Die relationale Funktion der Modalpartikel ,wohl'. Ein Ergebnis der Grammatikalisierung oder Pragmatikalisierung?


Hausarbeit, 2014

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Modalpartikeln. Erste Abgrenzung und Annäherung an ihre Funktion

3. Grammatikalisierung und Pragmatikalisierung - erste Bestimmung der Begrifflichkeiten

4. Die Grammatikalisierung von Modalpartikeln

5. Die relationale Funktion der Modalpartikel wohl

5. Zusammenfassung der Ergebnisse

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ausgehend von der Arbeit von Weydt 1969 haben die Modalpartikeln[1] das Interesse der Sprachwissenschaft geweckt. Lange wurden sie als überflüssige „Würzwörter“ und „Zaunkönige und Läuse im Pelz der Sprache“ bezeichnet (Eisenberg 1995: 206), die keine oder nur eine umstrittene grammatische Funktion innehaben. Mit dieser Arbeit möchte ich erarbeiten, ob die MPn eine grammatische, also eine relationale Funktion haben und herausstellen, wie diese aussieht. Dazu werde ich zunächst eine erste Annäherung an die Wortklasse der MPn und ihre Funktionen vornehmen. Die grammatische Funktion der MPn ist im Zusammenhang mit dem Prozess der Grammatikalisierung zu erwähnen, da innerhalb dieses Prozesses aus lexikalischen Elementen Grammeme werden (vgl. Autenrieth 2005:309). Allerdings ist in der Forschung ebenfalls umstritten, ob die MPn ein Ergebnis der Grammatikalisierung oder der Pragmatikalisierung sind. Dazu werde ich eine überblickhafte Darstellung der beiden Sprachwandelprozesse geben. Bei dieser Darstellung beziehe ich mich hauptsächlich auf die Arbeiten von Diewald (1997; 2011a; 2011b). Auf der Suche nach Literatur zu dieser Thematik ist auffällig, dass sie in den letzten Jahren häufig bearbeitet wurde und dass besonders viele englischsprachige Aufsätze publiziert wurden. Diese Tatsache lässt auf internationales Interesse bezüglich der Frage, ob es sich bei der Entwicklung der MPn um Grammatikalisierung oder Pragmatikalisierung handelt, schließen. Anschließend werde ich meinen Fokus auf die Entwicklung der relationalen Funktion der MP wohl legen und nicht auf die Veränderungen der referentiell semantischen, morphologischen und phonologischen Merkmale dieser MP. Allerdings werde ich im Zusammenhang mit der grammatischen Funktion auch die abstrakte semantische Bedeutung der MP mitbearbeiten. Um diese Entwicklung zu veranschaulichen werde ich mich auf das Modell von Traugott (1988), welches die semantischen Tendenzen beschreibt beziehen und zusätzlich das Kontextmodell von Diewald (2009b) und das Modell der semantischen Ebenen von Blühdorn (2005) hinzuziehen.

Ich werde die funktionale Entwicklung anhand von Beispielen aus der dramatischen Literatur, ergänzt durch eigens erdachte, bearbeiten. Ich habe diese Art von Literatur gewählt, da sie Nähe zur gesprochenen Sprache aufweist, indem sie diese simuliert (vgl. Nübling 2010: 154). Mit der Literatur decke ich in etwa den Zeitraum von 1770- 1980 ab. Ich werde mich auf Passagen aus den Werken Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang von Goethe, Kabale und Liebe von Friedrich Schiller, Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist und Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame beziehen.

2. Die Modalpartikeln. Erste Abgrenzung und Annäherung an ihre Funktion

Die Modalpartikeln gehören zu den unflektierbaren Wortarten. Sie dienen dazu, die Einstellung des Sprechers zum Gesagten zu kennzeichnen und beziehen sich somit auf den ganzen Satz bzw. den ganzen Redebeitrag (Diewald 2009a:117). In anderen Wortklassen existieren Heteroseme zu den Modalpartikeln, wie etwa Konjunktionen, Modalpartikeln, Adverbien und Adjektive. Ihre Eigenschaft der Nichtsatzgliedfähigkeit trennt sie jedoch von diesen. MPn können weder ein Satzglied noch eine Phrase bilden (Diewald 2009a:125). Da sie an die Position im Mittelfeld gebunden sind, sind sie auch nicht erststellenfähig. In der Forschung herrscht Konsens darüber, dass die MPn zwar innerhalb des Mittelfeldes verschiedene Positionen einnehmen können, aber typischerweise vor dem Rhema und nach pronominalen Elementen stehen. Die meisten MPn sind affin zu bestimmten Satzarten, Satzmodi oder Strukturtypen. Die zu behandelnde MP wohl zum Beispiel weist eine Affinität zu Fragesätzen auf, allerdings kann sie auch in Aussagesätzen vorkommen. Im Gegensatz zu Inhaltswörtern haben MPn keine referentielle Semantik und sind somit sogenannte Synsemantika. Waltereit (2006:8) erachtet die semantische Beschreibung der MPn für schwierig, da sie in hohem Maße kontextabhängig sind. Wie oben schon erwähnt, erstreckt sich der Skopus der MPn mindestens über den ganzen Satz und zumeist über die gesamte Äußerung (Diewald 2009a:126f.). Die allgemeine Funktion der MPn ist es, eine bestimmte Einstellung des Sprechers auszudrücken. Sie werden auch dazu genutzt, um Mitteilungen als bekannt, unerwartet oder erwartet einzuschätzen. Dadurch, dass sie Sprechakte hervorheben, verstärken oder abschwächen, regeln sie auch die Beziehung zwischen den Kommunikationsteilnehmern (Schwitalla 2012:154).

In der Forschung ist die grammatische Funktion der MPn umstritten. Ickler beschreibt ihre Funktion als einen „Kommentar, der die logische und rhetorische Einordnung der Äußerung in den Kommunikationszusammenhang betrifft“ (Ickler 1994:404). Eisenberg (1995:206) behauptet, dass die MPn den Inhalt des Satzes auf die Sprechsituation beziehen. Nach Gelhaus (1995:371) Ansicht drückt der Sprecher mithilfe der MPn eine Annahme, Erwartung oder eine subjektive Einstellung aus, und zwar in der Absicht, dass der Hörer sie teilt. Er erweitert die Funktion noch, indem er hinzufügt, dass mit den MPn auch Bezug auf vorausgegangene Äußerungen genommen werden kann und dass Zustimmung, Ablehnung, Einschränkung, Erstaunen und Interesse bekundet werden können. Helbig/ Buscha (1986: 476) bezeichnen MPn als Indikatoren für bestimmte Sprechhandlungen, die auch dazu dienen können, Äußerungen im konversationellen Kontext zu verankern. Außerdem kann der Sprecher den Redebeitrag in seinem Sinne modifizieren und „die Äußerung und den Sprechakt auf die Gegebenheiten der Interaktion beziehen“.

Aus diesen Definitionen filtert Diewald (1997:77) den abstrakten relationalen Gehalt der MPn als ihr gemeinsames Merkmal heraus. In diesem abstrakten relationalen Gehalt sieht sie die grammatische relationale Funktion der MPn. Die Relationen erstrecken sich jedoch weder über syntaktische, noch eindeutig deiktische Bereiche. Sie verbinden also ebenso wenig Teilsätze oder Satzglieder, wie sie temporale oder lokale Beziehungen zwischen Zeichenbenutzer und Sachverhaltsdarstellung ausdrücken (Diewald 1997:77). Auch Abraham (1991:331) sieht die MPn als eine homogene grammatische Klasse von Wörtern an.

Weydt (2006:206) plädiert für einen semantischen Inhalt der MPn, der in Verbindung mit anderen Elementen der Äußerung zum Ausdruck kommt. Nach seiner Ansicht nutzen Sprecher die Partikeln als ein Instrument der kommunikativen Kooperation, indem sie ihre aktuellen Absichten klarstellen, oder die Äußerung ihrer Funktion zuordnen. Mit der Nutzung von MPn drücken Sprecher Kooperationsbereitschaft aus und werden eher als freundlich, sozial und kontaktfreudig wahrgenommen (Weydt 2006:215). Zur Semantik der MPn stellt Weydt sieben Thesen auf, mit denen er der Idee, MPn wären bedeutungslos, semantisch abgeschwächt und hätten nur eine verstärkende Funktion, widerspricht (vgl. Weydt 2006: 208-212).

I. Jede Partikel hat eine Bedeutung.
II. MPn haben nicht die Funktion, Äußerungen abzutönen.
III. Auch wenn MPn als Gliederungssignale oder Diskursmarker gebraucht werden behalten sie ihre primäre Bedeutung.
IV. Jede Partikel hat eine konstante Grundbedeutung.
V. Die Grundbedeutung kann dem Kontext entsprechend abwechslungsreich sein.
VI. Eine Unterscheidung zwischen der Grundbedeutung und der pragmatischen Bedeutung ist notwendig.
VII. Austauschbare Partikel können in ihrer Bedeutung abweichen.

Auch Moroni (2010) schreibt den MPn eine abstrakte Semantik zu, allerdings spricht sie in ihrem Fall nicht von einer konstanten Grundbedeutung. Ihrer Ansicht nach operieren die MPn auf einer semantischen Ebene, auf der bereits über den Wahrheitswert entschieden wurde, da sie diesen nicht modifizieren. Sie nimmt für die Beschreibung das Modell von Blühdorn (2005) zur Hilfe, welches an späterer Stelle auf die MP wohl angewandt wird (Moroni 2010: 10f.).

3. Grammatikalisierung und Pragmatikalisierung - erste Bestimmung der Begrifflichkeiten

Allgemein wird unter Grammatikalisierung ein Prozess verstanden, bei dem ein autonomes Lexem zu einem grammatischen Element wird, oder ein weniger grammatisches Zeichen noch grammatischer wird (Autenrieth 2005:309). Hierbei herrscht das Prinzip der Unidirektionalität, welches festlegt, dass der Prozess immer nur in eine Richtung, also von konkreten lexikalischen Zeichen zu abstrakten grammatischen Elementen verläuft (Nübling 2010:227).

Grammatikalisierung besteht jedoch nicht aus einem einzigen Vorgang, sondern aus verschiedenen interaktiven Prozessen (Diewald 2011a:451). Diese Prozesse lassen sich anhand der Parameter von Lehmann (1995:123) beschreiben. Dabei ist festzustellen, dass sich das Autonomieverhalten der Sprachzeichen antiproportional zu ihrem Grammatikalisierungsgrad verhält (Szcezepaniak 2009:19). Lehmann unterscheidet die Autonomie eines Zeichens in drei Dimensionen. Das Gewicht, die Kohäsion und die Variabilität. Um das Autonomieverhalten konkreter beschreiben zu können, zieht er zusätzlich die paradigmatische und die syntagmatische Zeichenbeziehung heran. Jedes autonome sprachliche Zeichen besitzt semantisches und formales Gewicht, welches mit fortschreitender Grammatikalisierung reduziert wird. Nun im Status eines grammatischen Zeichens ist dieses kürzer und hat einen minimalen semantischen Gehalt. Die Kohäsion betrifft die Relation zu anderen Zeichen (Diewald 1997:22). Je enger diese wird, desto mehr verliert das Zeichen seine Autonomie. Befindet ein Zeichen sich noch in seinem autonomen Status ist es sehr variabel. Es kann frei gewählt oder durch Zeichen mit einer ähnlichen Semantik, wie seinen Synonymen oder Lexemen aus demselben Wortfeld, ersetzt werden. Mit zunehmender Grammatikalisierung wird das Zeichen obligatorisiert (Szcezepaniak 2009:19-21). Anhand dieser Parameter lassen sich folgende charakteristische Prozesse innerhalb der Grammatikalisierung feststellen: Die semantische und phonologische Abnutzung eines Zeichens, seine zunehmende Gebundenheit an eine Wortart oder die Bildung einer neuen syntaktischen Klasse, also die Paradigmatisierung. Von einer Kondensation ist zu sprechen, wenn der Skopus auf einzelne Wörter oder Wortstämme reduziert wird. Ein Zeichen entwickelt Obligatorizität, indem es seine Variabilität verliert. Die „Tendenz vom Status eines freien Morphems zu dem eines gebundenen Morphems“ wird als Koaleszenz bezeichnet. Statt der freien Wortstellungsmöglichkeit erhält das Zeichen im Laufe der Grammatikalisierung eine feste Position im Satz (Autenrieth 2005:312). Diese Kombinierung und Serialisierung von mehreren Prozessen und Entwicklungstufen ist ein wichtiges Merkmal der Grammatikalisierung (Diewald 2011a:452). Sie ist ein vielschichtiger, komplexer Prozess, der aus einer Anzahl von interaktiven semantischen, syntaktischen und phonologischen Prozessen besteht (Diewald 2011b:366).

Das Ziel von Grammatikalisierung ist die Grammatik. Diese wird als Basis vorausgesetzt, aber nicht explizit erklärt. Dieser Mangel an einer Definition für die grundlegende Konzeption von Grammatik ist unter anderem ein Grund dafür, dass die Abgrenzung zwischen Grammatikalisierung und Pragmatikalisierung so schwierig ist. Übereinstimmung bezüglich der Zuordnung zur Grammatik herrscht darin, dass Obligatorizität, paradigmatische Integrität und relationale Bedeutung essentiell für sie sind (Diewald 2011a:453). Die relationale Struktur ist für die grammatische Kategorie besonders relevant, da sie deren gemeinsame Kernfunktion oder Grundbedeutung bilden (Diewald 2011b:369). Diewald (2011a) unterscheidet drei Typen der relationalen Struktur, die relevant für die grammatische Bedeutung sind. Der erste Typ ist die deiktisch relevante Struktur. Innerhalb dieser Struktur verweist das Sprachzeichen auf die deiktische Origo und verbindet so das erzählte Ereignis mit der kommunikativen Situation. Es wird eine Relation zwischen der aktuellen Sprechsituation, der Origo und der sprachlichen Äußerung geschaffen. Die beiden anderen Strukturtypen werden als indexikalische Relationen verstanden, die von der deiktischen Relation abgeleitet werden und auf die syntagmatische und Paradigmatische Ebene von Sprachstruktur übertragen werden. In der syntagmatisch interpretierten relationalen Struktur verweist das Sprachzeichen auf Objekte in einem sprachlichen Paradigma. Es werden syntagmatische Beziehungen innerhalb der sprachlichen Ebene gegründet. Diese Relation dominiert in Ausdrücken für textuelle Bedeutung oder Funktion, wie etwa anaphorische, konjunktive und subjunktive Relationen. Die paradigmatisch interpretierte relationale Struktur kodiert inter- paradigmatische Gegensätze, indem das Sprachzeichen auf unmarkierte Werte eines Paradigmas verweist (Diewald 2011a: 458f.; 460f.). Für die Grammatikalisierung von MPn ist die syntagmatisch interpretierte Struktur von besonderer Bedeutung, wie im nächsten Kapitel gezeigt wird.

In der heutigen Grammatikalisierungsforschung wird die Kontext- bzw. die Konstruktionsgebundenheit innerhalb des Prozesses mitberücksichtigt (Diewald 2009b: 453). Die Grammatikalisierung betrifft nicht nur ein Wort, sondern eine ganze Konstruktion, welche sowohl die Quelle als auch das Ergebnis des Prozesses ist (Traugott 2008a: 220f.). Wiemer/ Biesang schlussfolgern, dass, wenn eine Konstruktion eine eigene Bedeutung hat, sie somit grammatisches Potenzial aufweist und deshalb in der Lage ist, eine grammatische Kategorie zu bilden (Wiemer/ Biesang 2004: 9).

Diewald (2009b) stellt ein vierstufiges Kontextmodell auf, mithilfe dessen man insbesondere die Grammatikalisierung von MPn angemessen beschreiben kann. Die erste Stufe bildet die Vorbedingung zur Grammatikalisierung. Das Sprachzeichen tritt nun in einem untypischen Kontext auf und erfüllt die Funktion einer konversationellen Implikatur (Diewald 2009b: 453). Diese Auffassung korrespondiert mit Traugotts „Invited Inference Theory of Semantic Change“ (Traugott 2002a), welche besagt, dass Grammatikalisierung dann beginnt, wenn aus einer Konstruktion, die in einem spezifischen Kontext gebraucht wird, eine konversationelle Implikatur entsteht (Nicolle 2011: 402). Auf der zweiten Stufe wird die Grammatikalisierung ausgelöst. Diewald spricht an dieser Stelle von einem kritischen Kontext. Die Interpretation der Konstruktion wird nun in Richtung der neuen grammatischen Funktion gelenkt (Diewald 2009b: 453). Der kritische Kontext basiert auf Heines (2002) Brückenkontext. Innerhalb dessen ist neben der ursprünglichen konkreten Bedeutung auch eine zusätzliche reduzierte Bedeutung möglich (Szcezepaniak 2009: 12). Die Reorganisation und Differenzierung einer Konstruktion wird auf der dritten Stufe vorgenommen

Als Pragmatikalisierung wird die Art von Sprachwandel angesehen, die zu der Entwicklung von Dikursmarkern und MPn führt. Diese organisieren, strukturieren und kontextualisieren ein Gespräch (Günthner/ Mutz 2004: 98). Der Begriff der Pragmatikalisierung wird an der Stelle bedeutsam, wenn eine Abgrenzung von Grammatikalisierung und Subjektivierung problematisch ist. Die Subjektivierung ist ein Fall von semantischem Wandel, der zu Bedeutungen führt, die auf subjektiven Einstellungen des Sprechers zu einem Inhalt basieren. Eine enge Verbindung zur Pragmatik ist somit gegeben. Diese Art von semantischem Wandel ist eine Komponente der Grammatikalisierung, aber beide Prozesse sind nicht identisch. Sie können parallel zueinander auftreten, müssen es aber nicht (Diewald 2011b: 373).

Einige Autoren verlangen eine scharfen Trennung von Grammatikalisierung und Pragmatikalisierung und stellen in der diachronen Entwicklung von Diskursmarkern und MPn einen Widerspruch zur Grammatikalisierung fest, obwohl sich deren Entwicklung in mehreren formalen und semantischen Aspekten nicht von standardisierten Grammatikalisierungprozessen unterscheidet (Diewald 2011a: 454). Aijmer (1997: 2) plädiert für eine Trennung der beiden Prozesse. Sie argumentiert damit, dass Grammatikalisierung die Ableitung grammatischer Formen und Konstruktionen von Wörtern und lexikalischen Strukturen betreffe, die Pragmatikalisierung hingegen die Einstellung des Sprechers zum Hörer. Noch ein Punkt für die Trennung dieser beiden Prozesse ist die Tatsache, dass pragmatische Bedeutung nicht als ein Teil der Grammatik angesehen wird. Eine weitere Grenzziehung erfolgt also zwischen grammatischer und pragmatischer Funktion (Diewald 2011a: 454).

In der heutigen Forschung verbreitet sich der Verdacht, Grammatikalisierung und Pragmatikalisierung seien vielleicht doch nicht so unterschiedlich, wie zuerst angenommen wurde. Diewald ist der Ansicht, dass beide Prozesse auf relevante Weise zusammenhängen (Diewald 2011a: 450). Es wird zunehmend davon ausgegangen, die Grammatikalisierung werde von außersprachlichen Faktoren motiviert, besonders von der Interaktion zwischen Hörer und Sprecher und der Beziehung zwischen Sprache und dem Kontext, in dem sie auftritt. Diese Faktoren gehören zur Domäne der Pragmatik (Nicolle 2011: 401). Einige Autoren verstehen die Pragmatik als „Motor“ der Grammatikalisierung (vgl. Wiemer/ Biesang 2004: 10).

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die relationale Funktion der Modalpartikel ,wohl'. Ein Ergebnis der Grammatikalisierung oder Pragmatikalisierung?
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Proseminar: Inhalts- und Funktionswörter
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V295026
ISBN (eBook)
9783656927839
ISBN (Buch)
9783656927846
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Linguistik, Modalpartikel, wohl, Grammatikalisierung, Pragmatikalisierung
Arbeit zitieren
Angela Krebil (Autor), 2014, Die relationale Funktion der Modalpartikel ,wohl'. Ein Ergebnis der Grammatikalisierung oder Pragmatikalisierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295026

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