An was denken wir, wenn wir den Begriff Skinhead hören oder lesen? Inwiefern sind die Zuschreibungen von eigenen Erfahrungen geprägt? Oder sind es doch eher die Medienberichte, die uns über diese Subkultur aufklärten. Bereits zu Beginn meiner Recherche für diese Hausarbeit ist mir aufgefallen, dass die Skinhead Szene in den Medien fast ausschließlich als eine rechtsextreme Organisation dargestellt wird. Doch ist diese Definition über Skinheads haltbar?
Zu Beginn dieser Arbeit werde ich mich kurz mit dem Begriff „Subkultur“ allgemein auseinandersetzen und danach auf die Geschichte der Skinheads eingehen.
Weiterhin versuche ich eine mögliche Ursache des Rechtsextremismus heraus zu arbeiten und auch pädagogische Interventionsmöglichkeiten darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Subkultur
3. Geschichte der Skinheads
4. Politisierung und Unterscheidung der Skinheads
5. Ursachen für Rechtsextremismus
5.1 Psychologische Deutungsmuster
5.2 Soziale Deutungsmuster
5.3 Politische Deutungsmuster
6. Faktoren für den Einstieg in die Rechte Szene
6.1 Das Täter – Opfer Prinzip
7. Möglichkeiten der pädagogischen Intervention
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Skinhead-Subkultur und hinterfragt deren mediale Darstellung als ausschließlich rechtsextreme Organisation. Ziel ist es, die Ursachen für rechtsextreme Einstellungen bei Jugendlichen zu analysieren und pädagogische Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen, um den Jugendlichen bei Problemlagen Unterstützung anzubieten, anstatt sie ausschließlich über ihre politische Haltung zu definieren.
- Historische Entwicklung der Skinhead-Subkultur
- Differenzierung zwischen Skinheads und rechtsextremen Strömungen
- Psychologische, soziale und politische Erklärungsmodelle für Rechtsextremismus
- Analyse des "Täter-Opfer-Prinzips"
- Pädagogische Ansätze zur Intervention und Beziehungsarbeit
Auszug aus dem Buch
3. Geschichte der Skinheads
In den Jahrzehnten nach dem Krieg gab es in England und im gesamten kapitalistischen Westen einen sehr schnellen Wandel des gesellschaftlichen Lebens. Auf der einen Seite brachte das Wirtschaftswachstum auch einigen Arbeiterfamilien Konsum und bescheidenen Wohlstand. Manchen gelang sogar durch den Besuch von Schulen und Universitäten der Aufstieg aus der Unterschicht in die Mittelschicht. Weiterhin gelang es einigen Menschen durch Beamtenjobs in das Kleinbürgertum aufzusteigen (vgl. Farin, K. ; Seidel-Pielen, E. (1993). Skinheads , S. 24 ).
Auf der anderen Seite aber gab es auch Verlierer des Wirtschaftswachstums. Durch die Optimierung in der Industrie gab es eine wachsende Arbeitslosenquote und so entstand mit dem Wirtschaftswachstum in den Städten sowohl die Arbeiterelite, als auch das sogenannte „Lumpenproletariat“ (vgl. Stock, M.; Mühlberg, P. (1991). Die Szene von innen, S. 11).
Gleichzeitig mit dieser Entwicklung wurden die Arbeiterviertel saniert. Diese Sanierung der Wohnviertel zog die finanzstarke Mittelschicht an und ein Teil der Arbeiter zog in die Neubauviertel um. In den verwahrlosten, billigen Wohnvierteln lebten neben der weißen Unterschicht ebenfalls Einwanderer aus der Karibik, Pakistan, Indien und Westafrika. Aufgrund fehlender Integration bauten diese Einwanderer sich ein eigenes soziales Umfeld auf, welches aber für ihre weißen Nachbarn verschlossen blieb.
Die Homogenität der alten weißen Bevölkerung löste sich auf und durch die tägliche Konfrontation mit den Aufsteigern der Schichten und mit der Einwanderung löste bei dem Kern der traditionellen Arbeiterklassen das Gefühl von Fremdheit im eigenen Land aus (vgl. Farin, K. ; Seidel-Pielen, E. (1993). Skinheads , S. 24 - 26).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Problematisierung der einseitigen medialen Wahrnehmung der Skinhead-Szene als rechtsextrem und Vorstellung der Zielsetzung dieser Arbeit.
2. Subkultur: Theoretische Herleitung des Begriffs Subkultur sowie deren Bedeutung als Identitätsstiftung und Abgrenzung von der Normalkultur.
3. Geschichte der Skinheads: Darstellung der sozioökonomischen Bedingungen im Nachkriegsengland, die zur Entstehung der multikulturellen Skinhead-Bewegung führten.
4. Politisierung und Unterscheidung der Skinheads: Erläuterung des Wandels der Szene durch den Einfluss rechter Parteien und die Differenzierung zu späteren rechtsextremen Strömungen.
5. Ursachen für Rechtsextremismus: Analyse verschiedener psychologischer, sozialer und politischer Deutungsmuster, die Erklärungsansätze für rechtsextreme Einstellungen liefern.
6. Faktoren für den Einstieg in die Rechte Szene: Kritische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Thesen wie der Analogiethese und der Verführungsthese zur Attraktivität der rechten Szene.
7. Möglichkeiten der pädagogischen Intervention: Plädoyer für eine beziehungsorientierte Jugendarbeit, die Problemlagen in den Mittelpunkt stellt statt reine Schuldzuweisungen.
8. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Toleranz und Hilfe bei individuellen Problemlagen der wichtigere Ansatz im Umgang mit der Zielgruppe sind.
Schlüsselwörter
Skinheads, Subkultur, Rechtsextremismus, Jugendarbeit, Identität, Sozialisation, Pädagogik, Vorurteile, Rassismus, Ausgrenzung, Gesellschaft, Intervention, Protest, Arbeiterklasse, Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung der Skinhead-Bewegung und hinterfragt deren Gleichsetzung mit rechtsextremistischen Ideologien in der gesellschaftlichen Wahrnehmung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die soziologische Definition von Subkulturen, die Geschichte der britischen Skinheads, die Ursachen für Rechtsextremismus und Interventionsmöglichkeiten in der Jugendarbeit.
Was ist das Hauptziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu verstehen, ob die Skinhead-Szene zwingend rassistisch motiviert ist und wie pädagogische Arbeit betroffene Jugendliche unterstützen kann, ohne sie vorschnell zu verurteilen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Studien, inklusive der Auswertung von Fachberichten und Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herleitung, die Analyse von Deutungsmustern des Rechtsextremismus (psychologisch, sozial, politisch) und die Evaluation von Interventionsansätzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Skinheads, Subkultur, Rechtsextremismus, Beziehungsarbeit, soziale Desintegration und pädagogische Intervention.
Wie unterscheidet sich die ursprüngliche Skinhead-Kultur von heutigen "Nazi-Skins"?
Ursprünglich entstand die Kultur aus einer multikulturellen Synthese der Arbeiterjugend ohne rassistische Grundorientierung; die Radikalisierung erfolgte erst später durch politischen Einfluss und instrumentalisierte Ausgrenzung.
Warum lehnt der Autor die Vermittlung von Schuldgefühlen bei Jugendlichen ab?
Der Autor argumentiert, dass Schuldzuweisungen für Taten der Großeltern eine Abwehrhaltung erzeugen, anstatt das Selbstbewusstsein und die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen zu fördern.
Welche Rolle spielt die Jugendarbeit in diesem Zusammenhang?
Jugendarbeit wird als "Beziehungsarbeit" verstanden, die den Jugendlichen als Mensch akzeptiert, ihm Halt bietet und neue, gewaltfreie Lebensbilder aufzeigt.
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- Steven Baltot (Autor), 2014, Eine neue rechte Subkultur. Die Radikalisierung der Skinheads, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295455