In der vorliegenden Arbeit wird ein kliometrischer Zugang zur Periodisierung der Wissenschaftspolitik entwickelt. Ausgangspunkt dafür ist ein Periodisierungstool, das im Rahmen einer wirtschaftsgeschichtlichen Analyse entwickelt und empirisch getestet wurde. Dieses Tool und seine mögliche Anwendung für eine wissenschaftspolitische Periodisierung werden in drei Schritten vorgestellt. In einem ersten Schritt wird das Tool beschrieben. In einem zweiten Schritt werden wissenschaftspolitische Indikatoren diskutiert, die eine empirische Anwendung dieses Tools ermöglichen. Im dritten Schritt wird am Beispiel der USA eine Periodisierung der Wissenschaftspolitik von 1953-2010 vorgenommen und diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Wissenschaftspolitik: Athene, Clio und Historisierung
2. Historisierung: Periodisierung und Kliometrie
3. Kliometrisches Modell: Theorie und Empirie
3.1. Theorie: Periodisierungsmatrix
3.2. Empirie: R&D-Indikatoren
4. Fallbeispiel: USA
4.1. Ausgangspunkt: Wissenschaftsdiskurs und Fehlschlüsse
4.2. Modell-Anpassung: Indikatoren-Auswahl und Matrix-Spezifikation
4.3. Langzeitreihen: Originale, transformierte und geglättete Reihen
4.4. Periodisierung: Bezugs-, Basis-, Struktur- und Relations-Indikatoren
4.4.1. Bezugs-Indikator
4.4.2. Basis-Indikator
4.4.3. Struktur-Indikatoren
4.4.4. Relations-Indikatoren
4.4.5. Zusammenfassende Ergebnisse
5. Fazit: Bilanz und Agenda
6. Anhang
6.2. Daten-Tabellen
6.2.1. Originale Reihen
6.2.2. Transformierte Reihen
6.2.3. Geglättete Reihen
6.3. Abbildungen
6.3.1. Originale Reihen
6.3.2. Transformierte Reihen
6.3.3. Geglättete Reihen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die wissenschaftspolitische Forschung durch einen kliometrischen Zugang zu historisieren, um Entwicklungsprozesse quantitativ messbar und damit empirisch fundiert analysierbar zu machen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie mittels eines kliometrischen Modells – illustriert am Fallbeispiel USA – aus der Entwicklungsdynamik von Indikatoren charakteristische Perioden extrahiert werden können, ohne der Willkür subjektiver Interpretation zu unterliegen.
- Kliometrie als Methode zur Historisierung der Wissenschaftspolitik
- Analyse der Entwicklungsdynamik wissenschaftspolitischer Kennzahlen
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Diskurs der "Wissensgesellschaft"
- Fallstudie USA: Indikatorenauswahl und Modell-Anpassung
- Methodik der Periodisierung: Von der Transformation zur Filterglättung
Auszug aus dem Buch
3.1. Theorie: Periodisierungsmatrix
Dem kliometrischen Periodisierungstool, auf das sich die vorliegende Arbeit stützt, liegt zunächst eine ganz einfache, um nicht zu sagen simple Frage zugrunde. Sie lautet: Ist es möglich, aus der Entwicklungsdynamik von Prozessindikatoren charakteristische Entwicklungsperioden des Prozesses herauszufiltern, den diese Indikatoren beschreiben.
Eine zweite, darauf aufbauende und schon nicht mehr ganz so simple Frage lautet: Ist es möglich, diese charakteristischen Entwicklungsperioden so herauszufiltern, dass sie weitgehend indikator- und filterinvariant sind. Das heißt: Gibt es ein Verfahren, das möglichst unabhängig von den ausgewählten Indikatoren und Filtern ist, so dass die Periodisierungsergebnisse wenig und im Idealfall gar nicht indikator- beziehungsweise filterbedingt sind. Der Sinn dieser Frage liegt auf der Hand. Periodisierungen, die beispielsweise hauptsächlich oder gar ausschließlich von dem gewählten Filter abhängen und sich von Filter zu Filter signifikant verändern, nutzen nichts, sondern führen in die Irre. Sie öffnen der oben von Borchardt erwähnten Beliebigkeit („Wie viele Perioden hätten Sie denn gerne?“75) Tür und Tor.
Die Antwort auf beide Fragen ist positiv, kann aber hier aus Platzgründen nur überblicksartig und nicht im Einzelnen referiert werden. Für eine detaillierte Beantwortung sei auf die entsprechende Untersuchung verwiesen76. Komprimiert zusammengefasst sind folgende zwölf Schritte (siehe Abbildung 2) notwendig, um aus der Entwicklungsdynamik bestimmter Prozessindikatoren charakteristische, indikator- und filterinvariante Entwicklungsperioden dieses Prozesses herauszufiltern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wissenschaftspolitik: Athene, Clio und Historisierung: Das Kapitel thematisiert die Notwendigkeit, Wissenschaftspolitik durch die Integration historischer Perspektiven methodisch zu erweitern.
2. Historisierung: Periodisierung und Kliometrie: Hier wird die Bedeutung der Periodisierung für die Geschichtsschreibung erläutert und die Kliometrie als innovativer, quantitativer Lösungsansatz eingeführt.
3. Kliometrisches Modell: Theorie und Empirie: Dieses Kapitel stellt das theoretische Modell des Periodisierungstools sowie die empirische Grundlage durch R&D-Indikatoren dar.
4. Fallbeispiel: USA: Anwendung des kliometrischen Tools auf die US-Wissenschaftspolitik unter kritischer Prüfung von Daten und Trends.
5. Fazit: Bilanz und Agenda: Zusammenfassung der methodischen Erkenntnisse und Definition zukünftiger Forschungsaufgaben.
Schlüsselwörter
Wissenschaftspolitik, Kliometrie, Historisierung, Periodisierung, USA, Indikatoren, F&E-Ausgaben, Forschungsdaten, Modellbildung, Zeitreihenanalyse, Innovationssysteme, empirische Sozialforschung, Wissenschaftsgeschichte, Hodrick-Prescott-Filter, Wachstumsdynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung kliometrischer Methoden auf die Wissenschaftspolitik, um eine objektivere und historisch fundiertere Analyse wissenschaftspolitischer Prozesse zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Historisierung der Wissenschaftspolitik, die methodische Anwendung der Kliometrie sowie die empirische Analyse von Forschungs- und Entwicklungsindikatoren am Beispiel der USA.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein kliometrisches Verfahren zu demonstrieren, mit dem sich wissenschaftspolitische Perioden aus quantitativen Daten ableiten lassen, um Fehlschlüsse im Diskurs über die Wissensgesellschaft zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kliometrische Methode verwendet, die auf der Transformation von Datenreihen, der Anwendung von Glättungsfiltern (insbesondere des Hodrick-Prescott-Filters) und der anschließenden Identifikation von Wendepunkten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Anwendung des Modells auf die USA, der Auswahl geeigneter Indikatoren sowie der schrittweisen Analyse von Zeitreihen der Forschungs- und Entwicklungsausgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wissenschaftspolitik, Kliometrie, Periodisierung, empirische Datenanalyse, Innovationssysteme und langfristige Trends der Forschungsinvestitionen.
Warum ist der US-amerikanische Kontext für diese Untersuchung gewählt worden?
Die USA dienen als Fallbeispiel, da hier umfangreiche Langzeitreihen von Institutionen wie der National Science Foundation verfügbar sind, die sich ideal für die Demonstration der kliometrischen Periodisierungsmatrix eignen.
Was ist das zentrale Problem bei der Verwendung von 30-Jahres-Reihen?
Die Arbeit argumentiert, dass 30-Jahres-Reihen oft zu kurz sind, um langfristige "superlange" Prozesse abzubilden, und daher im Sinne der Kliodynamik eher als Kurzzeitreihen zu werten sind.
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- Lutz Marz (Author), 2015, Wissenschaftspolitik. Forschung und Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295875