In der vorliegenden Arbeit soll die Herkunft des Mirandesischen in Form eines allgemeinen Überblicks über seine historische Entwicklung dargelegt werden. Des Weiteren wird beleuchtet, in welchem Maß die wissenschaftlichen Arbeiten von vielen Linguist*innen zu seiner Aufwertung beigetragen haben.
Darüber hinaus werden die phonetischen, morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Merkmale des Mirandesischen im Vergleich mit dem Spanischen und Portugiesischen analysiert. Abschließend wird dargestellt, unter welchen Bedingungen das Mirandesische unterrichtet wird, und welchen Status es heute bei Kindern und Jugendlichen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Steckbrief
3. Historischer Überblick
4. Das wissenschaftliche Interesse am Mirandesischen
4.1 1882 bis Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts
4.2 Von den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts bis heute
4.3 Convenção Ortográfica da Língua Mirandesa
5. Das Mirandesische als Minderheitensprache in Kontakt mit dem Spanischen und dem Portugiesischen
5.1. Merkmale des Mirandesischen
5.1.1. Phonetik und Phonologie
5.1.2. Morphologie
5.1.3. Syntax
5.1.4. Lexik
5.2. Konsequenzen des Sprachkontaktes
5.2.1. Bilinguismus
5.2.2. Diglossie
5.2.3. Code-Switching
5.2.4. Interferenzen
6. Das Mirandesische im schulischen Kontext: Zwischen Gesetzgebung und Realität
6.1. Geschichte des Schulfachs
6.2. Status und Probleme der Lehrpersonen
6.2.1. Lehrmaterialien
6.3 Aktueller Status bei Kindern und Jugendlichen
6.3.1. Ziel der Erhebung
6.3.2. Wahl der Methode im Vergleich zu den Interviews mit den Lehrpersonen
6.3.3. Wahl der befragten Personen
6.3.4. Auswertung der Erhebung
6.3.5. Nachfrage nach Mirandesischkursen
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Mirandesische als eine jahrhundertealte, autochthone Sprache in Nordostportugal. Ziel ist es, die historische Entwicklung, die sprachwissenschaftliche Aufwertung, die strukturellen Merkmale im Vergleich mit dem Spanischen und Portugiesischen sowie den aktuellen Status der Sprache im Bildungswesen zu analysieren, um das Überlebenspotenzial dieser Minderheitensprache zu bewerten.
- Historische Herkunft und Genese im asturisch-leonesischen Kontext
- Wissenschaftliche Aufwertung und soziolinguistische Entwicklung
- Vergleichende Analyse der phonetischen, morphologischen und syntaktischen Strukturen
- Sprachkontaktphänomene wie Bilinguismus, Diglossie und Code-Switching
- Schulischer Kontext: Herausforderungen bei Lehrmitteln und Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Warum ist es von Interesse, sich wissenschaftlich mit einer Sprache zu beschäftigen, die in einer begrenzten Region von nicht mehr als etwa 7000 Menschen in einem Land mit etwa elf Millionen Einwohner*innen gesprochen wird? Hierfür gibt es historische, kulturelle, gesellschaftspolitische, aber vor allem linguistische Gründe. Das Mirandesische ist eine jahrhundertealte Sprache, der die portugiesische Regierung eine solche Bedeutung beigemessen hat, dass sie als zweite offizielle Sprache anerkannt worden ist. Durch die Ausdehnung des Sprachgebiets, das in früheren Epochen um einiges größer war als heute, sowie durch bestimmte sprachliche Charakteristika lässt sich das Mirandesische dem Spanischen beziehungsweise dem Asturisch-Leonesischen zuordnen. Dies zu belegen, macht den ersten Teil der vorliegenden Arbeit aus.
Noch zu Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts sind die Bezeichnungen für das Mirandesische vielfältig und widersprüchlich. Zum einen stößt man im öffentlichen Diskurs auf die Beschreibungen „fala charra“ oder „fala caçurra“ (inkorrekte Sprache), „fala de aldé“ (Dorfsprache) oder „mezcla de Español y Portugués“ (Mischung aus dem Spanischen und dem Portugiesischen). Auf wissenschaftlicher Ebene wird das Mirandesische zum anderen als jahrhundertealter Dialekt, autochthone Sprache, Minderheitensprache oder zweite offizielle Sprache Portugals bezeichnet. Also stellt sich die Frage, um was für eine Sprachform es sich handelt, deren Namensgebung sowohl das heute noch bestehende geringe soziale Prestige, als auch das wissenschaftliche Interesse an ihren Strukturen und den Versuch sie aufzuwerten widerspiegelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse sowie die linguistische und soziopolitische Relevanz des Mirandesischen dar.
2. Steckbrief: Beschreibt das geographische Gebiet Terra de Miranda und den offiziellen Status des Mirandesischen.
3. Historischer Überblick: Beleuchtet die Entstehung und Entwicklung der Sprache seit dem 6. Jahrhundert im Kontext der Reconquista und der Grenzgeschichte.
4. Das wissenschaftliche Interesse am Mirandesischen: Analysiert die sprachwissenschaftliche Erforschung und die Phasen der Aufwertung der Sprache durch Linguisten.
5. Das Mirandesische als Minderheitensprache in Kontakt mit dem Spanischen und dem Portugiesischen: Untersucht systematisch die sprachlichen Merkmale und die Auswirkungen des Sprachkontakts.
6. Das Mirandesische im schulischen Kontext: Zwischen Gesetzgebung und Realität: Dokumentiert die Geschichte des Unterrichts, die Problematik der Lehrpläne und den Status bei der Jugend.
7. Schlussbetrachtung: Fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und wirft einen Blick auf die Zukunftsperspektiven der Sprache.
Schlüsselwörter
Mirandesisch, Asturisch-Leonesisch, Sprachkontakt, Minderheitensprache, Portugal, Terra de Miranda, Bilinguismus, Diglossie, Soziolinguistik, Normierung, Sprachunterricht, Code-Switching, Interferenzen, Sprachwandel, kulturelle Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Erforschung und den Status des Mirandesischen, einer Minderheitensprache in Nordostportugal, die trotz historischer Marginalisierung heute offiziell anerkannt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die historische Herkunft, die wissenschaftliche Aufwertung, die strukturelle linguistische Analyse sowie die soziolinguistische Situation im Kontakt mit Spanisch und Portugiesisch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Eigenständigkeit des Mirandesischen als iberoromanische Sprache zu belegen und zu analysieren, wie sich die Sprache in einem Spannungsfeld zwischen offizieller Anerkennung und dem Druck durch die Mehrheitssprachen behauptet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu historischen und sprachwissenschaftlichen Studien sowie einer eigenen quantitativen Erhebung unter Schülern in Miranda do Douro.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Sprachgeschichte, die detaillierte vergleichende Analyse der Grammatik (Phonetik, Morphologie, Syntax, Lexik) und die Untersuchung der Bedingungen für den Sprachunterricht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Mirandesischen selbst sind Begriffe wie Diglossie, Sprachkontakt, asturisch-leonesische Sprachgruppe und das Konzept der kulturellen Identität zentral.
Wie hat sich das Prestige des Mirandesischen historisch verändert?
Historisch wurde das Mirandesische oft als „inkorrekt“ oder „bäuerlich“ abgewertet. Erst durch wissenschaftliche Arbeit und die Anerkennung als zweite offizielle Sprache Portugals ab 1999 konnte dieses negative Image allmählich zugunsten eines Stolzes auf die kulturelle Herkunft gewandelt werden.
Warum ist das Thema der „Diglossie“ so wichtig für diese Sprache?
Das Konzept der Diglossie erklärt das funktionale Gefälle, bei dem das Portugiesische als prestigereiche „High-variety“ dominiert, während das Mirandesische als „Low-variety“ primär auf den informellen, familiären Bereich beschränkt ist, was das Risiko des Sprachwandels birgt.
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- Anonym (Autor), 2013, Das Mirandesische im Grenzgebiet von Spanien und Portugal, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298831