Betrachtet man Zeichnungen der Schubertriaden wie etwa jene von Moritz von Schwind, dann fokussiert sich der Blick zuerst auf den Komponisten Franz Schubert am Flügel, zu dem sich gerne noch ein Sänger gesellt. Die Zuhörer schwelgen in erhabener Andacht und für den Beobachter ergibt sich ein biedermeierliches Bild. Man könnte den Eindruck erlangen, dass Schubert monologisch seine Werke vorträgt. Auf dem ersten Blick erscheint das durchaus legitim, immerhin lautet der Name der Veranstaltung Schubertiade.
Doch Schuberts Freundeskreis sowie die Salonkultur des 19. Jahrhunderts war vielschichtiger. Verfolgt man die Gespräche von jungen Studenten, so merkt man, dass der Komponist Schubert vorrangig mit dem Kunstlied in Verbindung gebracht wird. In meinen Augen ist es aber sehr wichtig sich mit der Klaviermusik in ähnlicher Weise auseinanderzusetzen. Denn Franz Schubert verstand sich selbst immer als Pianist und trat auch nur als solcher in der Öffentlichkeit aktiv auf. Seine Klaviermusik ist geprägt von einer Vielseitigkeit die in direkter Verbindung mit der Salonkultur steht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Wurzeln der Salonkultur
2.2 Klaviersonaten: Schuberts Rolle als Virtuose
2.3 Miniaturen und Zyklen, die Hausmusik
2.4. Tänze, nur Unterhaltung
2.5 Aufschwung des Klaviers im 19. Jahrhundert
3. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das facettenreiche Verhältnis zwischen der Klaviermusik von Franz Schubert und der Salonkultur des 19. Jahrhunderts, um aufzuzeigen, wie Schuberts Schaffen sowohl als künstlerischer Ausdruck als auch als Spiegel gesellschaftlicher Strukturen des Bildungsbürgertums fungierte.
- Historische Herleitung der bürgerlichen Salonkultur und der Rolle des Bildungsbürgertums.
- Analyse von Schuberts Klaviersonaten als Manifestation seiner Rolle als Virtuose.
- Untersuchung der Bedeutung von Miniaturen und Zyklen im Kontext der privaten Hausmusik.
- Betrachtung der Rolle von Tänzen als Unterhaltungsmusik und Ausdruck sozialen Selbstbewusstseins.
- Soziologische Einordnung des Klaviers als Statussymbol und Spiegel gesellschaftlicher Phänomene.
Auszug aus dem Buch
2.2 Klaviersonaten: Schuberts Rolle als Virtuose
Welche Rolle spielten Komponisten wie Franz Schubert in diesem vielseitigen sozialen Mikrokosmos? An bedeutender Stelle stand natürlich die Rolle des Virtuosen, des musikalischen Genies. Der Geniegedanke entstand schon Ende des 18. Jahrhunderts mit dem literarischen Sturm und Drang und verbreitete sich auch schnell in der Musik. Die Gattung, die diesen Sachverhalt im pianistischen Schaffenswerk Schuberts am besten verdeutlicht, ist die Klaviersonate, auch wenn sie nur einen kleinen Teil seiner Arbeit einnimmt. Insgesamt vollendete Schubert 12 Klaviersonaten. Der virtuose Gehalt findet sich im individuellen Stil. Beethoven galt als Vater dieser Gattung, sein Schaffen wurde als idealtypisch gesehen.
Das Werk ist als Schlüsselelement zu einer neuen Auffassung der Sonatenform zu sehen. Anstelle des beethovschen zielgerichteten harmonischen Ablaufs, trat nun ein harmonisches Ausweichen. Schubert bediente sich der Medianten, dass heißt, er legte der Harmonik nicht mehr Quint-, sondern Terzverwandtschaft zugrunde. So zum Beispiel im Scherzo der a-Moll Sonate. Innerhalb von 18 Takten stellt Schubert 3 Tonarten vor: a-Moll, C-Dur und As-Dur. Eigensinnig erscheint auch die Art und Weise wie Schubert die Modulation gestaltet. Eine hinführende Überleitung in die neue Tonart findet nicht statt. Vielmehr stellt er die neue Tonart mit einer beinahe verschmitzten (man beachte den Titel des Satzes: Scherzo!) Selbstverständlichkeit vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, hinterfragt die einseitige Wahrnehmung Schuberts als reinen Liedkomponisten und begründet die Notwendigkeit, sein pianistisches Werk im Kontext der Salonkultur zu betrachten.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte wie die historischen Wurzeln der Salonkultur, die Bedeutung der Klaviersonaten, Miniaturen, Tänze und den allgemeinen Aufstieg des Klaviers als bürgerliches Statussymbol.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Schuberts Werke ein Spiegelbild des Wechselspiels zwischen Künstler und bürgerlichem Amateur darstellen und die marktwirtschaftlichen Prinzipien der damaligen Verlagslandschaft widerspiegeln.
Schlüsselwörter
Franz Schubert, Klaviermusik, Salonkultur, Bildungsbürgertum, Virtuosität, Sonatenform, Hausmusik, Wiener Salon, Musiksoziologie, Klaviersonaten, 19. Jahrhundert, Musikalische Gattungen, Schubertiad, Musikgeschichte, Klavier
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die enge Wechselbeziehung zwischen Franz Schuberts Klaviermusik und der soziokulturellen Praxis des Salons im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklung des Bildungsbürgertums, die Funktion des Klaviers als Statusobjekt, die verschiedenen pianistischen Gattungen Schuberts sowie die soziale Bedeutung von Hausmusik und Tänzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Schuberts Klaviermusik weit mehr ist als reine Kunst und in direktem Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Entwicklung und den Bedürfnissen des Salons steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen musiksoziologischen Ansatz, um durch historische Kontexte und musiktheoretische Analysen (z.B. der Sonatenform) Rückschlüsse auf gesellschaftliche Phänomene zu ziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln der Salonkultur, Schuberts Selbstverständnis als Pianist, die Bedeutung von Miniaturen und Zyklen für Amateure sowie die soziologische Rolle des Klavierbaus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Franz Schubert, Salonkultur, Bildungsbürgertum, Klaviermusik, Virtuosität und soziale Dialogizität.
Wie unterscheidet sich Schuberts Behandlung der Sonatenform von der Beethovens?
Während Beethoven einen zielgerichteten harmonischen Ablauf verfolgte, nutzte Schubert häufiger Medianten und Terzverwandtschaften, um harmonische Ausweichungen ohne klassische Überleitungen zu gestalten.
Warum spielt die Hausmusik eine entscheidende Rolle für Schuberts Erfolg?
Die Hausmusik ermöglichte dem Bürgertum, durch das eigene Musizieren mit den Werken in einen direkten, dialogischen Austausch mit dem Komponisten zu treten, was dessen Popularität festigte.
Welche Rolle spielten die Tänze in Schuberts Gesamtwerk?
Neben der reinen Unterhaltungsfunktion bei Schubertiaden zeigen die Tänze eine volksmusikalische Verwurzelung, die ein spezifisches nationales und bürgerliches Selbstbewusstsein widerspiegelt.
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- Thomas Hendel (Autor), 2015, Franz Schuberts Klaviermusik im Spiegelbild der Salonkultur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299311