Aspekte der familiären Bewältigung von Langzeiterwerbslosigkeit


Hausarbeit, 2009
20 Seiten, Note: LN

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aktuelle Arbeitslosenstatistik

3. Die Situation der Erwerbslosigkeit für den Erwerbslosen
3.1 Zur Bedeutung personaler Merkmale
3.2 Die Bedeutung situativer Merkmale

4. Folgen der Erwerbslosigkeit für die Familie
4.1 Familie als Kontext individueller Erfahrungen
4.2 Erwerbslosigkeit als Familienerfahrung
4.3 Folgen für Kinder und ihre Eltern

5. Forschungsfragen und psychosoziale Interventionen

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahren gab es eine zunehmend weit gefächerte Diskussion und Forschungstätigkeit in der psychologischen Arbeitslosigkeitsforschung in Bezug auf die individuellen Folgen von Erwerbslosigkeit auf die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen. Die Frage nach Ursache und Wirkung stellt sich hierbei als ein besonders schwieriges Problem dar. Dass ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und psychischer Belastung existiert, wird heute jedoch von kaum einem Sozialwissenschaftler noch in Zweifel gezogen.

Die Folgen insbesondere von Langzeiterwerbslosigkeit betreffen jedoch nicht nur Arbeitslose selbst, sondern auch die Angehörigen, Partner, Familien. Dies möchte ich hier näher darstellen und dabei die Kausalität dieser Problematik anhand von mir geeignet erscheinenden Studien und Arbeiten herausarbeiten. Den Schwerpunkt bildet dabei die Situation in Deutschland.

Langzeiterwerbslosigkeit ist eine Folge der zunehmenden Erwerbslosigkeit in der Industriegesellschaft, und in den letzten 25 Jahren ebenfalls oft einer starken Zunahme unterworfen. Dazu möchte ich zunächst kurz auf die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit eingehen, um im Anschluss die Folgen dieser Situation in Deutschland beispielhaft zu erarbeiten. Hierbei soll der Fokus auf die von Langzeiterwerbslosigkeit betroffene Familie gerichtet sein.

Den Abschluss der Hausarbeit bildet der Punkt „Forschungsfragen und psychosoziale Interventionen“. Hier sollen methodische Probleme angesprochen werden. Auch möchte ich die Folgen von Langzeiterwerbslosigkeit in den sozialen Kontext stellen, um Gedanken über Wege des gesellschaftlichen Umgangs mit den Betroffenen darzulegen.

1. Aktuelle Arbeitslosenstatistik

Die sozialversichersicherungspflichtige Beschäftigung in Deutschland entwickelt sich in West- und Ostdeutschland sehr unterschiedlich, weshalb mir eine differenzierte Darstellung sinnvoll erscheint.

Nach den aktuellen Daten ist die Beschäftigung im Vorjahresvergleich in Hamburg und Bayern gewachsen ( +0.7 Prozent bzw. +0,1 Prozent ), die größte Abnahme an Beschäftigung gab es laut Bundesagentur für Arbeit in Thüringen, im Saarland und in Sachsen ( -1,9 Prozent, -1,8 Prozent, -1,7 Prozent ). Vor allem im Bau- und im Verarbeitenden Gewerbe ( -4,6 Prozent bzw. -1,7 Prozent ) verringerte sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, aber auch in einigen Dienstleistungsbranchen wie dem Kredit- und Versicherungsgewerbe und im Handel ( -1,9 Prozent ; -0,9 Prozent ). In der Verkehrsbranche und im Gesundheits- und Sozialwesen gab es Zuwächse in der Beschäftigung von 0.6 Prozent bzw. 0.1 Prozent ( Bundesagentur für Arbeit, 2006 ).

In Deutschland insgesamt sind im März 2006 4 976 000 Arbeitslose registriert, was eine Abnahme im Vergleich zum Vorjahr um 290 000 bedeutet. Hierbei ist der so genannte Harz IV-Effekt nicht berücksichtigt, was auch bedeutet, dass der Einsatz von Arbeitsgelegenheiten zu einer aus meiner Sicht nur scheinbaren Abnahme der Erwerbslosenzahlen führt.

In der Abbildung 1 ist die Grundtendenz der steigenden Erwerbslosigkeit in Deutschland in den letzten Jahren erkennbar. Die Abnahme der Arbeitslosenzahl in Ostdeutschland um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hängt nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit einem zurückgehenden Arbeitskräfteangebot zusammen.

In Abbildung 3 sind die Arbeitslosenquoten für 2003 und 2004 detailliert nach Bundesländern im Anhang dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb. 1

Die Arbeitslosenquote, auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen, belief sich im März 2006 auf 12,0 Prozent, in Ostdeutschland war die Quote dabei mit 19,3 Prozent deutlich höher als im Westen mit 10,1 Prozent.

Von den 4 976 000 Arbeitslosen werden 40 Prozent im Rechtskreis SGB III und 60 Prozent nach SGB II betreut, wobei die Zahl der Arbeitslosengeld II Empfänger ( SGB II ) in den letzten Monaten erheblich zunahm. In Zahlen dargestellt ergibt sich für Februar und März 2006 folgende tabellarische Darstellung :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbb. 2

Arbeitslosengeld II wurde an 5.21 Mio. Empfänger ausgezahlt, 2,98 Mio. oder 57 Prozent von ihnen waren arbeitslos gemeldet, 2,23 Mio. Hilfebedürftige sind Kinder oder erhalten die Leistung ergänzend zum Lohn, zu einer Qualifizierungsmaßnahme oder während der Betreuungszeit kleiner Kinder.

Insgesamt bekamen damit 6,87 Mio. Menschen in Deutschland Lohnersatzleistungen oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts ( Bundesagentur für Arbeit, 2006 ).

Auch der Österreichische Familienbericht 1999 stellt eine zunehmend anhaltende Arbeitslosigkeit fest. Hier ist die Arbeitslosenquote von 5 Prozent im Jahr 1989 auf 7,2 Prozent im Jahr 1998 gestiegen ( Österreichischer Familienbericht 1999, S.386 ). Die Arbeitslosenquote der Frauen lag dabei immer etwas höher ( 1998: 7.5 % ) als die der Männer ( 1998: 6,9 % ). Auch die regionale Verteilung der Arbeitslosigkeit weist in Österreich deutliche Unterschiede auf. Im Burgenland, Kärnten und Wien liegt die Quote bei 9,9 bzw. 9,6 Prozent, während der vergleichbare Anteil in Oberösterreich bei 5,3 und in Salzburg bei 5,2 Prozent liegt.

Zunehmend ist auch der Anteil der Personen, welche wiederholt arbeitslos gemeldet wurden, wovon besonders Jugendliche zwischen 19 und 25 Jahren und ArbeitnehmerInnen über 50 betroffen sind. Wiederbeschäftigungs-chancen sind in den letzten Jahren deutlich gesunken und der Anteil der Langzeiterwerbslosen steigt kontinuierlich, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind ( Österreichischer Familienbericht 1999, S. 387 ).

Im „Wort zu Familie und Armut“ beschreibt Wyss-Bömelburg für die Schweiz eine starke Zunahme der Armutsquote durch Erwerbslosigkeit und in der Gruppe der Working poor, wozu die Mitglieder eines Haushalts zählen, die durch ihre Arbeit ein Einkommen erzielen, was unter der Armutsgrenze der Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe ( SKOS) liegt. Von 1990 bis 2000 wird hier mit einer 100 prozentigen Zunahme der SozialhilfeempfängerInnen gerechnet. Bei 54,7 Prozent aller Armen (1999) leben unmündige Kinder im Haushalt ( Wyss-Bömelburg, 2001, S.4 ).

2. Die Situation der Erwerbslosigkeit für den Erwerbslosen

Ende der 70er Jahre stiegen als Folge der Ölkrise in den meisten westlichen

Industrieländern die Arbeitslosenzahlen an, und auch die Forschung zur Untersuchung der Folgen der neuen Massenarbeitslosigkeit setzte bald ein. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob Arbeitslosigkeit heute im Vergleich zu der Situation der Betroffenen während der Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren noch als einschneidendes Lebensereignis und persönliche Belastung angesehen werden kann. Die staatliche Absicherung in der Bundesrepublik und auch in anderen westlichen Ländern würde für den Betroffenen die Folgen im erträglichen Rahmen halten. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, „fällt vielleicht tief, aber nicht ins Bodenlose“, so z.B. v. Dohnanyi in einer Tageszeitung 1986.

Dies mag für die überwiegende Zahl kurzfristig erwerbsloser Menschen zutreffen, für die steigende Zahl der Langzeiterwerbslosen und deren Familien jedoch nicht. Das Belastungserleben nimmt bei anhaltender Erwerbslosigkeit zu, das Entlastungserleben ab. „Die Gültigkeit von Ergebnissen über Be- und Entlastungserleben muss also auf die jeweilige Dauer der Erwerbslosigkeit (…) bezogen werden“ ( Mohr, 1995, S.66; Hervorhebung v. Verf. ).

Von den fast 5 Millionen Erwerbslosen in der Bundesrepublik Deutschland sind in den offiziellen Statistiken ca. 1,5 Millionen als Langzeiterwerbslose ausgewiesen, jeder Dritte. Als langzeiterwerbslos gilt, wer ein Jahr oder länger erwerbslos gemeldet ist. Besondere Beachtung sollte hier die starke Zunahme bei den Langzeiterwerbslosen in den letzten Jahren in der Bundesrepublik Deutschland finden. Dabei ist auch auf die von Karr (1997) ausführliche Darlegung der konzeptionellen Untererfassung der Langzeiterwerbslosen hinzuweisen. Auch das Risiko der Langzeit-erwerbslosigkeit ( sog. Verbleiberisiko ) ist regional unterschiedlich hoch, in Merseburg bei 39 Prozent und in Bayern dagegen bei 16 Prozent ( vgl. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 1999 ).

Diese Zahlen - insbesondere Umfang, Tendenz und regionale Ausprägungen der Langzeiterwerbslosigkeit - sind insofern von Bedeutung, weil damit die Bedingungen der Betroffenen, unter welchen sie ihre Chancen für einen Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit einschätzen und wahrnehmen müssen, aufgezeigt werden.

Die ökonomische Lage der Erwerbslosen ist nach 12 bzw. 18 Monaten andauernder Erwerbslosigkeit durch die 2005 wirksam gewordene Sozialgesetzreform (Hartz IV) erheblich verschlechtert worden. Die Einkommensverluste sind nach dem Bezug des Arbeitslosengeld I deutlich für den Betroffenen zu spüren und führen auch kurzfristig schon zur Einschränkung von Konsumgewohnheiten und Spartätigkeiten. Eine zu große oder zu teure Wohnung muss nun durch amtlichen Zwang aufgegeben werden.

Das Leben von Langzeiterwerbslosen ist oft weitgehend von Arbeitslosigkeit bestimmt, bis hin zur Zerstörung von Kontakten, Selbstwert- und Zeitgefühl, der Herausbildung spezifischer Bewußtseinsformen und eines bestimmten Milieus. Die Folgen von Langzeiterwerbslosigkeit sind also oft abnehmende soziale Kontakte, was nun durch die neue Sozialgesetzgebung noch zusätzlich unterstützt wird, wenn die Betroffenen durch Umzug aus ihrer gewohnten sozialen Umgebung heraus müssen.

Erwerbslose sind zudem häufig gesundheitlich beeinträchtigt. Hradil führt hierzu aus : „ Chronische Leiden, Behinderungen bei der Erfüllung alltäglicher Aufgaben und Unzufriedenheit mit der eigenen Gesundheit finden sich bei ihnen wesentlich öfter als bei Erwerbstätigen“ ( 2001, S. 209 ). Arbeitslose, die infolge ihrer Arbeitslosigkeit krank wurden, haben oft psychische Beschwerden, wie Depressivität, Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Nervosität und Konzentrationsstörungen. Oft werden psychosomatische und psychische Probleme beobachtet.

Gesundheitliche Folgen der Langzeiterwerbslosigkeit sind aber nicht unausweichlich. Ob sich Erwerbslosigkeit auf die Gesundheit auswirkt, hängt von individuellen Einstellungen, Prägungen, Fähigkeiten und Ressourcen, von sozialer Unterstützung ( z.B. in der Familie ) und auch der Dauer der Erwerbslosigkeit ab. Ebenso wirken sich gesellschaftliche und kulturelle Gegebenheiten beim „Umgang“ mit Arbeitslosigkeit auf den Einzelnen aus.

Auf den Einfluss dieser sozialen und individuellen Variablen auf das Erleben und die Bewältigung von Erwerbslosigkeit möchte ich im Folgenden differenzierter eingehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Aspekte der familiären Bewältigung von Langzeiterwerbslosigkeit
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Arbeits- und Organisationspsychologie
Note
LN
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V294209
ISBN (eBook)
9783656921943
ISBN (Buch)
9783656921950
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte, bewältigung, langzeiterwerbslosigkeit
Arbeit zitieren
M.A. Harald Schälike-Ollig (Autor), 2009, Aspekte der familiären Bewältigung von Langzeiterwerbslosigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294209

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Aspekte der familiären Bewältigung von Langzeiterwerbslosigkeit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden