Der Duden bezeichnet Ironie simpel als eine „paradoxe Konstellation, die einem als Spiel einer höheren Macht erscheint“. Diesem Spiel möchte ich in der folgenden Hausarbeit auf den Grund gehen: Wie wird sie gebraucht?
Jeder ist schon einmal mit Ironie in Kontakt gekommen. Meist scheint dies verbal zu geschehen: ein Sprecher äußert sich zu etwas und ein Hörer kann diese Äußerung ironisch, aber auch wörtlich verstehen. In solchen Fällen entstehen häufig Missverständnisse.
Ironie gibt es schon seit der Antike. Dort prägte Sokrates den Begriff. „Sokratische Ironie“ hat allerdings wenig mit der Ironie zu tun wie wir sie heute kennen. Seine Ironie wurde oft falsch verstanden, da er „immer dann die Wahrheit sagt, wenn die anderen meinen, daß er sich ironisch verstellt“ (Picht 1980: 228). Seine Zuhörer vermuteten, Sokrates lüge, wenn er sagte „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Sie dachten, dass er ihnen vorspiele die gesellschaftlich angesehenen Reize wie Geld und Wissen nicht zu besitzen, obwohl er sie besäße. Sokrates sprach aber seine subjektive Wahrheit, denn er hatte erkannt was wahre Ehre und wahrer Reichtum waren, weswegen er die vom Rest so geehrten gesellschaftlichen Vorzüge ablehn-te (vgl. Picht 228).
Wie schon erwähnt, hat diese sokratische Ironie wenig gemeinsam mit der, die ich im Folgenden begutachten werde. Für diese gibt es mehrere Definitionen. Kayser versteht Ironie also solche, dass „das Gegenteil von dem gemeint [ist], was mit den Worten gesagt wird“ (Kayser 1959: 111) und auch Lausberg, Asmuth und Berg-Ehlers, und Faulseit und Kühn sind dieser
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ironiesignale
3. Ironietheorien
3.1. Implikaturtheorie
3.1.1. Konversationsmaximen von Grice
3.1.2. Ironie als konversationelle partikuläre Implikatur
3.2. Die Sprechakttheorie
3.2.1. Was ist der Sprechakt?
3.2.2. Ironie als Sprechakt
4. Die Verwendungsmotivation von Ironie
4.1. Bewertung
4.2. Humor
4.3. Weitere Formen der Ironie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Ironie, definiert ihre Merkmale und analysiert, wie sie in der zwischenmenschlichen Kommunikation verwendet wird und zu Missverständnissen führen kann.
- Grundlagen der Ironie und deren historische Einordnung
- Identifikation von Ironiesignalen in verbalen und schriftlichen Äußerungen
- Analyse der Ironie anhand der Implikaturtheorie von Paul Grice
- Untersuchung der Ironie im Rahmen der Sprechakttheorie nach Austin und Searle
- Motivation der Ironieverwendung (Bewertung, Humor, soziale Funktion)
Auszug aus dem Buch
2. Ironiesignale
„Zur Ironie gehört das ‚Ironiesignal‘; man verstellt sich, aber man zeigt auch, daß man sich verstellt“ (Weinrich 1966: 60).
Die Betonung spielt bei verbaler Ironie eine große Rolle, bei schriftlicher kann Ironie durch Anführungsstriche gekennzeichnet sein (vgl. Hartung 172, Berg 89). Es kann ungewöhnliche Terminologie benutzt werden, die Kontraste zur Normallage aufweisen (vgl. Hartung 173). Auffällig ist außerdem der Gebrauch des Präfixes ‚hoch‘ zur Steigerung von Adjektiven (vgl. Hartung 174).
Ironie kann man häufig daran erkennen, dass ‚bombastische‘ Ausdrücke genutzt werden, sowie übertriebene Metaphern (Weinrich 61):
Beispiel 1: „Es ist wirklich das allerschönste Vergnügen auf der Welt, Dir jeden Tag die Schuhe putzen zu dürfen!“ (Berg 91).
Diese Aussage ist aufgrund der extremen Übertreibung leicht zu falsifizieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Ironie und Abgrenzung der umgangssprachlichen Verwendung von historischen philosophischen Ansätzen wie der „Sokratischen Ironie“.
2. Ironiesignale: Untersuchung sprachlicher und kontextueller Marker, die einem Hörer helfen, eine ironische Intention des Sprechers zu erkennen.
3. Ironietheorien: Theoretische Auseinandersetzung mit Ironie basierend auf der Implikaturtheorie von Grice und der Sprechakttheorie von Austin und Searle.
4. Die Verwendungsmotivation von Ironie: Analyse der sozialen und pragmatischen Funktionen von Ironie, insbesondere in Bezug auf Bewertung, Humor und rhetorische Stilmittel.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der pragmatischen Erklärungsversuche für Ironie und Feststellung, dass trotz fehlender „perfekter“ Theorie Ironie durch Signale erkennbar bleibt.
Schlüsselwörter
Ironie, Ironiesignale, Pragmatik, Implikaturtheorie, Konversationsmaximen, Sprechakttheorie, Performative Äußerung, Bewertung, Humor, Astheïsmus, Charientismus, Diasyrmus, Sarkasmus, Kommunikation, Sprachphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Definition und pragmatischen Einordnung von Ironie als Form der uneigentlichen Kommunikation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Erkennbarkeit von Ironie durch Signale, die theoretische Fundierung in der Pragmatik sowie die Motive für ihren Einsatz im Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ironie funktioniert, warum sie verwendet wird und welche Rolle der Kontext bei der Vermeidung von Missverständnissen spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die linguistische Theorien der Pragmatik (Implikaturtheorie, Sprechakttheorie) auf ironische Äußerungen anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Ironiesignale, wendet Grices Kooperationsprinzip an, untersucht Ironie als Sprechakt und klassifiziert verschiedene rhetorische Formen der Ironie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ironie, Pragmatik, Sprechakt, Implikatur, Konversationsmaximen und rhetorische Figuren.
Warum spielt die Betonung bei der Identifikation von Ironie eine Rolle?
Die Betonung dient als eines der entscheidenden Ironiesignale, um zu verdeutlichen, dass eine Aussage nicht wörtlich gemeint ist.
Wie unterscheiden sich Sokratische Ironie und moderne verbale Ironie?
Während die Sokratische Ironie eher eine philosophische Haltung der Selbstverstellung zur Wahrheitssuche darstellt, bezieht sich moderne Ironie meist auf die Diskrepanz zwischen Gesagtem und Gemeintem.
Können Sprechakte als Mittel zur Ironie genutzt werden?
Ja, durch die Verwendung performativer Formeln (z.B. „Ich lobe dich“) in einem Kontext, in dem eigentlich Tadel angebracht wäre, lässt sich Ironie konstruieren.
- Citation du texte
- Marie H. (Auteur), 2013, Ironie und ihre sprachliche Verwendung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295988