Wie kann in einer multinationalen Grenzregion wie Lappland eine regionale Identität entstehen bzw. kann sie überhaupt entstehen?
Welche Bedeutung haben Grenzen bei der Ausbildung einer regionalen Identität und wie gestaltet sich das in Lappland?
Die beiden Fragestellungen bilden den roten Faden der Arbeit, wobei zunächst die Theorie von Räumen, Grenzen und regionaler Identität im Zentrum steht (vgl. Kap. 2). Anschließend wird die Region Lappland im Spannungsfeld vierer Nationalstaaten anhand von Lage, Historie, Gesellschaft, Kultur, Raum und Grenzen untersucht (vgl. Kap. 3). Schließlich erfolgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die dabei hilft, die Forschungsfragen zu beantworten, einen Bezug zu Rheinhessen herzustellen und abschließend die aus der Analyse gewonnenen Erkenntnisse mit der Theorie in Einklang zu bringen (vgl. Kap. 4).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Einordnung des Themas
1.1 Lappland als Beispielregion für Rheinhessen?
1.2 Regionale Identität und Grenzen innerhalb der Kulturanthropologie
1.3 Fragestellungen und Aufbau der Arbeit
2 Räume, Grenzen und regionale Identität
2.1 Raum und Region
2.2 Regionale Identität
2.3 Grenzen und ihre Wirkung auf regionale Identität
3 Die Region Lappland im Spannungsfeld vierer Nationalstaaten
3.1 Lagebeschreibung
3.2 Historische Entwicklung
3.3 Gesellschaftliche und kulturelle Faktoren
3.4 Der geographische Raum und seine politischen Grenzen
4 Fazit und Zusammenfassung
4.1 Gibt es eine lappländische Identität?
4.2 Parallelen und Unterschiede zu Rheinhessen
4.3 Epilog: Beantwortung der Forschungsfragen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion regionaler Identität in der multinationalen Grenzregion Lappland. Ziel ist es, unter Anwendung kulturanthropologischer und humangeographischer Konzepte zu analysieren, wie sich eine regionale Identität trotz nationalstaatlicher Grenzziehungen ausbildet und welche Rolle diese Grenzen dabei spielen, wobei abschließend ein Vergleich zur Region Rheinhessen gezogen wird.
- Bedeutung von Raum, Grenzen und regionaler Identität aus kulturwissenschaftlicher Sicht.
- Die historische und gesellschaftliche Entwicklung Lapplands im Spannungsfeld von vier Nationalstaaten.
- Der Einfluss nationaler Grenzen auf das Leben der indigenen samischen Bevölkerung und anderer Ethnien.
- Wechselseitigkeit zwischen regionaler Identität und der (Re-)Produktion von Grenzen.
- Kontextualisierung der Erkenntnisse durch einen Vergleich mit der Region Rheinhessen.
Auszug aus dem Buch
2.3 Grenzen und ihre Wirkung auf regionale Identität
Grenzen bilden die zentrale Analysekategorie der sogenannten Border Studies, an denen mehrere wissenschaftliche Disziplinen beteiligt sind: neben den beiden Leitdisziplinen Humangeographie (im Speziellen die Politische Geographie) und Politikwissenschaft (im Speziellen die Geopolitik), auch die Kulturanthropologie und andere Kultur- und Sozialwissenschaften (PAASI 2013a: 4; PAASI 2013b: 1). Border Studies gehen über Grenzen, die auf Karten eingezeichnet sind, hinaus, selbst die Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen werden thematisiert (PAASI 2013b: 8). Aufschwung hat die interdisziplinäre Forschungsrichtung durch ähnliche Ereignisse erhalten, wie die die zum Spatial Turn geführt haben (vgl. Kap. 1.2), namentlich Schlüsselereignisse wie das Ende des Kalten Krieges und 9/11 sowie die längerfristigen Prozesse der Globalisierung und Europäischen Integration (PAASI 2013b: 1f., 17).
Grenzen und Identitäten sind „zwei Seiten derselben Medaille“ [übersetzt] (PAASI 2000: 8: 2f.), wie ein aus der Psychologie bekanntes menschliches Grundbedürfnis beweist: Territorialität, also die Beanspruchung von Raum (PAASI 2013b: 6). Politische bzw. administrative Grenzen – zwischen Staaten oder Regionen – sind in dieser Hinsicht zu deuten als ein räumlicher Ausdruck des Wunsches nach Ein- und Ausgrenzung, in dem das vor und hinter der Grenze – ähnlich wie beim Identitätsdiskurs – mit Begriffsgegenpaaren wie „inside/outside“, „here/there“, „domestic/foreign“, „good/bad“, „friends/enemies“, „we/the Other“ belegt wird (PAASI 2013a: 4; PAASI 2013b: 7, 12, 19; BÜRKNER 2011: 39; PAASI 2002: 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Einordnung des Themas: Das Kapitel führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der Region Lappland als Fallbeispiel und legt die interdisziplinäre methodische Ausrichtung sowie die zentralen Forschungsfragen fest.
2 Räume, Grenzen und regionale Identität: Hier werden die theoretischen Grundlagen diskutiert, wobei der Fokus auf konstruktivistischen Raumkonzepten und der Bedeutung von Grenzen für Identitätsprozesse liegt.
3 Die Region Lappland im Spannungsfeld vierer Nationalstaaten: Dieses Kapitel analysiert Lappland anhand seiner Lage, Historie, gesellschaftlichen Faktoren und der politischen Grenzen, um die Entwicklung der Region nachvollziehbar zu machen.
4 Fazit und Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, mit Rheinhessen kontextualisiert und die Forschungsfragen werden unter Rückgriff auf die theoretischen Ausführungen beantwortet.
Schlüsselwörter
Regionale Identität, Lappland, Kulturanthropologie, Humangeographie, Grenzregion, Border Studies, Spatial Turn, Indigene Bevölkerung, Samen, Rheinhessen, Identitätsbildung, Raumkonzept, Nation, Territorialität, Akkulturation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie in einer multinationalen Grenzregion wie Lappland trotz nationalstaatlicher Grenzen eine regionale Identität entsteht und gefestigt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Auseinandersetzung mit Raum- und Identitätsbegriffen sowie die Analyse historischer, kultureller und politischer Prozesse in Lappland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Entstehung und Bedeutung regionaler Identität in Lappland zu erforschen und diese Erkenntnisse in Bezug zur Region Rheinhessen zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine interdisziplinäre Herangehensweise gewählt, die kulturanthropologische Ansätze mit humangeographischen Konzepten (insbesondere Border Studies) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse Lapplands bezüglich seiner Lage, Historie, kulturellen Besonderheiten der dort lebenden Ethnien sowie der Wirkung politischer Grenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind regionale Identität, Border Studies, Indigenität, Konstruktivismus und kulturelle Dynamik.
Welche Rolle spielen die Grenzen in Lappland für die Identität der Bewohner?
Grenzen beeinflussen das Leben, stellen aber kein Hindernis für die Ausbildung einer regionalen Identität dar, da vielfältige grenzüberschreitende Interaktionen und ein gemeinsames Wir-Gefühl existieren.
Wie unterscheidet sich Lappland in der Untersuchung von Rheinhessen?
Während Lappland als multinationale Grenzregion analysiert wird, dient Rheinhessen als Vergleichsregion, wobei beide Regionen trotz unterschiedlicher Abgrenzung ähnlichen Prozessen der Identitätsproduktion unterworfen sind.
- Citation du texte
- S. Beier (Auteur), 2015, Regionale Identität durch nationale Grenzen. Die multinationale Region Lappland im Vergleich zur Region Rheinhessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299530