„Ein Kind, dem Märchen niemals erzählt worden sind, wird ein Stück Feld in seinem Gemüt behalten, das in späteren Jahren nicht mehr bebaut werden kann.“
Dieses aussagekräftige Zitat, welches von Johann Gottfried Herder stammt, verdeutlicht, wie wichtig es ist, Kindern Geschichten und mithin auch Märchen nicht vorzulesen, sondern sie ihnen frei zu erzählen.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich speziell mit dem russischen Märchen: „Das Schlösschen“. Zunächst soll der Text des Märchens bezüglich der Sachstruktur und des Sinnpotentials analysiert werden. Ein nächster Punkt geht auf methodisch- didaktische Überlegungen ein. Hierfür gilt es auch allgemein zu beschreiben, warum das Erzählen von Geschichten für Kinder so bedeutend ist und es auch im Schulalltag einen festen Bestand haben sollte.
Weiterhin werden meine zwei Erzählerprobungen und mithin die Umsetzung des oben benannten Märchens thematisiert. Dabei ist es auch wichtig zu reflektieren, wie meine Umsetzung des Märchens funktioniert hat. Durch das Niederschreiben dieser Hausarbeit erhoffe ich mir ein noch tieferes Verständnis zu Erzähl- und Märchenthematik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1. Inhalt
2.2. Genre
2.3. Sachstruktur
2.4. Handlungsverlauf
2.5 Figurencharakteristik
2.6 Sinnpotential
2.7. Leerstellen des Textes
3. Methodisch- didaktische Überlegungen
3.1 Alters- und geschlechtsspezifische Aspekte
3.2. Bedeutung des Erzählens für Kinder
4. Praktische Erprobungen
4.1 Ablauf
4.1.1 Erzählprojekt: „Märchen von kleinen und großen Tieren“
4.1.2 Erzählprojekt: „Katzenmärchen“
4.2 Reflexion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das russische Märchen „Das Schlösschen“ hinsichtlich seiner inhaltlichen und narrativen Strukturen, um daraus methodisch-didaktische Ansätze für die praktische Erzählarbeit im Grundschulunterricht abzuleiten. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Bedeutung des freien Erzählens für die kindliche Entwicklung sowie die praktische Umsetzung von Märchenprojekten.
- Literarische Sachanalyse des Kettenmärchens „Das Schlösschen“
- Bedeutung des freien Märchenerzählens für Grundschulkinder
- Alters- und geschlechtsspezifische Aspekte bei der Rezeption
- Praktische Erprobung und Reflexion von Erzählprojekten
- Konstruktive Nutzung von Mimik, Gestik und Requisiten
Auszug aus dem Buch
2.4. Handlungsverlauf
Die Handlung des Märchens verläuft chronologisch und geradlinig, also ohne Rückblenden und Vorausdeutungen.
Das Element der Spannung ist einer der wichtigsten Faktoren innerhalb einer Geschichte. Sie bestimmt das Temperament des Märchens und ist dazu da, den Leser bzw. Zuhörer zu fesseln und zu unterhalten. Am Anfang wird das Märchen eingeführt. Man erfährt von dem Topf und das erste Einziehen der Tiere. Auffällig ist, dass die Tiere nach ihrer Größe auftreten. Dabei ist sicherlich zu diskutieren, ob der Frosch vor der Maus kommen müsste, aber mit Blick auf die Illustrationen, lässt sich feststellen, dass die Maus kleiner gezeichnet wurde als der Frosch. Die Tiere werden nach der Reihe immer größer und gefährlicher. Als der Fuchs auftritt, könnte man denken, dass er eine böse Figur verkörpert. Spätestens bei dem Wolf geht der Zuhörer davon aus, dass jetzt die Geschichte eine Wendung nimmt, auch durch dessen Aussage: „[...] hinterm Busch her pack ich dich.“ Die steigende Handlung baut immer mehr Spannung auf. Doch auch zu dem Wolf sagen die Tiere, dass er bei ihnen wohnen soll. Betrachtet man die zugehörigen Zeichnungen der Figuren, so wird deutlich, dass vom Fuchs und Wolf keine Gefahr ausgeht. Die Füchsin ist mit einem Kleid, Haarzöpfen und einem Lächeln dargestellt; der Wolf hat ein violettes langes Gewand an und läuft gebückt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Vorhaben, Märchen im Schulalltag gezielt einzusetzen, um die kindliche Entwicklung und Lesemotivation zu fördern.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel analysiert das Märchen „Das Schlösschen“ als Kettenmärchen hinsichtlich seiner Struktur, Genrezugehörigkeit, Figuren und Potenziale.
3. Methodisch- didaktische Überlegungen: Hier werden pädagogische Ansätze diskutiert, die aufzeigen, wie Erzählen als „Brücke zur Welt des Buches“ genutzt und an die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden kann.
4. Praktische Erprobungen: Das Kapitel dokumentiert die konkrete Umsetzung zweier Erzählprojekte, inklusive der detaillierten Vorbereitung und der Reflexion der persönlichen Erzählweise.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt die hohe Wirksamkeit des freien Erzählens als Mittel zur Förderung von Aufmerksamkeit und emotionaler Beteiligung bei Kindern.
Schlüsselwörter
Märchen, Erzählpädagogik, Kettenmärchen, Grundschule, Das Schlösschen, Russisches Volksmärchen, Erzählprojekt, Lesemotivation, Figurencharakteristik, Dramatischer Konflikt, Theaterpädagogik, Sprachvermittlung, Kindliche Entwicklung, Erzählstruktur, Sympathiefiguren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das russische Volksmärchen „Das Schlösschen“ unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten und prüft dessen Eignung für den Grundschulunterricht durch praktisches freies Erzählen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft eine detaillierte Sach- und Strukturanalyse des Märchens mit theaterpädagogischen Ansätzen zur Umsetzung in Erzählsituationen für Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die didaktische Relevanz des freien Märchenerzählens zu belegen und durch eigene Erprobungen praktische Methoden aufzuzeigen, wie Kinder für Geschichten begeistert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine Kombination aus literaturwissenschaftlicher Gattungsanalyse (Sachanalyse) und forschendem Lernen im Rahmen von eigenen pädagogischen Erzählprojekten (Praxisreflexion) genutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die textnahe Analyse des Märchens, die methodisch-didaktische Herleitung der Erzählbedeutung und die Auswertung konkreter Erzählsituationen in Bibliotheken.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Märchen, Erzählpädagogik, Kettenmärchen, Grundschule, Erzählprojekt und Lesemotivation stehen im Zentrum der Untersuchung.
Welche Rolle spielt der Bär in der Analyse des Märchens „Das Schlösschen“?
Der Bär fungiert als Kontrastfigur und Wendepunkt. Während alle anderen Tiere harmonisch zusammenleben, zerstört der Bär das „Schlösschen“ und beendet die Harmonie, was als Leerstelle hinsichtlich seiner Motivation interpretiert wird.
Warum ist das freie Erzählen laut Autorin/Autor besonders für Grundschüler wichtig?
Das freie Erzählen baut eine unmittelbare Brücke in die Welt der Geschichten, fördert Konzentration, Merkfähigkeit und Teamgeist und bietet einen emotionalen Zugang, den reines Vorlesen nicht im gleichen Maße erreicht.
- Citation du texte
- Trine Wenzel (Auteur), 2014, Das russische Märchen "Das Schlösschen". Sach- und Sinnpotential, Methodik, Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294664