In der vorliegenden Diplomarbeit wurde dargestellt, wie sich die Arbeits- und Sozialbeziehungen zwischen Zeitarbeitskräften und Mitgliedern der Stammbelegschaft gestalten bzw. gestaltet werden. Die Befragung konzentrierte sich neben den Experteninterviews auf die Belegschaft zweier unterschiedlicher Produktionsbauten in einem Linzer Chemiebetrieb. Anfangs wurde die Entwicklung der atypischen Beschäftigungsverhältnisse und der Zeitarbeit gezeigt und ausgewählte Studien zu diesem Themengebiet vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
1.1 Ziel der vorliegenden Diplomarbeit
1.2 Überblick über die Arbeit
2. Methodisches Vorgehen
2.1 Die Fallstudie
2.2 Die Wahl des zu untersuchenden Betriebes
2.3 Der untersuchte Betrieb
2.4 Durchführung der Studie
2.5 Methodik und Auswertung
2.6 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
2.7 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring am Analysematerial
2.8 Zusammenfassung
3. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes: Erosion der Normalarbeitsverhältnisse?
3.1 Segmentationstheoretische Perspektive
3.1.1 Horizontale und vertikale Arbeitsmarktsegmentation
3.1.2 Erklärungen zur Ausbreitung von externen Arbeitsmärkten
3.2 Insider und Outsider
3.2.1 Die Insider-Outsider-Theorie
3.2.2 Die Insider-Outsider-Debatte aus soziologischer Perspektive
3.3 Synthese aus Segmentationstheorie und Insider-Outsider-Ansatz
3.4 Eigene Adaption zur Segmentationstheorie und Insider-Outsider-Ansatz
3.5 Zusammenfassung
4. Die Entwicklung der Zeitarbeit am flexiblen Arbeitsmarkt
4.1 Einleitung
4.2 Die internationale Entwicklung der Zeitarbeit
4.3 Die Entwicklung der Zeitarbeit in Österreich
4.4 Nutzungsstrategien von Zeitarbeit
4.5 Vor- und Nachteile von Zeitarbeit aus der Sicht von ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen
4.6 Typologien von ZeitarbeiterInnen
4.7 Typologien von Nutzerbetrieben
4.8 Zusammenfassung
5. Nutzung und Integration der Arbeitskräfteüberlassung im untersuchten Betrieb
5.1 Nutzung von Arbeitskräfteüberlassung im Fallbetrieb
5.2 Integration und Arbeitsqualität von Zeitarbeitern
5.3 Identifikation von Zeitarbeitskräften mit dem Beschäftigerbetrieb
5.4 Zusammenfassung
6. Arbeits- und Sozialbeziehungen zwischen Zeitarbeitskräften und Stammarbeitnehmern
6.1 Spannungen und Konflikte zwischen den Belegschaftsgruppen
6.2 Benachteiligung von Zeitarbeitern im Fallbetrieb
6.3 Wahrnehmung von Zeitarbeitern durch die Festangestellten
6.4 Zusammenfassung
7. Eintracht oder Zwietracht? Die „Chemie“ zwischen den Belegschaftsgruppen
7.1 Arbeits- und Sozialbeziehungen von Zeitarbeitern und Festangestellten
7.1.1 Gestaltungseinflüsse der Makroebene
7.1.2 Gestaltungseinflüsse der Mesoebene
7.1.3 Gestaltungseinflüsse der Mikroebene
7.2 Aspekte des Binnenverhältnisses zwischen den Belegschaftsgruppen
7.2.1 Spannungen und Konflikte
7.2.2 Identifikation von Zeitarbeitskräften und Festangestellten mit dem Unternehmen
7.2.3 Benachteiligung von Zeitarbeitskräften
7.2.4 Wahrnehmung von Zeitarbeitskräften
7.3 Zeitarbeiter im Fallbetrieb: multiple Benachteiligung und Übernahmewille
7.3.1 Spannungsherde aufgrund multipler Benachteiligung von Zeitarbeitskräften
7.3.2 Übernahmewille von Zeitarbeitskräften im Fallbetrieb
7.4 Zusammenfassung
8. Schlussbetrachtung
8.1 Zusammenfassung der Arbeit
8.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Arbeits- und Sozialbeziehungen zwischen Stammarbeitnehmern und Zeitarbeitskräften in einem Linzer Chemieunternehmen. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Belegschaftsgruppen zu gewinnen, um die Forschungsfrage zu beantworten: "Wie gestalten sich die Arbeits- und Sozialbeziehungen von Zeitarbeitern und Stammarbeitnehmern?"
- Analyse der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und Erosion der Normalarbeitsverhältnisse.
- Untersuchung der Entwicklung und Nutzungsstrategien von Zeitarbeit in der Chemiebranche.
- Identifikation von Spannungsfeldern, Konflikten und Benachteiligungsmechanismen im betrieblichen Alltag.
- Betrachtung der wechselseitigen Wahrnehmung und Identifikation mit dem Betrieb.
- Evaluation des Übernahmewillens von Zeitarbeitskräften in das Stammpersonal.
Auszug aus dem Buch
7.1.1 Gestaltungseinflüsse der Makroebene
Der Einfluss der Makroebene auf die Arbeits- und Sozialbeziehungen von Festangestellten und Zeitarbeitern ist indirekt – aber deutlich spürbar. Zur Makroebene zählen externe Faktoren wie rechtliche Rahmenbedingungen und Aspekte des Arbeitsmarktes. Der Einfluss ist deshalb indirekt, weil beispielsweise eine konjunkturbedingte Marktschwankung nicht direkt zur Verminderung der Fremdfirmenmitarbeiter führt, sondern eine Folge davon sein kann. Trotz der versuchten Gleichberechtigung von Stamm- und Zeitarbeitskräften in der österreichischen Rechtslandschaft wird von einer „beachtenswerter Kluft zwischen Normalarbeitsverhältnissen und Leiharbeitsverhältnissen“ (Sacherer in Schapler, 2008, S. 21) gesprochen. Wie aus der empirischen Untersuchung hervorgeht erzeugen die schlechteren rechtlichen Rahmenbedingungen der überlassenen Arbeitskräfte eine Disparität zwischen den Beschäftigtengruppen. Hauptsächlich spielen dabei die fehlende Beschäftigungssicherheit und die Möglichkeit, einen Zeitarbeitnehmer jederzeit zum Verleiher zurückzusenden eine tragende Rolle. Letzteres führt meist zum endgültigen Jobverlust für den Betroffenen. Aspekte des Arbeitsmarktes wie Marktschwankungen und nachfragebedingte Produktionsrückgänge wirken sich in Form von Personalreduktion im Beschäftigerbetrieb auf die Fremdfirmenmitarbeiter aus. Die im Fallbetrieb befragten Zeitarbeiter und ehemaligen Zeitarbeiter kennen diese Problematik. Überlassene Arbeitskräfte, wie die Zeitarbeitnehmer im untersuchten Betrieb, die kaum eine Beschäftigungssicherheit aufweisen und dadurch schlechteren rechtlichen Rahmenbedingen ausgesetzt sind, gelten, wie Zillian (2004, S. 17ff) zeigt, als Outsider, die einer prekären Beschäftigung nachgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Einführung in die Thematik der Flexibilisierung und Definition der Problemstellung sowie Zielsetzung der Diplomarbeit.
2. Methodisches Vorgehen: Beschreibung der gewählten qualitativen Fallstudienmethodik, der Auswahl des Fallbetriebs sowie der Instrumente zur Datenerhebung und Auswertung.
3. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes: Erosion der Normalarbeitsverhältnisse?: Theoretische Fundierung durch Segmentationstheorie und den Insider-Outsider-Ansatz zur Analyse von Arbeitsmarktstrukturen.
4. Die Entwicklung der Zeitarbeit am flexiblen Arbeitsmarkt: Historische und internationale Einordnung der Zeitarbeit, ihrer Entwicklung in Österreich sowie Typologien von Zeitarbeitnehmern und Nutzerbetrieben.
5. Nutzung und Integration der Arbeitskräfteüberlassung im untersuchten Betrieb: Empirische Untersuchung der Nutzungsstrategien von Zeitarbeit sowie der Integration von Zeitarbeitskräften im untersuchten Chemiebetrieb.
6. Arbeits- und Sozialbeziehungen zwischen Zeitarbeitskräften und Stammarbeitnehmern: Analyse der Spannungen, Konflikte und der gegenseitigen Wahrnehmung der Beschäftigtengruppen.
7. Eintracht oder Zwietracht? Die „Chemie“ zwischen den Belegschaftsgruppen: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Gestaltungseinflüsse auf verschiedenen Ebenen und Diskussion des Übernahmewillens.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung sowie weiterer Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Zeitarbeit, Arbeitskräfteüberlassung, Arbeits- und Sozialbeziehungen, Chemiebranche, Fallstudie, Normalarbeitsverhältnis, Atypische Beschäftigung, Segmentationstheorie, Insider-Outsider-Theorie, Stammbelegschaft, Randbelegschaft, Betriebliche Integration, Arbeitsmarktsegmentation, Betriebsvereinbarung, Arbeitsplatzsicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Arbeits- und Sozialbeziehungen zwischen Zeitarbeitskräften und der Stammbelegschaft in einem Linzer Chemieunternehmen, um ein tieferes Verständnis für Konflikte und Integrationsprozesse zu erlangen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, die Rolle von Zeitarbeit als atypische Beschäftigungsform, die Auswirkungen der Arbeitsmarktsegmentation sowie die Identifikation und das Konfliktpotenzial zwischen verschiedenen Belegschaftsgruppen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Analyse der zweiseitigen Arbeits- und Sozialbeziehungen. Die Forschungsfrage lautet: "Wie gestalten sich die Arbeits- und Sozialbeziehungen von Zeitarbeitern und Stammarbeitnehmern?"
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine qualitative Betriebsfallstudie durchgeführt. Diese umfasst leitfadengestützte Interviews mit zehn Beschäftigten und zwei Experten sowie eine Dokumentenanalyse der internen Arbeiterzeitung und von Betriebsvereinbarungen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte (Segmentationstheorie, Insider-Outsider), beschreibt die Entwicklung der Zeitarbeit, untersucht die spezifische Nutzung im Betrieb und dokumentiert die empirisch gefundenen Spannungsfelder und Konfliktarten im Arbeitsalltag.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Arbeitskräfteüberlassung, Insider-Outsider-Theorie, Stammbelegschaft, prekäre Beschäftigung, Betriebskultur und Arbeitsmarktsegmentation charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Situation in den verschiedenen Produktionsbauten des Unternehmens?
Der Anlagentyp ist entscheidend: In der Monoanlage (Bau A) ist eine bessere Integration und höheres Qualifikationsspektrum möglich, während in der Mehrzweckanlage (Bau B) durch schnellen Produktwechsel oft nur Hilfstätigkeiten für Zeitarbeiter anfallen, was zu stärkeren Abgrenzungen führt.
Welche Rolle spielt die Schichtführung bei den Arbeitsbeziehungen?
Die Schichtführung ist der zentrale Gestalter der sozialen Prozesse auf Mikroebene. Sie entscheidet über die Einteilung der Arbeitspositionen und beeinflusst durch ihre Einstellung und soziale Kompetenz massiv, ob Zeitarbeitskräfte als gleichwertige Kollegen oder als minderwertige Hilfskräfte wahrgenommen werden.
Was ist das Ergebnis bezüglich des Übernahmewillens?
Es zeigt sich ein starker Übernahmewille bei den Zeitarbeitskräften, da der Status als "Outsider" mit Nachteilen verbunden ist. Dies wird durch die hohe Anzahl an Mitarbeitern in Chemieverfahrenstechnikerkursen unterstrichen, die eine Brücke ins Stammpersonal bilden.
Wie bewerten die befragten Personen das Verhältnis zwischen den Gruppen?
Während der Betriebsrat das Verhältnis oft eher positiv ("gut") bewertet, berichten die Beschäftigten von einer "Kluft" zwischen Eigen- und Fremdpersonal, die vor allem durch die ungleiche Verteilung von Aufgaben und Beschäftigungssicherheit gespeist wird.
- Citar trabajo
- Wolfgang Daspelgruber (Autor), 2013, Arbeits- und Sozialbeziehungen zwischen Zeitarbeitern und Festangestellten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294783