Die häusliche Versorgung von invasiv beatmeten Kindern und Jugendlichen erhält in der BRD bislang wenig Aufmerksamkeit. Bei dieser Klientel handelt es sich um Menschen im heranwachsenden Alter, die bedingt durch ihre chronisch-progrediente Erkrankung eine kontinuierliche Atemunterstützung durch ein Beatmungsgerät benötigen. Kinder und Jugendliche, die mit speziellen Heimbeatmungsgeräten von der pädiatrischen Intensivstation oder einem Beatmungszentrum in die Häuslichkeit entlassen werden, werden als ‘außerklinisch beatmet’ bezeichnet. Diese Versorgungsform wird in Deutschland hauptsächlich von häuslichen Kinderkrankenpflegediensten wie auch häuslichen Kinderintensivpflegediensten durchgeführt. Die Verfasserin möchte mit der vorliegenden Bachelorarbeit das Arbeitsfeld der häuslichen Kinderkrankenpflege wie auch der häuslichen Kinderintensivpflege in den Fokus stellen. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Versorgung von invasiv beatmeten Kindern und Jugendlichen. Diese Patientengruppe wurde von der Verfasserin ausgewählt, da ihr durch eigene Erfahrungen wie auch Beobachtungen Defizite in der Praxis aufgefallen sind, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit beschrieben werden. Des Weiteren wird sie mittels einer Literaturanalyse versuchen, Lösungsansätze für diese Probleme zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsanlass, Fragestellung und Zielformulierung
2.1 Forschungsanlass
2.2 Fragestellung
2.3 Zielformulierung
3 Forschungsmethodik: Literaturrecherche und -analyse
3.1 Literaturrecherche
3.2 Literaturanalyse als Forschungsmethode
4 Forschungsergebnisse: Entwicklungsgeschichte der invasiven außerklinischen Beatmung
4.1 Begriffserklärung
4.2 Historische Entwicklung
4.3 Außerklinische Beatmung heute
4.4 Voraussetzungen der außerklinische Beatmung
4.5 Diskussion
5 Forschungsergebnisse: Gesetzliche Rahmenbedingungen in der häuslichen Kinderkrankenpflege und Kinderintensivpflege
5.1 Gesetzliche Anforderungen
5.2 Formen der häuslichen Kinderkrankenpflege
5.3 Leistungsinhalte der Grund- und Behandlungspflege und hauswirtschaftlicher Versorgung
5.4 Rahmenempfehlungen nach § 132a SGB V
5.5 Diskussion
6 Forschungsergebnisse: Weiterbildung für die außerklinische Beatmung
6.1 Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Außerklinische Beatmung (DIGAB)
6.2 Diskussion
7 Forschungsergebnisse: Häusliche Kinderintensivpflege
7.1 Begrifflichkeiten
7.2 Aufgabenbereiche
7.3 Krankheitsbilder
7.4 Kompetenzen und Qualifikationen von Pflegefachkräften
7.5 Diskussion
8 Forschungsergebnisse: Eltern durch Anleitung und Beratung in ihrem Empowerment fördern
8.1 Rückzugspflege
8.2 Defizite innerhalb der Versorgung von invasiv beatmeten Kindern und Jugendlichen
8.3 Potentiale der Eltern nutzen
8.4 Beratung, Anleitung und Unterstützung
8.5 Diskussion
9 Zusammenfassung
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Voraussetzungen, die von häuslichen Kinderkranken- und Kinderintensivpflegediensten erfüllt werden müssen, um invasiv beatmete Kinder und Jugendliche optimal in ihrer häuslichen Umgebung zu versorgen. Ziel ist es, Defizite in der aktuellen Versorgung aufzuzeigen und Lösungsansätze zu entwickeln, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Einbindung der Eltern durch das Empowerment-Konzept liegt.
- Anforderungen an häusliche Kinderkranken- und Intensivpflegedienste
- Gesetzliche Rahmenbedingungen nach SGB V und SGB XI
- Qualifikationsanforderungen und Weiterbildungsmöglichkeiten für Pflegefachkräfte
- Unterstützung und Anleitung von pflegenden Eltern (Empowerment)
- Optimierung der Überleitung von der Klinik in die häusliche Versorgung
Auszug aus dem Buch
4.2 Historische Entwicklung
Die Versorgung von beatmungspflichtigen Menschen in ihrer häuslichen Umgebung begann in den fünfziger Jahren. Der Grund hierfür war die nach dem zweiten Weltkrieg entstehende Poliomyelitis-Epidemie (vgl. Siemon, Rosseau, Brambring 2015). Dieser Ausbruch hatte im Jahr 1950 ca. 2500 erkrankte Kinder und Erwachsene zur Folge. 159 Menschen starben in diesem Zeitraum an den Folgen der Poliomyelitis. Zwei Jahre später, im Jahre 1952, spitzte sich die Epidemie der Poliomyelitis-Erkrankungen zu. Dieser Zeitraum verzeichnete ca. 9500 Erkrankungen und 729 Tote (vgl. Windorfer 2000, S.4). Die Poliomyelitis ist eine "[a]kute virale Infektionskrankheit durch Poliomyelitis-Viren. [...] Sie wird fäkal-oral übertragen und schädigt die graue Substanz des Rückenmarks" (Menche, Bergen 2007, S. 1040; Erg. v. Verf.). Diese Schädigungen können dauerhafte Atemlähmungen zur Folge haben (vgl. ebd.). Aufgrund der benannten Folgeschäden wurde eine Versorgungsform benötigt, die den langzeitbeatmeten Menschen ein Leben in ihrer Häuslichkeit ermöglichte.
So kam es, dass in den fünfziger Jahren die ersten Patienten in ihrem häuslichen Umfeld außerklinisch beatmet wurden (vgl. Siemon, Rosseau, Brambring 2015). Zu dieser Zeit war die Versorgung eines beatmeten Patienten technisch sehr aufwendig und die großen Beatmungsmaschinen, wie z.B. die eiserne Lunge, ließen eine Mobilität, wie sie heute stattfinden kann, nicht zu (vgl. ebd; DGP e.V. 2009, S.1). Die eiserne Lunge umfasste den vollständigen Körper des Patienten. Lediglich der Kopf wie auch der Hals waren von dem Konstrukt ausgenommen (vgl. Larsen, Ziegenfuß 2013, S. 304).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Verfasserin stellt das Thema der häuslichen Versorgung invasiv beatmeter Kinder vor und erläutert die Relevanz der Untersuchung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Forschungsanlass, Fragestellung und Zielformulierung: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit der Forschung aufgrund beobachteter Versorgungsdefizite und formuliert die zentrale Fragestellung sowie die Unterfragen.
3 Forschungsmethodik: Literaturrecherche und -analyse: Es wird der explorativ-qualitative Forschungsansatz erläutert, wobei die Methodik der Literaturrecherche und die darauffolgende Analyse der Daten detailliert beschrieben werden.
4 Forschungsergebnisse: Entwicklungsgeschichte der invasiven außerklinischen Beatmung: Dieses Kapitel befasst sich mit den Begriffen, der historischen Entwicklung seit den 1950er Jahren und den heutigen Anforderungen an die außerklinische Beatmung.
5 Forschungsergebnisse: Gesetzliche Rahmenbedingungen in der häuslichen Kinderkrankenpflege und Kinderintensivpflege: Hier werden die rechtlichen Grundlagen nach SGB V und XI, Leistungsformen sowie die Rahmenempfehlungen nach § 132a SGB V beleuchtet.
6 Forschungsergebnisse: Weiterbildung für die außerklinische Beatmung: Das Kapitel stellt die Weiterbildungsangebote der DIGAB vor und diskutiert deren Bedeutung für die Qualitätssicherung in der Pflege.
7 Forschungsergebnisse: Häusliche Kinderintensivpflege: Es werden Begrifflichkeiten, Aufgabenbereiche, typische Krankheitsbilder sowie die notwendigen Kompetenzen für Pflegefachkräfte in der häuslichen Intensivpflege erörtert.
8 Forschungsergebnisse: Eltern durch Anleitung und Beratung in ihrem Empowerment fördern: Der Fokus liegt auf der Rolle der Eltern, dem Konzept der Rückzugspflege, der Identifikation von Versorgungsdefiziten und der systematischen Anleitung durch Fachpersonal.
9 Zusammenfassung: Die zentralen Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel werden zusammengeführt und die Schlussfolgerungen zur Forschungsfrage und den Unterfragen präsentiert.
10 Ausblick: Der Autorin gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungsschritte, insbesondere im Hinblick auf die Aktualität von Studienergebnissen und die Evaluierung der Überleitungsprozesse.
Schlüsselwörter
Häusliche Kinderkrankenpflege, Kinderintensivpflege, invasive Beatmung, außerklinische Beatmung, Empowerment, Elternanleitung, Rückzugspflege, SGB V, SGB XI, DIGAB, Beatmungspflege, pflegerische Qualifikation, Versorgungsqualität, pädiatrische Pflege, Überleitungsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die notwendigen Voraussetzungen für die optimale häusliche Versorgung von invasiv beatmeten Kindern und Jugendlichen durch spezialisierte Pflegedienste.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Die zentralen Felder umfassen die gesetzlichen Rahmenbedingungen (SGB V/XI), die historische und aktuelle Entwicklung der außerklinischen Beatmung, erforderliche fachliche Weiterbildungen sowie die zentrale Rolle der Anleitung und Beratung für Eltern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, welche Voraussetzungen Pflegedienste erfüllen müssen, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten, wobei besonderer Wert auf die Einbeziehung der Eltern gelegt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einem explorativ-qualitativen Forschungsansatz, wobei eine systematische Literaturrecherche und -analyse zur Beantwortung der Forschungsfragen durchgeführt wurde.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Grundlagen, die spezifischen Anforderungen an die Kinderintensivpflege, die Weiterbildungsangebote für Pflegefachkräfte sowie Strategien zur Förderung der elterlichen Kompetenz (Empowerment).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind häusliche Kinderintensivpflege, invasive Beatmung, Empowerment, Rückzugspflege und die rechtliche Einordnung durch das SGB.
Warum ist die Einbindung der Eltern so essenziell?
Die Einbindung der Eltern ist notwendig, damit diese als Hauptbezugspersonen die Pflege ihres Kindes sicher begleiten können und durch professionelle Anleitung in die Lage versetzt werden, die Versorgung mitzugestalten.
Was besagt das Konzept der Rückzugspflege?
Das Konzept beschreibt den schrittweisen Prozess, in dem professionelle Pflegekräfte die Versorgungszeit reduzieren, um Eltern zu befähigen, ihr Kind stundenweise eigenständig zu versorgen.
- Citation du texte
- Sarah-Stephanie Kluge (Auteur), 2015, Häusliche Kinderkrankenpflege und Kinderintensivpflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299126