Der Severusbogen im historischen Kontext. Septimius Severus und die Partherkriege


Akademische Arbeit, 2008

42 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Der Severusbogen im historischen Kontext: Septimius Severus und die Partherkriege
1. 1. Septimius Severus und die neue Kaiserdynastie
1. 2. Die Errichtung des Bogens: Die Inschrift und historische Quellen
1. 3. Die Partherkriege des Septimius Severus
1. 3. 1. Die Partherkriege im Spiegel der historischen Quellen: Ein geschichtlicher Abriss
1. 3. 2. Die grossen historischen Reliefs am Severusbogen: Ikonographie und Historizität

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1. Der Severusbogen im historischen Kontext: Septimius Severus und die Partherkriege

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Severusbogen in seinem historischen Kontext auseinander. Hierbei soll auf die Person des Septimius Severus und die Kaiserdynastie, sowie auf die Errichtung des Bogens und die Partherkriege eingegangen werden. Die Arbeit wird durch zahlreiche Abbildungen, die der Veranschaulichung dienen sollen, ergänzt.

1. 1. Septimius Severus und die neue Kaiserdynastie

Als politisches und staatliches Monument ist der Severusbogen eng mit den geschichtlichen Ereignissen zu Beginn des 3. Jh. n. Chr. und dem neuen Kaiserhaus der Severer verbunden. Um die historische Situation des Severusbogens entsprechend einzuordnen, scheint ein kurzer Seitenblick auf das severische Kaiserhaus und seine Politik unerlässlich[1].

Septimius Severus stammte aus der nordafrikanischen Stadt Lepcis Magna und war damit ein „Provinziale“ auf dem Kaiserthron. Als eine römische Kolonie und eine der größten Städte Nordafrikas, waren Lepcis Magna und seine Bewohner allerdings stark romanisiert. Trotz dieser weitgehenden Romanisierung ist auch bei Septimius Severus ein gewisses Lokalkolorit zu bemerken: Severus sprach Latein mit einem afrikanischen Akzent und beherrschte die einheimische, punische Sprache fließend. Ab 180 n. Chr. begann Severus eine Rolle in der römischen Politik zu spielen, indem er zunächst eine militärische Laufbahn einschlug: Als Befehlshaber in Syrien war Severus dem dortigen Statthalter Pertinax unterstellt, der nach der Ermordung des Commodus selbst für ein Jahr Kaiser wurde (192-193 n. Chr.). In Syrien lernte Severus nicht nur den zukünftigen Kaiser, sondern auch seine Frau Iulia Domna kennen. Iulia Domna stammte aus einem syrischen Priestergeschlecht in Palmyra, ihr Vater Iulius Bassianus war der Oberpriester des orientalischen Gottes Elagabal[2]. Der Ehe entstammten zwei Söhne: Der spätere Kaiser und Nachfolger, der unter seinem Spitznamen Caracalla bekannt wurde und der etwas jüngere Sohn Geta, der während der Regierungszeit des Bruders von diesem ermordet wurde und der damnatio memorie verfiel. Rivalität und Hass zwischen den beiden Brüdern waren so groß, dass Caracalla selbst nach Getas Tod die Bildnisse des Bruders tilgen und vernichten ließ – selbst auf privaten Porträts, wie einem gemalten Tondo aus Oberägypten, der die kaiserliche Familie darstellt und auf dem Geta nachträglich unkenntlich gemacht wurde (Abb.1)[3]. Die politische Karriere des Severus ging als Statthalter der Gallia Lugdunensis, Siziliens und schließlich Pannoniens weiter, wobei die militärisch starke Provinz Pannonien für Severus das Sprungbrett zum Kaiserthron wurde. Nach der Ermordung von Pertinax 193 n. Chr. ließ sich Severus von seinen Truppen zum Kaiser ausrufen und gab sich als Rächer des Pertinax aus[4]. Zunächst konnte Severus mit der Unterstützung eines weiteren Statthalters rechnen, da er Clodius Albinus in Britannien, auf seine Seite gezogen hatte, indem er ihm die Mitregentschaft unter dem Titel Caesar anbot. Auf diese Weise und mit dem Rückhalt seiner sechzehn Reihn-Donaulegionen konnte Severus die Opposition in Rom unterdrücken und sich zunächst durch militärischen Druck in der Hauptstadt etablieren. Allerdings gab es noch eine ernstzunehmende Konkurrenz für Severus im Osten, wo sich Pescennius Niger, der Statthalter Syriens, zum Kaiser ausrufen ließ. Nachdem Severus die Angelegenheiten in Rom erledigt hatte, marschierte er nach Kleinasien, wo Niger die Tauruspässe sperren ließ[5]. Bei der Entscheidungsschlacht in Issos behielt Severus die Oberhand und Niger wurde auf der Flucht in parthisches Gebiet ermordet. Nigers Rückzug ins Partherreich lieferte Severus den Vorwand für seinen ersten Feldzug gegen die Parther, die zuvor Niger unterstützt hatten und jetzt mit einer „Strafexpedition“ des neuen Kaisers rechnen mussten. Nach dem ersten Partherkrieg wurden die dynastischen Bestrebungen von Severus und sein politisches Programm erstmals deutlich: Severus erklärte sich rückwirkend zum Sohn des vergöttlichten Mark Aurel und knüpfte damit direkt an die antoninische Dynastie an. Dieser Rückgriff auf das Prestige und die Politik Mark Aurels wird auch in den Porträts von Septimius Severus ersichtlich, die den Kaiser mit langem, gelockten Philosophenbart zeigen und eine deutliche Angleichung an die Porträts von Mark Aurel zum Ausdruck bringen (Abb.2)[6]. Sogar Severus Sohn Caracalla wurde aus dynastisch-propagandistischen Gründen in Marcus Aurelius Antoninus unbenannt und bekam den Titel Caesar verliehen. Damit hatte Severus verdeutlicht, dass es ihm um die Errichtung einer eigenen Kaiserdynastie mit ideologischer Rückbesinnung auf die Antoninen ging. Dementsprechend kam es zum Konflikt mit Albinus, der sich als Caesar in Britannien in seiner Macht beschnitten sah und nun zum Gegenschlag ausholte. Albinus setzte mit seinen Truppen nach Gallien über, wo es bei Lyon (Lugdunum) zur Entscheidungsschlacht zwischen Severus und seinem alten Verbündeten kam. Der Kampf entwickelte sich zunächst zugunsten des Albinus und Severus geriet persönlich in Lebensgefahr, bevor sein Feldherr Laetus das Schlachtenglück herumreißen konnte[7]. Albinus wurde besiegt und Severus kehrte zurück nach Rom, wo es zu einer Konfrontation mit dem Senat kam. Das Verhältnis war gespannt und während sich Severus dem Senat gegenüber abweisend verhielt und den Senatoren misstraute, gab es eine Reihe von Vergünstigungen für das Heer, das als eigentliche Machtbasis des Kaisers fungierte. Inzwischen war es im Osten zu erneuten Unruhen und Übergriffen durch die Parther gekommen, worauf Severus mit dem zweiten Partherkrieg reagierte. Die dortigen Kämpfe endeten mit der Einname der parthischen Hauptstadt Ktesiphon 198 n. Chr. Was die Innenpolitik des Severus betrifft, so ist der Aufstieg des Prätorianerprefekten Plautianus von Bedeutung. Ebenfalls von nordafrikanischer Herkunft und mit den Severern verwandt, wurde Plautianus zum Vertrauensmann und zur rechten Hand des Kaisers, sodass er bald eine prominente Stellung am Hof einnahm. Das enge Bündnis zwischen Severus und seinem quasi Mitregenten Plautianus wurde noch durch die erzwungene Heirat von Caracalla und Plautianus Tochter Plautilla gefestigt, wobei die Hochzeit im Zuge der Decennalienfeier von 202 n. Chr. begangen wurde. Nun kam es zu einer Reihe von Intrigen und Verschwörungen, denen etliche Amtsträger und Offiziere zum Opfer fielen. Schließlich kam es zur Auseinandersetzung zwischen Caracalla und Plautianus, wobei der Prätorianerprefekt das Nachsehen hatte und hingerichtet wurde[8]. Nach der Plautianus-Verschwörung und dem sich anbahnenden Konflikt zwischen Caracalla und Geta, den beiden unversöhnlichen Brüdern, unternahm der alte und kranke Kaiser einen letzten Feldzug in Britannien – vermutlich in der Hoffnung seine Söhne endlich zur Einigkeit zu bewegen[9], da er sie beide mit ins Heerlager nahm. Als Severus 211 n. Chr. in York starb, galt seine Sorge noch immer den verfeindeten Söhnen, die er laut Cassius Dio noch am Totenbett mit guten Ratschlägen ermahnte: „Bleibt einträchtig, bereichert die Soldaten und verachtet alle anderen[10].“ Dieses Motto beschreibt vielleicht auch die Politik des Severus gut, der seinen Zeitgenossen zwar als starker Herrscher galt, aber nicht unbedingt positiv bewertet wurde. Nach dem Urteil von Birley wurde er „in der senatorischen Tradition wegen seiner Grausamkeit kritisiert, auch weil er sich zu sehr auf die Macht der Soldaten gestützt hatte[11].“ Auch die Historia Augusta zeichnet Severus als strengen, realitätsbewussten und vielleicht auch zynischen Mann, indem sie ihm folgende letzte Worte in den Mund legt: „Alles bin ich gewesen, und nichts habe ich davon.“

1. 2. Die Errichtung des Bogens: Die Inschrift und historische Quellen

Laut seiner monumentalen Dedikationsinschrift in der Attika wurde der Bogen des Septimius Severus am Forum Romanum im Jahre 203 n. Chr. eingeweiht (Abb.3). Dieses Datum geht aus der Ämternennung hervor mit der Severus offiziell tituliert wird: Die elfte tribunizische Amtsgewalt und die elfte Imperatorenakklamation weisen historisch eindeutig auf das Jahr 203 n. Chr. hin[12].

Die Inschrift selbst war ursprünglich in großen Bronzelettern angebracht, von denen noch die Einlassspuren erkenntlich sind. Der Wortlaut der Inschrift auf der Kapitolseite ist folgendermaßen zu lesen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

In der Übersetzung lautet die Inschrift etwa folgendermaßen:[13] [14]

„Dem Imperator Caesar Lucius Septimius Severus, dem Sohn des Marcus, dem Pius, Pertinax, Augustus, Vater des Vaterlandes, dem Besieger der Parther, der Araber und des parthischen Adiabene, dem Pontifex Maximus, zum elften Mal Träger der tribunizischen Amtsgewalt, zum elften Mal Imperator, zum dritten Mal Konsul und Prokonsul und;

Dem Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus, Sohn des Lucius, dem Augustus, Pius, Felix, zum sechsten Mal Träger der tribunizischen Amtsgewalt, dem Konsul, Prokonsul, dem Vater des Vaterlandes;

Den besten und stärksten Principes für die Rettung des Staates [Caesar Septimius Geta] und die Erweiterung des Imperiums des römischen Volkes und für ihre außerordentlichen Leistungen in der Heimat und im Ausland, der Senat und das Volk von Rom[15].“

Damit fällt die Errichtung und Einweihung des Severusbogens in die Zeit zwischen dem Parthertriumph und die Decennalien von 202 n. Chr., - also dem zehnjährigen Regierungsjubiläum von Severus, - und den ludi saeculares von 204 n. Chr. Gemäß der Inschrift wurde das Monument vom römischen Senat gestiftet, wobei der Senatsbeschluss für den Bau bereits im Jahre 195 n. Chr. gefasst wurde[16]. Der unmittelbare Errichtungsanlass geht ebenfalls aus der Inschrift hervor und nennt die Siege des Severus im Partherland und seine Verdienste bei der Erweiterung des Imperiums – also die erfolgreiche Beendigung der Partherkriege und die Errichtung der Provinz Mesopotamia. Da die beiden Partherfeldzüge des Severus in die Jahre 194-195 (erster Partherfeldzug) und die Jahre 197-198 (zweiter Partherfeldzug) fallen, wurde der Severusbogen vermutlich nach dem Ende des ersten Feldzugs beschlossen. Darauf verweist auch die ältere Siegestitulatur, die Severus als Parthicus, Arabicus und Parthicus Adiabenicus bezeichnet. Ab 198 n. Chr., der Eroberung Ktesiphons und dem Ende des zweiten Partherkrieges legte sich Severus den pompösen Titel Parthicus Maximus zu, der auf zahlreichen Münzen zu lesen ist, am Monument jedoch verschwiegen wird. Demnach scheint die Errichtung des Bogens und ein Teil der Inschrift bereits 195 n. Chr. vom Senat beschlossen gewesen zu sein. Dass in der Inschrift auch jüngere Titel auftauchen, belegt die Nennung von Caracalla, der hier als Augustus bezeichnet wird. In den Rang eines Augustus wurde Caracalla aber erst 198 n. Chr. und zwar nach der Eroberung von Ktesiphon erhoben[17].

Die Vermischung von Titeln aus dem ersten und zweiten Partherfeldzug macht deutlich, dass der Severusbogen in der römischen Meinung als Triumphalmonument für beide Partherkriege gewertet wurde. In diesem Sinne darf der Bogen von 203 n. Chr. auch auf den Parthicus Maximus bezogen werden, da sich das Triumphalmonument den Partherfeldzügen als ein übergeordnetes, einheitliches Unterfangen im Kampf gegen den ewigen Erzfeind im Osten widmet. Während mit der republica restituta auf das Ende der Bürgerkriege hingewiesen wird, widmet sich die restliche Inschrift und das gesamte Reliefprogramm ausschließlich dem Sieg über die Parther[18]. Die langjährigen Bürgerkriege in denen sich Severus gegen zahlreiche Konkurrenten wie Didius Iulianus[19], Pescennius Niger und Clodius Albinus durchsetzen musste, wurden also weitgehend unter den Tisch gekehrt, während man sich ganz auf die Erfolge des Severus gegen die Parther, - also eine ausländische Macht, - konzentriert und diese Siege zum Errichtungsanlass für das Monument machte.

Dass die Parthersiege des Septimius Severus und der Triumphbogen am Forum Romanum ein zentrales Element der kaiserlichen Politik und Eigenwerbung waren, machen auch einige Münzprägungen aus der Zeit von 198 - 200 n. Chr. deutlich (Abb.4/5): Eine Denarserie des Severus von ca. 204-206 n. Chr. stellt den dreitorigen Bogen relativ detailgenau dar, weshalb die Münzbilder zu einer wichtigen Quelle für die verlorene Bronzeausstattung des Bogens werden. Neben den schematisch angedeuteten Reliefs über den Seitenbögen, sind Metall-Balustraden am unteren Ende der Attika angebracht und die Bronzeskulpturen mit dem Kaisergespann beschließen das Monument nach oben[20]. Die Tatsache, dass die Münzbilder mit dem Severusbogen bis in die Zeit Caracallas anhalten, unterstreicht das politische, historische und dynastische Gewicht des Monuments.

1. 3. Die Partherkriege des Septimius Severus

1. 3. 1. Die Partherkriege im Spiegel der historischen Quellen: Ein geschichtlicher Abriss

Da die großen Reliefpanele über den Seitenbögen die beiden Partherkriege des Severus zum Thema haben, wird die Kenntnis der historischen Ereignisse zur Voraussetzung für die Beurteilung der Reliefbilder. Bereits die historische Quellenlage zu den Partherkriegen bringt jedoch einige Schwierigkeiten mit sich, da die beiden wichtigsten Schriftsteller aus severischer Zeit, - Cassius Dio und Herodian, - mitunter kein einheitliches und übereinstimmendes Bild vermitteln[21]. Während der einfachere und schematisierende Bericht bei Herodian in der althistorischen Forschung meist zurückgestellt wird, stützt man sich hauptsächlich auf den Bericht bei Cassius Dio, dessen relativ ausführliche Überlieferung in den Details als glaubwürdiger betrachtet wird[22]. Beide Quellen stimmen jedoch in den Grundzügen überein, wonach es zwei Feldzüge gegen die Parther unter Septimius Severus gab: Der eine von 194-195 n. Chr. gegen die parthischen Stämme der Osrhoeni, der Adiabeni und die Araber, wobei das Hauptziel der Römer die Stadt Nisibis war. Der zweite Partherkrieg von 197-198 n. Chr. richtete sich gegen den parthischen König und sein Stammland und kulminierte in der Eroberung der parthischen Hauptstadt Ktesiphon.

Bevor die Ereignisse der beiden Partherfeldzüge von 194-198 n. Chr. nun eingehender beleuchtet werden sollen, scheint ein kurzer Blick auf die Parther und die gespannte Beziehung der Römer zu diesem orientalischen Großreich zweckmäßig: Den antiken Quellen zufolge ist die Abstammung der Parther auf skythische Stämme zurückzuführen, die ab dem 3. Jh. v. Chr. in iranisches Gebiet vordrangen[23]. Zur Weltmacht stieg das Partherreich unter seinem Großkönig Mithridates I. im 2. Jh. v. Chr. auf, als Mesopotamien erobert und Ktesiphon am Tigris zur parthischen Hauptstadt ausgebaut wurde. Seine größte Ausdehnung erlangte das Partherreich unter Mithridates II. im 1. Jh. v. Chr. mit der Eroberung Nordmesopotamiens, dem Einfluss auf Armenien und dem Vorstoß über den Euphrat bis nach Dura Europos (Abb.6). Der Zusammenstoß mit der Großmacht Rom im Westen war vorprogrammiert[24]: Pompejus und Crassus kämpften gegen die Parther, wobei es 53 v. Chr. zu der vernichtenden Niederlage der Römer unter Crassus bei Carrhae kam, die auch zum Verlust der römischen signa führte. Nach weiteren Schlappen gegen die Parther unter Mark Anton, konnte Augustus 20 v. Chr. einen diplomatischen Erfolg erzielen und die verlorenen Feldzeichen zurückgewinnen. In julisch-claudischer Zeit kristallisierte sich Armenien als Zankapfel zwischen Parthern und Römern heraus, da die direkte Konfrontation der beiden Großreiche keine Entscheidung erbracht hatte. Sowohl Parther als auch Römer versuchten den armenischen Königsthron jeweils mit ihren eigenen Kandidaten zu besetzen. Erst Trajan strebte die direkte Auseinandersetzung mit den Parthern wieder an, wobei ihm 116 n. Chr. zwar die Eroberung der parthischen Hauptstadt Ktesiphon aber nicht die Vernichtung des Partherreiches gelang. Der Gegenschlag des Partherkönigs Volagaeses IV erfolgte zur Zeit Mark Aurels, der seinen Mitregenten Lucius Verus nach Mesopotamien ausschickte, wobei Lucius Verus abermals wichtige Partherstädte erobern konnte. Das feindliche Gegenüber der beiden Weltmächte mit wechselndem Kriegsglück blieb also über die Jahrhunderte in einer Art Patt-Situation bestehen und bildet den Hintergrund der severischen Partherkriege.

Als sich Septimius Severus 193 n. Chr. in Pannonien zum Kaiser ausrufen ließ, waren die Parther sicherlich nicht sein Hauptproblem, da er sich vorerst gegen eine Reihe von Konkurrenten in Rom und den Provinzen durchsetzen musste. Die Regierungszeit des Severus begann also mit innenpolitischen Konflikten und Bürgerkriegen, wobei die Auseinandersetzung mit Pescennius Niger, der sich in Syrien zum Kaiser proklammieren ließ, für Severus die entscheidenste war. Der Bürgerkrieg mit Niger wurde für Severus auch zum unmittelbaren Anlass für den ersten Partherkrieg - wobei der Bericht bei Cassius Dio die Grundlage für die Ereignischronologie liefert:

1. Partherkrieg von 194-195 n. Chr.: Der syrische Statthalter Pescennius Niger war in seinen Ansprüchen auf den Kaiserthron von den Parthern unterstützt worden: Volagaeses V., der parthische Großkönig, Barsemius von Hatra, Abgarus von Edessa (Osrhoeni) und die Adiabeni sprachen sich alle gegen Severus aus[25]. Nach dem Sieg von Severus über Niger und dem vorläufigen Ende der Bürgerkriege, hielt die Opposition der Parther gegen Severus an, worauf sich der Kaiser zu einem Rachefeldzug entschloss. Cassius Dio berichtet, dass Abgarus von Edessa (Osrhoeni) und die Adiabeni die Stadt Nisibis belagerten, worauf Severus über den Euphrat vordrang und Nisibis zurückeroberte[26]. Seine Feldherren Candidus und Laetus wurden ausgeschickt, um die Adiabeni und Abgraus von Edessa zu unterwerfen. Severus erhielt dafür die Titel: Parthicus, Arabius und Parthicus Adiabenicus. Nisibis wurde als Stützpunkt ausgebaut und zur Kolonie erhoben. Die Colonia Severiana Nisibis wurde einem Prokurator unterstellt.

2. Partherkrieg von 197-198 n. Chr. und Hatra-Feldzug von 199-200 n. Chr.: Nach dem ersten Partherfeldzug kam es zu einem weiteren Bürgerkrieg, bei dem sich Severus in Gallien gegen seinen früheren Mitregenten und nunmehr Konkurrenten Albinus behaupten musste. Während Severus seine Streitmacht in Gallien gegen Albinus ins Feld ziehen ließ, nutzten die Parther im Osten ihre Chance zu einem Gegenschlag. Unter dem Befehl des Großkönigs Volagaeses fielen die Parther ins römische Mesopotamien ein und verwüsteten das Gebiet. Nisibis wurde belagert, konnte unter der Führung von Severus Feldherrn Laetus aber standhalten, bis Severus mit Verstärkung eintraf[27]. Die Belagerung von Nisibis wurde aufgehoben und Severus marschierte mit seinen Truppen dem Euphrat entlang Richtung Süden ins parthische Kernland. Seleukia und Babylon wurden ohne Widerstand eingenommen, sodass sich Severus der parthischen Hauptstadt Ktesiphon zuwenden konnte. Da der König Volagaeses bereits geflohen war, traf Severus nur auf geringe Gegenwehr und konnte Ktesiphon erobern, was ihm den Titel Parthicus maximus einbrachte. Die Stadt wurde zur Plünderung freigegeben, die Bevölkerung ermordet oder versklavt[28]. Anschließend errichtete Severus die Provinz Mesopotamia, wobei er Ktesiphon und Seleukia aufgab und sich hinter den Tigris zurückzog. Nisibis wurde zur Provinzhauptstadt erklärt. Bei dem Versuch die arabische Handelsstadt Hatra einzunehmen, die nach wie vor unter parthischer Kontrolle war, scheiterte Severus jedoch in zwei Anläufen. Cassius Dio berichtet, dass Severus zur Eroberung Hatras einen großen Aufwand mit Belagerungsmaschinen betrieb, die vehemente Verteidigung jedoch nicht durchbrechen konnte und viele römische Soldaten verlor, bevor er Hatra aufgab[29]. Nach der Überlieferung bei Herodian, - der die erfolglose Belagerung Hatras ebenfalls schildert, - verfasste Severus einen eigenen Bericht über die Partherkriege, den er in Rom vor Senat und Volk veröffentlichte[30].

[...]


[1] Zur Regierungszeit des Septimius Severus vgl. Birley 1997, 173-185.

[2] Auf dem Bogen der Argentier sind Septimius Severus und seine Frau Iulia Domna beim gemeinsamen Opfer in strenger Frontalität dargestellt. Die steife und hieratische Komposition verdeutlicht Würde und Ansehen des Kaiserpaares, wobei Severus im sog. „Serapis-Typus“ dargestellt ist. Antike Quellen wie Cassios Dio berichten, dass sich Severus zur Ehe mit der Priestertochter Iulia Domna aus abergläubischen Gründen entschloss: Das Horoskop der Iulia Domna wies nämlich darauf hin, dass sie einst mit einem Kaiser vermählt sein würde, weshalb Severus sich um ihre Hand bemühte. Bianchi Bandinelli 1971, 68f; Birley 1997, 175.

[3] Bei dem ägyptischen Porträt-Tondo in Berlin handelt es sich um ein einzigartiges Beispiel kaiserlicher Porträtmalerei auf Holz, das sich aufgrund der klimatischen Bedingungen in Ägypten erhalten hat. Ähnliche, nicht erhaltene Tafelbilder sind aufgrund dieses Zeugnisses auch in den restlichen Teilen des Imperiums zu vermuten. Vgl. Croisille 2005, 253.

[4] Nach seiner Etablierung in Rom hielt Severus ein dementsprechend pompöses „Schaubegräbnis“ für Pertinax auf dem Forum Romanum ab, das Cassius Dio eindringlich beschreibt und bei dem der Historiker selbst anwesend war: „Während nun der Tote so zur Schau gestellt dalag, nahten sich ihm in Trauerkleidung sowohl Severus als auch wir Senatoren und unsere Frauen […].“ Cassius Dio, 75, 294,30 – 296,32. Zitiert nach: Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 328.

[5] Zum Bürgerkrieg mit Niger vgl. Cassius Dio 75, 296,32 – 299,9. „Severus zog nun gegen Niger ins Feld. Dieser Mann stammte aus Italien, gehörte dem Ritterstand an und tat sich weder im Guten noch im Schlechten irgendwie hervor […]. Wie nun der Krieg ausgebrochen war, rückte Niger auf Byzanz und zog von dort aus gegen Perinth. […] Danach kam es bei Issos unweit von den sogenannten „Toren“ zu einer Riesenschlacht. […] So kam es, daß die Schlacht zum schlimmsten Verderben in diesem Kriege wurde; denn zwanzigtausend Anhänger des Niger zahlten mit ihrem Leben. […] Nach der bald darauf erfolgenden Einnahme von Antiochia flüchtete Niger aus der Stadt in Richtung Euphrat; er wollte zu den Barbaren entkommen, wurde aber von den Verfolgern eingeholt und enthauptet. Sein Haupt ließ Severus nach Byzanz bringen und aufpfählen, damit die Einwohner es sähen und sich ergäben.“ Zitiert nach: Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 331-335.

[6] In der 18-jährigen Regierungszeit von Septimius Severus wurden mehrere Porträt-Typen geschaffen, wobei die älteren Porträttypen eine deutliche Verbindung zu den Bildnissen der Antoninen aufweisen: Nach dem „Regierungsantrittstypus“, nimmt vor allem der sog. „Adoptions-Typus“ (vermutlich anlässlich der „posthumen“ Adoption durch den verstorbenen Mark Aurel geschaffen) das Bildnis des „Philosophen-Kaisers“ auf. Die beiden späteren Typen entwickeln hingegen ein etwas eigenständigeres Bild des Kaisers: Berühmt ist neben dem Altersbildnis des sog. „Typus Lepcis“ vor allem der sogenannte „Serapis-Typus“, bei dem sich der Kaiser an die Ikonographie des ägyptischen Gottes Serapis anschließt und sich mit geteiltem Bart und drei in die Stirn hängenden Haarlocken darstellen lässt. vgl. Säflunt 1968, 119-134.

[7] Zum Bürgerkrieg mit seinem Mitregenten Albinus vgl. Cassius Dio 76, 304,22 – 308,21: „Severus hatte sich noch nicht von den Kämpfen mit den Barbaren erholt, als ein Bürgerkrieg und zwar mit dem Caesar Albinus ausbrach [196 n. Chr.]. […] Die Entscheidungsschlacht zwischen Severus und Albinus in der Nähe von Lugdunum vernahm folgenden Verlauf: […] Schon sah er [Severus] seine sämtlichen Truppen auf der Flucht, als er seinen Kriegsmantel abwarf, das Schwert zückte und sich unter die Fliehenden stürzte, auf daß sie sich entweder schämten und kehrt machten oder auch er selbst mit ihnen zusammen den Tod finde. […] In diesem Augenblick stürmte die Reiterei unter Laetus von der Flanke heran und vollendete den Sieg. […] So blieb Severus erfolgreich; die römische Macht aber erlitt einen harten Schlag, da auf beiden Seiten unzählige gefallen waren […].“ Zitiert nach: Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 345-349.

[8] Zu den Plautianus-Verschwörungen im Bericht des Cassius Dio vgl. 76, 311,14 – 318,9: „Plautianus aber, der mit Severus nicht allein die Macht teilte, sondern auch die Gewalt eines praefectus praetorio besaß und über den weitesten und größten Einfluß von allen Menschen verfügte, ließ viele von den angesehenen und ihm gleichrangigen Männern hinrichten. […] Plautianus hatte von allen meinen Zeitgenossen über die größte Macht verfügt, weshalb sie insgesamt vor ihm mehr in Angst waren und zitterten als vor den Kaisern selbst und er fühlte sich zu noch größeren Hoffnungen erhoben; nun aber musste er so durch seinen eigenen Schwiegersohn enden, und seine Leiche wurde vom Kaiserpalast herunter auf irgendeine Straße geworfen […].“Zitiert nach: Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 357-366.

[9] Zur Rivalität der beiden Brüder heißt es im Urteil des Cassius Dio: „Die Söhne des Severus aber, Antoninus und Geta, spürten, daß sie sich in Plautianus gewissermaßen eines Zuchtmeisters entledigt hatten und kannten in ihrem Tun keine Grenzen mehr: Sie schändeten Frauen, missbrauchten Knaben, veruntreuten Gelder und machten Gladiatoren und Wagenlenker zu ihren Gefährten, wobei sie infolge der Ähnlichkeit ihrer Geschäfte in gegenseitigen Wettstreit traten, sich aber in ihrer Rivalität leidenschaftlich bekämpften.“ Cass. Dio 77, 318, 9-20. Zitiert nach: Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 368f.

[10] Cass. Dio, 77, 15, 2. Zitiert nach: Birley 1997, 184.

[11] Birley 1997, 184.

[12] Die Dedikation wird zwischen dem 10. Dezember 202 n. Chr. und dem 9. Dezember 203 n. Chr. erfolgt sein, also zwischen den Decennalien-Feiern und den ludi saeculares von 204 n. Chr. Vgl. Brilliant 1967, 91-95; Koeppel 1990, 2.

[13] Die in Klammer gesetzte und klein geschriebene Zeile der Inschrift, war Teil der Originalinschrift und nannte Geta. Nach der damnatio memoriae unter Caracalla wurde dieser Teil getilgt. Vgl. Brilliant 1967, 91.

[14] Der Wortlaut folgt dem Original der Kapitolseite, da die Abschrift bei Brilliant einen Fehler in der dritten Zeile aufweist. Der Zeilenumbruch folgt dem Original. Zur Inschrift vgl. Brilliant 1967, 74, 91-95.

[15] Übersetzung in Anlehnung an Coarelli 2000, 75-78.

[16] 195 n. Chr. wurde der erste Partherfeldzug erfolgreich beendet. Für einen Baubeginn in diesem Jahr sprechen sich Picard und Koeppel aus, wobei die Fertigstellung dann nach einer Pause im Zuge des Bürgerkriegs mit Albinus erfolgt wäre. Ebenso gut ist ein Errichtungsszenario denkbar, dass von einer einzigen Bauphase nach dem Ende des zweiten Partherkrieges ausgeht, da durch die Inschrift lediglich der Senatsbeschluss um 195 n. Chr. (Verleihung der ersten Parthersieger-Titel) nahe liegt. Vgl. Picard 1963, 9-11; Koeppel 1990, 2.

[17] Diese Vermischung von Titulaturen aus dem ersten Partherkrieg (Severus als Parthicus, Arabicus und Parthicus Adiabenicus) und dem zweiten Partherkrieg (Caracalla als Augustus) legt nahe, dass der endgültige Text der Inschrift beim Beschluss von 195 n. Chr. noch nicht feststand, sondern nach dem zweiten Feldzug zumindest noch einmal aktualisiert wurde. Dem Urteil von Koeppel, „daß die Inschrift auf einen in diesem Jahre vom Senat gefassten Baubeschluss zurückgeht“ ist also mit gewissen Vorbehalten zu folgen. Brilliant 1967, 92; Koeppel 1990, 2.

[18] Die Formulierung ‚ republica restituta’, die „wiederhergestellte Republik“ ließe sich sowohl auf die Bürgerkriege mit Didius Iulianus und Pescennius Niger, als auch mit dem einstigen Verbündeten und Caesar Clodius Albinus in Verbindung bringen. Eine bildliche Darstellung der Bürgerkriegsthematik wird im Monument jedoch bewusst vermieden und scheint als handfestes Schlachtenbild in der römischen Kunst lange Zeit tabu gewesen zu sein. – Erst die historischen Reliefsstreifen am Konstantinsbogen erheben den Bürgerkrieg zur Thematik der Bildkunst. Vgl. Koeppel 1990, 2f, 38-56.

[19] Nach der Ermordung von Pertinax ließ sich Didius Iulianus vom Senat in Rom zum Kaiser ausrufen. Iulianus vertrat die senatorische Linie und wurde nach dem Einmarsch von Severus in Rom getötet. Vgl. Birley 1997, 174-175.

[20] Es handelt sich um eine Denar-Serie des Septimius Severus mit dem Proträt des Kaisers und der Aufschrift Severvs Pivs Avgvstvs und dem Triumphbogen im Revers. Die Prägung datiert vermutlich in die Zeit zwischen 204-206 n. Chr. und orientierte sich im Münzbild an dem bereits vollendeten Bau. Eine Serie von Assen und Sesterzen mit dem Severusbogen entstand unter Caracalla. Die Erfolge der Partherkriege wurden noch in anderen severischen Münzbildern gefeiert, die mit der Aufschrift virtus augusti versehen sein können und Severus als Reiter über einem besiegten Parther zeigen. vgl. Brilliant 1967, 253; Fähndrich 2005, 45f; Gocht 2007, 2-7; Landskron 2005, 129f.

[21] Die wichtigsten historischen Quellen zu den Partherkriegen sind: Cassius Dio, 75, 1-3; 76, 9-12; Herodian, 2, 14, 5-7; 3, 9, 1-12; Hist. Aug. Sept. Sev., 9, 9-11; 14, 11; 15, 1-3; 16, 1-7. Zum historischen Verlauf der Partherkriege und der Überlieferung bei Cassius Dio und Herodian vgl. Brilliant 1967, 172f; Koeppel 1990, 3-5; Landskron 2005, 46f; Picard 1963, 7f; Rubin 1975, 419-424.

[22] Cassius Dio trennt klar zwischen einem ersten und zweiten Partherkrieg, die verkürzte Darstellung bei Herodian verbindet den ersten Partherfeldzug mit dem Bürgerkrieg gegen Niger und konzentriert sich mehr auf die Ereignisse des zweiten Feldzugs. Vgl. Koeppel 1990, 3.

[23] Eine solche Herkunft der Parther wird von Trogus (41, 1) und Strabon (11, 9, 2) berichtet. Zur Entstehung und Geschichte des Partherreiches vgl. Landskron 2005, 25-32.

[24] Zur Beziehung zwischen Römern und Parthern vgl. Landskron 2005, 32-50.

[25] Die Osrhoeni, Adiabeni und Araber waren parthische Satrapenvölker in Nordmesopotamien. Sie hatten sich mit Niger verbündet und im Zuge dessen einige Gebiete im nördlichen Mesopotamien besetzt. Vgl. Koeppel 1990, 4.

[26] Da der Originaltext der „Römischen Geschichte“ von Cassius Dio in den Büchern 75-76 leider nicht erhalten ist, muss man sich an der Epitome des Xiphilinos aus dem 11. Jh. n. Chr. orientieren. Dort heißt es: „Die Osrhoener und die Adiabener hatten sich erhoben und Nisibis belagert […]. Nachdem Severus den Euphrat überquert hatte und ins Feindesland eingefallen war, lief er Gefahr, viele seiner Soldaten einzubüßen. […] Im weiteren Verlauf gelangt Severus nach Nisibis und sandte, während er dort selbst Aufenthalt nahm, den Candidus und Laetus in verschiedene Richtungen gegen die vorerwähnten Barbaren [Osrhoener und Adiabener]. An ihrem Ziel angelangt, verwüsteten beide Feldherren das Gebiet der Barbaren und nahmen deren Sädte in Besitz. Auf diesen Erfolg [195 n. Chr.] war Severus mächtig stolz […].“ Cassius Dio, 75, 303, 21-304. Zitiert nach: Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 342f. Vgl. Brilliant 1984, 101.

[27] Cassius Dio (in der Epitome bei Xiphilinos) lobt Laetus für seine Verdienste um Nisibis und schildert den Beginn des zweiten Partherkrieges folgendermaßen (Cass. Dio, 76, 308, 21): „Hierauf [Schlacht bei Lyon gegen Albinus] unternahm Severus einen Feldzug gegen die Parther; denn während er mit den Bürgerkriegen beschäftigt war, hatten jene mit ihrer gesamten Streitmacht einen Feldzug unternommen und ungefährdet Mesopotamien in ihren Besitz gebracht. Und beinahe wäre auch Nisibis in ihre Hände gefallen, wenn nicht Laetus die Stadt, in der er belagert wurde, gerettet hätte. Dadurch gelangte er zu noch höherem Ruhm, nachdem er sich auch sonst als ein ausgezeichneter Mann erwiesen hatte, im privaten wie im öffentlichen Bereich, sowohl im Krieg als auch im Frieden.“ Laetus, der Severus auch bei Lyon gerettet hatte, wurde im Zuge der späteren Verschwörungen hingerichtet. Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 352.

[28] Im Bericht des Cassius Dio heißt es (76, 308,21 – 309,17): „Da die Parther die Ankunft des Severus nicht abgewartet hatten, sondern heimwärts gezogen waren, - ihr Führer war Vologaisos, dessen Bruder dem Gefolge des Severus angehörte, - ließ der Kaiser am Euphrat Schiffe bauen und rückte teils zu Wasser, teils zu Fuß dem Fluß entlang vor. Die so geschaffenen Fahrzeuge waren unge­mein beweglich und schnell und gut ausgerüstet; lieferten doch der Wald entlang dem Euphrat sowie die ganze dortige Gegend dem Kaiser Bauholz in Hülle und Fülle. So konnte der Herrscher Seleukeia und Babylon, die beide geräumt waren, rasch einnehmen. Darauf eroberte er auch noch Ktesiphon und überließ die ganze Stadt den Soldaten zur Plünderung. Außerdem verlangte er ein riesiges Blutbad unter der Bevölkerung und machte hunderttausend Men­schen zu Gefangenen. Er setzte indessen die Verfolgung des Vologaisos nicht fort und hielt selbst an Ktesiphon nicht fest, sondern rückte, als wenn er lediglich zu dessen Plünderung ins Feld gezogen wäre, wieder ab, teils aus Unkenntnis der Örtlichkeiten, teils aus Lebensmittelman­gel.“ Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 353.

[29] Zur Bedeutung Hatras als kommerzielles Zentrum in Mesopotamien vgl. Rubin 1975, 423f. Im Bericht von Cassius Dio heißt es über Severus erfolgloses Unternehmen vor Hatra (Cass. Dio, 76, 309): „Sodann [199 n. Chr.] durchquerte Severus Meso­potamien und versuchte einen Angriff auf das nicht weit entfernte Hatra; der Erfolg blieb ihm jedoch versagt, vielmehr gingen seine Belagerungsmaschinen in Flammen auf, und zahlreiche Soldaten fanden den Tod, sehr viele wurden verwundet. Der Kaiser zog deshalb von dem Orte ab und löste sein Lager auf. Während er nun im Kriege stand, ließ er zwei ausgezeichnete Männer hinrichten. Der eine war Iulius Crispus, […]. Er nahm aber auch dem Laetus das Leben; denn er war ein stolzer Mann und bei den Soldaten beliebt, und diese erklärten, sie würden nur unter seiner Führung in den Krieg ziehen. Da Severus für diesen Mord außer Neid keinen offensichtlichen Grund hatte, legte er ihn den Soldaten zur Last, die wider seinen Willen diese Freveltat vollbracht hätten.“ Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 69-80. Hrsg. u. ü. O. Veh (München 1987), 353f.

[30] Herodian 3, 9, 12: „[…] als ihm dies [die Partherkriege] so glücklich und über alle Erwartungen erfolgreich verlaufen war, rühmte er sich selbst in einem Schreiben an Senat und Volk seiner Taten und führte in veröffentlichten Berichten die Schlachten und Siege auf. Der Senat beschloß alle Ehren für ihn und die Ehrentitel nach den besiegten Völkerschaften.“ Zitiert nach der Übersetzung bei Landskron 2005, 130 Anm. 882.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Der Severusbogen im historischen Kontext. Septimius Severus und die Partherkriege
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
42
Katalognummer
V298257
ISBN (eBook)
9783656943327
ISBN (Buch)
9783668143159
Dateigröße
2112 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
severusbogen, kontext, septimius, severus, partherkriege
Arbeit zitieren
Monika Hinterhöller (Autor), 2008, Der Severusbogen im historischen Kontext. Septimius Severus und die Partherkriege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298257

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