Ringen und Kämpfen. Ein verantwortungsbewusster Umgang miteinander (Klasse 7/8)


Unterrichtsentwurf, 2014

35 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Längerfristige Unterrichtszusammenhänge
1.1 Thema der Unterrichtsreihe
1.2 Aufbau der Unterrichtsreihe
1.3 Kompetenzorientierte Lernzielschwerpunkte der Unterrichtsreihe
1.4 Lerngruppe
1.5 Lernvoraussetzungen und Konsequenzen
1.6 Überlegungen zur Sachstruktur
1.7 Curriculare Legitimation und Didaktischer Leitgedanke
1.8 Methodische Begründungszusammenhänge
1.9 Überprüfung des Lern- und Kompetenzzuwachses

2 Unterrichtsstunde
2.1 Thema der Unterrichtsstunde
2.2 Lernzielschwerpunkte der Unterrichtsstunde
2.3 Didaktische Überlegungen
2.4 Methodische Überlegungen

3 Stundenverlaufsplan

4 Literatur und Quellennachweis

5 Anhang - Stationskarten:

1 Längerfristige Unterrichtszusammenhänge

1.1 Thema der Unterrichtsreihe

Ringen und Kämpfen – Zweikampfsport.

Innerhalb der Unterrichtsreihe „Ringen und Kämpfen“ bekommen die Schülerinnen und Schüler1 einen Einblick in die Möglichkeiten des Ringens und Kämpfens, mit dem Ziel, vielfältige Bewegungserfahrungen des nicht normierten Kämpfens zu sammeln. Dabei steht ein kooperativer, rücksichtsvoller und fairer körperlicher Umgang miteinander im Vordergrund.

1.2 Aufbau der Unterrichtsreihe

1.3 Kompetenzorientierte Lernzielschwerpunkte der Unterrichtsreihe

In der Unterrichtsreihe gehen die SuS engen Körperkontakt mit ihren Mitschülern ein und bauen vorhandene Berührungsängste ab. Unter der Beachtung der vorgegebenen und erarbeiteten Sicherheitsregeln erfahren die SuS mit ihren Partnern unterschiedliche Kampfsituationen. Dabei erkennen sie eigene körperliche Stärken und Schwächen und den rücksichtsvollen und verantwortungsbewussten Umgang miteinander. Sie lernen, sich im Kampf zu behaupten und sich gegen ihre Mitschüler durchzusetzen. Im Kampf mit anderen verbessern sie zudem ihre Kraft und ihre koordinativen Fähigkeiten. Die SuS entwickeln eigene Kampf- und Raufspiele und entwerfen dazu Stationskarten. Sie bewerten die Stationen anhand von Kriterien und reflektieren somit kritisch ihre Ergebnisse. Im gemeinsamen Handeln mit einem Partner entwickeln sie ihre Kooperations- und Verständigungsbereitschaft weiter und erfassen wichtige Aspekte des Fair Play.

1.4 Lerngruppe

Die Lerngruppe der Klasse 7 besteht aus 31 SuS, die sich aus zehn Mädchen und 21 Jungs zusammensetzt. Die Klasse ist sehr am Sportunterricht interessiert, allerdings werden Hausaufgaben z.B. in Form von Entwicklung eigener Stationen nicht konsequent gemacht. Immer wieder kann es zu kleineren Streitigkeiten innerhalb der Klasse kommen, die hauptsächlich auf den unterschiedlichen Entwicklungsstand der SuS zurückzuführen sind (siehe 1.5.). Damit sich das Klassengefüge noch verbessert, wird die aktuelle Themenreihe durchgeführt. Besonders ist auf XX zu achten, der gerne andere herausfordert und seine Kraft nicht richtig einschätzen kann. Ebenso muss auf XX geachtet werden, der sich schnell von seinen Mitschülern ablenken lässt und nicht immer auf die Anweisungen achtet. XX hat momentan eine Handverletzung und kann daher nicht an allen Übungen teilnehmen. Gerade bei den Jungen in der Klasse ist der körperliche Entwicklungsstand sehr unterschiedlich, so dass dies bei allen Übungen berücksichtigt werden muss.

1.5 Lernvoraussetzungen und Konsequenzen

Der Sportunterricht findet jeweils mittwochs in der dritten und vierten Stunde (9:50 – 11:25 Uhr) in der Sporthalle der Schule statt. Der Unterrichtsbesuch findet nicht in der regulären Sportstunde der Klasse statt, sondern die SuS erleben einen veränderten Tagesablauf. Dies sollte aber auf dem Verlauf der Unterrichtsstunde keinen Einfluss haben. Zuletzt haben sich die SuS mit eigenen Spielen und Regeländerungen auseinandergesetzt, wobei sie bekannte Spiele selbstständig weiterentwickelt haben. Dabei haben sie in Kleingruppen gearbeitet und sollten selbstständig „Spielblätter“ entwickeln. Die SuS haben sich bei der Entwicklung der Spiele Mühe gegeben, allerdings haben sie nicht immer die Blätter vollständig ausgefüllt. Die SuS sind nicht an den Einsatz von Arbeitsblättern im Sportunterricht gewöhnt, was in der aktuellen Unterrichtsreihe aber weiterentwickelt werden soll.

1.6 Überlegungen zur Sachstruktur

In jeder Pause sieht man auf den Schulhöfen raufende, ringende und kämpfende Kinder und Jugendliche. Es ist ihr elementares Bedürfnis gegeneinander anzutreten und ihre Kräfte zu messen.2 Diese körperliche Auseinandersetzung ist ein wichtiger Aspekt kindlicher und jugendlicher Sozialisation. Im Zweikampf mit anderen lernen sie, mit eigener und fremder Aggression umzugehen, körperliche Kräfte einzuschätzen und Siege und Niederlagen zu verarbeiten. Sie schulen ihre Wahrnehmungsfähigkeit, entwickeln Selbstdisziplin und stärken ihr Selbstwertgefühl.3 Wesentlich für das Ringen und Kämpfen als sportliche Aktivität ist Fairness und verantwortliches Handeln gegenüber den Mitkämpfenden.4 Im Gegensatz zum ungeregelten Kampf, der nicht selten ein Ausleben von Aggression ohne Rücksicht auf die Folgen ist, soll ein Ziel der schulischen Beschäftigung mit dem Thema, die Hinführung zu einem kultivierten Kämpfen sein. Dabei geht es eben nicht um den einfachen Kräftevergleich, sondern um die angemessene Form des körperlichen Angriffs, die es beiden Kämpfern ermöglicht, sich mit Freude der Auseinandersetzung zu stellen.5 Gerade in der Pubertät bietet der Zweikampfsport mit direktem Körperkontakt die Möglichkeit, Berührungsängste abzubauen und die Akzeptanz des eigenen Körpers zu fördern. Sportliche Zweikämpfe fördern zudem konditionelle Fähigkeiten, wie Kraft und Schnelligkeit sowie koordinative Fähigkeiten wie Gleichgewichts-, Orientierungs-, und Kopplungsfähigkeit. Ringen als eigenständige Sportart ist ein Kampf- und Kraftsport mit Ganzkörpereinsatz ohne weitere Hilfsmittel. Es geht darum, den Gegner durch Würfe, Schleudern oder Hebel aus dem Stand in die Bodenlage zu versetzen und mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen. Anders als beim Kampf als gewaltsame Handlung, wo sich die Gegner als Feinde gegenüberstehen, geht es beim sportlichen Kampf um einen fairen Wettbewerb, in dem klare Regeln vorherrschen.

1.7 Curriculare Legitimation und Didaktischer Leitgedanke

Nach den Richtlinien und Lehrplänen des Landes NRW für das Fach Sport für die Sekundarstufe I der Realschulen ist die Thematik unter verschiedenen Aspekten zu legitimieren. So lässt sich die Unterrichtsstunde dem Bewegungsfeld und Sportbereich 9 (Ringen und Kämpfen – Zweikampfsport) zuordnen. In der Unterrichtsstunde können die SuS, wie im Bewegungsfeld und Sportbereich 9 beschrieben, Ring- und Kampfspiele ohne direkten Körperkontakt (z.B. Tauziehen, Medizinballziehen) oder mit direktem Körperkontakt am Boden und im Stand (z.B. Bodenkampf, Gleichgewichtskämpfe) entwickeln.6 Darüber hinaus beinhaltet die vorliegende Unterrichtsstunde verschiedene Aspekte der pädagogischen Perspektiven „Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen“ (E) sowie „Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungen erweitern“ (A).

Die Unterschiede im Leistungsstand werden zum einen dahingehend berücksichtigt, dass die SuS innerhalb der Unterrichtsreihe eigene Kampfsituationen entwickeln und die Schwierigkeitsgrade der Kämpfe an die individuellen Lernvoraussetzungen der SuS angepasst werden müssen und zum anderem, dass die SuS in Gruppen zusammengehen, die ähnliche körperliche Voraussetzungen haben.

Die Unterrichtsreihe ist in erster Linie im Sinne der Handlungsfähigkeit nach Dietrich Kurz ausgestaltet. Die SuS werden zum einen in ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert, indem sie sportmotorische und kognitive Leistungen vollbringen. Zum anderen reflektieren die SuS ihr Handeln, indem sie ihre Erfahrungen in den Kämpfen verbalisieren. Im Sinne der Mehrperspektivität kommen verschiedene pädagogische Sinngebungen zum Ausdruck. Die SuS haben die Möglichkeit, sich auszuprobieren und etwas zu leisten oder Wettkampfspannung zu erleben, wenn sie sich mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern messen. So werden neben motorischen Fähigkeiten auch kognitive Aspekte des Sport-Begreifens und soziale Aspekte des sportlichen Miteinanders berücksichtigt.7 Die SuS verbessern dadurch insofern ihre Handlungsfähigkeit, indem sie aus der Vielfalt dieser sportlichen Sinnbezüge, für sie individuelle Formen finden, die sie auch außerhalb der Schule im eigenen Sporttreiben bereichern. Im Sinne der Erschließung der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur könnte dies auch zum Sporttreiben in einem Kampfsportverein führen. Außerdem erweitern die SuS ihre spezielle Handlungsfähigkeit, indem sie in die Lage versetzt werden, in alltäglichen Schulhofsituationen oder während des sportlichen Raufens mit Freunden funktions- und situationsspezifisch zu handeln.8 Dadurch erfahren die SuS auch einen direkten Lebensweltbezug. Auch wenn zu vermuten ist, dass sich SuS heutzutage eher in virtuellen Kampfspielen messen, bleibt die faire körperliche Auseinandersetzung doch ein wichtiger Bestandteil des Erwachsenwerdens.

1.8 Methodische Begründungszusammenhänge

Die einzelnen Übungen und Spiele sind in verschiedene, aufeinander aufbauende Sequenzen eingeteilt. Die einzelnen Sequenzen sind angelegt nach dem Prinzip „Vom Miteinander zum Gegeneinander“. Damit die SuS innerhalb der Unterrichtsreihe von einem Miteinander zu einem partnerschaftlichen Gegeneinander im Zweikampf kommen können, müssen erst bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Die SuS müssen Vertrauen zueinander aufbauen und Berührungsängste abbauen, Regeln und Rituale müssen erarbeitet und erprobt werden, Gespräche und Reflexionen schaffen eine partnerschaftliche Atmosphäre. Erst auf dieser Basis des Miteinanders können Zweikämpfe durchgeführt werden.

Am Anfang der Unterrichtsreihe stehen Kooperationsspiele und Stationen an denen die SuS Körperkontakt aufbauen, die das Ziel haben Berührungsängste und Hemmungen abzubauen, um sich vertrauensvoll auf Zweikämpfe einlassen zu können. Dabei steht nicht so sehr der Wettkampfcharakter im Vordergrund, sondern die Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe. Im zweiten Teil der Reihe werden Ringkämpfe ohne Körperkontakt in den Mittelpunkt gerückt, bei denen die Eroberung eines Gegenstandes oder Raumes das Ziel darstellt. Durch den Verzicht auf direkten Körperkontakt wird die Aufmerksamkeit der Kämpfenden nicht auf den Körper des Partners, sondern auf den Gegenstand gelenkt. Dadurch sollen die Reaktionen des Partners antizipiert werden, um schnell und angemessen darauf reagieren zu können. Im dritten Bereich der Unterrichtsreihe stehen Zieh- und Schiebewettkämpfe im Fokus, bei denen der Partner über eine bestimmte Markierung geschoben oder gezogen werden soll. Zudem sollen die SuS diese Stationen selbst erfinden und testen. Die eigenen Kräfte werden im direkten Körperkontakt mit dem Partner gemessen und die Kräfte bzw. Gegenkräfte werden bewusst wahrgenommen und für die eigene Aktion genutzt.

Den Abschluss der Unterrichtsreihe bilden in Form eines Turnieres Kämpfe am Boden. Durch das Ausführen der Kämpfe am Boden auf Matten, werden die Bewegungsmöglichkeiten der Kämpfenden stark begrenzt und dadurch die Verletzungsgefahr sehr verringert. Trotz geringer Vorkenntnisse und Fähigkeiten können dennoch gelungene Zweikämpfe ausgeführt werden.

1.9 Überprüfung des Lern- und Kompetenzzuwachses

In der dargestellten Unterrichtsreihe erfolgt die Überprüfung des Lern- und Kompetenzzuwachses prozess- und ergebnisorientiert. In der gesamten Unterrichtsreihe werden das Erproben von Bewegungsausführungen und der Umgang miteinander Gegenstand der Überprüfung des Lern- und Kompetenzzuwachses sein. Gerade die fachbezogenen sozialen Aspekte stellen in dieser Unterrichtsreihe einen wichtigen Punkt der Beurteilung dar. Dazu zählt unter anderem Kooperation, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft. In einer der letzten Stunde wird eine ergebnisorientierte Leistungsbewertung durchgeführt, wobei die SuS ihre eigenen Kämpfe und Regeln in Form von selbst entwickelten Stationen vorstellen und gegenseitig bewerten. Dabei werden die Bewertungskriterien Mitarbeit, Leistung und Aktivität in der Arbeitsphase beurteilt. Zusätzlich wird die Beteiligung an Gesprächen im Unterricht berücksichtigt. Für die Schülertransparenz bekommen die SuS einen Beurteilungsbogen, auf denen sie zum einen ihre eigene Einschätzung abgeben und zum anderen eine Rückmeldung vom Lehrer bekommen (siehe Anhang).

[...]


1 Im weiteren Verlauf SuS abgekürzt.

2 Vgl. RHEINISCHER GEMEINDEUNFALLVERSICHERUNGSVERBAND: „Bausteine und Materialien für die Lehrerfortbildung. Kämpfen im Sportunterricht“, Düsseldorf 2000. S. 3.

3 Vgl. ebd., S. 4.

4 Vgl. ebd., S. 8.

5 Vgl. ebd., S. 158.

6 Vgl. MINISTERIUM FÜR SCHULE, WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG DES LANDES NRW (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Realschule in NRW. Sport. Düsseldorf 2013, S. 18.

7 Vgl. BALZ, Eckart: „Fachdidaktische Konzepte oder: Woran soll sich der Schulsport orientieren?“, in: SPORTPÄDAGOGIK 16 (1992) 2, S. 14.

8 Vgl. KUHN, Peter: Didaktische und pädagogische Aspekte des Sportunterrichts – oder: Hereinspaziert! – Hier erleben Sie den ganzen Menschen, Bayreuth, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Ringen und Kämpfen. Ein verantwortungsbewusster Umgang miteinander (Klasse 7/8)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
35
Katalognummer
V295978
ISBN (eBook)
9783656942511
ISBN (Buch)
9783656942528
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ringen, kämpfen, umgang, klasse
Arbeit zitieren
David Abend (Autor), 2014, Ringen und Kämpfen. Ein verantwortungsbewusster Umgang miteinander (Klasse 7/8), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295978

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