Das Mirandesische im Grenzgebiet von Spanien und Portugal


Examensarbeit, 2013

103 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Steckbrief

3. Historischer Überblick

4. Das wissenschaftliche Interesse am Mirandesischen
4.1 1882 bis Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts
4.2 Von den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts bis heute
4.3Convenção Ortográfica da Língua Mirandesa

5. Das Mirandesische als Minderheitensprache in Kontakt mit dem Spanischen und dem Portugiesischen
5.1. Merkmale des Mirandesischen
5.1.1. Phonetik und Phonologie
5.1.2. Morphologie
5.1.3. Syntax
5.1.4. Lexik
5.2. Konsequenzen des Sprachkontaktes
5.2.1. Bilinguismus
5.2.2. Diglossie
5.2.3. Code-Switching
5.2.4. Interferenzen

6. Das Mirandesische im schulischen Kontext: Zwischen Gesetzgebung und Realität
6.1. Geschichte des Schulfachs
6.2. Status und Probleme der Lehrpersonen
6.2.1. Lehrmaterialien
6.3 Aktueller Status bei Kindern und Jugendlichen
6.3.1. Ziel der Erhebung
6.3.2. Wahl der Methode im Vergleich zu den Interviews mit den Lehrpersonen
6.3.3. Wahl der befragten Personen
6.3.4. Auswertung der Erhebung
6.3.5. Nachfrage nach Mirandesischkursen

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

Warum ist es von Interesse, sich wissenschaftlich mit einer Sprache zu beschäftigen, die in einer begrenzten Region von nicht mehr als etwa 7000 Menschen in einem Land mit etwa elf Millionen Einwohner*innen gesprochen wird? Hierfür gibt es historische, kulturelle, gesellschaftspolitische, aber vor allem linguistische Gründe. Das Mirandesische ist eine jahrhundertealte Sprache, der die portugiesische Regierung eine solche Bedeutung beigemessen hat, dass sie als zweite offizielle Sprache anerkannt worden ist. Durch die Ausdehnung des Sprachgebiets, das in früheren Epochen um einiges größer war als heute, sowie durch bestimmte sprachliche Charakteristika lässt sich das Mirandesische dem Spanischen beziehungsweise dem Asturisch-Leonesischen[1]zuordnen. Dies zu belegen, macht den ersten Teil der vorliegenden Arbeit aus.

Noch zu Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts sind die Bezeichnungen für das Mirandesische vielfältig und widersprüchlich. Zum einen stößt man im öffentlichen Diskurs auf die Beschreibungen „fala charra“ oder „fala caçurra“ (inkorrekte Sprache), „fala de aldé“ (Dorfsprache) oder „mezcla de Español y Portugués“ (Mischung aus dem Spanischen und dem Portugiesischen). Auf wissenschaftlicher Ebene wird das Mirandesische zum anderen als jahrhundertealter Dialekt, autochthone Sprache, Minderheitensprache oder zweite offizielle Sprache Portugals bezeichnet. Also stellt sich die Frage, um was für eine Sprachform es sich handelt, deren Namensgebung sowohl das heute noch bestehende geringe soziale Prestige, als auch das wissenschaftliche Interesse an ihren Strukturen und den Versuch sie aufzuwerten widerspiegelt.

In der vorliegenden Arbeit soll die Herkunft des Mirandesischen in Form eines allgemeinen Überblicks über seine historische Entwicklung dargelegt werden. Des Weiteren wird beleuchtet, in welchem Maß die wissenschaftlichen Arbeiten von vielen Linguist*innen zu seiner Aufwertung beigetragen haben. Darüber hinaus werden die phonetischen, morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Merkmale des Mirandesischen im Vergleich mit dem Spanischen und Portugiesischen analysiert. Abschließend wird dargestellt, unter welchen Bedingungen das Mirandesische unterrichtet wird, und welchen Status es heute bei Kindern und Jugendlichen hat.

2. Steckbrief

Das Mirandesische ist eine Varietät des Asturisch-Leonesischen. Diese Varietät wird aber nicht in Spanien, sondern im Nordosten Portugals gesprochen, in Terra de Miranda (Mir. Tierra de Miranda), einem etwa 500 km[2] großen Gebiet des Verwaltungsbezirks Miranda do Douro, der zur Provinz Trás-os-Montes gehört. Im Westen und Süden bilden der Fluss Angueira und im Osten der Douro eine natürliche Grenze zu Spanien. Im Norden markiert die politische Grenze zwischen den beiden Iberischen Staaten auch die Sprachgrenze.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Merlan 2012, S. 5

Gegenwärtig wird das Mirandesische von ca. 7000 Menschen in 16 von 17 Gemeinden des Bezirkes Miranda do Douro gesprochen: São Martinho, Cicouro, Constantim, Póvoa, Infanes, Paradela, Genísio, Malhadas, Stadt Miranda do Douro, Duas Igrejas, Águas Vivas, São Pedro da Silva, Palaçoulo, Vila Chã da Braciosa, Picote, Sendim. (Vgl. Merlan 2012, S. 51-52)

Das Mirandesische ist seit 1999 die zweite offizielle Sprache Portugals. 2001 wurde es von der Europäischen Union als Minderheitensprache anerkannt. Es ist in derEuropäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachenregistriert, die durch Portugal ratifiziert worden ist.

Einen ersten Einblick in dieses Sprachsystem bietet das folgende Textbeispiel aus der SchülerzeitschriftLa Gameta:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Historischer Überblick

Warum wird im Nordosten Portugals eine Varietät des Leonesichen gesprochen, und wieso hat diese Sprache bis heute in diesem Gebiet bestehen können? Die Antworten auf diese Fragen müssen in der historischen und sprachlichen Entwicklung des Gebietes Terra de Miranda gesucht werden.

Das Mirandesische ist wie andereromancesauf der Iberischen Halbinsel im 6. Jahrhundert n. Chr. entstanden. Die Differenzierung aus dem Vulgärlatein beginnt nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches, als die Iberische Halbinsel bereits eine politische Einheit unter der Herrschaft der Westgoten bildet. Das administrative System der Römer wird größtenteils von den neuen Herrschern übernommen. Deshalb gehört das Gebiet Terra de Miranda weiterhin zum Conventus Iuridicus von Asturica Augusta (das heutige Astorga) und nicht zum Conventus Iuridicus von Bracara Augusta (das heutige Braga). (Vgl. Cahen 2009, S. 24-26)

Die arabische Invasion ab 711 n. Chr. hat nur geringen Einfluss auf die Region, die heute dem Nordosten Portugals entspricht. Die kirchlichen und administrativen Strukturen bleiben überwiegend erhalten und werden von den im Laufe der Reconquista entstehenden christlichen Königreichen übernommen. Terra de Miranda gehört seit dieser Zeit zu dem Königreich von León und somit zum asturisch-leonesischen Sprachsystem. Das Mirandesische existiert ursprünglich also schon vor der politischen Gründung Portugals im 12. Jahrhundert (1143). Als der selbsternannte erste König Portugals, Afonso Henriques (1109?-1185), gegenüber dem König von León die Unabhängigkeit seiner Grafschaft Condado Portucalense[2]erklärt, liegt das heutige Terra de Miranda nicht in seinem Herrschaftsgebiet. (Vgl. Santos 1967, S. 89) Jedoch führt die politische Unabhängigkeit Portugals bis Ende des 13. Jahrhunderts nicht zum Frieden. Das nordöstliche Grenzgebiet ist ständig zwischen den beiden Nachbarländern umkämpft. Dies führt dazu, dass die Region Terra de Miranda zeitweise León, zeitweise Portugal zugeschrieben wird. (Vgl. Santos 1967, S. 92)

Kirchlich gehört das Gebiet zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert jedoch zur leonesischen Diözese Astorga. José Herculano de Carvalho und Roberto Ceolin unterstreichen sogar die Bedeutung der leonesischen Kolonisierung durch die Zisterzienser der Abteien von Moreruela und San Martín de Castañeda sowie durch den Templerorden aus Alcañices (heutige spanische Provinz Zamora). Diese Mönche erhalten von der portugiesischen Krone viele große Ländereien. Sie missionieren in der Region und hinterlassen sowohl den katholischen Glauben und die christliche Kultur, als auch ihre Sprache. (Vgl. Carvalho 21973, S. 77-78; Ceolin 2002, S. 64)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Cahen, S.41

Aber auch nach der endgültigen Festschreibung der portugiesischen Staatsgrenzen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bleibt der Einfluss des Leonesischen bestehen. DieInquirições[3]des portugiesischen Königs Afonso III. (1210-1279) berichten von einer Wiederbesiedlung des Gebiets des heutigen Terra de Miranda mit Menschen aus León. Darüber hinaus fördert die portugiesische Krone während des Mittelalters den Handel mit den leonesischen Gebieten nahe der Grenze. Auf Grund der geographischen Isolation ist der wirtschaftliche, soziale und familiäre Austausch zwischen der mirandesischen Bevölkerung und den Gemeinden auf der anderen Seite der Grenze viel stärker als mit der portugiesischen Bevölkerung sogar innerhalb der Provinz von Trás-os-Montes. Laut Roberto Ceolin sind es diese Faktoren, welche das jahrhundertealte Bestehen dieser Varietät des Leonesischen auf portugiesischem Territorium erklären:

„(...)tudo isto ajudou a que a zona hoje ocupada pelo concelho de Miranda do Douro mantivesse, (…), relações privilegiadas com as terras do antigo Reino de Leão e que a língua leonesa ocidental, idioma originário do Conventus de Asturica Augusta, se fosse reciclando em terras portuguesas, pelo menos, até ao século XVI.“ (Ceolin 2002, S. 64)

Mitte des 16. Jahrhunderts versucht König João III. (1502-1557) die Isolierung der Region zu verringern, indem er Miranda do Douro 1545 zur Stadt ernennt und somit zum administrativen, militärischen und kulturellen Zentrum von Terra de Miranda erhebt. Er erreicht sogar, dass Papst Paul III. die Stadt noch im selben Jahr zur Diözese aufwertet.

Allerdings kann die Isolation der neuen Stadt weder geographisch noch wirtschaftlich oder kulturell überwunden werden, denn es fehlt die Basis für eine Erschließung der Region, der Ausbau einer Infrastruktur. Darüber hinaus hat die Einführung des Portugiesischen als Sprache der Kirche und Verwaltung negative Folgen für die Entwicklung des Mirandesischen. Die abnehmende Bedeutung und der Rückgang der Sprache, vor allem in der Stadt, schreiten sehr schnell voran. In Miranda do Douro (Stadt) wird am Ende des 16. Jahrhunderts das Mirandesische kaum mehr gesprochen. Es wird zur inkorrekten, bäuerlichen Sprache degradiert. Vor allem ist es aber die Sprache der Analphabeten. „In der Stadt Miranda do Douro, (…), wurde das Mirandesische zwischen Anfang des 17. Jahrhunderts und der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts völlig durch das Portugiesische verdrängt.“ (Merlan 2012, S. 57)

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ist der Untergang der Stadt sowie der ganzen Region nicht mehr aufzuhalten. Während des Krieges mit Spanien (1792) wird die Burg von Miranda do Douro durch eine Explosion zerstört und ein Drittel der Bevölkerung dabei getötet. Ein Jahr später verliert Miranda do Douro den Sitz des Bistums zugunsten von Bragança. Anfang des 19. Jahrhunderts wird Bragança Hauptstadt der Provinz Trás-os-Montes und somit auch Sitz der Verwaltung.

In seinem WerkLe Portugal bilinguestellt Michel Cahen fest: „L’histoire de la Tierra de Miranda fut sans doute, depuis le haut Moyen Âge, avant tout celle d’une marginalité.“ (Cahen 2009, S. 24) Diese jahrhundertealte Marginalität hat also geographische, wirtschaftliche und soziokulturelle Ursachen.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Region Terra de Miranda nur sehr schwer zu erreichen. Die wenigen vorhandenen Straßen sind nicht asphaltiert. Bei Regen, Schnee und Eis sind sie im Winter meist unpassierbar. Die Zugverbindung, die erst seit 1938 besteht, erreicht nicht einmal die Stadt Miranda do Douro, und der Zug fährt nur ein Mal am Tag. Auch andere öffentliche Verkehrsmittel zwischen Miranda und dem Umland fahren höchstens ein Mal täglich, falls dies überhaupt möglich ist. Es gibt keinen Strom, und auch öffentliche Wasserleitungen sind selten. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es kaum Industrie in der Region. Die wirtschaftliche Grundlage der Mirandes*innen bildet Landwirtschaft und Viehzucht. (Vgl. Merlan 2012, S. 58)

Die Menschen der Region leben jahrhundertelang isoliert in ihren Dörfern. Sie pflegen ihre Traditionen und geben auch ihre Sprache nur mündlich an die nachkommenden Generationen weiter. Ihre Sprache, das Mirandesische, hat José Leite de Vasconcelos bezeichnet als „(…) uma lingoa domestica de um povo simplez, entregue aos trabalhos ruraes, e afastado do resto de Portugal num canto da província mais atrasada, material e intellectualmente.“ (Vasconcelos 1900, S. 153)[4]

Die Zahl der Analphabeten in Terra de Miranda ist schon immer sehr hoch gewesen. Im Jahre 1900 stellt Vasconcelos fest, dass zu dieser Zeit 89,36% der Bevölkerung des Bezirkes Miranda do Douro und 83, 99% des Bezirks Vimioso weder lesen noch schreiben kann. Ein halbes Jahrhundert später hatte sich daran kaum etwas geändert. 1958 kommt José Herculano de Carvalho zu dem Ergebnis, dass die Schule im Leben der Mirandes*innen kaum eine Rolle spielt. (Vgl. Carvalho 1958, S. 17)

In Terra de Miranda bildet sich bis in das 20. Jahrhundert hinein weder das Bewusstsein eines gemeinsamen sprachlichen und kulturellen Raumes heraus, noch entwickelt sich eine Schriftsprache. Auch hat sich nie eine soziale und kulturelle Elite gebildet, die das Mirandesische hätte aufwerten können. Die Herausbildung von zwei Staatssprachen, das Portugiesische und das Spanische, führt allmählich dazu, dass sich diese Varietät auf kleine ländliche Gemeinden beschränkt. Laut Quarteu/Conde durchläuft das Mirandesische die gleiche Entwicklung wie die anderen Varietäten im asturisch-leonesischen Sprachgebiet:

„L’assençon de las lhénguas „fuortes“ (ó seia, apoiadas pul gobierno dun stado), l pertués i l castelhano, fizo cum que eilhas quedássen cada beç más limitadas als pequeinhos núcleos rurales.” (Quarteu/Conde 2001, S.89)

Allerdings ist es für das Überleben des Mirandesischen auch ein Vorteil, dass die politische Grenze zwischen Spanien und Portugal das Leonesische auf portugiesischem Territorium vor der rigorosen Sprachpolitik Spaniens beschützt, die das Castellano über die anderen hispanischen Sprachsysteme stellt. Hinzu kommen die jahrhundertealte Isolierung von Terra de Miranda, ihre Distanz zu allen wichtigen portugiesischen Städten, ihre wirtschaftliche und soziokulturelle Rückständigkeit, die dazu führen, dass das Mirandesische, wenn auch nur in kleinen Dörfern, aber vom Portugiesischen kaum beeinflusst überleben kann. (Vgl. Ceolin 2002, S. 64) Die über Jahrhunderte bestehende Vitalität des Mirandesischen kann jedoch nicht verhindern, dass die Sprecher*innen dem Portugiesischen einen übergeordneten Status zusprechen. Auch heute trifft man häufig auf Mirandes*innen, die die erste offizielle Sprache Portugals als „die Korrekte“, das Mirandesische jedoch als „charra“ (inkorrekt) und schlicht bezeichnen. (Vgl. Ceolin 2002, S. 70)

Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebt die Region einen allmählichen Aufschwung. Das Straßennetz wird verbessert und ausgebaut, heute verbindet eine Autobahn Miranda do Douro mit Porto. Der Bau der Staudämme entlang des Douro, die Stromversorgung für alle Orte, aber auch der Ausbau der Medien (TV, Radio, Kino, inzwischen auch Internet) sind ebenfalls wichtige Faktoren für die Modernisierung des Gebiets. Bald entwickelt sich auch eine Industrie, die zu einem wirtschaftlichen, wenn auch begrenzten Aufschwung führen und das Abwandern der jüngeren Generationen bremsen. Durch das ProjektDouro Internacional, welches zum heutigen Naturschutzgebiet auf beiden Seiten des Flusses geführt hat, fördert der Bezirk Miranda do Douro gemeinsam mit der spanischen Provinz Zamora den Tourismus. Vor allem für Naturliebhaber*innen, Wanderer und Wassersportler*innen ist die Region interessant geworden.

Ende der 60er Jahre wird das unter dem Namen des damaligen Kultusministers Veiga Simão bekannte Gesetz verabschiedet, das eine grundsätzliche Reform des portugiesischen Bildungssystems von der Grundschule bis zur Universität regelt. Entscheidend ist die Einführung der Schulpflicht für jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr, und zwar in portugiesischer Sprache[5].

Diese späte, aber schließlich recht schnelle Öffnung von Terra de Miranda zur modernen Welt führt zweifellos dazu, dass die Mirandes*innen sich endlich gesellschaftlich und politisch in Portugal integriert fühlen können. Dies hat allerdings negative Folgen für das Mirandesische.

Zum einen besteht der Kontakt des Mirandesischen und des Portugiesischen nicht mehr nur auf kirchlicher oder administrativer Ebene wie in den vorangegangenen Jahrhunderten. Dieser Kontakt ist alltäglich geworden. Er findet im Radio und im Fernsehen, auf dem Markt, in den Geschäften, in den Cafés, in den Kneipen oder am Arbeitsplatz statt. Denn viele Saisonarbeiter, die für den Ausbau der Infrastruktur in die Region gekommen sind, werden zu einem Bestandteil der Bevölkerung. Laut Quarteu/Conde führt das Verhältnis zwischen der autochthonen und der immigrierten Bevölkerung während der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zu einer erneuten Verschlechterung des Prestiges des Mirandesischen:

“Al oubir ls mirandeses de las aldés a falar an mirandés, estas pessonas de fuora rien-se i dezien que las pessonas lhocales nun sabien falar bien, que éran eignorantes (...). Esso fizo cun que ls mirandeses tubíssen cada beç mais bargonha de falar la sua lhéngua, ampeçando a eidenteficar-la cumo ũa lhéngua de pessonas eignorantes.” (Quarteu/Conde 2001, S. 91)

Zum anderen sind die schärfsten Gegner*innen dieser Sprache die Grundschullehrer*innen. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben besteht darin, den Kindern das Mirandesische zu verbieten. Dem liegt die Annahme zu Grunde, dass so das Portugiesische schneller und besser gelernt werden kann. Wie Alfredo Cameirão[6]in einem Interview, das für diese Arbeit mit ihm geführt worden ist, erwähnt: „Als Sohn der Dorflehrerin durfte ich ganz sicher kein Mirandesisch sprechen. Das war verboten!“. Er fügt jedoch hinzu, dass die älteren Dorfbewohner*innen natürlich noch Mirandesisch untereinander sprechen und es so, „(…)da die Kinder nicht taub waren (…)“, trotzdem weitergeben. (Vgl. Anhang 1. Interview Cameirão)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das Mirandesische nur noch im familiären Bereich oder mit Freunden, Bekannten und Nachbarn gesprochen. Das Portugiesische ist definitiv zur Prestigesprache geworden, und die Mirandes*innen benutzen es automatisch im Kontakt mit Fremden, mit Menschen, die einen besseren sozialen Status haben, mit Vertreter*innen der Kirche, der Administration oder der Politik. In den Familien sprechen oft nur noch die Großeltern die autochthone Sprache. Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts ist das rein mündlich überlieferte Mirandesische vom Aussterben bedroht.

Für die 80er Jahre des selben Jahrhunderts sind drei Faktoren aufzuzeigen, die es ermöglichen, dass das Mirandesische wieder an Bedeutung gewinnen kann:

1. Das steigende Interesse portugiesischer und ausländischer Sprachwissenschaftler*innen;
2. Die Bemühungen einer kleinen, aber sehr aktiven Elite intellektueller Mirandes*innen, die Sprache aufzuwerten;
3. Die unermüdliche Arbeit desCentro de Linguística da Universidade de Lisboaund desCentro de Linguística da Universidade de Coimbra, die eine reichhaltige Datenerfassung durch Interviews und Tonaufnahmen ermöglichen.

Ohne die Konvergenz dieser drei Formen der Aufwertung der autochthonen Sprache wäre es nicht zu ihrer Normierung gekommen. Diese wird in derConvenção Ortográfica da Língua Mirandesa(1999) konkretisiert. Darauf wird in dieser Arbeit später noch eingegangen.

Heute gibt es außerdem Sammlungen volkstümlicher Literatur (Prosa, Lyrik, Theater) aus Terra de Miranda und Abhandlungen darüber. Des Weiteren veröffentlichen einige Schriftsteller*innen Lyrik, Erzählungen, Romane und Kinderliteratur auf Mirandesisch. Lateinische Texte, ausländische Kinderliteratur sowie klassische Autoren der portugiesischen Literatur werden übersetzt. Es erscheinen Zeitungen in der autochthonen Sprache. Abgesehen von der mittlerweile ebenfalls umfangreichen Sammlung von traditioneller Musik gibt es CDs von mirandesischen Jugendbands. Ihre Musik ist zentraler Teil eines wöchentlichen Radioprogramms, das auf Mirandesisch gesendet wird. Auch im Internet (Wikipedia) ist die Sprache vertreten. Die beste, ausführliche, wissenschaftlich aufgebaute Seite zum Mirandesischen ist diejenige vom Centro de Linguística da Universidade de Lisboa (http://mirandes.no.sapo.pt). Das Wichtigste jedoch ist, dass dielhéngua mirandesaden Status der zweiten offiziellen Sprache Portugals erlangt und somit auch ihren Platz im Bildungssystem erhalten hat. Darauf wird in dieser Arbeit noch im KapitelDas Mirandesische im schulischen Kontexteingegangen.

Es existieren ebenfalls Institutionen wie dasAnstituto de la Lhéngua Mirandesa(Sitz in Miranda do Douro Stadt),dieAssociaçon de la Lhéngua Mirandesa (ALM)und dasCentro de Estudos António Maria Mourinho(Sitz in Miranda do Douro Stadt).DasAnstitutowird von Domingos Raposo und Júlio Meirinhos mit der Unterstützung des Rathauses von Miranda do Douro im Jahre 2000 gegründet. Es widmet sich der Erforschung, der Förderung und der Verbreitung des Mirandesischen. Seine Gründung förderte sowohl die Anerkennung des Mirandesischen als Minderheitensprache in der Europäischen Union, als auch ihre Präsenz 2001 imAno Europeu das Línguas(vertreten mit einem Beitrag von Manuela Barros Ferreira). DieALMwird 2001 von Amadeu Ferreira in Lissabon gegründet und organisiert bis heute regelmäßige Sprachkurse. DasCentro de Estudosbeschäftigt sich nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit der Kultur und der Geschichte der Terra de Miranda. In der vomCentro de Estudosherausgegebenen ZeitschriftTierra de Mirandakönnen Interessierte wissenschaftliche Beiträge zu mirandesischen Themen veröffentlichen. Neben der Internetseite desCentro de Linguística da Universidade de Lisboaist auch die desCentro de Estudos António Maria Mourinhosehr zu empfehlen, wenn Interesse an der mirandesischen Sprache und Kultur besteht (http://ceamm.no.sapo.pt). Außerdem ist die ZeitschriftLa Gametazu erwähnen. Es handelt sich hierbei um eine Sammlung von kleinen literarischen Werken auf Mirandesisch, die von Schüler*innen geschrieben werden. Der Lehrer Duarte Martins hat das Projekt 2004 mit Hilfe des Rathauses von Miranda do Douro gestartet. Leider gibt es nicht immer genügend finanzielle Mittel, umLa Gameta regelmäßig herauszubringen.

Im folgenden Kapitel soll das wachsende wissenschaftliche Interesse am Mirandesischen beleuchtet werden.

4. Das wissenschaftliche Interesse am Mirandesischen

Die wissenschaftliche Literatur zur mirandesischen Sprache und Kultur umfasst vor allem Beiträge zu Kongressen und Artikel in Zeitschriften. Monographien sind kaum vorhanden. In diesem Kapitel werden ausschließlich sprachwissenschaftliche Studien zusammenfassend behandelt.

4.1 1882 bis Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts

Es war José Leite de Vasconcelos (1858-1941), der 1882, als Student an der Universität von Porto, das Mirandesische durch seine ArbeitO dialecto mirandez.Contribuição para o estudo da dialectologia românica no domínio glotológico hispano-lusitanobekannt machte. Es handelt sich um eine 39-seitige Studie, die durch die zufällige Bekanntschaft des Autors mit einem mirandesischen Kommilitonen entstanden ist. In dieser Pionierarbeit werden die grundlegenden phonetischen und morphologischen Merkmale des Mirandesischen dargestellt. Sie ist das Ergebnis von Interviews, die Vasconcelos mit seinem Studienkollegen, einer in Porto ansässigen analphabetischen Mirandesin und anderen vom Autor nicht direkt identifizierten Sprecher*innen des Mirandesischen durchgeführt hat. Die Eigenschaften dieses bis zu diesem Zeitpunkt unbekannten Dialekts stellt Vasconcelos immer in Bezug auf ihre lateinischen Ursprünge dar. Gleichzeitig vergleicht der Autor die Entwicklung des Mirandesischen aus dem Vulgärlatein mit derjenigen des Portugiesischen sowie des Kastilischen. Diese Vergleichsmethode führt ihn schon in dieser Zeit zu zwei für die zukünftige Forschung über das Mirandesische maßgebenden Schlussfolgerungen:

„Pode-se establecer que o mirandês pertence ao domínio espanhol, como proximo do leonês. (...). Vem ocupar o seu lugar (...) ao lado do asturo-leonês, entre este sub-grupo e o sub-grupo galaico-português.” (Vasconcelos 1882, S. 38)

Diese Einordnung des Mirandesischen als grundlegendes Puzzleteil im iberoromanischen Kontinuum, seine historische Zugehörigkeit zum spanischsprachigen Gebiet sowie seine Nähe zum Leonesischen werden in Vasconcelos bekanntestem WerkEstudos de Philologia Mirandesaausführlicher dargestellt. Das zweibändige Werk erscheint erstmals 1900/01 in Lissabon und bildet heute noch die Grundlage für das Studium des Mirandesischen. Während eines langen Aufenthalts in Terra de Miranda war es Leite de Vasconcelos möglich gewesen, durch Interviews mit Sprecher*innen des Mirandesischen eine große Fülle von Materialien zu sammeln. Seine Befragten waren Männer und Frauen unterschiedlicher Altersgruppen und aus unterschiedlichen Dörfern in Terra de Miranda. Diese neue Methode, die er schon in seiner ersten Arbeit benutzt hatte, und deren Bedeutung er unablässig betonte (Vgl. Vasconcelos 1900, S. 18), ermöglichte ihm, seine Kenntnisse zu vertiefen und eine fundierte Arbeit über die Phonologie, Morphologie und Syntax des Mirandesischen zu veröffentlichen. Diese drei Komponenten, die den Kern des ersten Bandes ausmachen, bilden im Grunde eine historische Grammatik des Mirandesischen. Im Vergleich zu Phono- und Morphologie ist die Analyse der Syntax weniger systematisch. Der Autor selbst erklärt, dass er sich nicht im gleichen Maße mit der Syntax beschäftigen konnte, da sie derjenigen des Portugiesischen sehr ähnele. (Vgl. Vasconcelos 1900, S. 465)

Der zweite Band ist eine bemerkenswerte, wegbereitende Sammlung von Untersuchungen für die nachkommenden Generationen von Linguisten. In diesem Band wird

1. der Umfang des Sprachgebiets des Mirandesischen skizziert;
2. bewiesen, dass dieses Gebiet im Mittelalter größer war, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts;
3. der autochthone Charakter des Mirandesischen ermittelt, indem auf die eigene Entwicklung aus dem Vulgärlatein verwiesen wird: „O mirandês há-de considerar-se não só como continuação do latim vulgar que se falou na epoca romana no territorio correspondente à Terra de Miranda mas como um dos idiomas do systema linguistico do Noroeste da Ibéria.“ (Vasconcelos 1901, S. 6);
4. bereits darauf aufmerksam gemacht, dass das Mirandesische eigene Varietäten entwickelt hat;
5. im Vorgriff auf die Soziolinguistik, aufgezeigt, in welchen Situationen das Mirandesische und das Portugiesische angewendet werden. Obwohl die ländliche mirandesische Bevölkerung meist weder lesen noch schreiben konnte, beherrschte sie auch das Portugiesische. Deshalb verweist der Autor bereits auf den Bilinguismus, das Code-Switching und den Mangel an Prestige;
6. eine Liste alter portugiesischer Texte erstellt, deren zentrales Thema Terra de Miranda ist.

Außerdem beinhaltet dieser Band einen Anhang mit Textbeispielen für die Varietäten des Mirandesischen (Mirandês Raiano, Sendinês, Mirandês Central)[7]. Darüber hinaus befinden sich in diesem Anhang auch volkstümliche Erzählungen und Verse, die von Vasconcelos transkribiert worden sind. (Vgl. Vasconcelos 1901, S. 279)

Diese beiden Pionierwerke von José Leite de Vasconcelos ermöglichten Ramón Menendez Pidal 1906 im Rahmen seiner Arbeit El dialecto leonésQuerverweise zum Mirandesischen. In seinem Werk beschreibt er die Phono- und Morphologie des Leonesischen. Hierbei zieht er konsequent Vergleiche mit dem Mirandesischen, das er als „Verlängerung“ des westlichen Leonesischen auf portugiesischem Gebiet betrachtet. (Vgl. Pidal 31990, S. 12-13) So wie Vasconcelos nennt Pidal ebenfalls die historischen Gründe für das Überleben eines leonesischen Dialekts auf portugiesischem Territorium:

„Es, sin duda, chocante que en un rincón de Portugal se desarrollase un dialecto leonés, pero esto se explica sin dificultad atendiendo a que la constitución de los dialectos del Norte del Duero es evidentemente anterior a la delimitación del reino portugués en el siglo XII. El leonesismo del mirandés obedece a razones históricas mucho más antiguas, pues la tierra de Miranda en la España romana pertenecía, no al convento jurídico bracarense, sino al Asturiense, y en la Alta Edad Media la iglesia de Braganza perteneció a la diócesis de Astorga, (...). Si la tierra de Miranda era primitivamente una hijuela de Astorga, nada más natural que el dialecto de ambas regiones sea el mismo.” (Pidal 31990, S. 13)

In seinem WerkOrígenes del español. Estudio lingüístico de la Península Ibéricabeschäftigt sich Pidal erneut mit dem Thema der Herkunft und des Überlebens des Mirandesischen. Allerdings beschränkt er sich auf eine Wiederholung der bereits inEl dialecto leonésdargestellten Standpunkte. (Vgl. Pidal 61968, S. 435)

1952 veröffentlicht José Herculano de Carvalho in derRevista Portuguesa de Filologiaeinen Artikel mit dem TitelPorque se fala dialecto leonês em Terra de Miranda?[8]. In diesem Text widerspricht Carvalho seinem Kollegen Pidal. Seiner Meinung nach sind die vom spanischen Linguisten zitierten historischen Fakten nicht entscheidend, um die Existenz des Mirandesischen auf portugiesischem Territorium zu erklären. Carvalho zufolge haben die für die Region spezifischen sprachlichen und kulturellen Merkmale einen anderen Ursprung. Zum Einen sind sie eine Folge der starken leonesischen Kolonisierung des portugiesischen Nordostens, die vom 13. bis zum 15. Jahrhundert andauerte. Zum Anderen gibt der Autor auch folgende Gründe an: Die Isolation der Region sowie die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und familiären Beziehungen zwischen den Mirandes*innen und der Bevölkerung aus der Provinz von Zamora während des Mittelalters:

„(…) se o domínio da Sé de Astorga (...) foi suficientemente prolongado e a sua acção colonizadora suficientemente intensa (...) para estabelecer na Terra de Miranda o uso do dialecto leonês, a colonização leonesa do século XIII que provavelmente se prolongou até ao século XV, não contribuiu de certo em pequeno grau para a fixação da sorte linguística daquela região. (...) O isolamento desta zona com respeito ao resto do país e (...) o contacto íntimo, quer comercial quer social (casamentos), com os povos de Aliste e Saiago permitem explicar a sua conservação até aos nossos dias.” (Carvalho 21973, S. 89)

Geographisch erstreckte sich diese Kolonisierung über das heute als Provinz von Trás-os-Montes bekannte Gebiet.

Im Rahmen seiner HabilitationsschriftFilologia Mirandesa(1958) und in dem ArtikelElementos estranhos no vocabulário mirandês(1973) setzt sich Herculano de Carvalho mit dem Mirandesischen erneut auseinander.Im ersten Werk untersucht er allgemein den mirandesischen Vokalismus und insbesondere die Entwicklung desĕ/ēund desŏ/ōin betonter Silbe vom Vulgärlatein zum Mirandesischen[9]. InElementos estranhosbeschäftigt sich Carvalho mit dem Problem des Sprachkontakts in der Grenzzone zwischen Terra de Miranda und Spanien.

Sowohl die Diskussion über die Herkunft und das Überleben des Mirandesischen, als auch das Interesse an dieser Sprache im Allgemeinen verliert allmählich für die iberischen Sprachwissenschaftler*innen an Bedeutung. Mit dem Francoregime an der Macht setzt in Spanien nach dem Bürgerkrieg die Unterdrückung der Regionalsprachen ein. Abgesehen von dem o.g. Werk von Pidal Orígenes del Español(1926) gibt es nur wenige Studien, die sich im Rahmen der Dialektologie oder der Sprachgeschichte mit dem Mirandesischen beschäftigen. Zu erwähnen sindDialectología Española(1960) von Alonso Zamora Vicente,História de la Lengua Española(1962) von Rafael Lapesa undLa formación de los domínios lingüísticos de la Península Ibérica(11958, 21972) von Kurt Baldinger. Erst 1996, ungefähr 20 Jahre nach dem Sturz der Diktatur, erscheint in Spanien ein Werk, das dem Mirandesischen ein ganzes Kapitel widmet. Es handelt sich umManual de Dialectología Hispánica. El Español de España(Bd. 1) von Manuel de Alvar. Autorin des Kapitels ist Clarinda Azevedo Maia. Bevor sie sich mit den phonetischen und morphologischen Merkmalen des Mirandesischen auseinandersetzt, gibt die Autorin in ihrem Beitrag eine Zusammenfassung der Thesen von Pidal und Carvalho. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich beide Positionen historisch sogar ergänzen können. (Vgl. Maia, S. 160-161)

In all diesen Werken werden die Erkenntnisse und Bewertungen, die durch Vasconcelos, Pidal und Carvalho veröffentlicht wurden, lediglich wiederholt. Das Mirandesische wird immer alsDialektim Sinne einer minderwertigen Variante bezeichnet und meist nur im Zusammenhang mit dem Leonesischen behandelt.

Während dieser Periode war die Stellung des Mirandesischen in Portugal nicht viel besser als in Spanien. Die sozialpolitische Epoche war auch nicht besonders günstig für ein Interesse an diatopischen Varietäten der nationalen Sprache, geschweige denn für das Mirandesische, das dem Portugiesischen so fern zu sein schien. Die Diktatur des “Neuen Staates” (Estado Novo), die ab 1930 an der Macht war, förderte mit dem Ziel der Indoktrination die nationalistische Idee einer einzigen, einheitlichen Sprache, Trägerin der Identität einer Nation, die auf drei Kontinente (Europa, Asien, Afrika) verteilt, aber trotzdem vereint war. António Bárbolo Alves charakterisiert die Situation des Mirandesischen in dieser Zeit wie folgt:

“Mas quanto a la lhéngua tamien ye berdade que l’eideia d’un Portual monolingue fizo scola na sociedade i dentro de las paredes de muitas Ounibersidades. Por isso, nun hai qu’admirar que l mais de las bezes l falar de Tierra de Miranda, seia çconhecido ou chamado dialecto.” (Alves 2008, S. 301)

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein mangelte es an öffentlichem Interesse für diese Sprache. Sie wurde lediglich in wissenschaftlich-akademischen Diskussionen oder in einigen Werken angesprochen, die nur in Kreisen von Spezialisten bekannt waren. (Vgl. Alves 2008, S. 302)

Es ist António Maria Mourinho, der das Mirandesische zum ersten Mal in den öffentlichen Diskurs bringt, nicht nur regional, sondern auch national. 1945, im Rahmen der 400-Jahr-Feier der Stadt Miranda do Douro, veröffentlicht Mourinho in der ZeitungMensageiro de Bragança(20.02.1945) einen zu der Zeit “mutigen” Artikel über das Mirandesische. Der Autor unterstreicht zunächst seine “antiguidade”, die jahrhundertealte Vitalität, und bezeichnet das Mirandesische nicht als Dialekt. Allerdings traut er sich auch noch nicht, es als Sprache zu benennen. Mourinho entscheidet sich für eine neutrale Bezeichnung und nennt es “fala que no Nordeste (...) serve há talvez uma dezena de séculos para exprimir as ideias e os pensamentos dos habitantes que usam dela no trato social com os seus vizinhhos e amigos.” (Mourinho, M. de B. 20.02.1945)

Die anfängliche Zurückhaltung, diese Sprachform zu benennen, legt er erst dann ab, als er seine Kritik direkt an die verantwortlichen Politiker richtet. Er klagt ihre Ignoranz gegenüber der nationalen und internationalen Wichtigkeit dieser Sprache an:

“E se os poderes da nação não se interessaram ainda por ela [die mirandesische Sprache], tem sido porque não houve quem lhes expusesse as circunstâncias em que vive e o valor todo da sua essência que pode ser de valiosíssimo auxílio para o estudo das línguas românicas. E ajuda poderosa na explicação filológica do português e do espanhol.” (Mourinho,Mensageiro de Bragança, 20.02.45)

António Maria Mourinho ist der erste Sprecher des Mirandesischen, der ein Werk hinterlässt, welches für die Erforschung dieser Sprache sowohl national, als auch international sehr wichtig wird. Von 1944 bis 1947 veröffentlicht er regelmäßig eine Reihe von Artikeln zum Mirandesischen und seinen diatopischen Varietäten in derRevista de Portugal.In dem ArtikelFalares asturo-leoneses em território portuguêsbehauptet Telmo Verdelho, Mourinhos Werk könne aus sprachwissenschaftlicher Sicht als relativ unbedeutend betrachtet werden, wenn es nicht den Vorzug hätte, fast das einzige zu seiner Zeit und somit auch unentbehrlich zu sein. (Vgl. Verdelho 1994, S. 19) Tatsächlich war Mourinho kein Sprachwissenschaftler, sondern Theologe. Als ehemaliger Priester und Latinist interessierte er sich hauptsächlich für die historische Entwicklung des Mirandesischen aus dem Latein. In Wirklichkeit aber waren seine Beiträge zur Sprache viel zugänglicher für ein der Sprachwissenschaft fernes Publikum als die Werke der Spezialisten.

Für Mourinho ist diese Sprache allerdings auch ein Mittel für den Ausdruck der mirandesischen Kultur. In dem ArtikelA Língua Mirandesa como Vector Cultural do Nordeste Portuguêsäußert der Autor: “Ora a língua, falada ou escrita, é sempre instrumento e expressão de toda a cultura; e cultura é tudo o que o homem criou.” (Mourinho 1987, S. 81)

Es gelingt ihm ab den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zu seinem Tod (1996), eine ausführliche Materialsammlung über die Kultur und die Geschichte von Terra de Miranda anzulegen. Sie gilt als ein wertvolles Erbe für die nachkommenden Forschergenerationen. Darüber hinaus trägt es zu dieser Zeit erheblich dazu bei, dass den Mirandesen die Besonderheit ihrer Sprache und Kultur bewusst wird. Sein im Laufe von vier Jahrzehnten erschienenes Werk ermöglicht die Entstehung einer kulturellen Elite, die Terra de Miranda bis zu diesem Zeitpunkt nie gehabt hatte. Mit ihr beginnt endgültig ab dem Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts die wissenschaftliche Aufwertung der mirandesischen Sprache und Kultur.

Maria José de Moura Santos veröffentlicht 1967 in einem Sonderheft der ZeitschriftRevista Portuguesa de Filologia(Coimbra) eine detaillierte Studie überOs falares fronteiriços de Trás-os-Montes. Die Autorin ist Schülerin und Assistentin von Manuel de Paiva Boléo gewesen, der seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts eine neue Karte zu den diatopischen Varietäten auf portugiesischem TerritoriumMapa dos dialectos e falares de Portugal continentalkonzipierte[10]. Durch den freien Zugang zum reichen phonetischen, morphologischen und lexikalischen Material, das dank des Teams unter Boléo zusammengetragen worden ist, ist es Moura Santos möglich, sich auf die Dialekte zu konzentrieren, die im nördlichen und nordöstlichen Grenzgebiet von Trás-os-Montes gesprochen werden. In ihrem Werk beschreibt die Autorin zunächst die Geschichte der Region, nachdem sie die Quelle der Materialien und Methoden angegeben hat. Im Hauptteil der Arbeit analysiert sie systematisch die phonetischen, morphologischen und lexikalischen Charakteristika der Dialekte, die im Norden vom Galizischen und im Nordosten vom Leonesichen beeinflusst worden sind.

In Bezug auf das Mirandesische[11]stellt das Werk von Santos im Vergleich zu allem, was zuvor veröffentlicht worden war, eine Neuheit dar. Basierend auf den Thesen von Uriel Weinreich geht die Autorin in ihrer Studie vom Sprachkontakt, vor allem in Grenzregionen, und von den mit ihm einhergehenden Konsequenzen aus. Sie hebt hervor, in welchen Situationen die Bevölkerung in diesen Grenzgebieten das Mirandesische und wann das Portugiesische benutzt. Abschließend fasst sie zusammen, dass Terra de Miranda die einzige Region ist, in der man von echtem Bilinguismus sprechen könne. Es bestehe dort ein starker sprachlicher Regionalismus, denn “(...) de todas as variedades regionais que observei na conservadora zona (...), o mirandês é de longe a que tem mais vitalidade e a que há-de perdurar mais tempo.” (Santos 1967, S. 136)

Santos unterstreicht zudem die rigorose Differenzierung, die die Mirandes*innen im Alltag zwischen ihrer Erstsprache Mirandesisch und der Zweitsprache Portugiesisch machen. Ferner behauptet sie im Gegensatz zu anderen hier bereits erwähnten Autoren, dass vor allem bezüglich der Stadt Miranda do Douro von einem Trilinguismus gesprochen werden kann. Denn hier werde auch das Spanische gesprochen, auch wenn es portugiesische und mirandesische Interferenzen erfahren müsse. (Santos 1967, S.139) In ihrer Schlussbetrachtung sieht Moura Santos eine eher negative Zukunft für die Sprachformen der Grenzgebiete und somit auch für das Mirandesische vorher:

“(...) a língua oficial é hoje em dia a que exerce influência dominante, mercê do melhoramento dos meios de comunicação e de difusão cultural, designadamente a escola. (...) o idioma padrão tende a fazer desaparecer os antigos traços locais (...). Daí o interesse e a urgência que revestem actualmente os estudos de dialectologia e, entre eles, os que incidem sobre regiões fronteiriças.” (Santos 1967, S. 394)[12]

Seit der Entstehung des Werks von Leite de Vasconcelos beschäftigen sich die Studien zum Mirandesischen mehr als 80 Jahre lang vor allem mit der externen und internen Sprachgeschichte. Allerdings handelt es sich um Werke von und für Spezialisten. Die Diskussionen finden entweder in Fachzeitschriften oder an wissenschaftlichen Instituten und Universitäten statt. António Maria Mourinho und Maria José de Moura Santos markieren eine Wende in dieser Konstanten. Durch Mourinho wird die Problematik um das Mirandesische öffentlich. Santos weist bereits auf den starken Bilinguismus in Terra de Miranda und auf die Konsequenzen der ständigen Konkurrenz zwischen dem Mirandesischen und dem Portugiesischen hin. Somit bestätigt sie nicht nur eine Problematik, die Vasconcelos bereits angesprochen hatte. Sie bereitet darüber hinaus den Weg für die im folgenden Abschnitt behandelten Studien.

4.2 Von den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts bis heute

Zwischen den 80er und 90er Jahren des 20. bis in das 21. Jahrhundert hinein entsteht gegenüber dem Mirandesischen ein verstärktes regionales Bewusstsein. Das führt auch zu einem steigenden Interesse an dieser Sprache. Durch die im Folgenden zusammenfassend detailliert aufgeführten Studien wird deutlich, in welchem Maße die portugiesischen sowie ausländischen Sprachwissenschaftler*innen sich allmählich dessen bewusst werden, dass es das Mirandesische zu erhalten gilt. Aus diesem Grund beginnen sie mit der Erforschung seiner eigenständigen Struktur und vergleichen diese mit anderen asturisch-leonesischen Varietäten. Hierbei wird das Mirandesische den iberoromanischen Sprachen zugeordnet.

Das bereits zitierte Werk von Mourinho beginnt, Früchte zu tragen. Einerseits hat sich eine kleine, aber sehr aktive Elite gebildeter Mirandesen um ihn geschart, die so wie er des Mirandesischen mächtig sind. So entsteht mit Unterstützung von Domingos Raposo, José Meirinhos und den Brüdern Amadeu und Carlos Ferreira eine reiche Sammlung an Bibliographien und Daten über das Mirandesische. Sie sind der Grundstein der heutigen ausführlichen Bibliographie zu den Mirandesischstudien auf der Internetseite des Mirandesischen. Zum anderen zeigt das wachsende Interesse der mirandesischen Bevölkerung, dass sie sich nicht mehr für ihre Sprache schämt. Das bedeutet, dass zugleich das regionale Bewusstsein für den spezifischen Charakter der mirandesischen Sprache und Kultur geweckt wurde. Diese Entwicklung führt dazu, dass 1986 ein erster Sprachkurs in der weiterführenden Schule von Miranda do Douro (Stadt) organisiert wird, geleitet von Domingos Raposo.

Von den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts an werden drei Konstanten bezüglich der linguistischen und kulturellen Studien zum Mirandesischen unterschieden. Zum Einen ist das Mirandesische immer häufiger Thema auf Tagungen und in Fachzeitschriften, sowohl in Portugal, als auch im Ausland. Des Weiteren werden die Forschungen zur mirandesischen Sprache nun aus einer soziolinguistischen Perspektive betrachtet. Schließlich entwickelt sich ein regelrechter Kampf für die Aufwertung des Mirandesischen als Sprache und die daraus folgende Notwendigkeit einer orthographischen Normierung.

Auf Initiative der oben genannten Gruppe finden 1987 mit finanzieller Unterstützung der Stadtverwaltung von Miranda do Douro (Stadt) diePrimeirasjornadas de língua e cultura mirandesa statt. Die Beiträge zum Kongress behandeln sprachliche, kulturelle und sogar ethnographische Themen. Relevant für diese Arbeit sind vor allem die Vorträge von Domingos Raposo, António Maria Mourinho und Manuela Barros Ferreira/Ana Maria Martins. Raposo betont inVitalidade, valor e estudo da língua mirandesadie Vitalität des Mirandesischen. Basierend auf seiner Erfahrung als Lehrer unterstreicht er in seinem Vortrag die Bedeutung der autochthonen Sprache als Unterstützung für das Erlernen des Portugiesischen. (Vgl. Raposo 1987, S. 55-59) Mourinho vertritt inA língua mirandesa como vector cultural do Nordeste portuguêsden Standpunkt, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Sprache auch immer die Bedingungsine qua nonbeinhalte, sich mit der mirandesischen Kultur zu beschäftigen. (Vgl. Mourinho 1987, S. 75-87) Ferreira/Martins, beide Sprachwissenschaftlerinnen desCentro de Linguística da Universidade de Lisboa(CLUL), halten im Rahmen der Tagung den VortragO Mirandês nos atlas linguísticos. Darin werden die phonetischen Merkmale des Mirandesischen, des Leonesischen, des Portugiesischen, des Galicischen und des Kastilischen verglichen. Die Autorinnen stellen fest, dass das Mirandesische sich stärker vom Kastilischen als vom Portugiesischen und Galicischen differenziert. Darüber hinaus legen Ferreira/Martins einen Vergleich in der Lexik zwischen dem Mirandesischen und den benachbarten Sprachgebieten vor. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich das Mirandesische auch hier von dem Kastilischen distanziert und dem Portugiesischen ähnelt. Außerdem fassen sie zusammen, dass es ein Teil eines größeren Sprachareals ist bzw. zum Sprachgebiet der asturisch-leonesischen Dialekte gehört. (Vgl. Ferreira/Martins 1987, S. 33-42)

Die Teilnahme der zwei Wissenschaftlerinnen des CLUL, beide Spezialistinnen für Dialektologie, an denPrimeiras jornadasist von großer Wichtigkeit für die Gruppe um António Maria Mourinho, in der nur Domingos Raposo Linguist ist. Die Möglichkeit, Meinungen, Kenntnisse und Forschungsergebnisse am selben Ort auszutauschen, ist der Anfang einer langjährigen, fruchtbaren Zusammenarbeit. Die Beiträge für den Kongress erscheinen noch im Jahr 1987 zur gleichen Zeit in Miranda do Douro und Lissabon unter dem TitelActas das primeiras jornadas de língua e cultura mirandesa.

Im Rahmen der oben erwähnten Zusammenarbeit findet 1993 eine von derAssociação de Linguística Portuguesa (ALP)organisierte Tagung mit dem TitelVariação no tempo, no espaço e na sociedadestatt. Auch diese konnte mit Hilfe der Stadtverwaltung von Miranda do Douro organisiert werden. Zwei Beiträge sind hervorzuheben:Os dialectos leoneses em território português: coesão e diversidadevon Luísa S. Cruz, João Saramago und Gabriela Vitorino sowieO desaparecimento do mirandês na cidade de Miranda do Douro: uma leitura dos ‚Estudos de Filologia Mirandesa’ de José Leite de Vasconcelosvon Cristina Martins.

Cruz, Saramago und Vitorino möchten mit ihrem Beitrag aufzeigen, ob und in wieweit das Mirandesische, das Guadramilesische und das Riodonoresische weiterhin in das asturisch-leonesiche Sprachsystem eingebettet sein können, und sich somit vom Galizisch-Portugiesischen abgrenzen lassen. Hierfür stützen sie sich auf einige, für das Leonesische typische phonetische Charakteristika, die Palatalisierung der lateinischen Anfangskonsonantenl- undn- und die Diphthongierung der kurzen lateinischen Vokale -ě- und -ŏ-. Mit Ausnahme desn-im Anlaut sind diese Merkmale im Mirandesischen wiederzufinden, nicht aber in den anderen Dialekten. Den Autor*innen zufolge bedeutet diese Diversität, dass das Guadramilesische und das Riodonoresische vom Galicischen sehr stark beeinflusst werden, und sich deswegen vom Galicisch-Portugiesischen nicht mehr deutlich abgrenzen lassen. Dagegen gehört das Mirandesische zweifellos weiterhin zum Sprachsystem des Asturisch-Leonesischen[13].

[...]


[1] In der romanischen Sprachwissenschaft ist Asturisch-Leonesisch oder Asturleonesisch die übergreifende Bezeichnung für die verwandten Varietäten einer iberoromanischen Sprachgruppe, die im Nordwesten Spaniens und angrenzenden Gebieten Portugals gesprochen wird.

[2] Diese Grafschaft gehörte eigentlich zum Sprachgebiet des Galicisch-Portugiesischen.

[3] Inquirições: Von den portugiesischen Königen der ersten Dynastie angeordnete Untersuchungen, um die Rechtmäßigkeit des Grundbesitzes des Adels festzustellen. (Vgl. Dicionário da Língua Portuguesa Contemporânea Academia das Ciências de Lisboa, vol. II (G-Z), Lisboa: Verbo Editora, 2001, S. 2112)

[4] Die Orthographie der Zitate von J. L. de Vasconcelos wurde im Original (Portugiesisch des 19. Jahrhunderts) übernommen.

[5] Die Schulpflicht war bereits in der Verfassung seit 1933 verankert. Aus sozialen und politischen Gründen wurde sie jedoch kaum umgesetzt. Jetzt aber ging es darum, der Welt zu zeigen, dass die portugiesische Regierung es mit der Schulpflicht ernst meinte und keinen Analphabetismus mehr duldete. Darüber hinaus sollte den Kritikern des portugiesischen Kolonialismus bewiesen werden, dass das Portugiesische ein starker Identitätsfaktor innerhalb des plurikontinentalen und multirassischen Imperiums war.

[6] A. Cameirão ist im Rathaus von Miranda do Douro (Stadt) für die mirandesische Sprache und Kultur verantwortlich.

[7] In seinem Werk skizziert Leite de Vasconcelos bereits zwei Varietäten des Mirandesischen: das Mirandês Raiano, an der nördlichen Grenze von Terra de Miranda mit Spanien und im Süden (begrenzt auf eine Stadt) das Sendinês. Für seine Studien und die Transkription seiner Interviews und Texte hat er aber nur das Mirandês Central berücksichtigt, da es von den meisten Menschen gesprochen wurde und heute noch wird. Bis heute orientiert sich die Sprachwissenschaft an seiner Klassifizierung und betrachtet das Mirandês Central als Norm für das Mirandesische.

[8] Dieser Artikel wurde 1973 erneut in der zweiten Auflage des BuchesEstudos linguísticos, vol. Iveröffentlicht. Es wird aus dieser Version zitiert.

[9] Im Grunde hatte Joseph Piel 1930 bereits dieses Thema in einem kurzen Artikel Observações acerca do vocalismo mirandêsin der ZeitschriftBiblos(Bd. 6, S. 187-190) angesprochen.

[10] Zu diesem Zeitpunkt nutzte man in der Sprachwissenschaft immer noch die Klassifizierung und dialektale Aufteilung, die Leite de Vasconcelos in seinem WerkEsquisse d’une dialectologie portugaise 1901vorgenommen hatte.

[11] Als treue Schülerin von Paiva Boléo bezeichnet Moura Santos das Mirandesische noch nicht als Sprache, sondern ebenfalls als Dialekt.

[12] Im selben Jahr, als Moura Santos ihre Doktorarbeit veröffentlicht hat (1967), erscheint in Oslo in der ZeitschriftStudia neophilologica; a journal of Germanic and Romance languagesder ArtikelLa position du mirandaisde Leif Sletsjoe. Dieser Artikel beinhaltet allerdings nichts Neues über das Mirandesische. Der Autor fasst die bekannten Thesen von Vasconcelos, Pidal und Carvalho über die Herkunft und das Überleben des Mirandesischen zusammen. Des Weiteren analysiert er die Charakteristika des Vokalismus und des Konsonantismus, die das Mirandesische als Varietät des Leonesischen identifizieren, und situiert es somit in das iberische Sprachkontinuum. Abschließend unterstreicht Sletsjoe die Wichtigkeit der geographischen Lage der Terra de Miranda, um die Vitalität der autochthonen Sprache zu begründen. (Sletsjoe 1967, S.169)

[13] Guadramil und Rio d’Onor sind zwei kleine Dörfer nördlich von Bragança unmittelbar an der Grenze zu Galicien. Ursprünglich wurde hier ein Dialekt gesprochen, der dem Mirandesischen sehr ähnlich war. Aber schon Santos bemerkte 1967 einen starken Einfluss des Galicischen. (Vgl. Santos 1967, S. 122)

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Das Mirandesische im Grenzgebiet von Spanien und Portugal
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
103
Katalognummer
V298831
ISBN (eBook)
9783668303935
ISBN (Buch)
9783668303942
Dateigröße
1154 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mirandesische, grenzgebiet, spanien, portugal
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Das Mirandesische im Grenzgebiet von Spanien und Portugal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298831

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Mirandesische im Grenzgebiet von Spanien und Portugal



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden