Erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Pädagogik das Kind als Individuum entdeckt, das fähig ist, am eigenen Lernprozess aktiv teilzunehmen. Die „Reformpädagogik“, die eher ein Bündel verschiedener internationaler Bewegungen war, stellte den endgültigen Bruch mit der so genannten „alten Schule“ dar. Die schulischen Aktivitäten sollten nicht mehr darin bestehen, einen bestimmten Bildungsgehalt zu vermitteln, sondern das Kind zu einem lernenden und denkenden Menschen zu machen. Historisch und politisch setzte sich diese pädagogische Wende in Deutschland erst ab Ende der 60er- Anfang der 70er Jahre durch. Seitdem heißt Lernen nicht mehr das vom Lehrer vermittelte Wissen passiv anzuhäufen, sondern es sich selbstständig anzueignen. Daraus entstanden zwei grundsätzliche Neuerungen: die Stellung des Lehrers innerhalb des Lernprozesses musste neu definiert und die Vermittlung des Lernstoffes neu strukturiert werden. Im folgenden Portfolio möchte ich auf einige Formen des so entstandenen offenen Unterrichts, wie die Wochenplanarbeit, das Stationenlernen und den Projektunterricht eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Wochenplanarbeit
1.1. Wurzeln des Wochenplans:
1.2. Was bedeutet der Wochenplan für Lehrperson und Schüler?
1.3. Die Kostenfrage
1.4. Beispiel für einen Wochenplan im Spanischunterricht der Sekundarstufe II
1.5. Pro und Contra der Wochenplanarbeit
2. Das Stationenlernen
2.1. Phasen des Stationenlernens
2.2. Mindmap: Varianten des Stationenlernens
2.3. Aufgabentypen beim Stationenlernen
2.4. Ziele des Stationenlernens
2.5. Beispiel für eine Stationenarbeit im Deutschunterricht in der 8. Klasse:
3. Der Projektunterricht
3.1. Kriterien zum Projektunterricht
3.2. Kernbegriffe des Projektunterrichts
Zielsetzung & Themen
Das Portfolio verfolgt das Ziel, verschiedene Formen des offenen Unterrichts, insbesondere die Wochenplanarbeit, das Stationenlernen und den Projektunterricht, theoretisch zu fundieren und anhand praktischer Beispiele in der Sekundarstufe zu veranschaulichen.
- Historische Herleitung des offenen Unterrichts und der Reformpädagogik.
- Methodische Gestaltung und phasenorientierte Umsetzung der Wochenplanarbeit.
- Strukturierung von Stationenlernen sowie dessen Varianten und Lernformen.
- Kriterien und Kernbegriffe für die erfolgreiche Durchführung von Projektunterricht.
- Kritische Reflexion der Herausforderungen und Potenziale offener Lernkulturen.
Auszug aus dem Buch
1. Die Wochenplanarbeit
Mit dem Wochenplanarbeitskonzept sind vor allem drei Namen verbunden: der Franzose Celestin Freinet, die Italienerin Maria Montessori und die Amerikanerin Helen Parkhurst. Celestin Freinet (1896-1966) leitete seine Methoden von den elementaren Tätigkeiten der Kinder und Jugendlichen außerhalb der Schule ab. Die Schüler sollten also aus Interesse selbständig lernen. Freinet entwickelte einen aus zwei Planungsphasen bestehenden Wochenplan. Die erste Phase beinhaltet eine Klassenbesprechung (Klassenrat), in der über Themen und Aufgaben beraten wird. Die Lehrperson führt ein Protokoll und notiert, welche Arbeiten noch abgeschlossen werden müssen, „welche lehrplanbezogenen Pflichtaufgaben“ (Vaupel, 3 1998: S.14) noch anstehen. Somit entsteht der „plan collectif“ (Klassenarbeitsplan).
In der zweiten Phase wird jedoch von jedem einzelnen Schüler ein „plan individuel“ (individueller Wochenplan) aufgestellt. Hier wird, teils allein, teils mit dem Lehrer eingetragen, „welche Arbeiten sie sich für welche Tage vornehmen, welche Untersuchung sie in der Woche durchführen wollen, an welchem Buch sie gerade lesen, welche Übungslücken sie schließen wollen (…)“ (Vaupel, 3 1998: S.15). Am Ende wird eingetragen, was sie geschafft haben. Die Schüler werden angeleitet, sich selbst für die Arbeit zu motivieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Wochenplanarbeit: Einführung in das Konzept anhand der historischen Wurzeln von Freinet, Montessori und Parkhurst sowie Erläuterung der Bedeutung für Lehrkräfte und Schüler unter Berücksichtigung von Kostenfragen und praktischen Beispielen.
2. Das Stationenlernen: Darstellung der Lernform als „Lernzirkel“ mit Fokus auf die verschiedenen Phasen, methodische Varianten und spezifische Aufgabentypen zur Förderung der Selbstständigkeit.
3. Der Projektunterricht: Definition der Projektarbeit als demokratische und handlungsorientierte Methode sowie Analyse der relevanten Kriterien und Kernbegriffe für eine erfolgreiche Umsetzung.
Schlüsselwörter
Offener Unterricht, Wochenplanarbeit, Stationenlernen, Projektunterricht, Reformpädagogik, Selbstständiges Lernen, Lernzirkel, Pflichtaufgaben, Wahlaufgaben, Eigenverantwortung, Unterrichtsplanung, Heterogenität, Schüleraktivierung, Handlungsorientiertes Lernen, Sekundarstufe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit verschiedenen Formen des offenen Unterrichts, die das Ziel haben, den Lernenden vom passiven Empfänger zum aktiven Mitgestalter des eigenen Lernprozesses zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungsmöglichkeiten der Wochenplanarbeit, des Stationenlernens sowie des Projektunterrichts im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Lehrkräften konkrete Methoden des offenen Unterrichts vorzustellen und zu erläutern, wie diese zur Förderung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung von Schülern beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse pädagogischer Fachquellen sowie die didaktische Ausarbeitung praktischer Unterrichtsszenarien, um die verschiedenen Unterrichtsformen fundiert zu beschreiben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die Konzepte des Wochenplans, des Lernzirkels und des Projektunterrichts analysiert, ergänzt um konkrete Beispiele aus der Sekundarstufe und eine Gegenüberstellung von Pro- und Kontra-Argumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Offener Unterricht, Selbstständiges Lernen, Wochenplanarbeit, Stationenlernen, Eigenverantwortung und Handlungsorientierung.
Welche Bedeutung hat das „Wir-Gefühl“ bei der Wochenplanarbeit?
Durch die mögliche Mitbestimmung der Unterrichtsplanung durch die Klasse innerhalb der Wochenplanarbeit entsteht ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl, welches die Lernatmosphäre positiv beeinflusst.
Wie unterscheidet sich der „Offene Zirkel“ vom „Geschlossenen Zirkel“ beim Stationenlernen?
Während beim geschlossenen Zirkel eine festgelegte Reihenfolge der Stationen durchlaufen werden muss, ermöglicht der offene Zirkel den Schülern eine freie Wahl der Reihenfolge bei vorgegebener Anzahl an Stationen.
Wie kann man das Problem der Kosten beim offenen Unterricht angehen?
Die Arbeit schlägt vor, schrittweise vorzugehen, etwa durch eine veränderte Sitzordnung, das Einbeziehen von Möbelspenden oder durch Geldakquise bei Schulfesten und Basaren.
Welche Rolle nimmt die Lehrkraft im Projektunterricht ein?
Die Lehrkraft wandelt ihre Rolle von der Wissensvermittlung hin zu einer beratenden Funktion als Moderator, der den Prozess der Eigenverantwortung der Schüler unterstützt.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2015, Der offene Unterricht. Ansätze der neuen Lernkultur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298832