Psychopathologie. Diagnostik von Fallbeispielen


Studienarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Fall 3: Frau C
1.1 Diagnose
1.1.1 Symptomatik
1.2 Ursachen
1.3 Sozialpädagogische Empfehlung

2 Fall 4: Herr D
2.1 Diagnose
2.1.1 Symptomatik
2.2 Ursachen
2.3 Sozialpädagogische Empfehlung

3 Fall 5: Frau E
3.1 Diagnose
3.1.1 Symptomatik
3.2 Ursachen
3.3 Sozialpädagogische Empfehlung

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Normal ist, was der Masse entspricht, doch wer weiß schon, ob die Masse normal ist.“ Jerome Anders (*1975)

(www.aphorismen.de/display_aphorismen.php?search=1&page=1)

Harmlose Formen pathologischen Verhaltens begegnen uns ständig in unserem Alltag. Die Psychopathologie beschreibt abnormes Erleben, Befinden und Verhalten, wobei die Individualität und die Seltenheit gesicherter Antworten betont werden In dieser Hausarbeit soll zunächst anhand, der in den Fallbeispielen dargestellten Informationen eine Diagnose gestellt werden. Diese umfassen die Anamnese (Informationen, Geschichte die der Patient gibt) und das Beobachtbare (was ist sichtbar?). Eine körperliche Untersuchung oder psychologische Tests entfallen. Die Einteilung der psychiatrischen Krankheiten erfolgt über den ICD-10 (International Classification of Diseases) von der WHO und durch das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual) aus den USA. In dieser Hausarbeit möchten wir mit dem ICD-10 arbeiten, aufgrund der Erfahrung mit jenem Diagnoseschlüssel in der bisherigen Studienzeit. Wir möchten uns nach der Diagnose mit den möglichen Ursachen der diagnostizierten Störung befassen, um letztendlich eine sozialpädagogische Empfehlung an den Klienten zu geben. Prinzipiell ist bei dieser Empfehlung zu betonen, dass der Sozialarbeiter vielmehr unterstützend wirken kann, indem er beispielsweise den Klienten dazu auffordere, seine Medikamente zu nehmen und seine Termine beim Therapeuten einzuhalten bzw. ihn zu einer Therapie zu motivieren. Da der Sozialpädagoge keine therapeutische Arbeit leisten kann, die bei den meisten psychischen Störungen unumgänglich ist.

Die Diagnose einer psychischen Störung beunruhigen die Betroffenen oft. Deshalb sollte man als mit dem Begriff vorsichtig umgehen und seine Bedeutung genau erklären. Wichtig ist der empathische und wertschätzende Umgang mit dem Klienten. Man sollte betonen, dass viele psychische Erkrankungen heutzutage gut behandelbar sind.

1 Fall 3: Frau C.

1.1 Diagnose

Die 30-jährige Grundschullehrerin leidet an einer Zwangsstörung, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemischt (ICD-10 F42.2).

Die Diagnosestellung der Zwangsstörung erfordert gemäß ICD-10 die Erfüllung folgender Kriterien:

1.1.1 Symptomatik

ICD-10 F 42.2 Zwangsstörung

A Entweder Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen (oder beides) an den meisten Tagen über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen Bei Frau C. besteht seit 5 Jahren ein Kontrollzwang.

B Die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zeigen sämtliche folgende Merkmale:

Sie verbringt oft mehrere Stunden am Tag mit Nachkontrollieren und Wiederholen ihrer Handlungen (Kontrolle ob Elektrogeräte ausgeschaltet sind und Wohnungstür abgeschlossen).

Sie muss die Handlungen nicht ausführen, um zu verhindern, dass das Haus abbrennt oder ein Einbrecher hineinkommt. Sie hat durch diese Gedanken Angst und fühlt sich unwohl. Zwangsgedanken finden sich bei der Klientin weiterhin in Form von Zwangsbefürchtungen bezüglich ihrer eigenen Gesundheit und der ihrer Eltern sowie zwanghaftes Zweifeln über ihr Handeln einhergehend mit der Angst irgendein Unglück oder eine Katastrophe herbeizuführen (z.B. Schlaganfall und Tod der Mutter oder jemanden überfahren zu haben). Dies sind typische Zwangsgedanken, die um ein zufälliges Unglück kreisen. Die Klientin versucht diese Zwangsgedanken, die sie als sehr unangenehm empfindet, zu neutralisieren indem sie die Mutter mehrmals am Tag anruft, Gebete in ritualisierter Form wiederholt oder ihre tägliche Fahrtroute mehrmals abfährt. Es ist ein Muster von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zu beobachten, die eindeutig auf einander bezogen sind. Durch die Ausführung der Zwangshandlungen fühlt sich Frau C. erleichtert.

1. sie werden als eigene Gedanken/Handlungen von den Betroffenen gesehen und nicht als von anderen Personen oder Einflüssen eingegeben.

Frau C kann zugeben, dass die Zwangsgedanken ihre eigenen Gedanken sind.

2. sie wiederholen sich dauernd und werden als unangenehm empfunden, und mindestens ein Zwangsgedanke oder eine Zwangshandlung werden als übertrieben und unsinnig anerkannt.

Die Zwangsgedanken und -Handlungen wiederholen sich dauernd, bis zu mehreren Stunden täglich. Außerdem werden sie von Frau C. als belastend empfunden (z.B. Zeugniszeit). Sie kann zugeben, dass ihre Befürchtungen und Handlungen übertrieben und unsinnig sind. Im Gespräch mit dem Arzt kann Frau C konkret zugeben, dass die Furcht (Tod der Mutter) unrealistisch ist. Gegenüber dem Arzt kann Frau C. andererseits zugeben, dass, wenn sie ihre Gebete an einem Tag nicht sprechen würde, dies nicht die Gesundheit ihrer Eltern gefährden würde.

3. die Betroffenen versuchen Widerstand zu leisten. Gegen mindestens einen Zwangsgedanken oder Zwangshandlung wird aktuell erfolglos Widerstand geleistet.

Frau C. leistet einen Widerstand gegen den Zwang täglich ihre Mutter anzurufen und gegen das täglich sich mehrmals wiederholende Gebetsritual, der jedoch erfolglos bleibt, da es für sie unmöglich ist, diese täglichen Anrufe und Gebete zu unterdrücken, ohne ausgesprochen ängstlich und panisch zu werden und sich hundeelend und schrecklich schuldig zu fühlen, wenn sie versucht, sie aus ihrer täglichen Routine herauszunehmen.

4. die Ausführung eines Zwangsgedanken oder Zwangshandlung ist für sich genommen nicht angenehm.

Frau C. wird auch durch das Ausführen ihrer Zwangshandlungen nicht erleichtert. Das Kontrollieren setzt sich vielmehr fort. Das Ausführen fühlt sich für die Klientin unangenehm an, da er der Zwang hinter der Handlung bewusst ist.

C Die Betroffenen leiden unter den Zwangsgedanken oder einer Zwangshandlung oder werden in ihrer sozialen oder individuellen Leistungsfähigkeit behindert, meist durch den besonderen Zeitaufwand.

Aufgrund ihrer Probleme verminderten sich bei Frau C. in den letzten 5 Jahren zunehmend ihre sozialen Kontakte. Sie möchte nicht alleine Lebensmittel einkaufen gehen, da es ihr Angst einjagt, alleine auszugehen. Ihre soziale Isolation und dass sie ihren Mann benötigt, wenn sie aus dem Haus gehen will, hat zu einer zunehmenden Spannung in der Ehe geführt.

Durch ihre Zwangssymptomatik ist Frau C. massiv beruflich und sozial beeinträchtigt.

D Die Störung ist nicht bedingt durch eine andere psychische Störung.

Hinweise für Vorliegen einer Schizophrenie oder einer affektiven Störung finden sich nicht.

Begleitend zu der Zwangsstörung zeigen sich bei Frau C. zunehmende soziale Isolation und eheliche Schwierigkeiten.

1.2 Ursachen

Zwangsstörungen haben eine multifaktorelle Genese: belastende Lebensereignisse, Erziehungsstile (elterlich, religiös, gesamtgesellschaftlich) und biologische Faktoren, die in individueller Ausprägung zur Entstehung der Erkrankung beitragen. Dennoch ist die Entstehung der Zwangskrankheit nicht exakt geklärt. Die genetische Komponente ist durch Studien relativ gesichert. Es existieren verschiedene Forschungen über biologische Hintergründe.

Ein klassische psychologischer Ansatz ist das Zwei-Faktoren-Modell von Mowrer (1947). Danach findet ein zweistufiger Lernprozess statt.

1. Stufe: Eine ursprünglich neutrale Situation wird mit einer belastenden Situation assoziiert und löst zukünftig eine unangenehme emotionale Reaktion aus.
2. Stufe: Das Gelernte wird stabilisiert. Verhaltensweisen, die dazu führen, die unangenehme Situation zu vermeiden oder die Anspannung zu reduzieren wird als erfolgreich erlebt.

Das Verkettungsmodell geht davon aus, dass im Rahmen der normalen oft unabwendbar ablaufenden Denkprozesse Menschen viele Gedanken haben. Wichtige Gedanken werden herausgefiltert. Lehnt man einen solchen Gedanken jedoch ab und bewertet ihn

extrem negativ (das darf ich nicht denken), so wird dieser Gedanke als umso aufdringlicher erlebt. Vor dem Hintergrund der persönlichen Einstellungs- und Glaubenssysteme beschäftigt man sich intensiver mit dem Gedanken. Dabei kommt es zu Gefühlen von Unsicherheit und Unwohlsein. Um diese Unruhe zu bekämpfen, versucht man die drängenden Gedanken durch Abwehr oder Neutralisierung zu kontrollieren. Da dies häufig nicht gelingt, fühlt man sich hilflos und niedergedrückt. Außerdem steigt die Bedeutung des Gedankens noch weiter an, da der Gedanke unerledigt ist. Daraufhin werden die emotionale Erregung und Anspannung noch größer, und es wird immer schwieriger, den aufdringlichen Gedanken zu beenden.

Überdies können familiäre, gesellschaftliche oder religiöse Einflüsse bei der Entwicklung einer Zwangserkrankung eine wichtige Rolle spielen, da sich in diesen Zusammenhängen das Einstellungs- und Wertesystem eines Menschen entwickelt. Das mehrdimensionale Modell von Ursachen für Zwangsstörung umfasst sowohl psychische als auch neurobiologische Faktoren.

Im Fall von Frau C ist folgendes bezüglich möglicher Ursachen der Zwangserkrankung festzustellen: eine medizinische Ursache ist auszuschließen, da ihre medizinische Anamnese unauffällig ist bis auf leichte Stimmungsschwankungen vor dem Einsetzen der Periode. Sie verneint, jemals eine Kopfverletzung oder eine Infektion des Gehirns gehabt zu haben. Bei Frau C. ist keine Alkoholabhängigkeit oder Abhängigkeit von einer anderen Substanz bekannt. Insofern scheidet auch eine substanzinduzierte Erkrankung aus.

In ihrer Familienanamnese ist der Hang zum Aberglauben und Sammeln sowie extremes Penibelsein bei ihrer Mutter und Großmutter bekannt.

Man könnte annehmen, dass durch die übertriebene Erziehung zu Sauberkeit, Ordnung und Genauigkeit durch die weiblichen Bezugspersonen aufdringliche Gedanken und Situationen durch Frau C als bedrohlich empfunden wurden.

Auch der Aberglaube kann als höhere Ordnung dazu dienen Sicherheit zu bieten, der allerdings auch Zwangsverhalten produzieren kann.

Hingegen das Sammeln kann auch die Persönlichkeitsrichtung der Familie widerspiegeln und damit die Umwelt, die Frau C beeinflusst hat. Dies kann auch Eigenschaften und Denkmuster wie Perfektionismus oder Angst vor Veränderung ausdrücken.

Darüber hinaus gibt es eine positive Familienanamnese bezüglich motorischer Tics bei dem Vater der Patientin und zwei Onkeln väterlicherseits, was darauf schließen lässt, dass diese genetische Veranlagung einen Risikofaktor für die Entwicklung der Zwangserkrankung darstellt.

Wie bei den meisten psychischen Störungen bricht auch hier eine entsprechende Anlage umso eher aus, je größer die psychische Belastung ist.

1.3 Sozialpädagogische Empfehlung

Frau C. sollte sich ihrem Leidensdruck durch mit den Zwängen einhergehender Probleme in der Partnerschaft, im Beruf oder der Freizeitgestaltung bewusst machen. Die Wirksamkeit einer Behandlung durch eine Verhaltenstherapie ist bewiesen. Die Effekte sind hoch (50% - 85%) und über längere Zeiträume stabil.

2. Fall 4: Herr D.

2.1 Diagnose

Bei Herrn D, der 50 Jahre alt ist und als Reiseleiter arbeitet, muss die Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1) als Reaktion auf eine schwere Belastung diagnostiziert werden.

Die Diagnosestellung der Posttraumatischen Belastungsstörung erfordert gemäß ICD-10 die Erfüllung folgender Kriterien:

2.1.1 Symptomatik

ICD-10 F 43.1 Posttraumatische Belastungsstörung

A Die Betroffenen sind einem kurz- oder langhaltenden Ereignis oder Geschehen von

außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt, das nahezu bei jedem tief greifende Verzweiflung auslösen würde.

Herr D wurde Opfer eines terroristischen Anschlages, bei dem mehrere Gruppenteilnehmer starben. Herr D. wurde durch einen Bauchsschuss schwer verletzt und durch die Wucht des Schusses auf die Leichen seiner Gruppenteilnehmer und auf seine ebenfalls angeschossene Kollegin geschleudert. Er nahm wahr, dass die Terroristen wahllos weitere Gruppenteilnehmer erschossen und blonden, hellhäutigen Frauen mit Messern die Kehlen durchschnitten. Als die Terroristen bemerkten, dass er noch lebte, schossen sie in sein Bein und in den Bauch. Nach Insgesamt wurden 58 Touristen, 4 ägyptische Polizisten und Zivilisten sowie die 6 Attentäter getötet; 10 der toten Touristen waren aus der Reisegruppe von Herrn D. Der Klient wurde danach in Luxor ins Krankenhaus gebracht. Da dort aufgrund der vielen Verletzten Ausnahmezustand herrschte, wurde er ohne Narkose operiert.

Diese erschreckenden Erlebnisse sind sowohl eine außergewöhnliche Bedrohung aber auch mit einem katastrophalem Ausmaß zu beschreiben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Psychopathologie. Diagnostik von Fallbeispielen
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Fachbereich Sozialwesen)
Note
1,0
Autoren
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V294346
ISBN (eBook)
9783656920830
ISBN (Buch)
9783656920847
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diagnostik, Psychopathologie, Gesundheitspsychologie, Fälle
Arbeit zitieren
Maria Widera (Autor)Catherine Thiel (Autor), 2009, Psychopathologie. Diagnostik von Fallbeispielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294346

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