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(An)Schreiben gegen das Vergessen. Literarische Geschichtsschreibung und ihr Beitrag zur Geschichtserinnerung am Beispiel von Uwe Timms "Morenga"

Title: (An)Schreiben gegen das Vergessen. Literarische Geschichtsschreibung und ihr Beitrag zur Geschichtserinnerung am Beispiel von Uwe Timms "Morenga"

Seminar Paper , 2015 , 25 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Andrea Hahnfeld (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In Timms Morenga wird die Aufarbeitung eines geschichtlichen Ereignisses angestrengt, für das die Deutsche Bundesregierung bis heute keine Verantwortung übernimmt: den Krieg gegen und den Genozid an den Herero und Nama.

In dieser Arbeit wird im theoretischen Teil (Kapitel 2) kurz dargestellt, wie Geschichte, Gedächtnis und Identität ineinandergreifen und inwiefern literarische Geschichtsschreibung auf Erinnerungsprozesse Einfluss nehmen kann. In der Textanalyse (Kapitel 3) wird am Beispiel des Romans Morenga beleuchtet, wie genau Uwe Timm Geschichtsschreibung und -erinnerung hinterfragt und auf diese Weise Erinnerungssprozesse anstößt, die zu einer Neubewertung von individueller, kommunikativer und letztlich kultureller Geschichtserinnerung führt. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasst.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte, Gedächtnis und Identität

2.1 Literarische vs. historische Geschichtsschreibung

2.2 Literarische vs. historische Wahrheit

3 Uwe Timm Morenga

3.1 Die drei Funktionen der Geschichtsschreibung

3.1.1 Morenga als kritisch-aufklärender Text

3.1.2 Morenga als moralisch-erinnernder Text

3.1.3 Morenga als heroisch-erinnernder Text

3.2 Dokumente – der Stoff aus dem Geschichte gemacht wird

3.2.1 Juxtaposition faktischer Dokumente in Zwei Positionen

3.2.2 Juxtaposition fiktiver und faktischer Dokumente in Tanzen

4 Zusammenfassung

5 Quellenverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, wie Uwe Timms Roman "Morenga" durch literarische Geschichtsschreibung kollektive Verdrängungsprozesse in Bezug auf den Genozid an den Herero und Nama aufbricht und zur Neubewertung kultureller Erinnerung anregt.

  • Die Verknüpfung von Geschichte, Gedächtnis und kollektiver Identität
  • Die Abgrenzung und Wechselwirkung zwischen historischer und literarischer Geschichtsschreibung
  • Analyse der drei Funktionen der Geschichtsschreibung am Beispiel des Romans "Morenga"
  • Die Dekonstruktion offizieller Geschichtsdarstellungen durch die Montage faktischer und fiktiver Dokumente

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Morenga als kritisch-aufklärender Text

In kritisch aufklärender Weise schildert Timm in Morenga die Ereignisse in Deutsch-Südwestafrika zwischen 1904 und 1908. Er schreibt damit nicht nur gegen das Vergessen an, er korrigiert auch bestehende Geschichtserinnerungen, die im Entstehungszeitraum des Romans nicht zuletzt durch Erzählungen „von Durstmärschen und Wüstenritten in Südwest“ (Timm, 1979: Umschlagseite) sowie in kolonialen (Jugend-)Büchern noch stets kolportiert wurden. In Morenga informiert Timm nicht nur über die historischen Fakten, er übt vor allem deutliche Kritik an den damaligen Geschehnissen. Wenn er Tresckow sagen lässt „er habe sich das alles anders vorgestellt, den Krieg hier unten. Er dachte, man verteidige das Vaterland, aber genaugenommen seien es die Hottentotten, die ihr Vaterland verteidigten“ (273), wirft Timm auf den Mythos der Rechtmäßigkeit des Krieges in Deutsch-Südwestafrika – wie sie unter anderem von populären Jugendbüchern wie Gustav Frenssens Peter Moors Fahrt nach Südwest (1907: 6) – ein neues Licht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die mangelnde Aufarbeitung des Genozids an den Herero und Nama durch die Bundesregierung und stellt die Forschungsfrage nach den Möglichkeiten literarischer Geschichtsschreibung zur Korrektur kollektiven Vergessens.

2 Geschichte, Gedächtnis und Identität: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Verschränkung von Geschichte, Gedächtnis und Identität und setzt sich kritisch mit den Definitionen von historischer versus literarischer Geschichtsschreibung auseinander.

3 Uwe Timm Morenga: Das Hauptkapitel analysiert, wie Timm durch drei Funktionen der Geschichtsschreibung sowie die gezielte Montage fiktiver und faktischer Dokumente bestehende Mythen dekonstruiert und das Bewusstsein für die koloniale Vergangenheit schärft.

4 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Timm mit seinem Roman einen wesentlichen Beitrag zur kritischen Erinnerungskultur leistet, indem er den Leser auffordert, vermeintlich gesicherte historische Deutungen aktiv zu hinterfragen.

5 Quellenverzeichnis: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen chronologisch und systematisch aufgeführt.

Schlüsselwörter

Uwe Timm, Morenga, Geschichtsschreibung, Kolonialgeschichte, Genozid, Herero, Nama, Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis, Identität, Literaturanalyse, Fiktion, Faktum, Montage, Aufarbeitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Uwe Timms Roman "Morenga" unter dem Aspekt, wie Literatur als Medium zur Aufarbeitung verdrängter kolonialer Geschichte und zur kritischen Reflexion nationaler Identität dienen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das kollektive Gedächtnis, die Problematik der Geschichtsschreibung, der deutsche Kolonialismus in Namibia sowie das Spannungsfeld zwischen Faktum und Fiktion.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Timm durch literarische Verfahren das offizielle, oft lückenhafte historische Bild des Genozids an den Herero und Nama hinterfragt und neue Erinnerungsprozesse anstößt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine textanalytische Untersuchung durchgeführt, die literaturwissenschaftliche Theorien zum kollektiven Gedächtnis (insbesondere nach Aleida Assmann) mit einer Analyse der Montagetechnik im Roman verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der drei Funktionen der Geschichtsschreibung (kritisch-aufklärend, moralisch-erinnernd, heroisch-erinnernd) sowie eine Untersuchung des Umgangs mit historischen und fiktiven Dokumenten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselwörter sind literarische Geschichtsschreibung, Erinnerungskultur, Identitätsbildung, Dekonstruktion von Mythen und der Genozid an den Herero und Nama.

Wie unterscheidet Timm laut dieser Arbeit zwischen historischen und fiktiven Dokumenten?

Timm montiert beide Arten von Dokumenten so, dass die Grenzen zwischen Faktum und Fiktion verschwimmen. Dadurch entlarvt er die historische Geschichtsschreibung insgesamt als eine Konstruktion, die untrennbar mit den Interessen der Erzählenden verbunden ist.

Warum spielt der Begriff der "Unmenschlichkeit" eine so zentrale Rolle für die Argumentation des Autors?

Der Autor argumentiert, dass eine Auseinandersetzung mit der eigenen Unmenschlichkeit während des Genozids notwendig ist, um zu verhindern, dass sich solche Verbrechen wiederholen und um eine stabile, reflektierte Identität zu bilden.

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Details

Title
(An)Schreiben gegen das Vergessen. Literarische Geschichtsschreibung und ihr Beitrag zur Geschichtserinnerung am Beispiel von Uwe Timms "Morenga"
College
Stellenbosch Universitiy
Course
Afrika in der deutschsprachigen Literatur
Grade
1,2
Author
Andrea Hahnfeld (Author)
Publication Year
2015
Pages
25
Catalog Number
V300012
ISBN (eBook)
9783656964179
ISBN (Book)
9783656964186
Language
German
Tags
Morenga Uwe Timm Afrikabilder Erinnerungspolitik Gedächtnis Geschichtsschreibung Literarische Histographie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Hahnfeld (Author), 2015, (An)Schreiben gegen das Vergessen. Literarische Geschichtsschreibung und ihr Beitrag zur Geschichtserinnerung am Beispiel von Uwe Timms "Morenga", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300012
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