Aus wirtschaftspolitischer Sicht leben wir in historischen Zeiten. Ob Finanzmarktkrise, Staatsschuldenkrise, Rettungsschirme oder ein andauerndes Niedrigzinsniveau, diese Themen bestimmen die Medien seit dem Jahr 2008. Eine solch lang andauernde Krisensituation gab es auf den Finanz- und Kapitalmärkten in diesem Ausmaß zuletzt 1927 im Rahmen der Weltwirtschaftskrise.
Gerade die deutsche Wirtschaftspolitik hat durch die Zeit des Wirtschaftswunders einen angesehenen Ruf. Auch die Auswirkungen der aktuellen Krise sind in Deutschland vergleichsweise geringer zu spüren gewesen, als in anderen Ländern Europas oder beispielsweise in den USA. Die Ursachen hierfür reichen viele Jahrzehnte zurück. Nach der Niederlage im 2. Weltkrieg lag Deutschland wirtschaftlich am Boden. Es
bot sich dadurch allerdings auch die Chance, eine neue grundlegende Wirtschaftspolitik einzuführen. Keine 20 Jahre später ist daraus das deutsche Wirtschaftswunder erwachsen.
Federführend bei der Konzeption und Umsetzung dieser Wirtschaftspolitik waren Ludwig Erhard, Alfred Müller-Armack und Walter Eucken.
Speziell Walter Eucken gilt als Mitbegründer des Ordoliberalismus und war mit der Freiburger Schule eine treibende Kraft bei der Umsetzung der wirtschaftspolitischen
Maßnahmen dieser Zeit.
In diesem Rahmen stellte Walter Eucken einige wirtschaftspolitische Prinzipien auf, welche die Politik und das Handeln der Teilnehmer im Sinne der Wirtschaftspolitik sicherstellen sollte. Dies hat von der Nachkriegszeit über das Wirtschaftswunder bis zum Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise auch gut funktioniert. Wie konnte es also zu dieser Krise kommen? Sind diese Prinzipen, welche Jahrzehnte lang gut funktioniert haben und auch international als einige der sinnvollsten, wirtschaftspolitischen Prinzipien angesehen wurden eventuell überholt und nicht mehr aktuell? Oder hat man sich über diese Prinzipien hinweggesetzt und diese einfach nicht mehr eingehalten?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Person Walter Eucken
2.1 Kurzbiographie
2.2 Walter Eucken und sein Wirken in der Freiburger Schule
3 Grundlagen einer Volkswirtschaft
3.1 Funktionsweise einer modernen Volkswirtschaft
3.1.1 Preisbildung und Allokation
3.1.2 Marktformen und Wettbewerb
3.1.3 Idealtypische Wirtschaftsordnungen und ihre Kritik
3.2 Typen von Wirtschaftsordnungen in der Historie
3.2.1 Laissez-Faire
3.2.2 Zeitalter der Experimente
3.2.3 Soziale Marktwirtschaft
3.3 Unterteilung der Wirtschaftspolitik
3.3.1 Die Ordnungspolitik
3.3.2 Die Prozesspolitik
4 Die wirtschaftspolitischen Prinzipien Walter Euckens
4.1 Die konstituierenden Prinzipien
4.1.1 Primat der Währungspolitik
4.1.2 Funktionierendes Preissystem
4.1.3 Offene Märkte
4.1.4 Privateigentum
4.1.5 Vertragsfreiheit
4.1.6 Haftungsprinzip
4.1.7 Konstanz der Wirtschaftspolitik
4.2 Die regulierenden Prinzipien
4.2.1 Das Monopolproblem
4.2.2 Die Einkommensverteilung
4.2.3 Externe Effekte
4.2.4 Anormales Verhalten des Angebots
5 Die Staatsschuldenkrise
5.1 Ausgangspunkt Finanzmarktkrise
5.2 Weiterführende Ursachen der Staatsschuldenkrise
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Aktualität der wirtschaftspolitischen Prinzipien von Walter Eucken im Kontext der modernen Finanz- und Staatsschuldenkrise. Dabei soll analysiert werden, inwiefern die Nichteinhaltung dieser ordoliberalen Grundsätze als Mitverursacher der Krise identifiziert werden kann und ob heutige Lösungsansätze im Einklang mit Euckens Theorie stehen.
- Biographische und theoretische Einordnung von Walter Eucken und der Freiburger Schule
- Grundlagen der Funktionsweise von Marktwirtschaften und Wirtschaftsordnungen
- Detaillierte Analyse der konstituierenden und regulierenden Prinzipien nach Walter Eucken
- Vergleichende Untersuchung der Finanzmarktkrise und der europäischen Staatsschuldenkrise anhand der Euckenschen Prinzipien
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Primat der Währungspolitik
Eucken unterscheidet in seinen wirtschaftspolitischen Prinzipien zwischen den konstituierenden und den regulierenden Prinzipien. Die konstituierenden Prinzipien bilden den notwendigen Rahmen, welchen Eucken mit dem Wissen über die Statik eines Baumeisters beim Bau eines Hauses und dem notwendigen Wissen eines Wirtschaftspolitiker, welcher eine funktionierende Wettbewerbsordnung aufbauen möchte, vergleicht. Jede Volkswirtschaft hat eigene, regionale Probleme, Eigenarten und Ausgangslagen, sodass nicht immer allgemeingültige Prinzipen überall angewendet werden können, sondern die Analyse an der Wirklichkeit ausgerichtet sein muss. Daher sind weitere über die grundlegenden konstituierenden Prinzipien hinausgehende Maßnahmen notwendig. Dies sind die regulierenden Prinzipien, welche Eucken als „Wirtschaftspolitik innerhalb der Wettbewerbsordnung“ bezeichnet.
Betrachtet man alle Prinzipien im Ganzen, wird deutlich, dass für Eucken Wirtschaftspolitik mehr ist als nur die Funktion des Wirtschaftsapparates sicherzustellen, sondern eben neben der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der wirtschaftlichen Ordnung auch die Sozial- und Umweltpolitik umfasst. Die regulierenden Prinzipien haben somit keine Korrekturfunktion der Ordnungspolitik, sondern eine Unterstützungsfunktion und dienen deren Vervollkommnung. Übertragen auf die Wirtschaftspolitik kann man die Ordnungspolitik in Anlehnung an die konstituierenden Prinzipien, und die regulierenden Prinzipien angelehnt an die Prozesspolitik verstehen.
Eines der, in 3.3.2 beschrieben wirtschaftspolitischen Zielen ist die Preisniveaustabilität. Da Geldwertschwankungen, in ihren Extremformen Inflation und Deflation, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stören oder zum Erliegen bringen. Heute mag die Preisniveaustabilität selbstverständlich sein, doch Eucken hat die Notwendigkeit von Geldwertstabilität für eine funktionierende Wirtschaft und eine Wettbewerbsordnung bereits früh, und zwar zu einer Zeit, als diese Notwendigkeit noch nicht wissenschaftlich anerkannt gewesen ist, als systemrelevant bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt das Thema der Arbeit vor und beleuchtet die aktuelle wirtschaftspolitische Relevanz vor dem Hintergrund der Finanz- und Staatsschuldenkrise.
2 Die Person Walter Eucken: Gibt einen Überblick über das Leben von Walter Eucken und seinen maßgeblichen Einfluss auf die Freiburger Schule und den Ordoliberalismus.
3 Grundlagen einer Volkswirtschaft: Erläutert ökonomische Basismechanismen, verschiedene Wirtschaftsordnungen und die Differenzierung zwischen Ordnungs- und Prozesspolitik.
4 Die wirtschaftspolitischen Prinzipien Walter Euckens: Analysiert detailliert die konstituierenden und regulierenden Prinzipien, die als Fundament einer funktionsfähigen Wettbewerbsordnung dienen.
5 Die Staatsschuldenkrise: Untersucht die Ursachen der Finanz- und Staatsschuldenkrise und gleicht diese kritisch mit den Euckenschen Prinzipien ab.
6 Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert für eine Rückbesinnung auf ordnungspolitische Prinzipien als Lösungsweg für die aktuelle Krise.
Schlüsselwörter
Walter Eucken, Ordoliberalismus, Freiburger Schule, Wettbewerbsordnung, Wirtschaftspolitik, Ordnungspolitik, Prozesspolitik, Finanzmarktkrise, Staatsschuldenkrise, Primat der Währungspolitik, Preissystem, Privateigentum, Haftungsprinzip, Geldwertstabilität, Soziale Marktwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz der wirtschaftspolitischen Prinzipien von Walter Eucken für das Verständnis und die Bewältigung der aktuellen Finanz- und Staatsschuldenkrise.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte des Ordoliberalismus, die theoretischen Grundlagen der Volkswirtschaftslehre und die Analyse von Marktversagen sowie staatlichen Eingriffen in der Krise.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die Nichteinhaltung von Euckens Prinzipien die Krise mitverursacht hat und ob eine Rückkehr zu diesen Regeln zur Krisenlösung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Euckenschen Prinzipien in Verbindung mit einer historischen und ökonomischen Untersuchung der Finanz- und Staatsschuldenkrise.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen einer Volkswirtschaft, die Erläuterung von Euckens konstituierenden und regulierenden Prinzipien sowie deren Anwendung auf die Ursachenanalyse der Krise.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ordoliberalismus, Wettbewerbsordnung, Haftungsprinzip, Geldwertstabilität und die Unterscheidung von Ordnungspolitik und Prozesspolitik.
Warum ist das Haftungsprinzip nach Eucken so kritisch für die heutige Finanzwelt?
Eucken fordert, dass derjenige, der den Nutzen aus wirtschaftlichen Aktivitäten zieht, auch den Schaden tragen muss; die Arbeit zeigt auf, wie dieses Prinzip durch Bankenrettungen und fehlende persönliche Haftung ausgehebelt wurde.
Welchen Bezug stellt der Autor zur aktuellen EZB-Politik her?
Der Autor argumentiert, dass die expansive Geldpolitik der EZB und der Ankauf von Staatsanleihen das "Primat der Währungspolitik" und die "Konstanz der Wirtschaftspolitik" verletzen.
- Citation du texte
- Grischa Klawe (Auteur), 2015, Die Aktualität von Walter Euckens Prinzipien der Wirtschaftspolitik im Lichte der Staatsschuldenkrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298811