„Der Kredit ist das Blut der Wirtschaft; die Kontrolle über den Kredit ist die Kontrolle über die gesamte Gesellschaft.“ (Upton, Sinclair).
Dieses Zitat verdeutlicht bereits die substantielle Rolle des Kreditsektors in der Wirtschaft und veranschaulicht, wie elementar dessen Kontrolle ist.
Der Bankensektor zählt zu den am stärksten regulierten Wirtschaftssektoren in der Bundesrepublik Deutschland. Der Staat greift hier nicht nur durch seine Wett-bewerbspolitik, sondern auch noch durch besondere Massnahmen der Banken-aufsicht ein. In einigen Ländern befindet sich ein Grossteil der Kreditinstitute in staatlichen Händen. Fokus meiner Untersuchung soll die Notwendigkeit einer staatlichen Aufsichtsbehörde für den Kredit- und Finanzdienstleistungssektor sein.
Staatliche Ordnungspolitik und die Kreditwirtschaft
Staatliche Ordnungspolitik umfasst gemäss TUCHTFELDT alle rechtlich-organisatorischen Normen, die langfristige Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsprozess eines Landes schaffen und somit die strukturellen Relationen dieser Volkswirtschaft festlegen. Hierzu zählen allen voran die Regelungen des Bankenaufsichtsrechts. Sie greifen als langfristig angelegte Ordnungsstrukturen in die Geschäftstätigkeit der Kreditinstitute und der Finanzdienstleistungen ein und bestimmen in diesem Rahmen die Zulässigkeit, den Umfang und die Folgen des betrieblichen Handelns dieser Institute.
Über die Berechtigung einer staatlichen Einflussnahme trotz marktwirtschaftlichen Wettbewerbsprinzips besteht offensichtlich ein allgemeiner Konsens. Ferner wird es als selbstverständlich betrachtet, das Abwickeln von Bankgeschäften gewerberechtlichen Sonderbestimmungen zu unterwerfen und von speziellen staatlichen Institutionen überwachen zu lassen. In der Bundesrepublik Deutschland unterliegen Banken einer besonderen Fachaufsicht durch den Staat, die in ihrem Umfang über die Gewerbeaufsicht anderer Wirtschaftszweige weit hinausgeht.
Angesichts der banktypischen Risiken scheint eine staatliche Bankenaufsicht gerechtfertigt zu sein. Die Kreditvergabe zum Beispiel impliziert für die Bank das Risiko, dass der Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht fristgerecht nachkommt. Ferner gibt es neben dem Ausfallrisiko eine Reihe weiterer Risiken, wie zum Beispiel das[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.) Rolle der Banken in der Volkswirtschaft
2.) Die Notwendigkeit einer staatlichen Bankenaufsicht
2.1) Gläubigerschutz
2.1.1) Geringe wirtschaftliche Schwäche
2.1.2) Geringe Verhandlungsmacht
2.1.3) Informationsasymmetrie
2.1.4) Geringe Eigenkapitalreserve
2.2) Funktionenschutz
2.2.1) Bank Run-Argument
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomische und ordnungspolitische Begründung für die Existenz einer staatlichen Bankenaufsicht in der Bundesrepublik Deutschland, um die Stabilität des Finanzsektors zu gewährleisten.
- Rolle der Banken als Finanzintermediäre in der Volkswirtschaft
- Notwendigkeit des Schutzes von Bankgläubigern und Einlegern
- Asymmetrische Informationsverteilung zwischen Banken und Kunden
- Funktionsschutz des Kreditwesens zur Vermeidung von Systemrisiken
- Zusammenhang zwischen Eigenkapitalausstattung und Risikotragfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1.3) Informationsasymmetrie
Die Informationsasymmetrie zwischen einer Bank und ihren Einlegern ist sehr hoch. So lässt sich die Bonität einer Bank durch einen Einleger kaum tiefgehend überprüfen, da ihm die notwendigen Kenntnisse und die Kompetenzen fehlen. Ferner ist sein Einlagenbetrag zu gering, als dass sich eine kostenaufwendige Über-prüfung lohnen würde und seine Verhandlungsmacht zu gering, um genügend Kon-trollrechte durchzusetzen. Aufgrund dessen verzichtet ein Bankeinleger weitgehend darauf, seine Bank eingehend zu überprüfen und überlässt ihr seine Einlagen auf einer Vertrauensbasis (Mikroökonomie der Bank, Neuberger, 1998, S. 177).
So konstatiert auch die DEUTSCHE BUNDESBANK, „dass die breite Masse der Einleger zu einer sachgerechten Einschätzung der Bonität einzelner Kreditinstitute nicht in der Lage ist“. Im Falle einer Insolvenz der Bank, treffen die Konsequenzen eine Gruppe von Wirtschaftssubjekten. So besteht ein allgemeiner Konsens, dass gerade diese fehlenden Möglichkeiten zur Ausführung protektionistischer Selbst massnahmen zur Vermögenssicherung die Schutzwürdigkeit des Grossteils der Bankgläubiger rechtfertigen.
Nun stellt sich die Frage, ob auch eine Schutzbedürftigkeit, die letztlich den Einsatz staatlicher Regulierungsmassnahmen begründet, gegeben ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Das Kapitel führt in die Bedeutung des Kreditsektors ein und begründet die staatliche Notwendigkeit zur Regulierung aufgrund der besonderen wirtschaftlichen Rolle von Banken.
1.) Rolle der Banken in der Volkswirtschaft: Es werden die zentralen Funktionen von Banken als Kapitalsammelstellen, Kreditversorger und Akteure im Zahlungsverkehr erläutert, die deren systemrelevante Bedeutung unterstreichen.
2.) Die Notwendigkeit einer staatlichen Bankenaufsicht: Dieses Kapitel erörtert das Marktversagen im Bankensektor und die daraus resultierende Notwendigkeit staatlicher Eingriffe aus Gründen des Gemeinwohls.
2.1) Gläubigerschutz: Hier wird detailliert begründet, warum Bankeinleger aufgrund mangelnder Information, geringer Verhandlungsmacht und begrenztem Eigenkapital der Banken eines besonderen Schutzes bedürfen.
2.2) Funktionenschutz: Dieser Abschnitt behandelt die systemischen Gefahren bei Bankenkrisen, insbesondere den Dominoeffekt bei Vertrauensverlust und Bankruns.
Schlüsselwörter
Bankenaufsicht, Kreditwesengesetz, Gläubigerschutz, Bank Run, Systemrisiko, Informationsasymmetrie, Eigenkapital, Finanzstabilität, Ordnungspolitik, Marktversagen, Bankenkrise, Risikotragfähigkeit, Finanzintermediation, Banken, Wirtschaftssicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen und praktischen Gründe für die staatliche Überwachung des Bankensektors, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten zählen der Gläubigerschutz, die Funktionsfähigkeit der Volkswirtschaft und die Vermeidung systemischer Risiken im Kreditwesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Notwendigkeit einer staatlichen Aufsichtsbehörde als Reaktion auf spezifische Risiken des Bankgeschäfts wissenschaftlich zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von ordnungspolitischen Grundlagen und bankbetriebswirtschaftlichen Prinzipien unter Einbeziehung relevanter Gesetzeswerke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Rolle der Banken in der Wirtschaft sowie die spezifischen Argumente für die Bankenaufsicht, unterteilt in Gläubiger- und Funktionenschutz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bankenaufsicht, Systemrisiko, Informationsasymmetrie, Eigenkapital und Gläubigerschutz.
Warum ist das "Bank Run-Argument" für die Aufsicht so wichtig?
Es verdeutlicht das Systemrisiko: Ein einzelnes Ereignis kann durch Vertrauensverlust eine Kettenreaktion auslösen, die die gesamte Wirtschaft destabilisiert.
Wie unterscheidet sich die Eigenkapitalausstattung von Banken von anderen Sektoren?
Banken verfügen im Vergleich zu Unternehmen des nichtfinanziellen Sektors über eine deutlich geringere Eigenkapitalquote, was sie anfälliger für Verluste macht.
- Quote paper
- Rukiye Hamza (Author), 2000, Warum benötigt das Bankensystem eine Bankenaufsicht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300178