Ästhetisierung des Terrors. Die ETA in den Romanen “La cartaˮ von Raúl Guerra Garrido, “El hombre soloˮ von Bernardo Atxaga und “Twist” von Harkaitz Cano


Magisterarbeit, 2015

128 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Euskadi Ta Askatasuna: Ziele und Hintergründe
2.1 Die Geschichte des baskischen Nationalismus
Historisches
Die Gründung der ETA während der Diktatur
Die blutigste Phase der ETA
Der sukzessive Untergang der ETA
Die ETA vor ihrem endgütigen Aus?

3.0 Terrorismus: Geschichte und Definition des Begriffs
Geschichte des Begriffs
Was ist Terrorismus?
Neuere Entwicklungen
3.1 Fiktionalisierung von Terrorismus
Der Autor und der Terrorist
Funktionen
3.2 Romandefinition

4.0 Baskische Literatur
Literatur auf Baskisch
Historischer Abriss und Zahlen
4.1 Die ETA in der Literatur
Einige Beispiele
Die kaum berücksichtigten Perspektiven
Neue Werke nach “Twistˮ
Schlussfolgerung

5.0 Rául Guerra Garrido - La Carta (1990)
Biographie des Autors
Inhalt
Paratext
Aufbau, Struktur, Stimme, Metaphern
5.1 Die Darstellung der ETA
Bezeichnungen für die ETA
ETA im Alltag
Der Brief
Luis und die ETA
Die Familie und die ETA
Die Freunde und die ETA
Zwischenfazit

6.0 Bernardo Atxaga - El hombre solo (1993)
Biographie des Autors
Inhalt
Paratext
Aufbau, Struktur, Stimme, Metaphern
6.1 Die Darstellung der ETA
Bezeichnungen für die ETA
Carlos und die ETA
Die Freunde und die ETA
Die Darstellung der Polizisten
Die Etarras
Zwischenfazit

7.0 Harkaitz Cano - Twist (2011)

Biographie des Autors
Inhalt
Historischer Hintergrund
Paratext
Aufbau, Struktur, Stimme, Metaphern
7.1 Die Darstellung der ETA
Bezeichnungen für die ETA
Diego und die ETA
Soto und Zeberio
Die ETA
Die Rolle der Politik
Die GAL
Zwischenfazit

8.0 Fazit

9.0 Literaturverzeichnis
9.1 Primärliteratur
9.1.1 Sekundärliteratur Bücher
9.1.2 Sekundärliteratur Internet

1.0 Einleitung

Die vorliegende Magisterarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung der baskischen Terror- organisation Euskadi Ta Askatasuna, kurz ETA, in fiktionaler Literatur, anhand der Beispiele “La carta” von Raúl Guerra Garrido, “El hombre solo” von Bernardo Atxaga und “Twist” von Harkaitz Cano.

Um eine gute Grundlage zu schaffen und den Inhalt der Romane verständlich zu machen, gibt das erste Kapitel 2.0 Euskadi Ta Akatasuna ausführliche Informationen zu den Motiven und Zielen der ETA. Dem folgt 2.1 Die Geschichte des baskischen Nationalismus, eine umfassen- de Aufarbeitung ihrer Geschichte, die in vier Episoden aufgeteilt werden kann: Zum einen stellt sich die Frage, wie sich der baskische Nationalismus noch vor der ETA entwickelte. Dann wird die Gründung der ETA während der Diktatur und die “Hochphase” nach Francos Tod bis in die 1980er Jahre hinein beleuchtet. Das letzte Unterkapitel dreht sich um den suk- zessiven Niedergang der ETA, der in den 1990ern begann und mit der angeblichen Bereit- schaft zur endgültigen Auflösung, die ab 2011 mehrfach signalisiert wurde, endet.

Im zweiten theoretischen Komplex gibt es unter 3.0 Terrorismus: Geschichte und Definition des Begriffs eine Annäherung an die Definition des Begriffs Terrorismus. Dem folgt 3.1 Fik- tionalisierung von Terrorismus, der erste literaturwissenschaftliche Teil dieser Abschluss- arbeit, über Art und Funktion der Fiktionalisierung des Terrorismus, ein Thema, das beson- ders nach den Anschlägen auf das World Trade Center in der Literatur populär geworden ist. Eine knappe Definition des Gegenstands Roman im Kapitel 3.2 Definition Roman schließt diesen Part ab.

Danach wird in 4.0 Baskische Literatur der Frage nachgegangen, worum es sich bei bas- kischer Literatur überhaupt handelt - Literatur, die auf Baskisch oder doch Literatur, die von Basken geschrieben ist? Da das Forschungsobjekt “ETA in der Literatur” bisher von der Wissenschaft kaum behandelt worden ist, gibt 4.1 Die ETA in der Literatur einen Überblick über Romane, die die Terrorgruppe zum Thema haben. Bedingt durch die Fülle der Romane werden nur einige exemplarisch dargestellt und besonders auf die Perspektive der Opfer ein- gegangen, die literarisch bisher wenig beachtet wurde. Auch alle drei der in dieser Arbeit be- handelten Autoren haben mehr als einen Roman über die ETA verfasst. Die jeweiligen Kapitel zu den analysierten Werken werden entsprechend um kurze Beschreibungen der ande- ren ETA-Romane der Schriftsteller erweitert.

Zuletzt folgt eine intensive Analyse dreier Romane: 5.0 und 5.1 über Raúl Guerra Garridos “La carta” von 1990, 6.0 und 6.1 über Bernardo Atxagas “El hombre solo” von 1993 und 7.0 und 7.1 über Harkaitz Canos “Twist” von 2011. Zwar sind alle drei Schriftsteller männlich - es gibt wenige baskischsprachige Autorinnen und noch weniger, die sich mit der ETA ausei- nandergesetzt haben - davon abgesehen könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Raúl Guerra Garrido ist in den 1930ern geboren und gebürtiger Spanier, obwohl er vor 55 Jahren ins Baskenland einwanderte und seitdem in Donostia / San Sebastián lebt. Es gibt kei- nen Autoren, der sich literarisch so sehr mit der ETA beschäftigt hat wie er. Frühe Romane Guerra Garridos zeigen eine andere, verhältnismäßig friedliche und sozialistische, ETA, weil noch nicht klar war, wie sie sich nach dem Tod Francos entwickeln würde. Deswegen soll ein späterer Roman exemplarisch die Angst, die die Terrororganisation verbreitete, aufzeigen. Dabei fiel die Wahl auf “La carta”, das zwar erst 1990 erschien, aber schon Jahre vorher ver- fasst wurde (es fand sich vorerst kein Verlag, der den Mut aufbrachte, den Roman in sein Re- pertoire aufzunehmen) und eine gute Vorstellung über das Leben im Donostia der 1980er Jahre vermittelt. “La carta” schildert die Perspektive eines Mannes, dem von der ETA eine exorbitante Summe Geld erpresst wird. Es ist auch Raúl Guerra Garridos persönlichster Roman, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat.

Bernardo Atxaga (Jahrgang 1951) ist der international bekannteste Autor, der seine Romane auf Baskisch verfasst. Noch während der Diktatur veröffentlichte er erste Texte auf Baskisch und galt späteren Generationen als Vorbild. Auch er hat mehrere Romane zu dem Thema ETA geschrieben, allerdings ist “Fenster zum Himmel” ein sehr dünner Roman, der stilistisch “Ein Mann allein” mit einem ehemaligen Etarra, der sich in einem geschlossenen Raum bewegt, ähnelt, während “Der Sohn des Akkordeonspielers” nur im letzten Drittel die ETA thematisiert. “El hombre solo” begründete außerdem einen neuen “ETA-Zirkel”. In den 1970ern kurz vor und kurz nach Francos Tod gab es einige ETA-Romane, mit Erstarken der Terrorgruppe nach 1975 kamen aber auch die Schriftsteller - mit Raúl Guerra Garrido als große Ausnahme - zum Schweigen. Erst ab “El hombre soloˮ wurde die ETA wieder fiktional dargestellt.

Neben zwei älteren Romanen soll zur Kontrastierung auch ein aktueller analysiert werden - “Twist” von Harkaitz Cano, der zu den wichtigsten baskischsprachigen Romanen der letzten Jahre zählt. Nach der Publikation erschienen zwar noch weitere fiktionale Bücher mit dem gleichen Thema, die aber aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen werden konnten: Die Thriller von Pablo Gato und Fernando Rueda wurden erst nach Beginn dieser Arbeit ver- öffentlicht und scheinen von geringem literarischen Wert, genau wie der bereits 2013 erschienene Thriller von David Fernández.

Der bekannte Schriftsteller Ramón Saizarbitoria publizierte ein Jahr nach “Twistˮ seinen neuen Roman “Martutene”, allerdings gehört Saizarbitoria, genau wie Fernando Aramburu, der ebenfalls 2012 “Años lentos” herausbrachte, der Altersgruppe von Atxaga an. Harkaitz Cano wurde erst 1975 geboren und repräsentiert somit eine jüngere Generation. Ein Unterkapitel von 4.1 Die ETA in der Literatur gibt einen kurzen Überblick über die aktuellen Romane, die hier aufgezählt sind.

Harkaitz Cano behandelt in “Twist” vor allem das Thema der Schuld, das in dem Roman sowohl persönlicher als auch politischer Natur ist: Er fiktionalisiert die wahren Morde an zwei Etarran durch die von den Sozialdemokraten ins Leben gerufene Terrorschwadron GAL und behandelt somit sowohl den staatlichen als auch substaatlichen Terrorismus. Anders als Guerra Garrido, der immer die Opfer zum Gegenstand hat und anders als Atxaga, der nur die Gefühlswelt der (Ex-)Terroristen darstellt, ist Canos Werk facettenreicher.

Somit kommen hier drei Schriftsteller verschiedener Generationen, die auf verschiedenen Sprachen schreiben und verschiedene Positionen einnehmen, zu Wort. Das Fazit fasst alle gewonnen Erkenntnisse zusammen.

2.0 Euskadi Ta Askatasuna: Ziele und Hintergründe

ETA proclama que el Pueblo Vasco tiene los mismos derechos que asisten a cualquier otro pueblo a su autogobierno y afirma que para la consecuciyn de éste se deberán emplear los medios más adecuados que cada circunstancia histyrica dicte.1

Der geläufige Name der baskischen Terrororganisation ETA ist ein Akronym, das für Euskadi Ta Askatasuna steht, was übersetzt “Das Baskenland und die Freiheit” heißt. Der Name ist geschickt gewählt, da das Wort eta in der baskischen Sprache Euskera (auch Euskara genannt) ebenfalls existiert und schlichtweg “und” bedeutet - entsprechend also häufig ver- wendet wird.

Das proklamierte Endziel der ETA ist, das historische Baskenland mit seinen Regionen Hegoalde, das heißt, dem heutigen Baskenland Euskadi, mit den spanischen Provinzen Gipuz- koa, Bizkaia und Araba2 ; Iparralde, dem französischen Baskenland, also Lapurdi, Zuberoa und Nafarroa Behera und der Comunidad Foral de Navarra als unabhängiges Großbaskenland mit dem Namen Euskal Herria, zu Deutsch “Baskisches Volk” beziehungsweise “Baskisches Dorf”, zu vereinen3.

Die ETA ist heutzutage, nach der Auflösung der Roten Armee Fraktion, der Roten Brigaden und der IRA, die einzige noch existierende Terrorgruppe in Europa. Die IRA galt zusammen mit der Nationalen Befreiungsfront FLN, die 1962 die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich erlangte, als das große Vorbild bei der Gründung4. Weitere Leitbilder waren die sozialistischen Regimes wie in Kuba, angelehnt an die Ideologien von Marx und Lenin5. Die ETA versteht sich als “Bewegung der nationalen baskischen Befreiung”6, die Etarras sehen sich als Guerillakämpfer. Für sie gibt es den Krieg an zwei Fronten: national und sozial. National heißt, dass sie die Unabhängigkeit für das Baskenland von Spanien wollen. Die ETA betrachtet die spanische Regierung als eine Art Kolonialmacht, als Besetzer Euskal Herrias. Anders jedoch als beim herkömmlichen Nationalismus definiert die ETA diesen nicht über Blut oder Rasse, sondern über die Sprache und Identifikation mit ihrer Ideologie und kul- turellen Idealen. Mehrere Gründungsmitglieder hätten die strengen Kriterien Sabino Aranas (siehe 2.1) gar nicht erfüllt7, Dadurch können auch Sympathisanten, die keine gebürtigen Basken sind, wie zum Beispiel die Nachfahren der spanischen Immigranten, in den baski- schen Nationalismus integriert werden8. In ETA-internen Dokumenten, die dem baskisch- amerikanischen Anthropologen Joseba Zulaika zugespielt wurden, heißt es: “A Basque for whom the problem of the Basque language is not DECISIVE is a traitor”9. Somit bestand die Doktrin der ETA nicht nur aus politischen, sondern auch aus moralischen Werten.

Auf der sozialen Ebene wird gefordert, dass die Arbeiterklasse im kapitalistischen System nicht repressiv behandelt und benachteiligt werde. Im Vergleich zum traditionellen baski- schen Nationalismus, vor allem verkörpert durch die Partido Nacional Vasco (siehe 2.1), ist die ETA konfessionsfrei, die politische Ideologie ist unabhängig von der katholischen Kirche und religiösem Glauben10. Der gängige Überbegriff für den linken baskischen Nationalismus, der aber nicht synonym mit der ETA zu verstehen ist, sondern auch gemäßigtere patriotische Unabhängigkeitsströmungen umschreibt, lautet izquierda abertzale, abgekürzt abertzale (“Freund der Heimat” bzw. “Patriot”).

Folter, Entführungen, Unterdrückungen und Mord, sind die Mittel, mit denen versucht wird, die Unabhängigkeit zu erreichen. Politisch gesehen gründet die ETA beständig neue Parteien, die als rechter Arm der Terrorgruppe fungieren, aus den gleichen Köpfen zusammengesetzt sind und sich zur Wahl des baskischen Ministerpräsidenten, des Lehendakari, aufstellen lassen. Nach erbrachtem Nachweis bestehender Verbindungen zur Terrorgruppe werden die Parteien regelmäßig verboten. Bekanntestes Beispiel einer abertzalen Partei ist Herri Bata- suna (“Volkseinheit”), deren Nachfolger unter anderem Batasuna (“Einheit”)11, Euskal Herri- tarrok (“Baskische Bürger”) oder D3M (“Demokratie drei Millionen”) hießen, wobei letztere nach nur ungefähr einem Monat nach ihrer Gründung für illegal erklärt wurde12.

Rekrutiert werden sowohl die Mitglieder für die Parteien als auch neue Sympathisanten für die ETA vor allem aus Anhängern der abertzale, aus baskischen Jugendorganisationen, die größtenteils inzwischen ebenfalls illegalisiert wurden, und aus der sogenannten kale borroka (“Straßenkampf”), eine Umschreibung für Terrorismus schwächerer Intensität, der hauptsäch- lich von Jugendlichen auf der Straße ausgeübt wird. Anhänger der kale borroka unterstützen den Terror der ETA auch durch die Bedrohung ihrer Opfer, außerdem werden Objekte wie Busse, Mülltonnen und ähnliches in Brand gesteckt13. Vielen Kindern wird schon in den baskischen Schulen ikastolas und bei organisierten Freizeitbeschäftigungen das ideologische Gedankengut der abertzale indoktriniert14.

Das größte Problem der durch den Terrorismus Betroffenen ist die überschaubare Größe des Baskenlandes. Die Opfer werden durch Bekannte oder Nachbarn überwacht und bedroht, ohne genau wissen zu können, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht15. Besonders in baskischen Dörfern ist die Nähe von Tätern und den Leidtragenden des Terrorismus auch heutzutage noch eine unüberwindbare Problematik. Oft kommt es vor, dass ETA-Mörder nach der Entlassung aus dem Gefängnis in die alten Wohnungen zurückkehren und mit den

Angehörigen ihrer Opfer in der gleichen Straße oder gar dem gleichen Haus wohnen - diese Umstände werden immer noch gebilligt. Auch viele Plätze oder Straßen sind noch nach verstorbenen Etarras, den “Volkshelden”, benannt und werden nur langsam und nur dank Bürgerinitiativen umgetauft16.

Die ETA finanziert sich hauptsächlich über die von ihr so titulierte impuesto revolucionario. Die “Revolutionssteuerˮ ist ein euphemistischer Ausdruck für durch die ETA erpresstes Schutzgeld, das normalerweise von vermeintlich reichen Basken gefordert wird, von Unter- nehmern, Politikern und anderen Basken, die aufgrund akuter Anschlagsgefahr zahlen. Auch im Ausland lebende Basken werden erpresst. Andere Arten der Finanzierung sind Spenden der Sympathisanten; diese sind in den letzten Jahrzehnten jedoch stark zurückgegangen17. Des Weiteren wird bei Entführung hohes Lösegeld erpresst und es wird vermutet, dass die 1998 verbotene Zeitung Egin (“handeln”), kurz darauf ersetzt durch Gara (“Wir sind”), mit dem durch veröffentlichte Anzeigen erworbenen Geld die ETA mitfinanziert18. Außerdem machten die Etarra oft durch den Diebstahl von großen Mengen an Sprengstoff oder Munition von sich reden.

Die typischsten Anschlagsopfer der ETA sind Polizisten der Cuerpo Nacional de Policía und der Guardia Civil, inzwischen auch der baskischen Polizei Ertzaintza, außerdem vor allem Politiker; hier sind Konservative der Partei Partido Popular (PP) und Sozialdemokraten der Partido Socialista Obrero Español (PSOE), am stärksten gefährdet. Seit den 1990ern sind alle Politiker, die sich gegen die ETA aussprechen, bedroht. Auch Journalisten sind im Visier der ETA, genauso wie sämtliche Basken, die sich der impuesto revolucionario verweigern. Da die Anschläge in den letzten Jahrzehnten willkürlicher geworden sind, zählen zu den Opfern immer mehr Unbeteiligte - allerdings wurde erst im Jahr 2010 der erste Ausländer ermordet: Im März wurde in der Nähe von Paris ein französischer Polizist erschossen. Bis heute hat die Gruppe rund 845 Menschen das Leben genommen19.

Auf dem Logo der ETA sind ein Axt und eine Schlange zu stehen, die List kombiniert mit Gewalt verkörpern, wie auch das Motto des Wappens verkündet: Bietan Jarrai - “Vorwärts auf beiden [Wegen]”, also politisch und bewaffnet20. Viele Anschläge werden von gefilmten Kommuniqués auf Spanisch begleitet, die im Fernsehen ausgestrahlt werden. Um die ETA zu demoralisieren, ist es üblich, dass die Festgenommenen in Gefängnisse möglichst weit entfernt von Euskadi, teilweise sogar auf Teneriffa oder in Paris, inhaftiert werden. Dies soll eine Art doppelte Bestrafung für die Etarras und ihre Familie darstellen, die dadurch einen enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand haben, wenn sie ihre Angehöri- gen in Haft besuchen möchten. Obwohl diese Handhabung laut dem spanischen Grundgesetz eigentlich verboten ist, wird sie von sämtlichen Parteien und auch den Medien stillschweigend akzeptiert21.

Bis 1996 gab es 14.500 Verhaftungen von Etarras, 3.500 davon kamen ins Gefängnis, im Jahre 2004 befanden sich rund 700 in Haft. Viele weitere sind ins Exil, vor allem nach Südamerika, ausgewandert. Allein in Mexico werden rund 300 ehemalige Mitglieder vermutet. Schätzungsweise 3000 Menschen, hauptsächlich Politiker, wurden zweitweise im Baskenland von Leibwächtern beschützt22. Im letzten Jahrzehnt ist die Zeit zwischen dem Beitreten in die ETA und dem gefasst werden im Vergleich zu den 1970ern um die Hälfte verkürzt; die aktive Phase eines Etarras dauert durchschnittlich nur noch 26 Monate an23.

Allerdings ist durch aktuelle Entwicklungen die Angst vor Anschlägen deutlich gesunken. Inzwischen gibt es im Fernsehen und Kino Formate, die den baskischen Nationalismus parodieren24. Das wäre bis Mitte der 1990er Jahre undenkbar gewesen.

2.1 Die Geschichte des baskischen Nationalismus

Tardamos en reaccionar porque veníamos de una dictadura y muchos vascos de modo erró- neo justificamos la rebeldía de ETA frente a la opresión. Tardamos en darnos cuenta de que ya estábamos en una democracia y de que el terrorismo no tenía justificación posible.25

Historisches

Im Norden Spaniens, zwischen dem Golf von Vizcaya und den Pyrenäen, leben die Basken. Wie groß das Baskenland einst war und wie weit verbreitet das Euskera, ist bis heute nicht eindeutig belegbar, ebenso wenig wie die Herkunft der ältesten noch existierenden Sprache Europas. Dank der relativen Unwirtschaftlichkeit und der Abgelegenheit ihres Landes blieben die Basken verschont von größeren Eroberungsversuchen oder Kriegen26. Im 9. Jahrhundert wurde mit der Errichtung des Fürstentum Pamplona zum ersten Mal politisch gesehen eine Unabhängigkeit der Basken etabliert. Später wandelte sich das Fürstentum mit den anderen nordspanischen Provinzen (außer Katalonien) zum Königreich Navarra. Nach Erbfolge- kriegen zerbrach das Königreich im 11. Jahrhundert und fiel an Frankreich, um im 14. Jahr- hundert erneut die Souveränität zu erlangen und im 16. Jahrhundert endgültig an Spanien zu fallen27.

Im 19. Jahrhundert gab es zwei sogenannte Karlistenkriege, bei denen unter anderem die Basken ihre Fueros, die traditionellen Sonderrechte innerhalb Spaniens, gegen das monarchi- sche Spanien zu verteidigen ersuchten28. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schritt die Industri- alisierung im Baskenland stärker voran als in den meisten Provinzen Spaniens29. Deswegen gab es große Immigrationswellen, die dazu beitrugen, dass die baskische Sprache allmählich in Vergessenheit geriet30. Sowohl die baskische Kultur als auch ihre Sprache waren damals außerhalb der baskischen Provinzen nicht von nennenswerter Bedeutung. Bezeichnend ist auch, dass ein halbes Jahrhundert zuvor der eigentlich sozialistisch denkende Philosoph Fried- rich Engels kleine Nationen wie beispielsweise die Basken als “Völkerruinnen” und gar “Völ- kerabfälle” bezeichnet hatte31.

In dieser Epoche, am 31. Juli 1895, dem Tag des heiligen Basken San Ignacio de Loiola, der 1534 den Jesuitenorden ins Leben rief32, gründete Sabino Arana Goiri in Bilbao die Partido Nacional Vasco (PNV), die baskische Nationalpartei, die zusammen mit der PSOE heutzutage die älteste noch existierende Partei Spaniens ist33. Er legte als erster eine provinzübergrei- fende Grammatik des Euskera fest (zuvor war das Baskische in viele uneinheitliche Dialekte zersplittert), entwarf die baskische Flagge Ikurriña, die in rot-weiß-grünen Farben gehalten mehrere Kreuze zeigt, und schrieb außerdem den Text für die Hymne des Baskenlands34. Für Sabino Arana definierte sich anders als bei der ETA später das “Baskisch sein” über die Ab- stammung aus einer “reinen” baskischen Familie und der Geburt in Euskadi selbst35. Sabino Arana starb mit nur 38 Jahren nach einer Krankheit. Sein frühes Ableben trug zu seiner Mys- tifizierung bei, schnell wurde er als eine Art Messias in der baskischen Bevölkerung ange- sehen. Sabino Arana und die PNV waren beziehungsweise sind in ihrem nationalen Denken konservativ und katholisch, mit dem Sozialismus ist diese Ideologie nicht vereinbar.

Am 14. April 1931 wurde nach dem Ende der Diktatur Miguel Primo de Riveras zuerst in Eibar, später in Barcelona und dann in Madrid die Republik ausgerufen, die bis zum Bürgerkrieg andauerte36. In dieser Periode der politischen Veränderungen wurde neben Katalonien auch dem Baskenland im Oktober 1936 Autonomierechte zugesprochen und unter Gobierno de Euzkadi eine Regierung errichtet. Nach Francos Machtergreifung, der mit seinen Putschisten den Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) gegen die Republikaner gewann, existierte diese jedoch nur noch im politischen Exil37.

Die Gründung der ETA während der Diktatur

Am 01. April 1939 siegte der Generalísimo Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg und herrschte bis zu seinem Tode am 20. November 1975 über Spanien. Während seiner Diktatur verbat er den Basken, Katalanen und Galiciern alle Symbole ihrer eigenen Kultur; es durfte nur noch kastilisch (“cristiano”) gesprochen und geschrieben werden, das Feiern nationaler Volksfeste und das Zeigen der eigenen Fahnen standen unter Strafe. Bei Verstoß gegen diese neuen Gesetze drohten Verfolgung, Gefängnis, Folter und gar der Tod. In den ersten Jahren nach der Machtergreifung gab es tausende Hinrichtungen von Regimegegner in ganz Spa- nien38. Laut Berichten der New York Times erhielt Franco zwischen 1953 bis 1959 finanzielle 350 Millionen US-Dollar Zuwendungen von der amerikanischen Regierung für die Armee und andere Mittel im Gegenwert von 894 Millionen US-Dollar39.

Im Jahre 1952 wurde in Bilbao die Gruppe Ekin (“handeln”) gegründet, die sich als Ziel setzte, die baskische Identität zu stärken40. Diese Gruppe schloss sich vier Jahre später der Jugendorganisation Euzko Gaztedi Indarra (EGI, “Baskische Jugendbewegung”) an. Unter re- pressiven Verhältnissen der Diktatur konstituierte sich die ETA aus verschiedenen national- baskischen Strömungen am 31. Juli 1959, genau 64 Jahre nach der Gründung der PNV41. Allerdings existierten schon im Dezember 1958 Dokumente, die mit “ETA” unterzeichnet wurden, der 31. Juli 1959 gilt jedoch als offizielles Datum. Zur Gründung der ETA gibt es viele Theorien. Die plausibelste besagt, dass sie aus dieser Kooperation von EGI und Ekin entsprang42. Zu Beginn bestand die ETA hauptsächlich aus Studenten, Priestern und Pfarrern; die Versammlungen, Asambleas, wurden zumeist in abgelegenen Kirchen in ländlichen Ge- bieten abgehalten43. Ihre politische Einstellung und Informationen über sich selbst verbreitete die ETA ab 1962 über das selbst produzierte Blättchen Zutik! (“Aufrecht!”) in der baskischen Bevölkerung44.

In den ersten Jahren beschränkten sich die Mitglieder auf kleinere Sabotageakte, sie zeigten die Ikurriña, bemalten Wände mit Sprüchen, verbrannten öffentlich spanische Flaggen und widmeten sich sonst ganz der internen Organisation und der Propaganda. Mit der Zeit gingen sie dazu über, kleinere Bomben zu legen oder Molotow-Cocktails zu werfen. Sehr schnell gewann die ETA in der breiten Bevölkerungsmasse an Beliebtheit und Zustimmung45. Zu den Sympathisanten zählten nicht nur Basken, sondern auch Katalanen, Galicier und alle regimekritischen Spanier.

Zwei Jahre nach der Gründung, am 18. Juli 1961, versuchte die ETA, einen Zug mit Polizis- ten der Guardia Civil der Strecke Madrid - Donostia / San Sebastián im Bahnhof des Amara- Viertels von Donostia zu entgleisen. Inzwischen gibt es viele Experten, die hier das erste Todesopfer der ETA sehen: Bei dem Anschlag kam Begoña Urroz, ein anderthalb Jahre altes Mädchen, ums Leben.

In diese Zeit fallen auch die mehreren offiziellen Asambleas, auf denen festgelegt wurde, welche Ziele und Ideologien die ETA eigentlich verfolgen wollte. Auf der I. Asamblea im Mai 1962 nannten sie sich “Revolutionäre baskisch-nationale Befreiungsbewegung”, was später auf der V. Asamblea im Dezember 1966 in “Sozialistische baskisch-nationale Befrei- ungsbewegung” geändert wurde46. Dort wurde auch der Kampf auch an vier Fronten struktu- riert: militärisch, politisch, ökonomisch und kulturell47. Später würden zeitweise die durch Meinungsverschiedenheiten entstandenen Splittergruppen mit teilweise unterschiedlichen ideologischen Tendenzen nach den Nummerierungen der Asambleas benannt werden, wie die ETA IV. Im Laufe der Geschichte gab es zahlreiche Abspaltungen, so beispielsweise 1966 die ETA Berri (“neue” ETA) und 1974 in ETApm und ETAm48 (siehe unten).

Ein berühmter Etarra namens Federico Krutwig (1921-1998), der selbst einen deutschen Vater hatte und sich das Euskera auto-didaktisch beibrachte, veröffentlichte 1963 das Buch “Vasco- nia. Estudio dialéctico de una nacionalidad”, das zum ersten Mal den Nationalismus (insbe- sondere natürlich den baskischen) nicht mehr als eine politisch rechtsgerichtete Ideologie sah sondern ihn vielmehr mit dem Sozialismus vereinte. Dieses Buch war ab sofort eine wichtige Referenz für die ETA49. Auf der III. Asamblea im Frühjahr 1964 übernahm die ETA Krut- wigs Ideen und beschrieb diese in einem Flugblatt “Der Aufstand in Euskadi”, einer Art An- leitung für Guerillakämpfer50. Zum ersten Mal wurde direkt über den bewaffneten Kampf geredet - die ETA radikalisierte sich zunehmend. Auf der nächsten, der IV. Asamblea, wurde offiziell beschlossen, dass die ETA auch eine sozialistisch denkende Gruppe sein sollte. Somit öffneten sie die Türen für alle marxistisch-revolutionären Strömungen.

1967, acht Jahre nach ihrer Gründung, wurde der bewaffnete Kampf seitens der Terrororgani- sation mit Bombenlegungen und Banküberfällen aufgenommen. Im Jahre darauf, am 07. Juni 1968, kam es zur Eskalation der Gewalt, als der 23jährige Txabi Etxebarrieta, ein ranghohes ETA-Mitglied, José Pardines Arcay, einen Polizisten der Guardia Civil, in der Nähe von Tolosa, Gipuzkoa, erschoss und im Gegenzug selbst umgebracht wurde51. Extebarrieta erfüllt damit die kurz vorher von ihm selbst aufgestellte Prophezeiung “Para nadie es un secreto que difícilmente saldremos del 68 sin ningún muerto”52. Die ETA gewann durch den Tod des jungen Basken noch mehr ab Sympathien und an Solidarität in der Bevölkerung, da der Mord an dem Etarra als kaltblütig berechnet angesehen wurde. Etxebarrieta wurde somit zum ersten Märtyrer der ETA stilisiert. Noch heute gilt er unter den Anhängern der izquierda abertzale als Ikone53.

Im gleichen Jahr, am 02. August 1968, folgte der Vergeltungsakt und zugleich wurde die erste politisch motivierte Gewalt spürbar. Melitón Manzanas, Chef der Brigada Político-Social, der politischen Polizei, wurde in Irún, Gipuzkoa, erschossen. Er war berüchtigt für seine brutalen, grausamen Foltermethoden. Die Antwort des Franco-Regimes sollte nicht lange auf sich war- ten lassen. Im Zuge dieses Mordes wurden im Folgejahr 2000 Etarras verhaftet und viele von ihnen gefoltert. Die ETA erlangte spätestens jetzt spanienweit an Berühmtheit54.

Im Winter 1970 später richtete sich das Interesse der Weltöffentlichkeit zum ersten Mal auf die ETA. In Burgos, Castilla y León, kam es zu einem Gerichtsverfahren wegen dieses Mor- des. Sechs der sechzehn Angeklagten, unter ihnen drei Frauen und zwei Priester, wurden zum Tode verurteilt. Daraufhin folgten europaweit Proteste, selbst der Vatikan sprach sich gegen die Todesstrafe aus, bis Franco sich beugte und die Strafen zu lebenslange Inhaftierungen ab- milderte. Dadurch gab es bei den antifaschistischen Spaniern eine noch größere Sympathie- welle für die ETA55.

Drei Jahre später gründete sich die FRAP, Frente Revolucionario Antifascista y Patriota, eine Terrororganisation, die den Sturz des Franco-Regimes anstrebte und die jedoch, anders als die ETA nicht mit Kalkül, sondern reaktionär und willkürlich, alle Uniformierten hinrichtete. Sie sollte auch nur bis 1978 bestehen.

Ebenfalls 1973 geschah wohl der “bedeutendste” und spektakulärste Mord in der Geschichte der ETA. Am 20. Dezember wurde Luis Carrero Blanco, Ministerpräsident und Francos de- signierter Nachfolger, durch eine Autobombe in Madrid getötet. Der Einsatz lief unter dem Namen Operación Ogro, “Ogro” war Carrero Blancos Spitzname56. Der Mord an Carrero Blanco fand nicht nur unter den Basken breite Zustimmung, sondern auch die Katalanen und alle Gegner des Regimes befürworteten den Anschlag. Es gilt als gesichert, dass dies einer der ausschlaggebenden Gründe war, warum nach Francos Tod knapp zwei Jahre später die Diktatur zerfiel und somit der Weg für die Demokratie geebnet wurde57. Ab 1974 war in Ansätzen zu erkennen, was später die “Strategie” der ETA sein würde. Immer weniger Anschläge geschahen nach sorgfältiger Planung und zielgerichtet auf bestimmte Per- sonen, vielmehr wurden mehr und mehr Morde willkürlich verübt. In einem Café in Madrid, das voller Polizisten sein sollte, explodierte am 13. September eine Bombe. Bei dem Attentat starben jedoch 13 Zivilisten und 84 wurden verletzt58. Im selben Jahr sorgten die internen Spannungen und konträren Meinungen - auch bezüglich dieses Anschlages - der ETA dazu, dass sie sich erneut spaltete: in ETAm (militar) und ETApm (político-militar). Während die ETApm sich verstärkt auf politische Ziele konzentrieren wollte, befürwortete die ETAm aus- schließlich den bewaffneten Kampf. 1982 würde sich die ETApm wieder auflösen; die ETA wie wir sie heute kennen, ist die Nachfolgerin der ETAm. Wie immer in ihrer Geschichte setzte sich die radikalste Strömung durch59.

1975 gelang der größte Schlag jemals gegen die ETA. Mit Hilfe eines vom spanischen Geheimdienst infiltrierten Basken mit dem Decknamen Lobo konnten mehrere hunderte Etarras samt Führungsabteilung festgenommen werden. Mikel Lejarza, Lobo, gilt als Verräter bis heute als der größte Feind der Organisation60. Im Zuge der Verhaftungen wurden zwei Monate vor dem Tod Francisco Francos trotz weltweiter Proteste und Vetos der spanischen Kirche und des Papstes zwei Etarras und drei Mitglieder der FRAP hingerichtet61.

Im selben Jahr gründete sich eine neue linksextreme Terrororganisation namens GRAPO, Grupos de Resistencia Antifascista Primero de Octubre, der militärische Arm der kommunistischen Partei, die einen sozialistischen Staat in Spanien errichten wollte. Die Organisation würde bis ins Jahre 2007, in dem die vermutlich letzten Mitglieder festgenommen wurden, offiziell bestehen. Die GRAPO tötete im Verlauf ihrer Existenz 87 Menschen62.

Die blutigste Phase der ETA

Nach dem Tode Francos am 20. November 1975 und dem durch dessen Nachfolger, dem König Juan Carlos I., initiierten Übergang in die Demokratie (Transición)63, nahm der Terror der ETA in unerwartetem Ausmaße zu. Sie wollte damit beweisen, dass sie nicht nur antifranquistisch, sondern anti-spanisch eingestellt war.

Im Rahmen der Demokratisierung versuchte die spanische Regierung mit der ETA zu verhan- deln. Inhaftierten Etarras, die keine Morde begangen hatten, bot man an, sie zu freizulassen, wenn sie sich von der Gewalt lossagten. Gleichzeitig ging in den nächsten Jahren der Post- Franco-Ära die Unterdrückung weiter; es gab Ladenplünderungen und beliebig durchgeführte Folterungen durch die Polizei, die so weit gingen, dass selbst Amnesty International pro- testierte64.

1976 befanden sich rund 600 Etarras in Gefängnissen. Am 30. Juli wurde Amnestie für alle politisch motivierten Häftlinge erlassen, die Hälfte ließ man frei. Außerdem kehrten 300 Terroristen aus dem französischen Exil nach Euskadi zurück. Ein knappes Jahr später, im Mai 1977, waren nur noch die siebenundzwanzig gefährlichsten Etarras im Gefängnis. Durch Streiks und Demonstrationen wurde später eine komplette Amnestie erlassen. Fünfzehn dieser Etarras wies man allerdings ins europäische Ausland aus65.

Während die ETA in den frühen 1960ern noch aus einer kleinen Gruppe von Studenten bestand und in den 1970ern die politische Anlaufstelle für rebellierende Jugendliche war, wandelte sich die ETA nach Francos Tod langsam in eine ultranationalistische Gruppe und wandte sich (unbewusst) von ihren sozialistischen Idealen ab66. Das Verhalten und die Bedeutung der ETA änderte sich im Laufe der Zeit. Die Gewalt wurde zunehmend willkür- lich; während es zwischen 1968 bis 1977 nie mehr als zwanzig Morde jährlich gab, eskalierte ab 1977 die Heftigkeit und Art der Attentate. In den 1980er Jahren gab es insgesamt 417 Tote durch Hand der ETA67, in den Jahren der Diktatur “nur” 45 Todesopfer68. Die ETA richtete nicht nur ihre politischen Feinde hin - Polizisten, Politiker, Journalisten - sondern auch immer mehr Zivilisten und Unbeteiligte. 1978 wurde die neue spanische Verfassung ver- abschiedet. Im selben Jahr verschärfte sich die Gewalt zusehends, insgesamt 76 Tote durch die ETA sind zu beklagen. Gleichzeitig machte sich langsam ein schwindendes Verständnis seitens der Bevölkerung bemerkbar, in Bilbao kam es zur ersten großen Demonstration gegen die ETA, an der 35.000 Menschen teilnahmen69.

Im Folgejahr erhielt das Baskenland das, was sich alle gemäßigten Nationalisten und das Gros des Volkes erwünscht hatte: das Autonomie-Statut, “Statut von Gernika” genannt. Euskadi wurden mehrere Sonderrechte zugesprochen, Baskisch zur offiziellen Sprache erklärt und die bereits unter Franco gegründeten baskischen Schulen ikastolas legalisiert. Das Baskenland hat zudem, anders als Katalonien, steuerliche Unabhängigkeit von Madrid. Eine vollständige Au- tonomie und Lösung vom spanischen Staat gab es aber nicht70. Obgleich die ETA mit diesem Kompromiss ihre Legitimation in den Augen der meisten Basken verlor, folgte dem Auto- nomie-Statut als Form des Protests eine regelrechte Terrorkampagne der ETA. 203 Morde wurden 1979 verübt. Die ETA hatte das Gefühl, Macht und Ansehen bei den Einwohnern zu verlieren und fand ebenfalls, dass man diese mit kleinen Zugeständnissen zum Schweigen bringe, ohne die Basken wirklich zu befreien71.

Obwohl Donostia / San Sebastián als kulturelle Hauptstadt gilt und Bilbao die größte Stadt im Baskenland mit stärkster Wirtschaft ist, wurde Vitoria-Gasteiz zur Hauptstadt erklärt, da die Region Araba am wenigsten baskisch, ergo radikal, war und man somit die ETA in Schach halten wollte72, außerdem sollte die Provinz dadurch besser in Euskadi integriert werden. Die unterschiedlichen Radikalitäten beweisen auch relativ aktuelle Zahlen: 77% der Etarras sind aus den Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia, aus Araba selbst nur 5%73. Die Einbeziehung Navarras in die Comunidad Autónoma Vasca lehnte Spanien ab; Navarra selbst erlangte 1982 ein Autonomie-Statut mit foralen Sonderrechten. Im Laufe der Jahre entfremdeten sich Eus- kadi und Navarra stark voneinander74.

1980 fanden die ersten Wahlen für ein baskisches Parlament statt - durch Hand der ETA gab es insgesamt 122 Opfer, durchschnittlich wurde alle drei Tage jemand ermordet. Zwei Jahre später wurde eine eigene baskische Polizei, Ertzaintza genannt, gegründet. Diese sollte die Guardia Civil und die Nationalpolizei ersetzen, bedingt durch das Misstrauen seitens der spanischen Regierung wegen des Terrorismus wurden die Polizisten aber nicht abgezogen.

Die Folge ist, dass im Baskenland eine für Europa ungewöhnlich hohe Konzentration an Ordnungskräften herrscht75. Ebenfalls 1982 trat Spanien der NATO bei.

Ein weiteres wichtiges Kapitel in der Geschichte der ETA spielen die GAL, die Grupos Antiterroristas de Liberación. Diese paramilitärischen Todesschwadronen wurden erwiese- nermaßen von der spanischen Regierung gesteuert und finanziert. Es war zwar nicht das erste Mal, das man versuchte, den ETA-Terrorismus mit terroristischen Maßnahmen zu bekämp- fen76, die GAL erregten durch ihre Beziehung zum Innenministerium aber am meisten Auf- sehen. Zwischen 1983 bis 1987 (eine Zeit, die in Spanien mit Guerra Sucia umschrieben wird) brachte sie 28 Menschen um, von denen einige in keinerlei Verbindung mit der ETA standen und andere nur kleine Handlanger oder Sympathisanten waren, und versuchten mit terroristischen Mitteln wie Folter, Verschleppung und Mord, die ETA einzudämmen77. Der damalige Innenminister José Barrionuevo sowie andere Staatsbeamte wurden bei der Aufdek- kung der Hintermänner zu hohen Haftstrafen verurteilt, bis heute konnte der oberste Befehls- haber jedoch nicht ermittelt werden. Nicht wenige vermuten, dass der damals amtierende Mi- nisterpräsident Felipe González von der PSOE der Drahtzieher war. Durch diese mit staat- lichen Mitteln finanzierten Ermordungen stieg die Beliebtheit der ETA bei den Bürgern wieder78. Auch nach der Auflösung der GAL gab es immer wieder Berichte von Basken, die durch Polizisten der Guardia Civil gefoltert wurden. Zulaika und Douglass veröffentlichten 1996 in ihrer Studie “Terror and Taboo” mehrere, sehr detaillierte Augenzeugenberichte von Basken, die gefoltert und erniedrigt wurden - viele Jahre nach der GAL79. Die Zeitschrift Egin publizierte am 11. Juni 1994 zahlreiche Farbfotos der gefolterten Enkarni Martínez80. Baskische Quellen schätzen, dass “during the Spanish democratic period alone (that is, since 1978), over 14.000 Basques have been arrested for political reasons, and that about 85 percent of those arrested are subjected to torture and maltreatment of all kinds [bis 1996].”81 Die abertzale Website “Info-Baskenland” übersetzt aktuelle Berichte über Folterungen an Basken und Baskinnen durch spanische Polizisten82. In Spanien darf auch noch heutzutage eine Person bis zu fünf Tage von der Polizei festgehalten werden, ohne dass sie das Recht auf einen Anwalt hätte. Bis 1987 galt das sogar für zehn Tage (Legislación antiterrorista española)83.

Im Jahre 1985 verübte die ETA 148 Anschläge - 26% weniger als im Vorjahr. 1986 ging die Zahl im Vergleich zu 1984 um 36% zurück84. Ebenfalls 1986 wurde Spanien in die Euro- päische Gemeinschaft aufgenommen. Ende des Jahres gab es die ersten Gespräche der spani- schen Regierung mit der ETA. Diese signalisierte Bereitschaft zu Waffenruhe; ein kleiner Sektor war aber dagegen, woraus der blutigste Anschlag der Gruppe resultierte. Am 19. Juni 1987 gab es nach einer Bombenlegung im Supermarkt “Hipercor” in Barcelona 21 Tote und 45 Verletzte85. Daraufhin wurden die Kontakte von der Regierung wieder abgebrochen. Selbst Teile der ETA kritisierten intern den Anschlag und auch die Partei Herri Batasuna verurteilte dieses Attentat öffentlich. Die kritischen Mitglieder wurden jedoch später nicht wiedergewählt86. Die Ethnologen Zulaika und Douglass fassen zusammen: “In short, the incident was a total internal and public-relations disaster for ETA, a fact largely acknowledged by the organization itself”87. Im gleichen Jahr, im Dezember 1987, explodierte in Zaragoza, Aragón, eine Autobombe, die den Tod von elf Personen verursachte88.

Anfang Januar 1989 kam es zum ersten offiziellen Waffenstillstand, Tregua de Argel gennant. Dieser sollte aber nur zwei Wochen lang anhalten89.

Der sukzessive Untergang der ETA

In den 1990ern gründete sich die Bürgerinitiative Gesto por la Paz90. Die Initiative erlangte durch Schweigemärsche und Anti-Terrorismus-Demonstrationen große Bekanntheit. Zu der Zeit gründeten sich mehrere Organisationen, die es sich zum Ziel setzen, den ETA- Terrorismus zu bekämpfen und Anerkennung für die Opfer zu erlangen. Das ist ein Indiz dafür, dass der Rückhalt für die ETA in der baskischen Bevölkerung zusehend zu schwinden begann. Diese bekämpfte jetzt auch den “Inneren Feind”, also nicht nur hauptsächlich Spa- nier, sondern ebenfalls alle baskischen Journalisten, Politiker, Professoren, Schriftsteller oder Richter, die sich öffentlich gegen die ETA und deren Unabhängigkeitsbestreben und/oder gegen die Unabhängigkeit im Allgemeinen aussprachen. “[N]obody in the Basque Country, except the group’s own followers, could exclude the possibility of becoming a target of political violence”91. Als Konsequenz wanderten viele Menschen ab; das Baskenland blutete kulturell gesehen immer stärker aus. Grade durch ihren Einfluss auf die Politik gefährdete die ETA die Demokratie. Die tödlichen Anschläge nahmen allerdings ab, in den 1990ern wurden “nur” 163 Leute umgebracht. Die Straßengewalt aber wurde nicht geringer. Zwischen 1993 und 1998 verletzten Gewaltaktionen der kale borroka knapp 400 Personen92.

1995 verübte die ETA ein Sprengstoffattentat auf José Maria Aznar, Spitzenpolitiker der Partido Popular, der erzkonservativen, republikanischen Partei. Er überlebte leicht verletzt und wurde in Folge dessen Regierungschef. Unter Aznar begann die systematische Zerstörung der Terrorzellen. Allein zwischen 1996 bis 1998 wurden mehr Etarras verhaftet als in den gesamten 30 Jahren zuvor93.

1997 war das Jahr der menschlich grausamsten Entführungen der ETA. In diesem Jahr wurde nach über anderthalb Jahren (532 Tage) ein Gefängnismitarbeiter, der zuvor gekidnappt worden war, von der Polizei befreit. Die ETA hatte beschlossen, ihn verhungern zu lassen. Auf allen Fernsehkanälen war seine Befreiung zu sehen - der abgemagerte Körper erinnerte viele Bürger an die Befreiten von Ausschwitz94. Eine Woche später entführte die Organisation den 29jährigen Miguel Ángel Blanco, einen unbekannten Politiker der Partido Popular, in Ermua, Bizkaia und forderte, dass innerhalb von 48 Stunden alle inhaftierten Etarras in baski- sche Gefängnisse transportiert werden sollten. Bei Nichteinhaltung der Frist drohte sie mit der Ermordung Blancos. Selbst die Häftlinge protestierten gegen dieses Ultimatum, das rein logis- tisch nicht umzusetzen gewesen wäre. Nach Ablauf der Frist wurde Miguel Ángel Blanco mit einem Kopfschuss hingerichtet. Und die ETA hatte durch diese grausame Tat die restlichen Sympathien zerstört95.

Im Folgejahr, am 12. September, wurde der Pacto de Estella beschlossen. In Lizarra-Estella, Navarra, unterschrieben 24 nationalistischen baskischen Parteien und Organisationen die Vereinbarung, dass der Terrorismus aufgegeben und Frieden erreicht werden solle; vier Tage später gab die ETA ihre zweite Waffenruhe bekannt. Dieser Waffenstillstand dauerte bis zur Aufgabe im November 1999 und einem erneuten Mord im Januar 2000. Heutzutage weiß man, dass dies eine Falle war, eine tregua trampa, da die ETA die Ruhe nutzte, um sich zu reorganisieren und neue Mitglieder zu rekrutieren96. Nach dem Bruch des Waffenstillstands und der Reformierung schwappte eine neue Welle des Terrors über das Land, erneut verließen viele Menschen das Baskenland, es wurden noch mehr Leibwächter als zuvor benötigt und selbst ehemalige “Verbündete” wie die PNV galten jetzt als Feinde Auffällig ist außerdem, dass sich seit Mitte der 1990er unter den Etarras immer mehr Frauen befinden. Während sie früher zu Hause blieben oder höchstens auf Pro-ETA-Demonstrationen als trauernde Witwen oder Mütter zu sehen waren, gehören dem engeren Kreis der Aktivisten inzwischen ungefähr ein Viertel weibliche Terroristinnen an, Tendenz steigend. Die Frauen zeichnen sich durch besonders blutrünstige und grausame Anschläge aus, die dadurch zu erklären sind, dass sie sich in den Reihen der Männer beweisen wollen97.

Am 11. März 2004 gab es verheerende Bombenexplosionen in Zügen in Madrid, bei denen 191 Menschen ums Leben kamen. Die spanische Regierung um José María Aznar war schnell mit Beschuldigungen zur Hand und warf der ETA die Anschläge vor. Diese voreilige Schuldzuweisung wurde getätigt, um von dem Einsatz spanischer Soldaten im Irak-Krieg abzulenken und die Öffentlichkeit zu manipulieren: Das Attentat hatten islamistische Gruppen um Al-Qaida verübt. Diese falsche Informationspolitik zog zahlreiche Demonstrationen in ganz Spanien mit sich. Aufgrund der Fehlauskünfte der Partido Popular und Aznars und der Beteiligung am Irak-Krieg gewann drei Tage später bei den Parlamentswahlen José Luis Rodriguez Zapatero der PSOE die Wahl98.

Am 22. März 2006 verkündete die ETA eine weitere “dauerhafte Waffenruhe”, woraufhin Zapatero wiederholt in einen Dialog mit der Terrororganisation trat. Ein dreiviertel Jahr später gab es jedoch abermals einen Anschlag; im Flughafen Madrid-Barajas starben zwei Menschen. Die Verhandlungen wurden umgehend abgebrochen99. Offiziell erklärte die ETA im Juni 2007 den Waffenstillstand für beendet. In einem Kommuniqué wurde mitgeteilt, dass der Krieg nun “an allen Fronten” geführt werden würde. Dies begründete sie damit, dass bei den Kommunalwahlen Ende Mai sämtliche mit der ETA favorisierende Parteien ausge- schlossen waren100. Für die baskische wie spanische Öffentlichkeit war das nur mehr ein Zeichen dafür, dass mit der ETA zum einen kein Dialog geführt werden könne. Andererseits aber zeigte sie durch ihre Verzweiflungstaten ungewollt, dass sie am Ende war:

The December 2006 bombing at Madrid’s Barajas Airport without prior warning in the midst of a so-called ‘ceasefire’ only served to further demonstrate ETA’s madness to Basque public opinion. The group still existed to the extent that it was, quoting Joseba Zulaika, the “ashes” of its former self (Polvo).101

Die ETA vor ihrem endgütigen Aus?

Am 05. September 2010 war es erneut soweit: Der britische Fernsehsender BBC strahlte ein Video aus, in dem die ETA eine dritte Waffenruhe veröffentlichte, allerdings ohne Angaben, ob diese von temporärer oder dauerhafter Natur sei102. Vier Monate später wurde das nachgeholt. Das am 10. Januar 2011 veröffentlichte Kommuniqué verkündete, das “alto el fuego [sei] permanente y de carácter general”103. Am 20. Oktober des gleichen Jahres nannte die ETA ihren Waffenstillstand einen “cese definitivo”104.

Seitdem gab es keine nennenswerten Entwicklungen mehr (Stand: 25.02.2015). Der Ministerpräsident Mariano Rajoy (PP) sucht anders als sein Vorgänger keinen Dialog mit der ETA und verkündete, dass die inhaftierten Etarras weiterhin in Gefängnisse fern von Euskadi einsitzen werden, bis die ETA sich endgültig auflöse105.

3.0 Terrorismus: Geschichte und Definition des Begriffs

Töte einen, ängstige zehntausend.106

Eine allgemeingültige Definition für den Begriff “Terrorismus” ist bisher international nicht festgelegt worden. Das Wort veränderte je nach Epoche, Land und dem eigenen Standpunkt häufig die Bedeutung, manchmal war sie positiv, häufig negativ konnotiert. Im Verlauf dieses Kapitels wird, um eine Annäherung an eine adäquate Definition zu erlangen, zuerst ein kurzer historischer Abriss über die etymologische Geschichte des Begriffs aufgezeigt und danach typische Charakteristika herausgearbeitet. Außerdem werden neuere Entwicklungen be- leuchtet.

Geschichte des Begriffs

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Bedeutung von “Terrorismus” mehrfach gewandelt, der Terminus wurde sowohl im positiven als auch im negativen Sinne begriffen. Abgeleitet ist der Begriff von dem lateinischen Wort terrere, das so viel wie “schrecken” oder “in Schrek- ken versetzen” bedeutet107. Auch wenn das Wort ab der Französischen Revolution populär wurde, weisen die beiden Ethnologen und Anthropologen Joseba Zulaika und William A. Douglass in ihrem vielzitierten Werk “Terror and Taboo” darauf hin, dass schon vor den Zeiten Robespierres die Religion für Terrorismus verantwortlich war108. Der Historiker Rudolf Walther merkt ebenfalls an, dass “Terror” beziehungsweise “Schrecken” zu den Grundbegriffen des Alten Testaments gehörte und zusammen mit Güte und Allmacht in Gott vereint war109 - wobei sich Zulaika und Douglass auf die Kriege und Kreuzzüge beziehen, die im Mittelalter im Namen der Religion gemacht wurden. Auch die Humanwissenschaftlerin Marcella Ravenna konstatiert mit deutlichen Worten: “Terrorism is not a recent social pheno- menon. It has existed for at least two thousand years in numerous cultures and has taken on different characteristics over time”110. Die Literaturwissenschaftler Michael C. Frank und Kirsten Mahlke betonen ebenfalls, dass die Verwendung der Substantive terreur beziehungs- weise terror im Französischen und Englischen erstmals im späten 14. Jahrhundert nachzu- weisen ist und “individualpsychologische Angstzustände […] oder kollektive Reaktionen auf existenzielle Gefahren” umschrieb, eine heute noch gültige Bezeichnung. Zunächst waren damit aber Epidemien und Hungersnöte gemeint.

Ab der Französischen Revolution wurde der Ausdruck geläufig. Zuerst entsprach er einer (seitens der Staatsmacht) positiven Konnotation, der Begriff Régime de la terreur bezeichnete die Jakobiner und ihr Vorgehen gegen politische Gegner111, terreur j l’ordre du jour112 galt als “Instrument zur Durchsetzung von Ordnung”113 in “Formen unmittelbarer Gewaltanwendung unter dem Schutz und im Interesse des Staates”114. Nach der anfänglich positiven wandelte sich diese schnell in eine negative Bedeutung. Terrorismus wurde in der Alltagssprache als Schreckensherrschaft, Despotismus oder Staatsterrorismus angesehen115, als Terror der Herrscherklasse also: “In der Logik des Terrors, Schrecken mit Schrecken zu beantworten, ist dies kein Widerspruch. Robespierre hat jedoch darüber hinaus dazu beigetragen, dass der Terror in der Revolutionsphase rhetorisch veredelt und legitimiert wurde [...]”116.

Um 1850 tauchte die Bezeichnung “Terror” auch im deutschen Wortschatz auf und hatte “eine eindeutig politische Bedeutung, die Terror von jeglicher anderen, nicht politisch instrumen- talisierten Form des Schreckens unterschied”117. Auch nach der Französischen Revolution wandelte sich die Bedeutung mehrfach. In Deutschland war der Begriff ab Mitte des 19. Jahr- hunderts eine Stigmatisierung für alle “revolutionär” eingeschätzten Bewegungen, neben den Anarchisten wurden auch Kommunisten, Sozialdemokraten oder Nationalisten so bezeich- net118. Der Begriff wurde also höchst unterschiedlich ausgerichteten Gruppen und Strömungen zugeordnet. Auch in Ländern mit anarchistischen Bewegungen wie in Spanien oder Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts betitelte man Aufständische häufig als “Terroristen”.

1937 wurde als Konsequenz auf die Ermordung des jugoslawischen Königs Alexander I. und des französischen Außenministers Louis Barthou die Konvention zur Verhinderung und Bestrafung von Terrorismus abgehalten. Eine Konkretisierung der Wortsemantik kam dabei allerdings nicht zustande, da sich die Vertreter nicht einigen konnten119.

Der UN-Sicherheitsrat stufte 1992 mit der Resolution 731 den “internationalen Terrorismus” zwar als Bedrohung für den Weltfrieden ein, gab aber keine Definition dessen120. In einer Bro- schüre der Vereinten Nationen von 2004 wird Kofi Annans Rede vor der Generalversamm- lung in New York zitiert, der einen Monat nach den Anschlägen auf das World Trade Center sagte: “Der einzige gemeinsame Nenner unter den verschiedenen Formen des Terrorismus ist der kalkulierte Einsatz tödlicher Gewalt gegen Zivilpersonen aus politischen Gründen”121.

Wie mangelhaft diese Definition ist (sie lässt zum Beispiel, obgleich im Anschluss an die 9/11-Anschläge getätigt, die religiöse Motivation außen vor), wird im Folgenden gezeigt.

Was ist Terrorismus?

Der Terrorismus ist auf vielerlei Art definiert worden, aber mit Gewißheit läßt er sich nur als An- wendung von Gewalt durch eine Gruppe bezeichnen, die zu politischen oder religiösen Zwecken gewöhnlich gegen eine Regierung, zuweilen auch gegen andere ethnische Gruppen, Klassen, Reli- gionen oder politische Bewegungen vorgeht. Jeder Versuch, sich spezifischer zu äußern, ist einfach deshalb zum Scheitern verurteilt, weil es nicht einen, sondern viele verschiedene Terrorismen gibt.122

Das Zitat des amerikanischen Historikers und Terrorismusexperten Walter Laqueur liefert eine erste Definition, die aber zugleich auch das Ursprungsproblem thematisiert: Eine genaue ter- minologische Begriffsbestimmung ist nicht möglich und wurde bis dato international nicht konstatiert. Vielmehr ist die Bedeutung durch einen inflationären Gebrauch in zahllosen Kon- texten durch Politiker, Medien und in der Alltagssprache so unscharf geworden, dass sie beinahe gänzlich ihren Sinn verloren hat123. Ein weiterer Punkt ist die ebenfalls in diesem Zitat von Laqueur angeschnittene Problematik, dass es sehr divergierende Motive, Mittel, Umstände und Ziele der Terroristengruppen gibt124, denn Terrorismus kann “take place in a war context, in an insurgency context, and in a ‘pureʼ context, that is, in a context where pop- ular support for the struggle is almost completely absent”125. Dennoch lassen sich die Haupt- merkmale des Terrorismus auf einige grundsätzliche Eigenschaften festlegen, die auch Laqueur schon andeutet.

Bei Terrorismus handelt es sich um eine (substaatisch motivierte) Gewalthandlung oder An- drohung von Gewalt, die auf die Erzeugung von Angst und Verunsicherung einer breiten Öffentlichkeit ausgerichtet ist, also nicht explizit das getroffenen Opfer, ins Visier nimmt126. Diese Angst wird zum Erreichen eines bestimmten Ziels eingesetzt127 - “[a]ction for action’s sake becomes a credo. Not words, not nice theories, not paper programs, but rather it is the doing that matters. Action is positive, nothing is of value unless it’s done”128. Durch die An- schläge soll die eigene Doktrin publik gemacht werden, um neue Sympathien und Anhänger zu gewinnen129. Der deutsche Politologe Herfried Münkler bezeichnet diese Empfänger als den “interessiert unterstellten Dritten”130, eine Bevölkerungsgruppe, die national, ethnisch oder politisch gesehen die eigentlichen Adressaten der Botschaft sind. Die Unterstützung dieser in Augen der Terroristen “interessiert unterstellten Dritten” ist elementar für das Durch- setzen der Ziele und für die Legitimation ihrer Handlungen. Bleibt die Unterstützung aus, ist das Unternehmen zum Scheitern verurteilt. Das Endziel, das die Terroristen zu erreichen ersuchen (in dieser Arbeit die “Befreiung des Baskenlands”), ist in der Wahrnehmung der Terroristengruppen von einem Großteil der Bevölkerung sehnlichst erhofft. Dieses antizipierte Begehren - Münkler nennt dieses für andere stellvertretende Handeln einen “rigiden Moralis- musˮ131 - wird allerdings nur unterstellt und stimmt in selten mit der Realität überein.

Ein weiteres Charakteristikum terroristische Handlungen ist, dass diese für gewöhnlich plan- mäßig und systematisch vorbereitet sind132, für die Öffentlichkeit jedoch unvorhersehbar durchgeführt werden133. Die psychologische Wirkung der Attentate ist also der intendierte Kern der Strategie und steht noch vor dem physischen oder materiellen Schaden, der verur- sacht wird. Deswegen muss, um die Rhetorik Zulaikas und Douglassʼ zu übernehmen, unter- schieden werden zwischen dem “target of violence” (dem Opfer selbst), und dem, was eigent- lich erreicht werden soll: Bei einer bestimmten Gruppe, der “target of demands”, soll die Die- ologie verbreitet werden, um dadurch neue Sympathisanten zu gewinnen. Die Öffentlichkeit, “target of attention”134 ist aber ebenso wichtig - ohne Medienpräsenz und der dadurch erzeug- ten Aufmerksamkeit in der Bevölkerung sind terroristische Handlungen wirkungslos. Nahezu alle Terrorismusforscher weisen auf eben diese Bedeutung der Medien für Terroristen hin: “Immer entscheidet die Medienpräsenz über die gesellschaftliche Wirkung der Tat, die verübt wurdeˮ135, analysieren die Germanisten Matteo Galli und Heinz-Peter Preußer. Auch die Literaturwissenschaftlerin Margaret Scanlan stellt fest: “Terrorists succed when they seize headlines”136. Ein Toter ist dabei schon “as sufficient as ten or a hundred”137, da die Angst, man selbst könne zum Opfer werden, relevanter für die Öffentlichkeitswirkung ist als die kon- krete Anzahl der Getöteten. Münkler konstatiert in seiner Analyse über den Terrorismus: “Massenaufstand und Guerillakrieg vermögen ihre Ziele zu erreichen, ohne dass die Medien über sie berichten, der Terrorismus nicht. Seine Aktionen gewinnen ihre Bedeutung erst durch die Berichterstattung über sie”138. Ohne die Medien werden weder die Taten publik - ergo, die Angst der Bevölkerung und seitens des Staates bleibt aus -, noch kann die Botschaft über- mittelt werden. Die Medien werden auch aktiv von den Terrorgruppen genutzt, um ihre Kom- muniqués zu verbreiten, früher oft durch Briefe an Zeitungen, später auch durch Filmauf- nahmen, in denen die Erklärung durch maskierte Terroristen verlesen wird.

Der Terroristen unterscheidet sich vom “gewöhnlichen” Kriminellen die Motivation seiner Tat. “A terrorist action is one which is intrinsically criminal, carried out for political purposes and set up according to a strategy of a military nature”139. Terrorismus ist zwar Gewalt, aber nicht jede Form von Gewalt kann Terrorismus genannt werden. Der Kriminelle versucht, seine Tat zu vertuschen, der politisch motivierte Täter möchte damit seine Theorie und Ideologie publik machen140. Während also bei einem gewöhnlichen Mord der Tod einer Person oder eine persönliche Bereicherung das eigentliche Ziel ist, haben terroristische Morde “an ulterior purpose”141, intendieren eine Veränderung der sozialen und politischen Ordnung, und haben typischerweise einen symbolischen Charakter, wie Ravenna zusammenfasst:

What most distinguishes terrorism from other types of social violence is its highly symbolic and expressive value. The actions taken, designed to instil fear and terror in the target population, actually provide a concrete demonstration of the power of terrorists in relation to the leadership, putting across specific meanings through the choice of location, target, and date of action.142

Die Opfer können sowohl gezielt nach ihrer symbolischen Wirkung ausgesucht werden, beispielsweise Politiker als Repräsentanten des zu bekämpfenden Staats, oder aber sie sind komplett zufällig, sozusagen “Kollateralschaden”143.

[...]


1 Declaración 1962, Granja Sainz - El Nacionalismo Vasco, S. 92, Sullivan - El Nacionalismo Vasco Radical, S. 337

2 Im Folgenden wird die baskische und nicht die spanische Schreibweise der baskischen Namen (Provinzen und dergleichen) angeführt.

3 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 1f.

4 Vgl. Tremlett - Die Frauen der ETA (www)

5 Vgl. Däumer/Grundberger/Jenninger - Spanien und sein Trauma (www)

6 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 176

7 Vgl. Fernández/López - El nacionalismo vasco radical ante los inmigrantes, S. 6f. (www)

8 Vgl. Ebd., S. 7 (www), Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 202ff., Douglass/Zulaika - ETA y el proceso político vasco, S. 105f.; damit setzten sie sich auch Sabino Aranas Ideologie entgegen, der nicht wollte, dass Einwanderer das Euskera erlernten, um die Rassentrennung nicht zu gefährden, und in seinem Essay “Errores catalanistas” schrieb: “Los catalanes quisieran que no sólo ellos, sino también todos los demás españoles establecidos en su tierra, hablasen catalán, para nosotros sería la ruina que los maketos residentes en nuestro territorio hablasen euskera”, Unzueta - Errores catalanistas (www)

9 Hordago - Documentos, I:104, San Sebastián, 1979, zitiert nach Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 35

10 Vgl. Douglass/Zulaika - ETA y el proceso político vasco, S. 105f.

11 Vgl. Gemlett - Die Frauen der ETA (www)

12 Vgl. El Mundo - El juez Garzón suspende cautelarmente las actividades de D3M y Askatasuna (www)

13 Vgl. Idoyaga - ETA 1959-2009 (www)

14 Vgl. Delgado - Así capta ETA a jóvenes vascos (www)

15 Vgl. Schüler-Springorum - “Sei still oder hau ab!ˮ (www), Koch - Unter einem Dach (www)

16 Vgl. Däumer/Grundberger/Jenninger - Spanien und sein Trauma (www)

17 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 199

18 Vgl. Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 80

19 Vgl. Víctimas del Terrorismo (www), Genaue Zahlen zu den Angaben der Opfern gibt es nicht, je nach Quelle variieren sie meistens zwischen 820 und 850, El Mundo beispielsweise zählt sogar 864 Todesopfer, vgl. El Mundo - Todas las víctimas de ETA, (www), Luis Aizpeolea benennt unterschiedliche Gründe dafür, die schon mit der Frage beginnt, ob Begoña Urroz (siehe 2.1) als erstes Opfer gezählt werden kann oder nicht, vgl. Aizpeo- lea - Sin verdad compartida sobre ETA (www). Eine aktuelle Erhebung der baskischen Regierung, die am 26. 02.2015 veröffentlich wurde, zählt neben 845 Todesopfern zum ersten Mal auch die Verletzten: “2.533 personas, de las que 709 sufren gran invalidez o incapacidad permanente absoluta o total.“, Sainz - Un estudio del Gobierno Vasco (www)

20 Vgl. Die Presse - ETA (www)

21 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 204f.

22 Vgl. Ebd., S. 204

23 Vgl. Delgado - Así capta ETA a jóvenes vascos (www)

24 Zum Beispiel “Vaya Semanita” (und innerhalb dieses Programmes besonders “Los Batasunnisˮ), das von 2003 bis 2013 auf dem baskischen Sender ETB 2 lief und Erfolg in ganz Spanien hatte, oder aber der Film “Ocho Apellidos Vascosˮ (2014), der baskische Klischees persifliert und der der erfolgreichste spanische Film aller Zei- ten ist, vgl. Belinchón - ‘Ocho apellidos vascosʼ ya es la película española más vista de la historia (www)

25 Ana Rosa Gómez Moral von Gesto por la Paz über die Gründe, warum sich die Friedensinitiative erst Ende 1985 konstituierte, Aizpeola - Fin del movimiento anti-ETA (www)

26 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 4

27 Vgl. Lang - Das baskische Labyrinth, S. 20f.

28 Vgl. Mees - Nationalism, Violence, and Democracy, S. 7, Kasper - Baskische Geschichte, S. 100ff.

29 Vgl. Ebd., S. 119f.

30 Vgl. Fernández/López - El nacionalismo vasco radical ante los inmigrantes, S. 1 (www), Mees - Nationalism, Violence and Democracy, S. 25: Während im Jahre 1868 100% der Bevölkerung Gipuzkoas und 93% der Biz- kaias euskaldunes, also Baskischsprecher, war, sank die Zahl bis zum Jahre 1970 auf 44% beziehungsweise 16%

31 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 26, Traverso - Friedrich Engels und die nationale Frage (www)

32 Vgl. Granja Sainz - El Nacionalismo Vasco, S. 26

33 Vgl. Ebd., S. 66, Kasper - Baskische Geschichte, S. 128, Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 5

34 Vgl. Ebd., S. 16f., Kasper - Baskische Geschichte, S. 131

35 Vgl. Ebd., S. 128, Fernández/López - El nacionalismo vasco radical ante los inmigrantes, S. 6 (www),

36 Vgl. Stegmann - Geschichte Kataloniens und der Katalanischen Länder (www), Kasper - Baskische Geschichte S. 144

37 Vgl. Ebd., S. 157

38 Vgl. Ebd., S. 166f.

39 Vgl. Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 35

40 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 174, Lang - Das baskische Labyrinth, S. 115, Letamendia - Historia del Nacionalismo Vasco y de E.T.A., S. 252

41 Ebd., S. 253, Kasper - Baskische Geschichte. S. 175, Lang - Das baskische Labyrinth, S. 117, Fernández/ López - El nacionalismo vasco radical ante los inmigrantes, S. 6 (www)

42 Vgl. Glück - Die ETA und die Medien, S. 21f., Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 181ff., Granja Sainz - El Nacionalismo Vasco S. 76f., Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 35

43 Vgl. Ebd., S. 36ff., Lang - Das baskische Labyrinth, S. 194ff., Waldmann - Militanter Nationalismus im Baskenland, S. 54

44 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 110, Sullivan - El Nacionalismo Vasco Radical, S. 45

45 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 175

46 Vgl. Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 27, Lang - Das baskische Labyrinth, S. 163

47 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 245

48 Vgl. Ebd., S. 30, Sullivan - El Nacionalismo Vasco Radical, S. 65ff., Glück - Die ETA und die Medien, S. 28ff.

49 Vgl. Ebd., S. 23f., Lavin - Biografía de Federico Krutwig (www,) Fernández/López - El nacionalismo vasco radical ante los inmigrantes, S. 7 (www), Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 26f.

50 Vgl. Letamendia - Historia del Nacionalismo Vasco y de E.T.A., S. 286

51 Vgl. Lang - Das baskische Labyrinth, S. 168

52 Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 144

53 Vgl. Ebd., S. 144, Sullivan - El Nacionalismo Vasco Radical, S. 86f.

54 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 146, Kasper - Baskische Geschichte, S. 177

55 Vgl. Ebd., S. 182f., Glück - Die ETA und die Medien, S. 26, Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 102, Lang - Das baskische Labyrinth, S. 192

56 Vgl. Idoyaga - ETA 1959-2009 (www), Letamendia - Historia del Nacionalismo Vasco y de E.T.A., S. 384f.

57 Vgl. Glück - Die ETA und die Medien, S. 26, Däumer/Grundberger/Jenninger - Spanien und sein Trauma (www), Lang - Das baskische Labyrinth, S. 231

58 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 170

59 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 179f., Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 66, Sullivan

- El Nacionalismo Vasco Radical, S. 188f

60 Vgl. Igendaay - Eta-Kino (www)

61 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 170, Historia siglo 20 - El Franquismo (www)

62 Vgl. El Mundo - Los GRAPO (www)

63 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 184

64 Vgl. Sullivan - El Nacionalismo Vasco Radical, S. 251

65 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 185, Lang - Das baskische Labyrinth, S. 254

66 Vgl. Laqueur - Die globale Bedrohung, S. 283, Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 101f.

67 Vgl. Mees - Nationalism, Violence And Democracy. S. 72

68 Vgl. Víctimas del Terrorismo (www)

69 Vgl. Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 94

70 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 187f.

71 Vgl. Ebd., S. 186

72 Vgl. Ebd., S. 187

73 Vgl. Delgado - Así capta ETA a jóvenes vascos (www); Sogar weniger als aus Navarra (13%). Das macht sich auch in der literarischen Verarbeitung bemerkbar: Der Großteil der ETA-Romane spielt in Donostia beziehungs- weise Gipuzkoa, einige in Bizkaia und mir persönlich ist kein einziger bekannt, der sein Umfeld in Araba hat.

74 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 184

75 Vgl. Ebd., S. 189

76 Ende der 1970er trat zum Beispiel der Batallón Vasco Español in Erscheinung, der zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hat (vgl. Ebd., S. 200)

77 Vgl. Ebd., S. 200

78 Vgl. Glück - Die ETA und die Medien, S. 30f., Kasper - Baskische Geschichte, S. 200f.

79 Vgl. Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 198ff.

80 Vgl. Ebd., S. 201ff.

81 Ebd., S. 204f., unter der Berufung auf: Lurdes Moraza/Mertxe Basterra - la columna infame, Navarra, 1994 und Hylah Jacques - Spain: Systematic Torture in a Democratic State in: Monthly Review 37, 1985, S. 57-62

82 Vgl. z.B. Etxebarria - Folterbericht von Beatriz Etxebarria (www)

83 Vgl. Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 207

84 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S.325

85 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S.201

86 Vgl. Ebd., S.202

87 Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 142

88 Vgl. Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S.92

89 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 354

90 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 202f.

91 Mees - Nationalism, Violence and Democracy, S. 73

92 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 396

93 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte, S. 204, Däumer/Grundberger/Jenninger - Spanien und sein Trauma (www)

94 Vgl. Mees - Nationalism, Violence And Democracy, S. 74

95 Vgl. Ebd., S. 74, Glück - Die ETA und die Medien, S. 33f., Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 398

96 Vgl. Ebd., S. 36

97 Vgl. Tremlett - Die Frauen der ETA (www)

98 Vgl. Elorza/Garmendia/Jaurégui/Domínguez/Unzueta - La Historia de ETA, S. 427f., Darnstädt/Zuber - Die ganze Wahrheit (www)

99 Vgl. Kasper - Baskische Geschichte S. 223f., El País - Zapatero: “He ordenado suspender todas las iniciativas para desarrollar el diálogo con ETAˮ (www)

100 Vgl. Wieland - Eta kündigt “permanenten Waffenstillstand” auf (www), Streck - Spanien: Die Logik der Konfrontation hat gesiegt (www)

101 Vazquez - Writing Victims, S. 2 (www, Hervorhebung im Original)

102 Vgl. BBC News - Basque separatist group Eta “declares ceasefire” (www), El País - Declaración de ETA[2010](www)

103 El País - Declaración de ETA[2011](www), Rodríguez/Aizpeolea - ETA anuncia un alto el fuego “pemanente, general y verficable” (www)

104 Aizpeolea - ETA pone fin a 43 años de terror (www)

105 Vgl. Diario de Navarra - Rajoy reitera que seguirá la dispersión mientras ETA no se disuelva (www)

106 Sunzi - Die Kunst des Krieges, 500 v. Chr.

107 Vgl. Frank/Mahlke - Kultur und Terror, S. 7

108 Vgl. Zulaika/ Douglass - Terror and Taboo, S. 106f.

109 Vgl. Walther - Terror und Terrorismus, S. 65f.

110 Ravenna - Terrorism as a Form of idealistic “Evilˮ, S. 52

111 Vgl. Hoffmann - Terrorismus - der unerklärte Krieg, S. 23, Frank/Mahlke - Kultur und Terror, S. 11, Berendse - Schreiben im Terrordrom, S. 19, Hoeps - Arbeit am Widerspruch, S. 24, Hirschmann - Terrorismus, S. 7f.

112 Vgl. Musolff - Krieg gegen die Öffentlichkeit, S. 40

113 Hoffmann - Terrorismus - der unerklärte Krieg, S. 23

114 Walther - Terror und Terrorismus, S. 65

115 Vgl. Hoeps - Arbeit am Widerspruch S. 24, Frank/Mahlke - Kultur und Terror, S. 11,

116 Ebd., S. 11

117 Ebd., S. 11

118 Vgl Musolff - Krieg gegen die Öffentlichkeit. S. 142f.

119 Vgl. Münkler - Guerillakrieg und Terrorismus, S. 79f.

120 Vgl. Frieden sichern - UN und Terrorismus (www)

121 UN-Basis-Informationen - Die Vereinten Nationen und der Terrorismus (www)

122 Laqueur - Die globale Bedrohung, S. 44,

123 Vgl. Münkler - Guerillakrieg und Terrorismus, S. 78

124 Vgl. Applebaum/Paknadel - Terrorism and the Novel, S. 390 (www)

125 Schmid/Longman - Political Terrorism, S. 16

126 Vgl. Hess - Terrorismus und Terrorismus-Diskurs, S. 59, Hoeps - Arbeit am Widerspruch, S. 26, Berendse - Schreiben im Terrordrom, S. 19

127 Vgl. Hirschmann - Terrorismus, S. 8f., Galli/Preußer - Mythos Terrorismus, S. 7,

128 Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 75

129 Vgl. Ravenna - Terrorism as a Form of idealistic “Evil”, S. 54, Hirschmann - Terrorismus, S. 8

130 Münkler - Guerillakrieg und Terrorismus, S. 94

131 Ebd., S. 96

132 Vgl. Hirschmann - Terrorismus, S. 8f.

133 Vgl. Ravenna - Terrorism as a Form of idealistic “Evil”, S. 53, Hess - Terrorismus und Terrorismus-Diskurs, S. 59

134 Vgl. Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 145

135 Galli/Preußer - Mythos Terrorismus, S. 10

136 Scanlan - Plotting Terror, S. 5

137 Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 141

138 Münkler - Guerillakrieg und Terrorismus, S. 88

139 Vittorio Emanuele Parsi - Introduzione in: Charles Townshend - La minaccia del terrorismo, Bologna, 2004, S. 7-16, zitiert nach Ravenna - Terrorism as a Form of idealistic “Evil”, S. 53

140 Vgl. Münkler - Guerillakrieg und Terrorismus, S. 85

141 Zulaika/Douglass - Terror and Taboo, S. 146f.

142 Ravenna - Terrorism as a Form of idealistic “Evil”, S. 53f.

143 Vgl. Ebd., S. 53, Hirschmann - Terrorismus, S. 9

Ende der Leseprobe aus 128 Seiten

Details

Titel
Ästhetisierung des Terrors. Die ETA in den Romanen “La cartaˮ von Raúl Guerra Garrido, “El hombre soloˮ von Bernardo Atxaga und “Twist” von Harkaitz Cano
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
128
Katalognummer
V298859
ISBN (eBook)
9783656951650
ISBN (Buch)
9783656951667
Dateigröße
1412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ästhetisierung, terrors, darstellung, romanen, raúl, guerra, garrido, bernardo, atxaga, twist”, harkaitz, cano
Arbeit zitieren
Isabella Caldart (Autor), 2015, Ästhetisierung des Terrors. Die ETA in den Romanen “La cartaˮ von Raúl Guerra Garrido, “El hombre soloˮ von Bernardo Atxaga und “Twist” von Harkaitz Cano, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298859

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