Bürokratisierung und ihre Folgen anhand Ludwig von Mises "Die Bürokratie"

Von der Bürokratie zur Diktatur


Hausarbeit, 2013

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bürokratisches Wirtschaften
2.1. Der Charakter bürokratischen Wirtschaftens
2.2. Das bürokratische Personal
2.2.1. Charakteristika des Bürokraten
2.2.2. Das Verhältnis von Bürokrat und Staat

3. Die Folgen von Bürokratisierung
3.1. Die psychologischen Folgen

4. Schlussfolgerung

5. Quellen-/ Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine Bürokratie als solches ist eine Struktur, welche die exakte Einhaltung vorhandener Regeln erfordert. Es gehört daher nicht zu den Aufgaben eines Bürokraten - als ausführendes Organ dieser Struktur – Überlegungen über einen effizienteren Arbeitsprozess oder eine Maximierung der Gewinne anzustellen. Ganz zu schweigen von einem in Frage stellen der Regeln als solche. Das Wesen der Bürokratie lässt Zweifel an der gegebenen Regel schlicht nicht zu, wodurch die Bürokratie notwendigerweise zu einer starren Struktur gemacht wird. Diese Feststellung beinhaltet jedoch nicht, dass eine Bürokratie per Definition eine nicht wünschenswerte Struktur ist. Sie erscheint als eine notwendige Struktur für die Verwaltung eines Staates. Sobald sie sich jedoch über diesen hinaus auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche erstreckt, kann es zu schwerwiegenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen kommen. Welche Folgen sich aus einer Bürokratisierung der Gesellschaft für diese ergeben, wird Gegenstand dieser Arbeit sein.

Ludwig von Mises Analyse in dem Werk „Die Bürokratie“ (1944) wird im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehen, ergänzt durch Horst Bosetzkys (u.a.) soziologische Arbeit zur bürokratischen Sozialisation. Zunächst wird der von Mises konstatierte Charakter der Bürokratie bzw. des bürokratischen Personals wiedergegeben, um daraufhin die sich daraus ergebenden Folgen zu beschreiben und zu analysieren. Ziel dieser Arbeit ist Folgendes: Es soll gezeigt werden, dass der Totalitarismus eines Staates mit der Dominanz und der Quantität der bürokratischen Strukturen ansteigt.

2. Bürokratisches Wirtschaften

Dieses Kapitel befasst sich überwiegend mit Mises Auffassung vom bürokratischen Wirtschaften, welche er insbesondere im zweiten Kapitel von „Die Bürokratie“ dem gewinnorientierten Wirtschaften gegenüberstellt. Ziel dieses Kapitels ist es, die zentralen Charakteristika des bürokratischen Wirtschaftens und des bürokratischen Personals herauszuarbeiten.

2.1. Der Charakter bürokratischen Wirtschaftens

Mises beschreibt in dem zweiten Kapitel zunächst, wie eine Bürokratie unter einer despotischen Regierung entsteht. Wenn das zu regierende Land zu groß ist, als dass ein Herrscher allein es verwalten könnte, dann muss er Vertreter ernennen. Um der Willkür und Verfügungsfreiheit dieses Verwalters entgegenzuwirken, erlegt der Herrscher ihm Vorschriften (bzw. Gesetze, Verordnungen, Statuten, Regeln) auf, nach denen er sich zu richten hat. Dabei ist es irrelevant, ob jene in genau dieser Form, in dieser Provinz sinnvoll oder gar im Interesse der Bevölkerung sind.[1]

„Die erste Tugend eines Verwalters ist es, den Gesetzen und Verordnungen treu zu bleiben. Er wird ein Bürokrat.“[2]

„Die Erhaltung des Bestehenden unter Einhaltung einmal aufgestellter Regeln ist das eigentliche Hauptziel des strengen Bürokraten[3].“[4]

Dieses Vorgehen findet sich nicht nur in despotischen Regimen, sie bildet auch die Grundlage für die Verwaltungstechnik eines demokratischen Staates, welche auf der unbedingten Befolgung festgeschriebener Gesetze beruht. Dadurch soll die Willkür der Staatsgewalten eingeschränkt und ihr Verfügungsbereich reguliert werden. Eine despotische und einer vom Volk legitimierten Regierungsform unterscheiden sich dabei in den Motiven für die bürokratische Verwaltungstechnik: Ein despotischer Staat wird bürokratisch verwaltet, damit der Herrschende eine bessere Kontrolle über seinen Einflussbereich hat. Ein vom Volk legitimierter Staat wird bürokratisch verwaltet, damit die Staatsgewalten keine willkürlichen, sondern auf feststehenden Gesetzen beruhenden Entscheidungen treffen. Also hat eine bürokratische Verwaltung nicht nur die Aufgabe, die Machthaber einzuschränken, sondern fungiert auch als Ausführung des Willens der Machthaber.[5] Für das Funktionieren eines Staatsapparates ist eine bürokratische Verwaltungstechnik notwendig, ganz gleich, um welche Staatsform es sich handelt. Demzufolge ist es kein Merkmal einer Bürokratie, demokratisch oder nicht-demokratisch bzw. despotisch oder nicht-despotisch zu sein.

Mises kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff „Bürokratie“ bezieht sich demnach nicht auf die staatliche Verwaltungstechnik, sondern auf die Ausweitung dieser auf den Bereich des Wirtschaftens, welche das gewinnorientiere Wirtschaften verdrängt. Darin sieht er eine Einschränkung der Freiheit der Bürger sowie eine Ausweitung staatlicher Kontrollen.[6] Ein gerechter Wettbewerb kann nur dort herrschen, wo alle Teilnehmer ähnliche Voraussetzungen haben. Sind aber Teilnehmer vom Staat begünstigt, so ist ein solcher Wettbewerb nicht mehr gewährleistet.

Das bürokratische Wirtschaften zeichnet sich dadurch aus, dass das Motiv nicht in der Maximierung von Gewinnen oder in der Optimierung von Prozessen liegt. Vielmehr liegt das Motiv in der schlichten Befolgung von gegebenen Vorschriften. Der Grund dafür liegt darin, dass die Gelder, die einer Behörde zur Verfügung stehen, nicht direkt an ihr eigenes Handeln gebunden sind. Diese Gelder stammen überwiegend aus Steuereinnahmen und werden von einer übergeordneten Verwaltung zugeteilt. Sie sind somit nicht direkt davon abhängig, wie effektiv eine Behörde arbeitet. Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen Einkünften und Ausgaben, wodurch eine Überprüfung der Effektivität (bzw. Wirtschaftlichkeit) einer Behörde im Sinne einer gewinnorientierten Wirtschaftsrechnung unmöglich gemacht wird.[7] Der Wert einer behördlichen Tätigkeit ist daher nicht in einem Geldbegriff ausdrückbar, weil sie keinen marktwirtschaftlichen Wechselwirkungen ausgesetzt ist.[8] Für das Produkt einer bürokratischen Tätigkeit einer Behörde gibt es weder Markt noch Preis, was dieses Produkt grundlegend von denen eines gewinnorientierten Unternehmens unterscheidet.[9] „Staatliche und industrielle Leistungsfähigkeit sind völlig verschiedene Dinge.“[10]

2.2. Das bürokratische Personal

In diesem Kapitel werden die Charakteristika des Bürokraten, sowie die Beziehung von Bürokrat zum Staat behandelt.

[...]


[1] Vgl. MISES, Ludwig von (1944): Die Bürokratie. S. 55 f.

[2] Ebd. S. 56.

[3] Unter dem „strenge Bürokrat“ wird der Staatsdiener verstanden, der alle zu befolgenden Regel um ihrer selbst Willen befolgt, ohne sie zu hinterfragen oder ggf. Ausnahmen zuzulassen.

[4] BOSETZKY, Horst/ HEINRICH, Peter/ SCHULZ ZUR WIESCH, Jochen (1980): Mensch und Organisation – Aspekte bürokratischer Sozialisation. S. 316.

[5] Vgl. MISES (1944), S. 58 f.

[6] In diesem Buch stellt Mises das bürokratische dem gewinnorientierten Wirtschaften gegenüber.

[7] Zur Unmöglichkeit einer Wirtschaftsrechnung für eine behördlichen Tätigkeit siehe: MISES, Ludwig von (1940): Nationalökonomie – Theorie des Handelns und Wirtschaftens. S. 634 ff.

[8] Vgl. MISES (1944), S. 59 ff.

[9] Es sei angemerkt, dass es (abhängig von Gesellschaft, Kultur und Zeitalter) vermutlich kein Produkt gab, welches zu irgendeinem Zeitpunkt der Geschichte nicht in privater Hand gewesen war. Aus heutiger und wohl schon aus Mises Perspektive gibt es jedoch einige Produkte, welche die Öffentlichkeit ungern in privater Hand sehe.

[10] Ebd. S. 65.

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Details

Titel
Bürokratisierung und ihre Folgen anhand Ludwig von Mises "Die Bürokratie"
Untertitel
Von der Bürokratie zur Diktatur
Hochschule
Universität Hamburg  (Philosophisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V294460
ISBN (eBook)
9783656920496
ISBN (Buch)
9783656920502
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bürokratisierung, folgen, ludwig, mises, bürokratie, diktatur
Arbeit zitieren
David Kühlcke (Autor), 2013, Bürokratisierung und ihre Folgen anhand Ludwig von Mises "Die Bürokratie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294460

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