Gedanken, Reflexionen und Handlungsmotivation seiner Figur. Das Gespräch mit dem Abt bereitet zunächst die Entscheidung über des jungen Gregorius weiteres Leben vor:

“got hât vil wol ze dir getân: er hât von sînen minnen an lîbe und an sinnen dir vil vrîe wal gegeben, daz dû nû selbe dîn leben maht koufen unde kêren ze schanden oder zêren. nû muostû disen selben strît in disen jâren, ze dirre zît under disen beiden nâch dîner kür scheiden, swaz dû dir wilt erwerben, genesen oder sterben, daz dû des nû beginnen solt.“

In dem Passus klingt wieder die im Prolog antizipierte ´bivium`-Motivik an; auch wenn es sich hier um eine von der konkreten Örtlichkeit einer Weggabel losgelöste Entscheidungssituation handelt, ist diese dennoch geprägt von Vorstellungen wie der Wahl zwischen engem und breitem Weg in Mt 7,13 f., oder dem Weg des Lebens und des Todes in der ´Didache` und im Barnabasbrief.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den mediävistischen Forschungsstreit um die Gattungszuordnung und die komplexe Schuldproblematik in Hartmanns „Gregorius“.

1 Zur Entstehung und Überlieferung des Gregorius-Stoffes: Dieses Kapitel behandelt die philologischen Grundlagen, die Überlieferungssituation der Handschriften und den historischen Kontext der Entstehungszeit.

2 Der ´Gregorius` Hartmanns von Aue – ein Epos zwischen Roman und Legende: Der Hauptteil analysiert die erzählerische Struktur, die Gattungsmischung und die spezifische "Dichotomie", die Hartmanns Bearbeitung charakterisiert.

2.1 Zur Vorlage Hartmanns und seiner Bearbeitung: Hier wird der kreative Prozess Hartmanns beschrieben, der die Vorlage durch Exkurse und eine ethische Systematisierung erweitert.

2.2 Zur Struktur der Erzählung: Dieses Kapitel fokussiert auf die topochronologische Ordnung und die motivischen Rahmenbedingungen der Lebensstationen Gregorius'.

2.2.1 Der Prolog: Die Analyse des Prologs zeigt, wie Hartmann den Leser durch religiöse Leitbegriffe auf die moralischen Paradoxien der Geschichte vorbereitet.

2.2.2 Die ´Dichotomie` der Erzählung: Der Abschnitt diskutiert die binären Strukturen des Epos, wie Hof versus Insel, als Mittel der narrativen Grenzüberschreitung.

2.2.3 Exkurs: Das literarische Brautwerbungsschema im ´Münchner Oswald` und der ´Alexius`-Legende Konrads von Würzburg im Vergleich mit Hartmanns ´Gregorius`: Dieser Exkurs setzt Hartmanns Werk in Bezug zu anderen zeitgenössischen Texten, die ebenfalls das Brautwerbungsmotiv mit heiligengeschichtlichen Strukturen verknüpfen.

2.3 Die Schuldproblematik und ihre theologische Bewertung: Dieses Kapitel bildet das inhaltliche Zentrum und diskutiert die moraltheologische Einordnung von Sünde und Buße im Epos.

2.3.1 Der Geschwisterinzest: Die Untersuchung beleuchtet die psychologische und moralische Stufenfolge der inzestuösen Versuchung.

2.3.2 Das illegitime Kind: Hier wird die Frage der rechtlichen und ethischen Belastung durch die Herkunft des Protagonisten thematisiert.

2.3.3 Das Verlassen des Klosters: Der Abschnitt widerlegt die These einer "Initialsünde" des Helden beim Übergang in das Rittertum.

2.3.4 Die Inzestehe: Die Analyse konzentriert sich auf die Entschuldbarkeit des unwissentlichen Inzests aus Sicht der mittelalterlichen Theologie.

2.4 Zum Verhältnis von Dichtung und Theologie in Hartmanns ´Gregorius`: Das abschließende Unterkapitel reflektiert die Spannung zwischen poetischer Freiheit und der Verwendung theologischer Fachtermini.

3 Ausblick: Der Ausblick identifiziert Forschungsdesiderate hinsichtlich der Gesetzmäßigkeiten hagiographischer Literatur.

Schlüsselwörter

Hartmann von Aue, Gregorius, Mittelalterliche Literatur, Epos, Legende, Schuldproblematik, Inzest, Brautwerbungsschema, Frühscholastik, Bußtheologie, Erzählstruktur, Dichotomie, Heilsgeschichte, Gattungslehre, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Hartmanns „Gregorius“ als ein literarisches Werk, das höfische Romanmuster mit legendarischen Stoffen kombiniert und dabei moraltheologische Grundfragen verhandelt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Gattungsspezifik des „Gregorius“, das Verhältnis von Schuld und menschlichem freien Willen sowie die göttliche Gnade im Kontext frühscholastischer Theologie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die narrative Struktur des Epos zu analysieren und zu zeigen, wie Hartmann durch den bewussten Einsatz von Erzählmustern die Schuld des Protagonisten moralisch und theologisch problematisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die kodikologische Aspekte und den Vergleich mit anderen mittelhochdeutschen Werken (wie dem „Münchner Oswald“ oder der „Alexius-Legende“) integriert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben der strukturellen Analyse der Erzählung vor allem die einzelnen Schuldkomplexe (Inzest, Legitimität, Verlassen des Klosters) anhand zeitgenössischer theologischer Lehrmeinungen untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie „Gregorius“, „Schuldproblematik“, „Brautwerbungsschema“, „Bußtheologie“ und „höfische Literatur“ definieren.

Wie bewertet Hartmann den Inzest des Protagonisten?

Die Arbeit zeigt auf, dass Hartmann den Inzest einerseits als schwere, naturwidrige Sünde darstellt, den Helden jedoch durch das Fehlen subjektiver Absicht (ignorantia invincibilis) in zeitgenössischer theologischer Sicht entschuldigt.

Warum ist der Vergleich mit anderen Legenden wie der „Alexius-Legende“ wichtig?

Der Vergleich dient dazu, die Einzigartigkeit von Hartmanns „Gregorius“ hervorzuheben, indem Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der literarischen Verknüpfung von ritterlichem Lebensentwurf und heiligmäßiger Existenz aufgezeigt werden.

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Details

Title
"Legendarisches" und "Höfisches" in Hartmanns Bearbeitung der Gregorius-Legende
College
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Course
Das epische Werk Hartmanns von Aue
Grade
1
Author
M.A. Matthias Reim (Author)
Publication Year
2004
Pages
26
Catalog Number
V29363
ISBN (eBook)
9783638308861
ISBN (Book)
9783638702980
Language
German
Tags
Legendarisches Höfisches Hartmanns Bearbeitung Gregorius-Legende Werk Hartmanns
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Matthias Reim (Author), 2004, "Legendarisches" und "Höfisches" in Hartmanns Bearbeitung der Gregorius-Legende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29363
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