Das Bild eines charismatisch visionären Führers gelangte durch frei interpretierte Übersetzung ins Deutsche und ist zu einer der beliebten Aphorismen für gutes Management, Motivation und Begeisterungsfähigkeit geworden. Ganze Generationen von Führungskräften zeichneten sich dadurch aus, Anweisungen zu geben, ihre Untergebenen zu kontrollieren und sich im vermeintlichen Besitz der richtigen Antworten auf nahezu alle Fragen zu befinden. Heute sehen sich Führungskräfte einer Fülle oft paradoxer Anforderungen gegenüber. Sie sollen Durchsetzungsstärke, eine Hands-on-Mentalität, Macherqualitäten und einen überdurchschnittlich starken Willen zum Erfolg mitbringen. Andererseits sollen sie einfühlsame Zuhörer, weitsichtige Berater und kreative Teamplayer sein. Der rasante Wandel und der Druck der Überlebensfähigkeit von Unternehmen verlangt darüber hinaus Flexibilität und eine hohe Ambiguitätstoleranz. Der Ruf nach einer neuen Führung, die mit alten Mustern bricht, wird sowohl von Mitarbeitern als auch von Führungskräften lauter und er beinhaltet schon den Lösungsansatz: Wertschätzung, Empathie und das Gewicht der Gefühle.
Diese Arbeit möchte hinterfragen, ob Emotionale Führung Modeerscheinung ist, die der werbenden Bewegung um die als anspruchsvoll und verwöhnt geltenden Generation Y folgt, oder ob die sich wandelnde Arbeitswelt eine solche Führung schlicht erfordert und damit herkömmliche Strukturen ablösen muss.
Ausgangspunkt der theoriegeleiteten Auseinandersetzung bildet Golemans Konzept Emotionale Führung, welches bezogen auf Teil I seines Bestsellers vorgestellt und kritisch betrachtet wird. Die öffentlich geführte Führungsdebatte wird auf ihre perspektivischen Fragestellungen hin im zweiten Teil genauer beleuchtet. Schlussfolgernd soll die Tragweite Emotionaler Führung innerhalb des angeforderten Paradigmenwechsels überprüft werden. Das Angebot von Personalentwicklung als Klammer zwischen individueller und organisationaler Veränderung soll im Anschluss kurz dargestellt werden. Die Arbeit erwartet keine abschließende Antwort auf die Eingangsfragen, sondern vielmehr Anregungen, die eigenen Bilder von Erwartungen an Führung infrage zu stellen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Emotionale Führung
1.1 Emotionen – Versuch einer Beschreibung
1.2 Neurophysiologie – was passiert in unserem Gehirn?
1.3 Resonante Führung
1.4 Dissonante Führung
1.5 Die vier Dimensionen emotionaler Intelligenz
1.5.1 Selbstwahrnehmung
1.5.2 Selbstmanagement
1.5.3 Soziales Bewusstsein
1.5.4 Beziehungsmanagement
1.6 Kritik
2. Führung unter geänderten Vorzeichen
2.1 Generationen und Wertewandel
2.2 Revolution der Arbeitswelt
2.3 Erwartungen an gute Führung
2.3.1 Führung zwischen Anspruch und Wirklichkeit
2.3.2 Führen mit Gefühl als Königsweg?
3. Personalentwicklung – die Unruhe im Getriebe
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob das Konzept der Emotionalen Führung eine bloße Modeerscheinung darstellt oder eine notwendige Antwort auf die Anforderungen der modernen, sich wandelnden Arbeitswelt und eine neue Generation von Arbeitnehmern ist. Dabei wird die Rolle der Personalentwicklung als Bindeglied zwischen individueller und organisationaler Veränderung kritisch beleuchtet.
- Kritische Analyse des Konzepts "Emotionale Führung" nach Goleman.
- Untersuchung des Wertewandels und der Anforderungen der Generation Y.
- Reflektion über die Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung und Megatrends.
- Rolle der Personalentwicklung im Kontext emotionaler Führung.
- Abgrenzung von "Emotionale Führung" zu einer emotional orientierten Führung.
Auszug aus dem Buch
1.2 Neurophysiologie – was passiert in unserem Gehirn?
Zentrum für die Entstehung und Verarbeitung von Emotionen sowie für Gedächtnisleistungen ist das limbische System, ein Komplex intrazerebraler, neuronal miteinander vernetzter Strukturen.
Im primitiven inneren Zirkel zwischen Thalamus und Amygdala trifft ein Stimulus auf Marker, die eine grobe Bewertung des Reizes in gefährlich oder ungefährlich zulassen. Mit der Kategorisierung als gefährlich ist das Substrat Angst hinterlegt, welches unmittelbar einen Fluchtreflex auslöst. Diese existenziell sichernde Leistung findet ohne das Bewusstsein auf der Ebene des Instinktes statt und ist triebgesteuert. Die inneren Strukturen enthalten essentielle neuronale Vernetzungen des gesamten limbischen Systems, funktionieren jedoch ohne Zuschaltung des äußeren Zirkels wie ein Kurzschluss.
Für die komplexe und bewusste Verarbeitung von Stimuli sind zerebrale Strukturen im präfrontalen Neocortex maßgeblich. Dort findet auf der Grundlage hinterlegter Erfahrungen und Gedächtnisleistungen eine bewusste Bewertung statt, welche Bedeutung dem Reiz zugeschrieben und wie die ausgelösten somatischen Reaktionen mit einem Gefühl in Verbindung gesetzt werden können. Hier wird auch das affektgesteuerte reaktive Handeln auf seine situative Angemessenheit hin bewertet und reguliert. Diese Fähigkeit verhindert ein rein triebgesteuertes Verhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Führungsverständnisses von kontrollierenden Managern hin zu emotional kompetenten Leadern und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein.
1. Emotionale Führung: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der emotionalen Führung nach Goleman, inklusive der neurophysiologischen Grundlagen, der Unterscheidung von resonanter und dissonanter Führung sowie der vier Dimensionen emotionaler Intelligenz.
2. Führung unter geänderten Vorzeichen: Das Kapitel analysiert den Einfluss von Wertewandel, Generationenunterschieden und Megatrends wie der Digitalisierung auf die moderne Arbeitswelt und die daraus resultierenden neuen Erwartungen an Führungskräfte.
3. Personalentwicklung – die Unruhe im Getriebe: Es wird untersucht, wie Personalentwicklung als systemisches Konstrukt Führungskräfte bei der Reflexion ihres Verhaltens und der Bewältigung von Ambiguität unterstützen kann.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass emotionale Orientierung eine permanente Aufgabe guter Führung ist, warnt aber vor der Überfrachtung des Konzepts mit Heilsversprechen und betont die Notwendigkeit eines kulturellen Wandels.
Schlüsselwörter
Emotionale Führung, Emotionale Intelligenz, Personalentwicklung, Führungskultur, Generation Y, Resonanz, Arbeitswelt 4.0, Selbstreflexion, Management, Leadership, Wertewandel, Organisationsentwicklung, Coaching, Ambiguitätstoleranz, Empathie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Relevanz und Anwendbarkeit des Konzepts der "Emotionalen Führung" in modernen Unternehmen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind emotionale Intelligenz, der Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung, die spezifischen Werte der Generation Y sowie die Rolle der Personalentwicklung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es zu hinterfragen, ob Emotionale Führung eine bloße Modeerscheinung ist oder ein notwendiges Element moderner, zukunftsfähiger Führungskultur.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoriegeleiteten Auseinandersetzung und Literaturanalyse, die Konzepte wie die von Goleman kritisch reflektiert und in den aktuellen Kontext einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung emotionaler Führung, die Analyse veränderter Rahmenbedingungen der Arbeitswelt und die Rolle der Personalentwicklung als Klammer zwischen individuellem und organisationalem Wandel.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Emotionale Führung, Generation Y, Organisationsentwicklung und Resonanz charakterisiert.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen resonanter und dissonanter Führung eine Rolle?
Sie hilft zu verstehen, dass Führungskräfte flexibel zwischen Stilen wählen müssen, wobei Resonanz langfristige Bindung schafft, während Dissonanz in Krisensituationen zeitweise notwendig sein kann.
Welche kritische Sichtweise nimmt die Autorin zum Konzept der emotionalen Intelligenz ein?
Die Autorin kritisiert eine mögliche "Illusion der Machbarkeit" und warnt davor, das Konzept als rein kommerzielles Instrument zur Steuerung von Mitarbeitern zu missbrauchen.
- Citar trabajo
- Katharina Deutschendorf (Autor), 2015, Emotionale Führung. Konjunkturelle Mode oder neue Ära des Managements?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298294