Franz Schuberts Klaviermusik im Spiegelbild der Salonkultur


Hausarbeit, 2015

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil 2.1 Wurzeln der Salonkultur 2.2 Klaviersonaten: Schuberts Rolle als Virtuose 2.3 Miniaturen und Zyklen, die Hausmusik 2.4. Tänze, nur Unterhaltung ? 2.5 Aufschwung des Klaviers im 19. Jahrhundert

3. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Betrachtet man Zeichnungen der Schubertiaden wie etwa jene von Moritz von Schwind, dann fokussiert sich der Blick zuerst auf den Komponisten Franz Schubert am Flügel, zu dem sich gerne noch ein Sänger gesellt. Die Zuhörer schwelgen in erhabener Andacht und für den Beobachter ergibt sich ein biedermeierliches Bild. Man könnte den Eindruck erlangen, dass Schubert monologisch seine Werke vorträgt. Auf dem ersten Blick erscheint das durchaus legitim, immerhin lautet der Name der Veranstaltung Schubertiade. Doch Schuberts Freundeskreis sowie die Salonkultur des 19. Jahrhunderts war vielschichtiger. Besonders die Publikationen von Walther Dürr über Franz Schubert ergründen die Wechselbeziehung zwischen Kunst und Salonkultur. Weiterhin ist die Sozialgeschichte der klassischen Musik von Irmgard Jungmann ein wahrer Wissensschatz, der mit einem musiksoziologischen Ansatz die Entwicklung der Musik vom 19. Jahrhundert bis in die Moderne verfolgt. Beobachtet man die Gespräche von jungen Studenten, so merkt man, dass der Komponist Schubert vorrangig mit dem Kunstlied in Verbindung gebracht wird. In meinen Augen ist es aber sehr wichtig, sich mit der Klaviermusik in ähnlicher Weise auseinanderzusetzen. Denn Franz Schubert verstand sich selbst immer als Pianist und trat auch nur als solcher in der Öffentlichkeit aktiv auf. Seine Klaviermusik ist geprägt von einer Vielseitigkeit, die in direkter Verbindung mit der Salonkultur steht. Ich möchte in der folgenden Abhandlung dieses Verhältnis zwischen Kunst und Gesellschaft erläutern.

2.1 Wurzeln der Salonkultur

Um die Salonkultur zu verstehen, bedarf es eines kurzen historischen Abrisses. Im 18. Jahrhundert begann vielerorts der Aufbau einer komplexeren Staatsverwaltung, gekoppelt mit dem Berufsbeamtentum, das natürlich noch in Kinderschuhen steckte. Für diese Reformen benötigte der Staat gut ausgebildetes Personal; neue Bildungsinstitutionen entstanden, Preußen führte 1717 die Schulpflicht ein. Auf diesem Fundament bildete sich eine neue soziale Schicht: das Bildungsbürgertum. Der Bürger erhält somit eine Rolle - „die bürgerliche Öffentlichkeit“1 - und kleidet

diese mit einem neuen, bis dahin unbekannten Selbstbewusstsein. Auch Schuberts Familie verkörpert den Idealtypus der Bildungsbürger:

- Lehrerberuf des Vaters
- Autonomiestreben; Franz jun. soll finanziell abgesicherten Beruf wählen
- Instrumentalunterricht im Elternhaus, Kulturbewusstsein

Musik wurde zum Repräsentationsmittel des gesellschaftlichen Standes, der sich selbst als elitär charakterisierte. Erstaunlicherweise war der Salon aber keine geschlossene Gesellschaft. Bereits zur Zeit Mozarts lebten diese Gesellschaften von einer durchmischten Sozialstruktur und einer Multikulturalität. Während im Habsburger Vielvölkerstaat verschiedene Kulturen nebeneinander lebten, so wurde der Salon zu einem Schmelztiegel, in dem Kontakte geknüpft wurden. Der Salon wurde zu einem Ort, in dem die verschiedensten kulturellen Einflüsse einer Transformation unterlagen. Modern gesprochen, entstand eine Art patchwork; die Zusammensetzung eines Produkts aus unterschiedlichen Flicken. Diese Vielfalt mag natürlich inspirierend für die Zeitgenossen gewesen sein. Kunst wurde nicht nur für den Salon geschaffen, sondern auch durch ihn hervorgebracht!2

2.2 Klaviersonaten: Schuberts Rolle als Virtuose

Welche Rolle spielten Komponisten wie Franz Schubert in diesem vielseitigen sozialen Mikrokosmos? An bedeutender Stelle stand natürlich die Rolle des Virtuosen, des musikalischen Genies. Der Geniegedanke entstand schon Ende des 18. Jahrhunderts mit dem literarischen Sturm und Drang und verbreitete sich auch schnell in der Musik. Die Gattung, die diesen Sachverhalt im pianistischen Schaffenswerk Schuberts am besten verdeutlicht, ist die Klaviersonate, auch wenn sie nur einen kleinen Teil seiner Arbeit einnimmt. Insgesamt vollendete Schubert 12 Klaviersonaten. Der virtuose Gehalt findet sich im individuellen Stil. Beethoven galt als Vater dieser Gattung, sein Schaffen wurde als idealtypisch gesehen. Noch Hans von Bülow beschreibt Beethovens Sonaten als „Neues Testament der Musik“. In seinen ersten Sonaten ahmte Schubert Beethoven nach, aber im Jahr 1825 sprengte er die bisherigen Traditionen mit der Klaviersonate a-Moll (D 845).

Das Werk ist als Schlüsselelement zu einer neuen Auffassung der Sonatenform zu sehen. Anstelle des beethovschen zielgerichteten harmonischen Ablaufs, trat nun ein harmonisches Ausweichen. Schubert bediente sich der Medianten, dass heißt, er legte der Harmonik nicht mehr Quint-, sondern Terzverwandtschaft zugrunde. So zum Beispiel im Scherzo der a-Moll Sonate. Innerhalb von 18 Takten stellt Schubert 3 Tonarten vor: a-Moll, C-Dur und As-Dur. Eigensinnig erscheint auch die Art und Weise wie Schubert die Modulation gestaltet. Eine hinführende Überleitung in die neue Tonart findet nicht statt. Vielmehr stellt er die neue Tonart mit einer beinahe verschmitzten (man beachte den Titel des Satzes: Scherzo!) Selbstverständlichkeit vor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Digitalisat Notenausgabe: Franz Schubert, Piano Sonata No. 16 (D845), Julius Anlage 1 Epstein (Hrsg.), Leipzig 1888. http://imslp.org/wiki/Piano_Sonata_No.16,_D.845_%28Schubert,_Franz%29

[...]


1 Ansgar Nünning (Hrsg.), Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, 5. Auflage, Stuttgart 2008, S. 76.

2 Vgl. Elisabeth Fiorioli, „Die Wiener Salonkultur als Spiegel der Gesellschaft“, in: Europa im Zeitalter Mozarts, Moritz Csaky, Walter Pass (Hrsg.), Wien 1995, S. 291-294.

3 Vgl. Richard Taruskin, The Nineteenth Century, Oxford 2005 (=The Oxford History of Western Music 3), S.61ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Franz Schuberts Klaviermusik im Spiegelbild der Salonkultur
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V299311
ISBN (eBook)
9783656958253
ISBN (Buch)
9783656958260
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
franz, schuberts, klaviermusik, spiegelbild, salonkultur
Arbeit zitieren
Thomas Hendel (Autor), 2015, Franz Schuberts Klaviermusik im Spiegelbild der Salonkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299311

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