Zuerst wird der Status quo des deutschen Straßenverkehrs erläutert und die Problemstellung des hohen Verkehrsaufkommens geschildert. Es wird festgestellt, dass zu bestimmten Zeiträumen die Nachfrage nach Mobilität die Kapazität der Straße an einigen Straßenabschnitten übersteigt und das Gut Straße somit knapp wird. Das Kapitel 2.2 gibt einen Überblick über die aktuelle Diskussion über die Erhebung einer Abgabe für die Autobahnnutzung durch Pkw in Deutschland.
Aus den statistischen Befunden hinsichtlich des Straßenverkehrs in Deutschland ergibt sich die Frage, wie eine effiziente Nutzung der Straßeninfrastruktur zu gewährleisten ist, ohne diese weiter ausbauen zu müssen. Zuerst muss der Begriff Effizienz geklärt werden. Demzufolge wird im nächsten Kapitel das Effizienzverständnis entsprechend der Theorie der Neoklassik vorgestellt. Dazu werden die dazugehörigen Annahmen erläutert. Das Kapitel 2.4 stellt das Stauproblem als externen Effekt dar und veranschaulicht die für die Gesellschaft auftretenden negativen Konsequenzen eines hohen Verkehrsaufkommens. Anhand dieser Konsequenzen ist der Bedarf, verkehrssteuernde Maßnahmen zu ergreifen, ersichtlich. Pigou schildert in seinem Ansatz, wie den externen Effekten begegnet werden soll und welche gesellschaftlichen Wohlfahrtseffekte daraus resultieren. Er liefert dazu eine optimale Lösung des Stauproblems in Form der Einführung einer Steuer.
Trotzdem stößt sein Vorschlag in der Literatur aufgrund mangelnder Realitätsnähe auf Kritik. Darauf folgend wird sein Modell modifiziert. Es werden Kriterien, die das Mobilitätsverhalten der Verkehrsteilnehmer beeinflussen, diskutiert. Dabei soll Nähe zur Praxis durch Modifikation ursprünglicher Annahmen geschaffen werden. Das Kapitel 3.2 stellt ein Preissystem zur Erhebung einer Straßennutzungsgebühr vor. Im Anschluss werden kurzfristige und langfristige Konsequenzen der Einführung einer Staugebühr auf das Mobilitätsverhalten der Verkehrsteilnehmer diskutiert. Dabei werden Ergebnisse der bereits implementierten Straßennutzungsgebühren aus dem Ausland vorgestellt. Des Weiteren wird geprüft, ob das modifizierte Modell eine gesellschaftliche Wohlfahrt entsprechend dem formulierten Effizienzverständnis generiert. Das Kapitel 3.4 veranschaulicht Probleme der Implementierung des hier vorgestellten Modells in die Praxis. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf weitere Forschungsbereiche geboten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Problemstellung und theoretischer Lösungsansatz
2.1 Status quo des deutschen Fernstraßenverkehrs
2.2 Aktuelle Diskussion in Deutschland
2.3 Effizienzverständnis
2.4 Stau als externer Effekt
2.5 Pigou-Steuer
3 Modifikation des Ansatzes von Pigou
3.1 Relaxation der Annahmen
3.2 Gestaltung der Staugebühr
3.3 Mögliche Umlenkungseffekte
3.3.1 Haupteffekte
3.3.2 Neben- und Ferneffekte
3.4 Umsetzung in die Praxis
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Stauaufkommen auf deutschen Fernstraßen aus ökonomischer Sicht. Ziel ist es, unter Berücksichtigung neoklassischer Ansätze und der Modifikation restriktiver Annahmen ein Preissystem zur Stauvermeidung zu entwickeln, das eine effiziente Nutzung der Infrastruktur ermöglicht und gesellschaftliche Wohlfahrt generiert.
- Analyse des Status quo und der theoretischen Grundlagen (Pigou-Ansatz)
- Modifikation des Pigou-Modells zur Steigerung der Praxisnähe
- Gestaltung und Implementierung eines dynamischen Preissystems
- Untersuchung von Umlenkungseffekten (Haupt-, Neben- und Ferneffekte)
- Bewertung der gesellschaftlichen Wohlfahrtswirkungen
Auszug aus dem Buch
2.4 Stau als externer Effekt
Das Modell der Neoklassik beschreibt einen idealtypischen Markt mit vollkommenen Bedingungen für ein Marktgleichgewicht. Wenn jedoch eine oder mehrere Bedingungen der neoklassischen Theorie nicht erfüllt sind, kann kein pareto-optimaler Zustand erreicht werden. Deshalb kommt es zu einem sogenannten Marktversagen. Im Zusammenhang mit der Congestion Theory sind unter Marktversagen externe Effekte zu verstehen. Beim Vorliegen solcher Effekte kann das Marktgleichgewicht durch den Preismechanismus nicht erreicht werden, so dass es zu einer Fehlallokation der gesellschaftlichen Ressourcen auf dem Markt kommt.
Die Externalitäten können sowohl positiv als auch negativ sein. Allgemein wird unter externen Effekten die direkte Einflussnahme eines Individuums durch sein Verhalten auf das Wohlbefinden der anderen Individuen verstanden. Dabei wird implizit angenommen, dass es keine Kompensationen für das beeinflussende Individuum gibt. Hier werden ausschließlich negative externe Effekte – die sogenannten externen Kosten – behandelt. Externe Kosten liegen vor, wenn ein Akteur durch sein Verhalten der Gesellschaft Kosten auferlegt, die er selber nicht deckt und daher bei seiner individuellen Entscheidungsfindung nicht berücksichtigt. Somit werden die externen Kosten von der Gesellschaft getragen. Dabei handelt es sich um ein anthropozentrisches Konzept, da der negative Einfluss auf den Menschen ausgeübt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Problem des zunehmenden Verkehrsaufkommens auf deutschen Fernstraßen dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich eines effizienten Steuerungsinstruments zur Stauvermeidung.
2 Problemstellung und theoretischer Lösungsansatz: Dieses Kapitel liefert den Status quo der Straßeninfrastruktur und führt theoretische Grundlagen wie das Effizienzverständnis der Neoklassik sowie das Konzept externer Effekte nach Pigou ein.
3 Modifikation des Ansatzes von Pigou: Hier werden die Annahmen der Neoklassik relaxiert, um ein praxisnäheres Modell zu entwickeln, welches ein Preissystem zur Stauvermeidung unter Berücksichtigung von Umlenkungseffekten vorschlägt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Anwendbarkeit des modifizierten Modells in der Praxis sowie den Bedarf an weiterer interdisziplinärer Forschung.
Schlüsselwörter
Fernstraßen, Stau, Marktversagen, externe Kosten, Pigou-Steuer, Verkehrsaufkommen, Wohlfahrtsökonomik, Straßenbenutzungsgebühr, Umlenkungseffekte, Mobilitätsverhalten, Staugebühr, neoklassische Theorie, Infrastruktur, Effizienz, Congestion Theory
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Problem des hohen Verkehrsaufkommens auf deutschen Fernstraßen aus einer wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive und sucht nach Wegen, Staus durch ökonomische Steuerungsinstrumente zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Wohlfahrtsökonomik, die Theorie der externen Effekte, das Mobilitätsverhalten der Verkehrsteilnehmer sowie die Gestaltung von Preissystemen für die Infrastrukturnutzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Entwicklung eines effizienten Preissystems, das den Verkehrsfluss auf Fernstraßen verbessert und die gesellschaftliche Wohlfahrt durch die Internalisierung externer Kosten steigert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse auf Basis der Neoklassik durchgeführt, die durch eine Modifikation der Annahmen (Relaxation) an reale Bedingungen angepasst wird, ergänzt durch eine Partialanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Anpassung des Pigou-Modells an realistische Annahmen, die Ausgestaltung einer dynamischen Staugebühr sowie die Erörterung von Umlenkungseffekten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen externe Effekte, Staugebühr, Wohlfahrtsoptimum, Verkehrsmanagement, Mobilitätsentscheidung und Ressourcenallokation.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern?
Die Arbeit segmentiert die Verkehrsteilnehmer primär in Berufspendler und Nicht-Arbeitnehmer, da diese Gruppen unterschiedliche Präferenzen bei der Wahl ihrer Mobilitätsalternativen aufweisen.
Was sind die wesentlichen Erkenntnisse zur Staugebühr in der Praxis?
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine erfolgreiche Implementierung von der Akzeptanz der Nutzer, der technischen Umsetzbarkeit und der Vermeidung unerwünschter Neben- und Ferneffekte abhängt.
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- Vera Riesenweber (Author), 2015, Die Nutzung der Fernstraßen aus ökonomischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295538