Prokrastination. Interventionsmaßnahmen bei Störungen der Selbststeuerung


Hausarbeit, 2014
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Was ist Prokrastination?

3. Interventionsmaßnahmen
3.1. Verwendete Messinstrumente
3.2. Pünktliches Beginnen und realistisches Planen
3.2.1. Methode
3.2.2. Ergebnis
3.2.3. Kritik
3.3. Arbeitszeitrestriktion
3.3.1. Methode
3.3.2. Ergebnis
3.3.3. Kritik

4. Diskussion

Literatur

Anhang

Zusammenfassung

Prokrastination ist eine Störung der Selbststeuerung. Diese führt bei einigen Betroffenen zu starken psychischen Einschränkungen und Leiden wie zum Beispiel - im schlimmsten Fall einer Depression. Es gibt jedoch verschiedene Interventionsmaßnahmen, die Betroffenen dabei helfen können besser mit der Störung umzugehen. Beispielweise gibt es ein Training, das den Teilnehmern in zwei Modulen dabei hilft, realistischer zu planen und pünktlicher zu beginnen. Die Wirksamkeit dieses Trainings ist empirisch belegt, jedoch ist der Effekt für die Variable der Pünktlichkeit nicht signifikant. Ein weiteres Training, das den Teilnehmern die Methode der Arbeitszeitrestriktion näher bringen soll, erzielt insbesondere für den Faktor Pünktlichkeit einen sehr starken und signifikanten Effekt. Erstere Maßnahme bietet sich insbesondere für Betroffene an, die kurz vor einer wichtigen Arbeit oder Tätigkeit stehen, während die zweite Variante eher als Trainingsinstrument für den generellen Umgang mit Prokrastination zu verstehen ist, da die Umsetzung der Methodik nur innerhalb eines großen Zeitraums (> 5 Wochen) realisierbar ist. Da beide Maßnahmen relativ wenig Zeit beanspruchen, ist die Einbettung beider Maßnahmen in ein breiteres Trainingsgerüst oder auch eine Kombination einzelner Elemente beider Trainings denkbar.

1. Einleitung

„Morgen fange ich an!“ - das ist ein Satz, den sich vermutlich jeder schon einmal gesagt hat. Dinge aufzuschieben ist bis zu einem gewissen Maße normal („Beispielsweise wird der Einkauf, den sonst die Eltern erledigen, vorgezogen. Darüber hinaus lasse ich mich viel leichter durch kleinste Reize in meiner Umgebung ablenken. YouTube-Videos sind plötzlich übermäßig interessant, selbst wenn mich das Thema kaum interessiert.“, von Nitzsch, 20141 ). Es kann aber auch zur Belastung werden („Je näher der Tag der Abgabe rückt, desto schlechter wird die Laune und desto stärker lastet der mentale Druck.“, von Nitzsch, 2014). Beispielsweise fangen viele Studierende zu spät an für eine Prüfung zu lernen oder schreiben sogar in der Nacht vor der Abgabe eine wichtige Hausarbeit. Darunter leidet meistens nicht nur die Qualität der durchgeführten Tätigkeit sondern auch die seelische Verfassung des Betroffenen („[…] Ablenkungen sind nun nicht mehr eine Belohnung oder eine Ausrede, sie sind eine Notwendigkeit um nicht in Panik zu verfallen. Aufgrund der chaotischen Situation und dem Stress fühle ich mich mental paralysiert. […] Die Phasen der bewussten schlechten Laune werden länger und die Nächte aufgrund von Schlaflosigkeit kürzer. Reizbarkeit und Anspannung steigen merklich.“, von Nitzsch, 2014).

Das Ziel der Arbeit liegt darin, die Störung „Prokrastination“ genau zu beschreiben und ein Urteil über die Effektivität der thematisierten Interventionsmaßnahmen zu treffen. Im zweiten Kapitel der Arbeit wird hierzu zunächst ein Überblick über aktuelle Erkenntnisse zum Thema „Prokrastination“ geliefert. In diesem Zusammenhang wird auch ein Bezug zu dem Rubikon-Modell von Heckhausen und Heckhausen (2006) hergestellt. Im dritten Kapitel werden zwei Interventionsmaßnahmen vorgestellt, die beide von vier Forschern der Universität Münster (Höcker, Engberding, Haferkamp & Rist, 2008, 2009, 2012) entwickelt und empirisch überprüft wurden. Zur besseren Verständlichkeit wird hierzu eingangs eine Zusammenfassung der wichtigsten Messinstrumente vorgestellt. Beide Studien werden sowohl methodisch als auch empirisch erläutert und kritisiert. In der abschließenden Diskussion im vierten Kapitel wird die Quintessenz der Ergebnisse der Studien dargestellt und eine mögliche Kombination der beiden Maßnahmen thematisiert und kritisch hinterfragt.

2. Was ist Prokrastination?

Prokrastination leitet sich aus dem lateinischen Wort procrastinare („auf den morgigen Tag verlegen") ab und bezeichnet eine verbreitete klinisch bedeutsame Störung der Selbststeuerung. Diese Störung geht mit dem Aufschieben von notwendigen oder von den Betroffenen als wichtig erachteten Aufgaben und einer unverhältnismäßigen gedanklichen Beschäftigung mit der aufgeschobenen Tätigkeit einher. Obwohl Zeit dafür zur Verfügung gestanden hätte, wird diese Tätigkeit entweder erst gar nicht angefangen oder es wird nicht zielgerichtet an der Aufgabe weitergearbeitet (Fydrich, 2009). Es spielen also sowohl motivationale als auch volitionale Determinanten bei der Störung „Prokrastination“ eine Rolle. Das Rubikon-Modell (Heckhausen & Heckhausen, 2006) geht davon aus, dass eine Handlung aus den drei Elementen Intentionsbildung, Intentionsinitiierung und Intentionsdeaktivierung (vgl. Abbildung 1) besteht. Mit den ersten beiden Faktoren des Modells haben Personen, die eine Prokrastinationsstörung aufweisen, große Schwierigkeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersichtsmodell der Motivation mit Integration des Rubikon-Modells (Quelle: Heckhausen & Heckhausen, 2006)

Die Aufschiebung der als unangenehm oder selbstwertbedrohlich antizipierten Aufgaben reduziert kurzfristig das erlebte Unbehagen und wirkt so negativ verstärkend (Höcker, Engberding, Haferkamp & Rist, 2012).

Statt der zu erledigenden Aufgaben werden Ersatztätigkeiten durchgeführt, die häufig einfacher sind oder weniger Zeit in Anspruch nehmen. Prokrastination wird zum Problem, wenn durch das Aufschieben das psychische Wohlbefinden nachhaltig beeinträchtigt wird. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die betroffene Person auch Angst und Anspannung während der Ersatztätigkeiten verspürt und unter der geringen Fähigkeit zur Selbststeuerung leidet. Prokrastination ist auch ein Risikofaktor für Depressivität. Neben den psychischen Folgen gehen mit Prokrastination häufig auch berufliche oder weitere persönliche Konsequenzen (Krankheit, Stress, schlechte Leistungen,...) einher (Höcker, Engberding, Haferkamp & Rist, 2009).

3. Interventionsmaßnahmen

Die Arbeitsgruppe Höcker, Engberding, Haferkamp und Rist (2009, 2008, 2012) hat in mehreren Arbeiten zwei effektive Interventionsmaßnahmen zur Prokrastinationsbehandlung erläutert. Diese werden in diesem Kapitel vorgestellt. In Kapitel 3.1 werden vorweg die verschiedenen Messinstrumente vorgestellt, die für beide Studien relevant sind.

3.1. Messinstrumente

Die Messung erfolgt im Wesentlichen mithilfe eines Lern- und Arbeitstagebuchs sowie anhand von vier Fragebogen. Diese werden im Folgenden kurz vorgestellt. Bei dem ersten Instrument handelt es sich um die „Atiken Procrastination Scale" (APS), welches die selbstberichtete Trait-Prokrastination der Betroffenen untersuchen soll (Höcker et al., 2012). Das aus dem englischsprachigen Raum stammende Instrument wurde von Atiken (1982, zit. nach Helmke & Schrader, 2000) entwickelt und von den Autoren Helmke und Schrader (2000) ins Deutsche übersetzt (Höcker, Engberding, Haferkamp & Rist, 2008). Die Skala umfasst 19 Items mit jeweils fünf Antwortmöglichkeiten, die in drei Gruppen („Zentrale Trait-Prokrastination", „Mangelnde Vorausschau", „Unpünktlichkeit") eingeteilt werden können (Höcker et al., 2012). Die Autoren der beiden Studien konzentrieren sich in ihren Untersuchungen jedoch nur auf den Mittelwert des Faktors „Zentrale Trait- Prokrastination", da dieser die Trait-Prokrastination der Teilnehmer am besten abbildet (Höcker et al., 2008).

Das zweite Messinstrument wurde ebenfalls von Helmke und Schrader (2000) aus dem Englischen (Patzelt & Opitz, 2005, zit. nach Höcker et al., 2008) ins Deutsche übersetzt und dient der Erfassung der State-Prokrastination der Teilnehmer (Höcker et al., 2008). Das „Academic Procrastination State Inventory" (APSI) besteht aus 23 Items, die mit jeweils 5 Antwortmöglichkeiten die Häufigkeiten von Verhaltensweisen und Gedanken überprüfen, die mit dem Thema Prokrastination in Verbindung gebracht werden können (Höcker et al., 2008). Wie auch das APS können die Items drei Dimensionen zugeordnet werden („StateProkrastination im engeren Sinne", „Angst und Unsicherheit", „Abneigung") (Höcker et al., 2012). Die Untersuchung fokussiert jedoch auch hier nur die erste Dimension („StateProkrastination im engeren Sinne" als eigentliches Zielkriterium (Höcker et al., 2012).

Wild und Schiefele (1994, zit. nach Höcker et al., 2008) haben das dritte Messinstrument „Skalen des Inventars zur Erfassung von Lernstrategien im Studium" (LIST) entwickelt, welches auf drei Skalen erfasst, inwieweit kognitive, metakognitive und ressourcenbezogene Lernstrategien angewendet werden. Diese drei Skalen können in weitere Unterskalen aufgeteilt werden (Höcker et al., 2008). Relevant für die in Kapitel 3.2 und 3.3 thematisierten Studien sind jedoch nur die Subskalen „Planung" (z.B. Wahl des Lernstoffes), „Lernumgebung" (z.B. Möglichkeit konzentrierten Arbeitens) und „Zeitmanagement" (z.B. Häufigkeit der Anwendung der Strategien). Die Lernumgebung ist hierbei nur für die zweite Studie relevant, die die Wirksamkeit der Methode der Arbeitszeitrestriktion untersucht (Höcker et al., 2012).

Ein weiteres wichtiges Instrument (relevant für die Studie aus Kapitel 3.2) ist das LMI („Skalen des Leistungsmotivationsinventars"), welches von Schuler und Prochaska (2001, zit. nach Höcker et al., 2008) entwickelt wurde. Dieses ermöglicht die Erfassung weiterer, für die Studien relevanter, Skalen. Dabei handelt es sich um die mithilfe von jeweils zehn Items mit sieben Antwortmöglichkeiten erfassten Dimensionen „Beharrlichkeit", „Leistungsstolz", „Schwierigkeitspräferenz" und „Selbstkontrolle" (Höcker et al., 2008).

Das bereits angesprochene Lern- und Arbeitstagebuch dient der Protokollierung und Erfassung problemrelevanter Variablen wie zum Beispiel der Pünktlichkeit, der Häufigkeit von Unterbrechungen und der Planung oder Durchführung der Arbeitseinheiten (Höcker et al., 2008). Die Protokollierung beginnt bei beiden Studien bereits eine Woche vor der Intervention, damit die Baseline gemessen werden kann, und wird parallel während des Zeitraums der Intervention von den Betroffenen weitergeführt (Höcker et al., 2012).

[...]


1 Bei diesem, und den folgenden Zitaten in diesem Kapitel, handelt es sich um Erfahrungsberichte, die aus dem Interview im Anhang entnommen wurden. Sie basieren auf keiner empirischen Grundlage.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Prokrastination. Interventionsmaßnahmen bei Störungen der Selbststeuerung
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Pädagogische Psychologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V300127
ISBN (eBook)
9783656964070
ISBN (Buch)
9783656964087
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Pädagogische Psychologie, Pädagogik, Prokrastination, Pünktliches Beginnen, Realistisches Planen, Arbeitszeitrestriktion
Arbeit zitieren
Jannis von Nitzsch (Autor), 2014, Prokrastination. Interventionsmaßnahmen bei Störungen der Selbststeuerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300127

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