Interkultureller Vergleich von Frauenbildern zwischen Schweden und Deutschland


Hausarbeit, 2014
20 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Grundlagen
2.1 Frauenbild
2.2 Kultur und Interkulturalität

3. Die GLOBE Studie
3.1 Darstellung der GLOBE Studie
3.2 Aufbau der GLOBE Studie
3.3 Daten Auswertung

4. Weitere sozialpolitische Rahmenbedingungen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ergebnisse der Dimension Selbstbewusstsein

Tabelle 2: Ergebnisse der Dimension Unsicherheitsvermeidung

Tabelle 3: Ergebnisse der Dimension Machtdistanz

Tabelle 4: Ergebnisse der Dimension Zukunftsorientierung

Tabelle 5: Ergebnisse der Dimension Leistungsorientierung

Tabelle 6: Ergebnisse der Dimension Institutioneller Kollektivismus

Tabelle 7: Ergebnisse der Dimension Gruppen Kollektivismus

Tabelle 8: Ergebnisse der Dimension Menschlichkeitsorientierung

Tabelle 9: Ergebnisse der Dimension Geschlechtergleichheit

1. Einleitung

Das Frauenbild hat sich seit den 70er Jahren gewandelt. Bedingt durch die Frauenbewegung, rückte der Wunsch nach beruflicher Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den Vordergrund. Die Emanzipation der Frauen hat viel erreicht, allerdings ist die Geschlechtergleichheit noch lange nicht abgeschlossen. So begünstigt bspw. die deutsche Steuerpolitik weiterhin das traditionelle Rollenmodell durch die Reglung zum Ehegattensplitting.1 Dies ist u.a. ein Grund, weshalb Frauen in Deutschland auch heute noch vor der Frage: „Kind oder Karriere?“ stehen. Eine Entscheidung gegen die Karriere (oder anstatt der Erwerbstätigkeit) hat entscheidenden Einfluss auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Ein europäischer Vergleich zeigt, dass teilzeitbeschäftigte Frauen in Deutschland die kürzeste Arbeitszeit haben. Hier „liegt ein beträchtliches Arbeitskräftepotenzial brach“. 2

Aber wie gehen eigentlich andere europäische Länder mit der Problematik um? Als Vorbild in Sachen Gleichstellung von Mann und Frau dient oft Schweden. Hier scheint es zu gelingen die Familie in das gesellschaftliche Leben einzufügen.

Es soll in der vorliegenden Hausarbeit versucht werden, folgende Fragen zu klären:

Existieren innerhalb der EU tatsächlich unterschiedliche Frauenbilder?

Warum sind die Frauenbilder und die Kulturen der Länder so verschieden?

Welche Rolle spielen andere sozialpolitische Faktoren?

Die Hausarbeit gliedert sich folgendermaßen: zunächst erfolgen Definitorische Grundlagen. Einen Ansatzpunkt zur Erklärung von Unterschieden zwischen Kulturen liefern Kulturstudien. So wird deshalb im darauffolgenden Kapitel beschrieben, wie die größte kulturvergleichende Studie GLOBE erste Grundlagen zur Erklärung schaffen kann. Danach erfolgen ein Vergleich und eine Analyse der GLOBE Ergebnisse der Länder Deutschland und Schweden. Anschließend wird dazu auf weitere sozialpolitische Elemente eingegangen um die Hausarbeit dann mit einem Fazit zu beenden.

2. Definitorische Grundlagen

2.1 Frauenbild

Dahrendorf legt den Begriff der soziale Rolle folgendermaßen aus: „Soziale Rollen bezeichnen Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen, die von zweierlei Art sein können: einmal Ansprüche an das Verhalten der Träger von Positionen (Rollenverhalten), zum anderen Ansprüche an sein Aussehen und seinen Charakter (Rollenattribute)“.3 Erwartungen, die bspw. die Gesellschaft an einen Rolleninhaber hat, beeinflussen den Handlungsspielraum der Entscheidungen. 4

Im Rahmen der Hausarbeit soll der Begriff Frauenbild als die Gesamtheit von Verhaltensweisen gelten, die in einer Kultur für eine Frau als charakteristisch gelten. Darüber hinaus wird der Begriff Frauenrolle und Frauenbild synonym verwendet.

2.2 Kultur und Interkulturalität

In der Literatur finden sich umfassende Interpretationen zu den beiden Begriffen. So haben Kroeber/ Kluckholm 164 verschiedene Bezeichnung für Kultur ausgearbeitet.5

Die Kommunikation ist z.B. ein Aspekt, der für Kultur als bezeichnend gilt. So beschreibt Edward T. Hall treffend: “Culture is communication and communication is culture”.6

Geert Hofstede, nennt Kultur “the collective programming of the mind which distinguishes the members of one human group from another'”.7 Trotz dieser eher negativen Abhängigkeit, die den Menschen unterstellt wird, setze sich Hofstede mit den Forschungen über Kulturdimensionen durch. Er ermittelte die Kennzeichen einer Kultur und den Zusammenhang zwischen nationalen Kulturen und Unternehmenskulturen. Hierbei verfasste er fünf Dimensionen zur Beschreibung: Individualismus vs. Kollektivismus, Machtdistanz, Unsicherheits-Vermeidung, Maskulinität vs. Feminintät, sowie die langfristige vs. kurzfristige Orientierung.8

Im Zusammenhang dieser Hausarbeit wird Kultur jedoch im Sinne von Niedermann verstanden. Alles was der Mensch selbst gestaltend für die Gemeinschaft hervorbringt, wie z.B. Technik, Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft, ist Kultur. 9

Was die Interkulturalität betrifft, erklärt z.B. Alexander Thomas in seinem Modell die kulturelle Überschneidungssituation. Es entsteht das Interkulturelle, wenn in einer kulturellen Überschneidungssituation die Eigenekultur und die Fremdkultur aufeinander treffen.10 Somit wird unter Interkulturalität das Aufeinandertreffen unterschiedlicher kultureller Horizonte verstanden.

3. Die GLOBE Studie

3.1 Darstellung der GLOBE Studie

Die GLOBE Studie (Global Leadership and Organizational Behavior Effectiveness) wurde 1991 an der Universität Pennsylvania von Prof. Dr. Robert J. House entwickelt. Sein Hauptanliegen war zunächst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Charismatischen Führung in 20 verschiedenen Kulturen gegenüberzustellen.11 Aus diesem Vorhaben entwickelte sich ein internationales Forschungsprogramm, dass den Zusammenhang zwischen der Kultur, Gesellschaft, Organisationskultur und Führung untersucht. Es wurde in über zehn Jahren von 170 Wissenschaftler in 61 Ländern geforscht. Die Untersuchung wurde mittels Fragebögen erhoben. Dabei wurden mehr als 17.300 Führungspersonen im mittleren Management interviewt. Die Manager kamen aus insgesamt 951 Unternehmen.12 Die GLOBE Studie schließt sich den Untersuchungen von Hofstede an und führt sie weiter. Im Vergleich zu Hofstede, betrachtete House allerdings nicht nur die unternehmensbezogenen Werte, sondern legt seine Studien auch auf die gesellschaftlichen Werte aus.

3.2 Aufbau der GLOBE Studie

Die Untersuchung gliederte sich wie folgt: Zunächst wurde mit den Befragten, Interviews über die Wahrnehmung der eigenen Kulturen geführt. Es konnten somit Rückschlüsse über tatsächliche Verhaltungsweisen, Gesetzte und Verbote der Kultur gezogen werden. Der Wert „As Is“ beschreibt diese Ausprägung. Darüber hinaus, wurden die gleichen Befragten gebeten eine Einschätzung vorzunehmen, wie eine Gesellschaft ihrer Meinung nach sein sollte (spiegelt sich im Werte „Should Be“ wider). Die Trennung jeder einzelnen untersuchten Dimension zeigt, dass es auch innerhalb der Länder teilweise große Diskrepanzen gibt. 13

Eine weitere Besonderheit der GLOBE Studie ist, dass zehn verschieden Cluster Regionen gebildet wurden. Sie weisen Gemeinsamkeiten in ihrer Geschichte oder Sprache auf.14 Allerdings besteht die Gefahr, dass es zu einer Verallgemeinerung bei großen Clustern führen kann (z.B. Indien oder den USA). 15 Schweden befindet sich mit den skandinavischen Ländern im Cluster „Nordic Europa“. West- und Ostdeutschland in „Germanic Europa“, zu diesem gehören u.a. die Schweiz und Österreich. 16

3.3 Daten Auswertung

In Schweden wurden insgesamt 895 Befragungen durchgeführt. 82, 3 % waren hiervon Männer und 17,7 % Frauen.17

Ost- und Westdeutschland wurden getrennt voneinander untersucht. Dieses Vorgehen liegt darin begründet, dass die Auswerter alle Länder mit einem großen kulturellen Unterschied auch differenziert betrachten wollten. In Westdeutschland wurden 417 Manager (Männer: 82% und Frauen: 12%) befragt. 54 im Osten (Männer: 70% und Frauen: 30%). Von insgesamt 471 Befragungen scheint Ostdeutschland mit 11,5 % erst einmal nicht ausreichend vertreten zu sein. Da die Ostdeutsche Bevölkerung jedoch im Vergleich nur 20 % Deutschlands ausmacht, stellte das für die Auswerter kein Problem dar.18

Im Folgenden werden die neun Dimensionen beschrieben und die Ergebnisse der Studie beleuchtet.

Selbstbewusstsein (assertiveness): Zurückgehend auf Hofstedes Studie „culture's consequences“, findet sich die Dimension „masculinity and femininity“ in der GLOBE Studie innerhalb von zwei Ausprägungen wieder. Einmal im Selbstbewusstsein und zum anderen in der Geschlechtergleichheit. Die Dimension beschreiben wie innerhalb von Beziehungen (von Unternehmen oder der Gesellschaft) miteinander umgegangen wird. 19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ergebnisse der Dimension Selbstbewusstsein20

Nach den Ergebnissen weist Ostdeutschland im Wert „As Is“ ein hohes Ergebnis (Rang 4) auf, ebenso Westdeutschland (Rang 10). Das schwedische Resultat ist auf dem letzten Platz (Rang 61) zu finden. Die Verhaltensweisen, die diesem Ergebnis zugeschrieben werden, sind schüchtern, loyal und harmonisch in zwischenmenschlichen Beziehungen. Besucher oder Ausländer haben oft den Eindruck, dass die Schweden introvertiert sind. Bereits in ihrer Erziehung lernen Kinder Kontrolle über ihre Gefühle zu haben. 21

Die „Should Be“- Werte deuten darauf hin, dass die Schweden gerne selbstbewusster wären. Das Gegenteil ist bei Deutschland der Fall.

Unsicherheitsvermeidung (Uncertainty Avoidance): Beschreibt, inwieweit eine Gesellschaft danach strebt, ein Risiko durch das Vertrauen in Regeln, Riten etc. zu vermeiden. Ebenso beschreibt die Dimension wie die Unvorhersehbarkeit von zukünftiger Ereignisse gesehen wird.22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Ergebnisse der Dimension Unsicherheitsvermeidung23

Bei der Unsicherheitsvermeidung lässt sich eine Gemeinsamkeit der beiden Länder erkennen. Sowohl Deutschland als auch Schweden sind oberhalb im Ranking angesiedelt. Menschen in Gesellschaften mit hoher Unsicherheitsvermeidung, haben ein Bedürfnis nach Strukturen und Gesetzen, damit sie in ihrem alltäglichen Leben gut aufgestellt sind. 24 Bspw. ist dies durch die gute Krankenvorsorge in Schweden und Deutschland gegeben.25 Der „Should be“ Wert schlägt bei beiden Ländern aus. Die hohe Differenz, die sich ergibt, deutet darauf hin, dass insgesamt gerne flexibler und risikofreudiger agiert werden würde. Es wird allerdings in der GLOBE Studie nicht geklärt, ob beide Länder insgesamt unzufrieden mit dem Sozialstaates an sich sind. 26

Machtdistanz (power distance): Diese Dimension hat ihren Ursprung ebenfalls in der Arbeit von Hofstede. Er definiert sie als „das Ausmaß, bis zu welchem die weniger mächtigen Mitglieder von Institutionen bzw. Organisationen eines Landes erwarten und akzeptieren, dass Macht ungleich verteilt ist“. 27

Gleichermaßen versteht sich die Machtdistanz auch in der GLOBE Studie. 28

[...]


1 Vgl. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Erster-Gleichstellungsbericht-Neue-Wege-Gleiche-Chancen,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf, Abruf am 24.07.204, S. 59

2 Vgl. ebenda, Abruf am 25.07.2014, S. 114

3 Dahrendorf, 1977, S. 33

4 Vgl. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Erster-Gleichstellungsbericht-Neue-Wege-Gleiche-Chancen,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf , S. 53, Abruf am 25.07.204

5 Vgl. Kroeber/ Kluckholm, 1952, S. 149

6 Hall, 1990, S. 169

7 Hofstede/Hofstede, 2006, 2ff

8 Vgl. Hofstede/Hofstede, 2006, S. 28ff.

9 Niedermann, 1941, S. VII

10 Thomas, 2005, S. 14 und S. 46

11 Vgl. House, R./ Javidan M., Overview, 2004, S. xxi

12 Vgl. House, R./ Javidan M., Overview, 2004, S. 11

13 Vgl. House, 2004, S. 16

14 Vgl. ebenda, S. 183

15 Vgl. das Vorwort von Triandis (House et al, Globe 2004, S. xix.)

16 Vgl. House, 2004, S. 178 ff.

17 Vgl. Holmberg & Åkerblom, 2007, S. 38

18 Vgl. Brodbeck & Frese, 2007, S.162f

19 Vgl. House, 2004, S. 12

20 Quelle aus Holmberg & Åkerblom, 2007, S. 40 und Brodbeck & Frese, 2007, S.160

21 Vgl. Holmberg & Åkerblom, 2007, S. 47

22 vgl. House, Javidan 2004, S. 11f

23 Quelle aus Holmberg & Åkerblom, 2007, S. 40 und Brodbeck & Frese, 2007, S.160

24 Vgl. Javidan et al., 2006, S. 70

25 Vgl. Holmberg & Åkerblom, 2007, S. 42

26 Vgl. Brodbeck & Frese, 2007, S. 199

27 Hofstede, 2006, S. 59

28 vgl. House, Javidan 2004, S. 12

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Interkultureller Vergleich von Frauenbildern zwischen Schweden und Deutschland
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V295428
ISBN (eBook)
9783656934417
ISBN (Buch)
9783656934424
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkultureller, vergleich, frauenbildern, schweden, deutschland
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Interkultureller Vergleich von Frauenbildern zwischen Schweden und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295428

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